KJUG-231

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231. Kapitel - Des Cyrenius Dankbarkeit, Geschenk und Abschiedsworte. - Cyrenius verweilt noch einen Tag

231,1. Nach dieser kindlichen Szene aber ward auch das Morgenmahl beendet.

231,2. Und als Joseph das Dankgebet beendet hatte, da trat alsbald der Cyrenius zum Joseph hin und sprach:

231,3. „Mein geliebtester Freund! Deine Verdienste um mich, wie selbst um meinen Bruder Julius Augustus Quirinus Caesar in Rom sind von so entschiedener Art, dass ich sie dir nie werde lohnend entgelten können.

231,4. Aber dich ganz unbelohnt zu lassen – siehe, das ist mir allerreinst unmöglich!

231,5. Ich weiss aber, dass du von mir keine königliche Belohnung annimmst;

231,6. darum habe ich mich also bedacht: Du hast in diesem Jahre, wie es sich zeigt, eine magere Getreideernte zu hoffen;

231,7. und dennoch ist dein Haus ziemlich stark bevölkert.

231,8. Neun Personen gehören ohnehin mir an, und ihr seid euer auch acht Köpfe; also in allem siebzehn Köpfe.

231,9. Und es sagt mir nun mein Geist, dass deine Mehltruhen leer sind und also auch deine Speisekammer,

231,10. dass es dir auch schon mit dem Futter für deine Kühe, Ziegen und Esel schlecht geht. –

231,11. Siehe, das alles weiss ich sehr genau, wie auch, dass ihr fast nichts mehr anzuziehen habt.

231,12. Daher – du mein geliebtester Bruder, musst du wenigstens soviel von mir annehmen, als dir vorderhand not tut.

231,13. Ich weiss zwar wohl, dass es im höchsten Grade lächerlich ist, so ein Erdmensch sich vornähme, den Herrn der Unendlichkeit zu unterstützen, dem es ein leichtes ist, mit einem Worte Myriaden Welten zu erschaffen.

231,14. Ich weiss aber auch nun, dass ebendieser heilige Herr der Ewigkeit nicht stets Wunder wirken will wider Seine ewige Wunderordnung, weil damit immer ein Gericht für uns geschaffene Wesen verbunden ist.

231,15. Aus dem Grunde musst du von mir diesmal wenigstens soviel annehmen, als es dir not tut,

231,16. und wirst mich diesmal nicht, wie sonst gewöhnlich, abweisen!“

231,17. Und der Joseph sprach: „Ja – Bruder! – diesmal möchtest du fast recht haben!

231,18. Aber – zuvor ich von dir doch etwas annehme, muss ich doch den Herrn fragen.“

231,19. Hier kam das Kindlein, das Sich schon beim Jakob befand, schnell herbei und sagte zum Joseph:

231,20. „Joseph, nehme nur an, was dir der Cyrenius geben will, damit du das Haus dann mit Esswaren versehen magst!“

231,21. Darauf willigte Joseph in den Antrag des Cyrenius.

231,22. Und dieser übergab dem Joseph sogleich eine Summe von tausend Pfunden Silbers und siebzig Pfunden Goldes.

231,23. Joseph dankte darum dem Cyrenius und nahm die schwere Summe an.

231,24. Cyrenius aber war darob überheiter und sagte: „Bruder! – Nun ist mein Herz um tausend Zentner leichter! Aber heute ziehe ich noch nicht von hier, sondern morgen; denn meine zu grosse Liebe lässt mich nicht von hier!“ – Und Joseph freute sich darob sehr.

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