KJUG-151

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151. Kapitel - Das Mittagsmahl in der Burg. Der Hauptmann sucht nach Armen in der Stadt, seine Rückkehr und des Cyrenius Lob. Des Kindleins Segensworte

151,1. Darauf begab sich dann die ganze Gesellschaft wieder in die Stadt und da in die Burg, allwo unterdessen das Mittagsmahl nach vollkommen jüdischer Sitte bereitet war.

151,2. Alles nahm wieder die früheren Plätze ein und stärkte sich am schmackhaft bereiteten Mittagsmahle.

151,3. Zu Ende der Mahlzeit bemerkte erst der Cyrenius, dass der bekannte Hauptmann sich nicht unter den Gästen befand.

151,4. „Wo ist er, was tut er?“ war die allgemeine Frage zuoberst am römischen Teile der Tafel.

151,5. Cyrenius aber wandte sich an seinen Joseph und fragte ihn darum.

151,6. Und der Joseph antwortete und sprach: „Kümmere dich nicht um ihn; denn er ist gegangen, die Armen der Stadt aufzusuchen!

151,7. Es liegt ihm nun freilich noch mehr an der Auffindung des inneren Lichtes als so ganz eigentlich an den Armen;

151,8. aber das tut nichts zur Beeinträchtigung seiner Sache, – denn im Suchen selbst wird sich ihm der rechte Weg von selbst auftun!“

151,9. Als der Cyrenius nun solches erfuhr, da ward er überfroh und lobte den Hauptmann in seinem Herzen.

151,10. Als sich aber der römische Teil in allerlei Mutmassungen über den Grund der Abwesenheit des Hauptmanns zerteilte, da kam er ganz heiter selbst zu der Gesellschaft und ward sogleich von allen Seiten her mit tausend Fragen bestürmt.

151,11. Der Hauptmann aber, als selbst ein grosser Freund vom Fragen, war darum nichts weniger als ein Freund vom Antworten.

151,12. Er ging daher sogleich zum Cyrenius hin und entschuldigte sich, darum er bei der Mittagstafel diesmal einen Ausreisser gemacht hatte.

151,13. Und der Cyrenius reichte dem Hauptmann die Hand und sprach zu ihm:

151,14. „Fürwahr, und stünden wir vor dem Feinde, und du hättest aus einem solchen Grunde deinen Kampfplatz verlassen, so hättest du bei mir nichts zu verantworten!

151,15. Denn wahr, wahr, wie ich es jetzt einsehe, so tun wir mehr, so wir auch nur einem Menschen Gutes tun, als gewönnen wir alle Reiche der Welt für Rom!

151,16. Gott dem Herrn liegt mehr an einem Menschen als an der ganzen sonstigen Welt!

151,17. Darum tun wir auch vor Gott ein bei weitem Grösseres, so wir als Brüder aus Liebe einen Bruder versorgen leiblich – und so viel möglich auch geistig,

151,18. als so wir gegen viele Tausende der ärgsten Feinde ins Feld zögen!

151,19. Ja, es ist vor Gott ums Endlose rühmlicher, ein Wohltäter an seinen Brüdern zu sein, als zu sein der allergrösste Held in der tollen Welt!“

151,20. Und das Kindlein sprach dazu: „Amen, also ist es, Mein Cyrenius Quirinus!

151,21. Bleibe du auf diesem Wege; fürwahr, so sicher wie dieser führt kein anderer zum ewigen Leben! – Denn die Liebe ist das Leben; wer die Liebe hat, der hat auch das Leben!“ – Darauf segnete das Kindlein den Cyrenius und den Hauptmann mit den Augen.

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