KJUG-217

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217. Kapitel - Warum das Mittelländische Meer mit Recht als ,Mittelmeer` bezeichnet werden kann. ,,... denn die wahre Mitte ist da, wo der Herr ist!"

217,1. Als sich aber alle an den kalten Fischen gesättigt hatten, da erhoben sie sich, dankten dem Joseph für dieses gute Mahl und begaben sich dann ins Freie; denn die Sonne war noch nicht völlig untergegangen.

217,2. Als die meisten Gäste aus dem Gefolge des Cyrenius draussen waren, da sprach das Kindlein zu ihm:

217,3. „Cyrenius! – erinnerst du dich nicht mehr, was du Mich draussen an der Brandstätte gefragt hast, da Ich die Fische des Mittelmeeres angelobt habe, wie sie gut und köstlich sind?“

217,4. Der Cyrenius dachte hier ein wenig nach, fand aber seine Frage nicht wieder in seiner Erinnerung.

217,5. Er sprach darum zum Kindlein: „O Du mein Herr, Du mein Leben! – vergebe mir, ich muss es vor Dir gestehen, dass ich dieselbe ganz rein vergessen habe!“

217,6. Hier lächelte das Kindlein wieder und sagte voll Sanftmut zum etwas verlegenen Cyrenius:

217,7. „Hast du Mich nicht gefragt, ob das Mittelmeer wohl wirklich in der Mitte der Erde sei?

217,8. Ich aber beschied dich auf die kleine Erdkugel, auf der du nachsehen sollest und dich überzeugen, ob dieses Meer wohl wirklich in der Mitte der Erde sich befinde.

217,9. Nun siehe, jetzt hätten wir ja die schönste Zeit dazu, diese Sache abzumachen!

217,10. Darum nehme die kleine Erde zur Hand und hole dir die Antwort auf deine Frage!“

217,11. Und der Cyrenius sprach: „Ja – bei meiner armen Seele, dies hätte ich sicher ganz vollkommen vergessen, so Du, o Herr, mich nun nicht daran gemahnt hättest!“

217,12. Hier sprang sogleich der Jakob ins Nebengemach und brachte die kleine Erde dem Cyrenius.

217,13. Dieser aber suchte dann sogleich das Mittelmeer und fand es auch bald.

217,14. Als er aber nun mit seinem Finger auf das Mittelmeer wies, da fragte ihn das Kindlein:

217,15. „Cyrenius, ist das wohl der Erde Mitte? – oder wie findest du die Sache?“

217,16. Und der Cyrenius sprach: „Ich bin wohl ein tüchtiger Rechner nach Euklides und Ptolemäus (Lagos König in Ägypten)

217,17. und weiss daher aus der Planimetrie, dass auf einer Kugeloberfläche darum ein jeder beliebig angegebene Punkt in der Mitte der Oberfläche ist, weil er fürs erste mit dem Mittelpunkte der Kugel in der genauesten Korrespondenz steht,

217,18. und weil von ihm aus bis zu seinem Gegensatze alle ausgehenden Linien von gleicher Beugung und Dimension sind.

217,19. Nach diesem Grundsatze kann dies Meer gleichwohl das ,Mittelmeer‘ heissen.

217,20. Aber ich finde dann freilich auch, dass da ein jedes Meer unter demselben Verhältnisse steht und ebensogut ein Mittelmeer sein kann.“

217,21. Und das Kindlein sprach: „Da hast du wohl recht; aber dennoch passen die Euklidischen Verhältnisse nicht hin,

217,22. und dieses Meer kann dennoch ausschliesslich ein Mittelmeer heissen,

217,23. denn die wahre Mitte ist da, wo der Herr ist!

217,24. Siehe, der Herr aber ist nun da an diesem Meere, und so ist auch da des Meeres Mitte!

217,25. Siehe, das ist eine andere Berechnung, von der dem Euklid nichts geträumt hatte, und sie ist richtiger als die seine!“

217,26. Diese Erklärung weckte den Cyrenius gewaltig, und er forschte dann weiter.

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