KJUG-159

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Hauptseite Kinder- und Jugendzeit Jesu KJUG-159 Kapitel


159. Kapitel - Eudokias Verwunderung und Unruhe wegen des plötzlichen Verschwindens der Jünglinge. Marias beruhigende Worte. Die Nachtruhe. Eudokias Sehnsucht nach Gabriel, dessen plötzliches Erscheinen und sein Rat

159,1. Als die Jünglinge verschwunden waren, da fragte Eudokia die Maria, wer denn so ganz eigentlich diese Jünglinge waren.

159,2. Denn die Eudokia war noch eine Heidin und wusste nichts von den ausserordentlichen Geheimnissen des Himmels.

159,3. Dass aber bei dieser Gelegenheit auch die Heiden die Engel sahen, rührte daher, weil für die Zeit hindurch ihr inneres Auge erschlossen gehalten ward;

159,4. und das Verschwinden der Engel war sonach nichts anderes als das Sichwieder- Schliessen der geistigen inneren Sehe, –

159,5. aus dem Grunde es auch nach dem Verschwinden der Engel der Eudokia vorkam, als wäre sie aus einem tiefen Traume erwacht.

159,6. Sie empfand sich nun wieder ganz naturmässig, und alles, was sie den ganzen Tag hindurch gesehen, gehört und getan hatte, kam ihr wie ein sehr lebhafter Traum vor.

159,7. Darum denn auch ist die obige Frage von seiten der Eudokia an die Maria verzeihlich;

159,8. denn sie war nun wieder ganz im Aussenzustande, und dieser war heidnisch.

159,9. Und die Maria aber antwortete und sprach: „Eudokia, wir werden noch länger beisammenbleiben, und dir wird alles klar werden, was dir jetzt noch dunkel ist!

159,10. Für heute aber wollen wir uns zur Ruhe begeben; denn ich bin sehr müde!“

159,11. Die Eudokia begnügte sich wohl äusserlich mit dieser Vertröstung; aber in ihrem Herzen stieg die Begierde.

159,12. Joseph aber sagte: „Meine Kinder, es ist Nacht geworden; schliesset die Tore und begebet euch zur Ruhe!

159,13. Denn morgen ist ja ohnehin noch der Sabbater (Nachsabbat), an dem wir nicht arbeiten; da werden wir uns über so manches noch besprechen können!

159,14. Für heute aber lobet den Herrn und tut, wie ich es euch anbefohlen habe!

159,15. Du, Jakob, aber bereite die Wiege und bringe das Kindlein zur Ruhe, und stelle die Wiege ans Lager der Mutter!

159,16. Und du, Eudokia, begebe dich auch in dein Schlafgemach und stärke deine Glieder mit einem süssen Schlafe im Namen des Herrn!“

159,17. Und die Eudokia ging sogleich in ihr bestimmtes Gemach, legte sich auf ihr Lager, aber ferne blieb der Schlaf;

159,18. denn zu erregt war ihr feurig Gemüt ob des Verschwindens der Jünglinge.

159,19. Denn sie hatte sich in den Gabriel verliebt und wusste sich nun nicht zu raten und zu helfen, da der Gegenstand ihres Herzens so plötzlich vor ihren Augen verschwand.

159,20. Da aber alles ruhte und schlief, da erhob sich die Eudokia und öffnete ein Fenster und blickte hinaus.

159,21. Da stand plötzlich Gabriel vor ihr und sprach: „Du musst dein Herz zur Ruhe bringen!

159,22. Denn siehe, ich bin nicht ein Mensch gleich dir, sondern ich bin nur ein Geist und bin ein Bote Gottes!

159,23. Das Kindlein aber bete an; denn dieses ist der Herr, der wird beruhigen dein Herz!“ – Darauf verschwand der Engel wieder, und die Eudokia bekam Ruhe.

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