KJUG-181

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181. Kapitel - Jonatha und Cyrenius im Gespräch. Josephs Verwunderung über das fremde Schiff und Jonathas Erklärung. Des Lebensretters abergläubische Vorsicht und seine Belehrung. Das ergreifende Wiedersehen zwischen dem Kindlein und Cyrenius

181,1. Joseph aber ging nicht alsogleich in die Hütte, sondern er sandte einen Boten hinein und liess es dem Jonatha melden, dass er hier sei.

181,2. Jonatha erhob sich bald und sprach zum Cyrenius:

181,3. „Kaiserlich-Königliche Consulische Hoheit! Ich bitte noch einmal um Vergebung, so ich etwa irgend mich an dir vergangen habe durch eine gutgemeinte Grobheit!

181,4. Denn wie bei mir sonst alles massiv ist, so ist auch bei manchen Gelegenheiten meine Zunge!

181,5. Jetzt aber muss ich wieder hinaus; denn mein Nachbar und mein allerwürdigster Freund hat mich heute heimgesucht!“

181,6. Und der Cyrenius sprach zum Jonatha: „O Freund! du mein teuerster Lebensretter! Tue nach deinem Wohlgefallen, und sehe nicht auf mich, deinen Schuldner!

181,7. Ich werde mich jetzt hier nur etwas besser ankleiden und dann sobald selbst dir nachkommen.“

181,8. Nun verliess Jonatha den Cyrenius und begab sich schnell hinaus, um den Joseph zu empfangen.

181,9. Joseph aber ging unterdessen etwas uferabwärts, wo das Schiff war, um es näher zu betrachten.

181,10. Und der Jonatha eilte dem Joseph und seiner Genossenschaft nach und holte sie auch bald ein.

181,11. Als sich die beiden begrüsst hatten und Jonatha das ihm zulaufende Kindlein auf seine Arme nahm und Es liebkosete,

181,12. da fragte Joseph ganz verwundert den grossen Freund:

181,13. „Aber Bruder, sage mir doch – woher hast du das Schiff?

181,14. Oder sind im selben Gäste, Reisende angekommen?

181,15. Fürwahr, das ist ein Prachtschiff, wie man solcher Art Schiffe nur aus Rom kommen sieht!“

181,16. Und der Jonatha sprach: „O Freund, siehe, darum musste ich gestern noch deine Villa verlassen!

181,17. Ein Sturmwind hatte gestern ein römisches Schiff auf eine Sandbank ausser der Bucht gesetzt.

181,18. Meiner Mühe – durch die Gnade dieses meines Kindchens – ist es gelungen, das Schiff vor dem sicheren Untergange zu retten.

181,19. Die Geretteten, bei hundert an der Zahl, befinden sich noch in meiner Wohnung, die glücklicherweise für sie hinreichend geräumig ist;

181,20. Und ich denke, sie werden heute noch abfahren, da der Ort ihrer Bestimmung glücklicherweise ohnehin unsere Stadt selbst ist, wie sie mir sagten.

181,21. Sie wissen zwar noch nicht, wo sie sich befinden; denn das muss man den Geretteten ja nicht sogleich kundtun.

181,22. Wann sie aber fortreisen werden, dann werde ich ihnen schon ohnehin den Wegweiser machen!“

181,23. Und der Joseph fragte den Jonatha, ob die Geretteten nicht kundgaben, wer und woher sie wären.

181,24. Der Jonatha aber antwortete: „Du weisst ja, dass man nicht aus der Schule schwätzen darf;

181,25. denn solange die Geretteten nicht fort sind, dürfen ihre Namen nicht verraten werden, weil ihnen das bei der künftigen Reise schädlich sein könnte!“

181,26. Hier sagte das Kindlein zum Jonatha: „O Mann! du hast wohl ein edles Herz, in dem keine Falschheit wohnt;

181,27. aber was da so manchen alten Aberglauben betrifft, da bist du noch sehr reich!

181,28. Hier aber ist dennoch besser zu schweigen, als zu reden; denn in wenig Augenblicken wird sich die Sache ohnehin aufklären!“

181,29. Als das Kindlein aber solches geredet hatte, da auch trat der Cyrenius mit seinem Gefolge aus der Hütte und begab sich gegen das Schiff, also genau an die Stelle, da sich Joseph befand.

181,30. Als er nun dahin kam, da sprach er zur Tullia: „Weib! Da sieh einmal hin! – Ist die Gesellschaft dort bei unserem Retter nicht ganz der gleich, derentwegen wir nach Ostracine reisten?!

181,31. Bei Gott dem Lebendigen! Ich habe noch nie etwas Ähnlicheres gesehen! – Und siehe, unser Wirt hat auch soeben ein Kindlein auf den Armen, das dem heiligen völlig gleicht, das unser himmlischer Freund in Ostracine hat!“

181,32. Hier verlangte das Kindlein auf die Erde gesetzt zu werden und lief, als Es frei war, sogleich dem schon sehr nahe kommenden Cyrenius entgegen.

181,33. Und der Cyrenius blieb stehen und betrachtete mit grosser Aufmerksamkeit das ihm zulaufende Kindlein.

181,34. Das Kindlein aber sprach, als Es etwa drei Schritte noch vom Cyrenius abstand:

181,35. „Cyrenius, Cyrenius, Mein lieber Cyrenius! – Siehe, wie Ich dir entgegeneile; warum eilest denn du nicht auch also Mir entgegen?!“

181,36. Hier erkannte Cyrenius das Kindlein, fiel sogleich auf die Knie samt der Tullia nieder und schrie förmlich:

181,37. „O mein Gott, o mein Herr! – – Wer – wo – bin ich denn, dass Du – o mein Gott! – Du – mein Schöpfer, mein Leben, der Du allein mir alles, alles bist, in diesem mir noch fremden Orte mir entgegenkommst?!“

181,38. Das Kindlein aber sprach: „Mein lieber Cyrenius, du bist schon am rechten Orte; denn wo Ich bin, da ist schon der rechte Ort für dich! – Siehe, dort kommt ja schon der Joseph, die Maria, die Eudokia, Meine Brüder und deine acht Kinder!“

181,39. Hier sprach der Cyrenius: „O Du mein Leben, da ist zuviel Seligkeit auf einmal für mich!“ – Darauf fing er an zu weinen vor Seligkeit und konnte nicht reden vor zu heiliger Empfindung.

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