KJUG-166

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166. Kapitel - Jonatha bei seinem Jugendfreund Joseph. Jonathas Erzählung und Frage nach dem sonderbaren Kinde Josephs. Josephs Bericht über das Kind. Jonathas Demut und Liebe zum Kinde und sein Gebet

166,1. Jonatha übergab dem Joseph die drei Lägel Fische, mit denen er ihm eine grosse Freude machte; denn Joseph war ein grosser Freund von Fischen.

166,2. Darauf sagte er zum Joseph: „Mein geliebtester Jugendfreund, sage mir doch, was du für ein Kind hast!

166,3. Fürwahr, es kann höchstens zwei bis drei Jahre alt sein, und es spricht so gescheit, als wäre es ein erwachsener Mann!

166,4. Und – siehe, – ich, – der ich doch zwei Ochsen unter meinen Armen, wie du zwei Lämmer, tragen kann, – wollte den Jakob mit dem Kindlein den ganzen Tag über bei mir behalten und wollte sie abends, den Meeresarm durchwatend, zu dir nach Hause bringen!

166,5. Als ich solchen meinen Wunsch aber dem Jakob kundgab, da redete mich das Kindlein an und sprach zu meinem nicht geringen Erstaunen:

166,6. ,Jonatha, dein Wille ist gut; aber so wir dir nur etwa nicht zu schwer werden?!‘

166,7. Dass ich ob dieser kindlich besorglichen Frage beim Bewusstsein meiner Kraft lächeln musste, das versteht sich von selbst!

166,8. Aber das Kindlein sprach darauf, es komme da nur auf eine Probe an; ich solle versuchen, es allein durch den Meeresarm hin und her zu tragen, um mich zu überzeugen, ob es mir nicht zu schwer werden möchte!

166,9. Mit der Einwilligung Jakobs nahm ich das Kindlein auf meinen Arm und trug es durchs Wasser.

166,10. Hinüber war es noch erträglich; aber zurück musste ich einen Stock nehmen, auf den ich mich stützte, und gelangte nur mit der genauesten Not von der Welt an das andere Ufer.

166,11. Denn fürwahr, du, lieber Freund, kannst mir's glauben, das Kind ward so entsetzlich schwer, dass ich gerade glaubte, eine Weltenlast liege auf meinen Armen!

166,12. Als ich das Ufer erreichte, das Kindlein schnell dem Jakob übergab und mich ein wenig erholte,

166,13. da fragte ich den Jakob, was denn das wäre – wie sei dies Kind schwerer als eine Welt?

166,14. Da sprach das Kindlein unaufgefordert wieder,

166,15. ich hätte nun mehr getragen, als so ich getragen hätte eine ganze Welt!

166,16. Freund, von dem allen ist dein Jakob Zeuge gewesen! – Nun frage ich dich darum und sage:

166,17. Was um Jehovas willen hast du denn für ein Kind? Fürwahr, da kann es nicht natürlicher Dinge sein!“

166,18. Und der Joseph sprach zu Jonatha: „Wenn du schweigen könntest wie eine Mauer – ansonsten dein Leben in grosse Gefahr käme –, da möchte ich dir, meinem alten allerbiedersten Freunde, wohl etwas erzählen!“

166,19. Und der Jonatha schwor und sprach: „Bei Gott und allen Himmeln! – ich will tausendmal sterben im Feuer, so ich dich je mit einer Silbe verrate!“

166,20. Da nahm ihn Joseph mit sich auf seinen Lieblingshügel und erzählte ihm den ganzen Hergang der Sache des Kindleins, von der Jonatha vorher noch keine Silbe wusste.

166,21. Jonatha aber, als er solches in kurz gefasster Darstellung vernommen hatte, fiel auf seine Knie nieder und betete vom Hügel aus das Kindlein an, das soeben inmitten der acht andern Kinder Sich herumtummelte,

166,22. und sprach am Ende seines langen Gebetes: „O du Seligkeit der Seligkeiten! Mein Gott, mein Schöpfer hat mich besucht! Ich habe Ihn, der alle Welt und alle Himmel trägt, auf meinen Armen getragen!? – O du endlose Gnade der Gnade! O du Erde, bist du wohl wert solcher Gnade!? – Ja, jetzt verstehe ich die Worte des Gottkindes: ,Mehr als eine Welt – hast du getragen!‘“ – Darauf verstummte Jonatha und konnte vor Entzückung eine Stunde kein Wort aus seinem Munde bringen.

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