KJUG-182

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182. Kapitel - Vom Beugen des Herzens statt der Knie. Die Begrüssung Josephs durch Cyrenius. Vom Kreuzessegen und Triumph des Gottvertrauens. Des Cyrenius Freude über die Nähe Ostracines

182,1. Nun kam auch der Joseph herbei und weinte samt der Maria vor Freuden, dass er nach zwei Jahren wieder einmal seinen Freund Cyrenius zu sehen bekam.

182,2. Das Kindlein aber sagte zum Cyrenius: „Cyrenius! es ist genug, so du in aller Liebe dein Herz vor Mir beugest;

182,3. deine Knie aber magst du gerade halten! Denn siehe, du hast viel Gefolge bei dir, das Mich noch nicht kennt, und du sollst Mich nicht verraten durch solche Stellung!

182,4. Daher erhebe dich vom Boden und mache, wie es da macht der Joseph, der Jonatha, die Maria und alle die andern; auch dein Weib solle sich aufrichten!“

182,5. Darauf erhob sich Cyrenius mit der Tullia, nahm sogleich das Kindlein auf seine Arme und kosete Es.

182,6. Mit dem Kindlein auf dem Arme trat er erst dem Joseph näher und sprach:

182,7. „Sei mir vom Grunde meines Herzens aus gegrüsset! – Wie überaus oft hat sich mein Herz nach dir gesehnt!

182,8. Allein die fatalen Staatsgeschäfte haben sich im Verlaufe dieser zwei Jahre so sehr gehäuft, dass ich nimmer Zeit zu gewinnen wusste, um dieser hohen heiligen Forderung meines Herzens nachzukommen.

182,9. Nun erst hatte ich alles so weit in Ordnung gebracht, dass ich auf eine kurze Zeit dich, meinen heiligen Freund, besuchen konnte.

182,10. Aber selbst jetzt, da ich dem Drange meines Herzens nachkam, wäre ich beinahe zugrunde gegangen, so nicht ganz sicher dieses heiligste Kindlein mir einen Retter entgegengesandt hätte!

182,11. O mein Freund und Bruder! Ich habe in diesen zwei Jahren gar viel ausgestanden!

182,12. Verfolgung, Verrat, Verschwärzung beim Kaiser und viele andere höchst unangenehme Dinge hatte ich zu bestehen.

182,13. Aber ich dachte dabei allzeit an das, was mir einmal vor zwei Jahren das heiligste Kindlein gesagt hatte, nämlich: dass Es diejenigen zupfe und kneipe, die Es liebhat.

182,14. Und fürwahr, alle die Stürme um mein Gemüt herum waren im Ernste nichts als lauter Liebkosungen dieses meines Herrn aller Herren!

182,15. Denn wo immer sich eine Woge wider mich erhob und mich mit Haut und Haaren zu verschlingen drohte,

182,16. da auch zerschellte sie an einer noch mächtigeren Gegenwoge, und es blieb nichts als nur ein eitel leerer Schaum zurück.

182,17. Und so bin ich nun auch hier nach einer ausgestandenen grossen Gefahr, die alles zu verschlingen drohte, ganz wohlbehalten angelangt und befinde mich nun in deiner mir so überheiligen Gesellschaft; und aller Sturm, der mich ängstigte, hat sich wie zu einer ewigen Ruhe gelegt!“

182,18. Hier umarmte der Joseph den Cyrenius und sprach: „Ja, Bruder im Herrn, wie du nun geredet hast, also ist es auch!

182,19. Ich wusste im geheimen ja allzeit darum, was mit dir vorging; aber ich lobte darum allzeit den Herrn, dass Er dich also liebhatte.

182,20. Nun aber siehe dorthin gegen Mittag und Morgen, und du wirst leicht die Stadt und noch leichter deine Villa erkennen!

182,21. Lasse daher dein Schiff versorgen und ziehe mit mir; daheim erst wollen wir uns so recht herzlich ausplaudern!“

182,22. Als der Cyrenius hinblickte und gar bald die Villa erkannte, da ward es völlig aus bei ihm, und er konnte sich nicht genug verwundern über alles das.

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