KJUG-215

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215. Kapitel - Der kreuztragende Joseph. Des Kindleins Evangelium vom Kreuz

215,1. Nach dieser himmlischen Mahlzeit auf dem kleinen Berge sagte der Joseph zum Kindlein:

215,2. „Mein Herr und mein Gott! Ich armer alter Greis bitte Dich, vergebe mir, so ich Dich doch sicher beleidiget habe, und kehre wieder mit mir in das Haus zurück!

215,3. Denn ohne Dich kann ich nun nimmer zurückkehren; kehre ich aber ohne Dich zurück, so werden dann alle gar bitter wider mich ziehen und werden mich strafen mit harten Worten!“

215,4. Und das Kindlein sprach: „Ja, ja, Ich gehe ja wohl mit dir; denn hier werde Ich nicht eine Wohnstätte aufrichten und bleiben allda!

215,5. Aber eines verlange Ich von dir, und das bestehet darin, dass du diesen Meinen Tisch auf deine Achseln nimmst und ihn tragest vor Mir nach Hause!

215,6. Scheue aber nicht dessen Last; denn die wird dich wohl ein wenig drücken, aber nicht beugen und noch weniger schwächen!“

215,7. Auf diese Worte nahm Joseph das schöne Kreuz und Jakob die Überbleibsel von der Mahlzeit und traten also mit dem Kindlein in der Mitte den Rückweg an.

215,8. Nach einer Weile sprach Joseph zum Kindlein: „Höre, Du mein geliebtester Jesus! Das Kreuz ist denn doch recht schwer, – könnten wir denn nicht ein wenig rasten?“

215,9. Und das Kindlein sprach: „Joseph, du hast schon grössere Lasten als Zimmermann getragen, die dir nicht Ich auferlegt habe;

215,10. und siehe, da mochtest du dir keine Rast eher gönnen, als bis du die Last an ihren Ort befördert hattest!

215,11. Nun trägst du zum ersten Male nur eine kleine Last für Mich und willst dir schon nach tausend Schritten eine Rast nehmen!?

215,12. O Joseph! – trage, trage Meine leichte Last ohne Rast, so wirst du einst in Meinem Reiche den rechten Lohn finden!

215,13. Siehe, an diesem Kreuze wirst du Meiner Bürde gewahr, und es wird dir durch seinen kleinen Druck sagen, was Ich auf der Welt dir bin!

215,14. Aber wenn du diese Welt in Meinen Armen verlassen wirst, dann wird dir dieses Kreuz zu einem feurigen Eliaswagen werden, in dem du seligst vor Mir aufwärts fahren wirst!“

215,15. Nach diesen Worten küsste der alte Joseph das ziemlich schwere Kreuz und trug es ohne Rast weiter;

215,16. und es kam ihm nimmer so schwer vor, dass er es dann leicht ganz bis zur Villa brachte.

215,17. Es war aber bei der Villa alles in der gespanntesten Erwartung, und das voll grosser Ängstlichkeit, von welcher Seite etwa der Joseph mit dem Kindlein und mit dem Jakob zurückkommen möchte.

215,18. Als aber nun die Maria, der Cyrenius und die andern endlich einmal der drei Kommenden ansichtig wurden, da war es aus!

215,19. Alles lief ihnen mit offenen Armen entgegen, und die Maria erfasste sogleich das Kindlein und herzete Es mit krampfhafter Liebe.

215,20. Cyrenius aber verwunderte sich über Joseph, wie dieser einen Galgen als ein Symbol der höchsten Schande und Schmach da auf seinen Achseln nach Hause schleppen mochte.

215,21. Und das Kindlein auf den Armen der Mutter richtete Sich auf und sagte zum Cyrenius:

215,22. „Wahrlich, wahrlich! – dieses Zeichen der grössten Schmach wird zum Zeichen der höchsten Ehre werden!

215,23. Wenn du es nicht also tragen wirst nach Mir, wie es nun der Joseph trägt, da wirst du nicht kommen in Mein Reich dereinst!“ – Diese Worte brachten den Cyrenius zum Schweigen, und er fragte darauf nicht weiter über die Bürde Josephs.

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