KJUG-185

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185. Kapitel - Des Cyrenius Dank an das Kindlein für die gnädige Führung. Wie man gottwohlgefällig beten soll. Der Hauptgrund der Menschwerdung des Herrn. Des Cyrenius Erstaunen über die Fortschritte der acht Kinder

185,1. Als der Cyrenius aber solches vom Joseph vernommen hatte, da wandte er sich sogleich an das auf seinen Armen ruhende Kindlein und sprach zu Ihm:

185,2. „O Du, dessen Namen meine Zunge nimmer würdig ist auszusprechen! – Das war sonach lauter Gnade von Dir, Du mein Herr und mein Gott?!

185,3. Wie, auf welche Weise aber solle ich Dir nun danken, wie Dich loben und preisen für solche übergrosse wunderbarste Gnade?!

185,4. Was kann ich, ein armer blöder Mensch, Dir, o Herr, wohl entgegentun, da Du mir so endlos gnädig bist und schützest mich mehr denn Dein eigen Herz?“

185,5. Und das Kindlein sprach: „Mein geliebter Cyrenius! Ich hätte dich noch um vieles lieber, wenn du nur nicht immer vor Mir also aufseufzen möchtest!

185,6. Was habe denn Ich und du davon, wenn du also seufzest vor Mir?

185,7. Ich sage dir, sei du lieber heiteren Mutes, und liebe Mich wie alle andern Menschen in deinem Herzen; da wirst du Mir lieber sein, als so du immer seufzest für nichts und nichts!“

185,8. Und der Cyrenius sagte allerzärtlichst zum Kindlein:

185,9. „O Du mein Leben, Du mein Alles! – Darf ich denn nicht beten zu Dir, meinem Gott und meinem Herrn?“

185,10. Das Kindlein aber erwiderte: „O ja, das darfst du wohl; aber nicht durch allerlei unendliche Exklamationen,

185,11. sondern allein in deinem Geiste, der die Liebe in dir ist zu Mir, und in deren Wahrheit, die da ist ein rechtes Licht, das da entströmt der Flamme der Liebe. – –

185,12. Meinst du denn, Ich werde durch der Menschen Gebete fetter und mächtiger und grösser, als Ich also ohne solcher Gebete ohnehin es bin!?

185,13. O sieh, darum habe Ich Mich ja aus Meiner ewigen Unendlichkeit gestellt in diesen Leib, auf dass Mich die Menschen mehr mit ihrer Liebe anbeten sollen –

185,14. und sollen dabei sparen ihren Mund, ihre Zunge und ihre Lippen; denn ein solches Beten entwürdigt den Anbeter wie den Angebeteten, weil es ist ein totes Zeug, ein Eigentum der Heiden!

185,15. Was tust du denn mit deinen guten Freunden und Brüdern, so du mit ihnen zusammenkommst?

185,16. Siehe, du erfreust dich über sie und grüssest sie und bietest ihnen Hände, Brust und Kopf!

185,17. Desgleichen tue auch mit Mir, und Ich werde von dir ewig nichts anderes verlangen! –

185,18. Und nun sei völlig heiter, und sehe dich auch ein wenig nach deinen Kindern um, und frage sie ein wenig aus, was alles sie schon gelernt haben,

185,19. und du wirst selbst eine grössere Freude haben daran und wirst auch Mir eine grössere Freude machen, als wenn du hundert Jahre nacheinander fortseufzen und exklamieren möchtest!“

185,20. Darauf ward der Cyrenius recht heiter und berief sogleich die acht Kinder zu sich und fragte sie über so manches aus.

185,21. Die Kinder aber gaben ihm auf jede Frage so gründlich kenntnisreiche Antworten, dass er sich darob nicht genug verwundern konnte.

185,22. Da war es aber auch völlig aus beim Cyrenius vor lauter Freude; die Kinder aber freuten sich auch, dass sie so gescheit waren, und der Cyrenius beschenkte sie alle reichlich und lobte den Meister.

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