KJUG-190

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190. Kapitel - Des Kindleins Aufforderung an Cyrenius zum Mitessen und Mitspielen. Des Maronius und der Maria Einwurf. Des Kindleins entkräftigende Entgegnung. Die Erweckung der Tullia

190,1. Das Kindlein aber sprach darauf wieder zum Cyrenius:

190,2. „Cyrenius, du bist nun wohl gesättiget in deinem Herzen, und diese Sättigung wird dir bleiben ewig!

190,3. Aber dein Leib ist hungrig, und du bedarfst einer Stärkung für denselben Zweck, zu welchem Zwecke Ich Selbst für Meinen Leib einer natürlichen Stärkung bedarf.

190,4. Daher gehe du nur mit Mir hinab ins Haus, allda wollen wir einen guten Fisch, den heute der Jonatha mitgenommen hatte und den Meine Brüder recht wohl zubereitet haben, verzehren.

190,5. Denn Ich muss dir sagen, dass Ich die Fische viel lieber esse als das öde jüdische Kindskoch; und Ich freue Mich schon recht auf ein gutes Stückchen!

190,6. O Ich sage dir, du Mein liebster Cyrenius, die Fische esse Ich sehr gerne und habe darum auch den Jonatha sehr lieb, weil er ein reiner Fischer ist und bringt uns öfter die besten Fische!

190,7. Und weisst du, Mein liebster Cyrenius, nach dem Essen musst du dann mit Mir ein wenig spielen, und deine Kinder sollen das auch!

190,8. Du bist noch nicht alt und kannst darum schon mit Mir ein wenig herumhüpfen und springen!“

190,9. Diese rein kindliche Sprache des Kindleins freute den Cyrenius so sehr, dass er ganz der toten Tullia vergass, obschon darob seine Gesellschafter trauerten;

190,10. und einige aus der Gesellschaft sich aber auch um den Cyrenius zu sorgen anfingen ob seiner Heiterkeit, die ihnen ein Wahnsinn zu sein schien.

190,11. Der Maronius selbst ging hin zum Cyrenius und fragte ihn um sein Befinden.

190,12. Das Kindlein aber antwortete sogleich anstatt des Cyrenius und sprach:

190,13. „O Maronius! Sorge dich nicht um diesen Meinen Freund; denn der war in seinem ganzen Leben noch nie wahnsinnsfreier als jetzt!

190,14. Ich wollte, du wärest also gesund wie Cyrenius, da würdest du sicher keine solche Fragen stellen in Meiner Gegenwart!

190,15. Gehe aber auch du mit uns hinab zur Tafel; vielleicht heilt dich ein gutes Stückchen Fisch!“

190,16. Darauf begab sich Cyrenius mit dem Kindlein, mit Joseph, Maria, Jonatha, Eudokia und mit den acht Kindern ins Haus, und der Maronius folgte ihnen, obschon ein wenig wie auf Nadeln gehend;

190,17. aber die andere grosse Gesellschaft trauerte und ging nicht zum Mittagsmahle.

190,18. Nach dem Essen aber, das allen sehr wohl geschmeckt hatte, begehrte das Kindlein sogleich wieder hinaus ins Freie, um mit dem Cyrenius und mit den acht Kindern zu spielen.

190,19. Maria aber sagte: „Höre Du, mein Jesus! Nun darfst Du wohl nicht spielen, und die acht Kinder auch nicht; denn fürs erste ist ja Sabbat, und fürs zweite haben wir eine Leiche im Hause, und da darf man nicht spielen, sondern schön ruhig und bescheiden sein!“

190,20. Das Kindlein aber sagte: „Weib, was für ein Geist heisset dich also zu Mir reden?

190,21. Ist der Sabbat denn mehr als Ich – und das tote Weib mehr als Mein Wille?!

190,22. Damit du aber siehst, dass Ich über dem Sabbat und über dem toten Weibe stehe und selbiges Mich nicht hindere in Meiner Freude, so erwache es!“

190,23. Bei diesem Worte erhob sich die Leiche vom Gerüste und kam bald ins Zimmer.

190,24. Das Kindlein aber befahl, ihr etwas zu essen zu geben, und ging dann sogleich mit dem Cyrenius ins Freie, während sich alles über diese Erweckung höchst zu verwundern anfing.

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