KJUG-205

Aus Suche Jesus-Comes
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Hauptseite Kinder- und Jugendzeit Jesu KJUG-205 Kapitel


205. Kapitel - Der Tullia Klage. Marias tröstende Worte. Der Tullia Selbstschau, Reue und Busse. Jesu Lieblingsspeise. Die alte und die neue Tullia

205,1. Nach einer Weile erst erholte sich die Tullia wieder und fing an gar bitterlich zu weinen und sagte:

205,2. „O Herr, warum ward ich sehend einst in diesem Hause, warum das Weib des Cyrenius, dass ich nun in meinem vermeintlichen Glücke so viel zu leiden habe?!

205,3. Warum erwecktest Du die Tote, warum musste denn wieder Leben in meine Brust kehren?!

205,4. Bin ich denn zur Qual geboren worden? – warum gerade ich, während doch Tausende und Tausende ruhig und glücklich leben und wissen kaum von einer Träne, die der Schmerz dem Auge erpresst! – ?“

205,5. Maria aber, von Mitleid gerührt, tröstete die Tullia mit folgenden Worten:

205,6. „Tullia, du musst nicht hadern mit dem Herrn, deinem und meinem Gotte!

205,7. Denn siehe, das ist schon so Seine Art und Weise, dass Er gerade diejenigen, die Er liebt, recht starken Prüfungen aussetzt!

205,8. Solches erkenne du in deinem Herzen, und erwecke deine Liebe von neuem zu Ihm, und Er wird sobald vergessen Seiner Drohung und wird dich aufnehmen von neuem in Seine Gnade!

205,9. Denn Er hatte schon gar oft gedroht den Übeltätern und hat ihnen den Untergang auf den nächsten Tag durch die Propheten verkünden lassen und bezeichnen die Stelle, auf der die Hunde ihr Blut auflecken sollen.

205,10. So aber die Übeltäter zur Busse griffen, da sprach Er sobald zum Propheten: ,Siehst du nicht, dass er Busse tut? Darum will Ich ihn auch nicht strafen!‘

205,11. Als Jonas berufen ward von Gott, den Niniviten, die in alle Sünden versunken waren, den Untergang zu verkünden,

205,12. da wollte dieser nicht hingehen, denn er sprach: ,Herr! Ich weiss, dass Du nur höchst selten das folgen lässest, was der Prophet androhen muss;

205,13. darum will ich nicht hinziehen, auf dass ich als ein Prophet vor den Niniveern nicht zuschanden würde, wann Du Dich ihrer sicher wieder erbarmen wirst!‘

205,14. Siehe, sogar dieser Prophet setzte einen gegründeten Zweifel in den Zorn Gottes!

205,15. Ich aber rate dir: Tue du, was die Niniveer taten, und du wirst wieder zu Gnaden aufgenommen werden!“

205,16. Diese Worte flössten der Tullia wieder Mut ein, und sie fing an, über sich nachzudenken, und fand bald eine Menge Fehler in sich und sprach:

205,17. „O Maria! Jetzt erst ersehe ich, und es wird mir klar, warum mich der Herr also züchtiget!

205,18. Siehe, mein Herz ist voll Sünden und voll Unlauterkeit! – Oh – wie werde ich es je zu reinigen vermögen?!

205,19. Wie kann ich es also wagen – mit einem so höchst unreinen Herzen den Heiligen aller Heiligkeit zu lieben?!“

205,20. Und die Maria sprach: „Eben darum musst du Ihn lieben in deiner reuigen Schulderkenntnis; denn solche Liebe allein nur wird dein Herz reinigen vor Ihm – dem Heiligen aller Heiligkeit!“

205,21. Als spät am Abende das Kindlein mit Seinem Jakob wieder ins Haus kam, da ging Es sobald zur Maria und verlangte etwas zu essen. Und Maria gab Ihm sogleich etwas Butter, Brot und Honig.

205,22. Darauf sagte Es: „Ich sehe noch eine andere Speise, gib Mir auch davon zu essen! – Siehe, es ist das Herz der Tullia; gebe es Mir, weil du es schon für Mich zubereitet hast!“ – Hier fiel die Tullia vor dem Herrn nieder und weinte.

205,23. Maria aber sprach: „O Herr! Erbarme Dich der Armen, die da viel leidet!“

205,24. Und das Kindlein sprach: „Ich habe Mich ihrer schon gar lange erbarmt, sonst hätte Ich sie nimmer erweckt!

205,25. Nur sie war es, die von Meiner Erbarmung keine Notiz nehmen wollte und wollte lieber hadern mit Mir in ihrem Herzen, als Mich aufnehmen in selbem.

205,26. Da sie aber nun ihr Herz zu Mir gewendet hat, so habe Ich ihr getan wie den Niniveern.“

205,27. Nach diesen Worten ging das Kindlein hin zur Tullia und sprach zu ihr:

205,28. „Tullia, siehe, Ich bin nun recht müde geworden. Du hast Mich einst auf deinen Armen schon getragen, und es tat Mir wohl; denn du hattest recht weiche Arme!

205,29. Also erhebe dich auch jetzt, und nehme Mich auf deine Arme und fühle, wie süss es ist, den Herrn des Lebens in den Armen zu haben!“

205,30. Dies Begehren des Kindleins brach der Tullia völlig das Herz.

205,31. Mit der ihrem Herzen möglich höchsten Liebe nahm sie das Kindlein auf ihre weichen Arme und sprach weinend:

205,32. „O Herr! – Wie möglich wohl ist das, dass Du mir nun gegen Deine schreckliche Drohung so gnädig bist?!“

205,33. Und das Kindlein sprach: „Weil du die alte Tullia, die Mir zuwider war, ausgezogen und eine neue, Mir werte, angezogen hast! – Doch jetzt sei ruhig; denn nun habe Ich dich schon wieder lieb!“ – Durch diese Szene wurden alle zu Tränen gerührt.

Hauptseite Kinder- und Jugendzeit Jesu KJUG-205 Kapitel