KJUG-150

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150. Kapitel - Der Besuch des Hafens. Das kostbare Schiff. Des Cyrenius Dank an Joseph. Des Kindleins Antwort und Hinweis auf das Wohltun den Armen

150,1. Cyrenius aber besah das Schiff genau und berechnete, für wie viele Menschen darinnen wohl Raum sein dürfte.

150,2. Und er fand, dass da recht bequem tausend Menschen im Notfalle könnten untergebracht werden.

150,3. Bei dieser Berechnungsgelegenheit aber überzeugte sich der Cyrenius auch von der ausserordentlichen Festigkeit und Zierlichkeit dieses Schiffes;

150,4. denn es sah nicht also aus, als wäre es ein altes und geflicktes, sondern das ganze Schiff sah also aus, als wäre es gegossen.

150,5. Keine Fuge war zu entdecken, und am Holze konnte man keine Jahre, Äste und sonstige Fasern und Poren bemerken.

150,6. Als der Cyrenius sich von allem dem überzeugte und vom Schiffe zurück ans Ufer zu der Gesellschaft – natürlich mit seinem nötigen Gefolge – kam, da trat er sogleich zum Joseph hin und sprach:

150,7. „Mein allererhabenster Freund, du glücklichster der Menschen auf Erden! Über das Wunder wundere ich mich nun gar nicht mehr; denn ich weiss es ja jetzt nur zu gut, dass bei Gott alle Dinge möglich sind!

150,8. Ich weiss, dass das kein gemachtes und geflicktes, sondern ein ganz neuerschaffenes Schiff ist; aber ich wundere mich dessen nicht.

150,9. Denn dem Herrn wird es wohl ein gleich Leichtes sein, entweder eine ganze Welt oder ein solches Schiff zu erschaffen; denn die Erde ist ja doch auch ein Schiff, das gar viele Menschen trägt auf dem Meere der Unendlichkeit!

150,10. Aber dass du mich nun zu deinem grossen Schuldner gemacht hast, siehe, das macht mich nun denken, auf welche Weise ich dir je diese Schuld werde abtragen können?!

150,11. Denn siehe, dieses Schiff, das ehedem kaum ein Pfund Silbers wert war, indem es schon mehr einem Wrack als einem Schiffe glich, ist nun über zehntausend Pfunde Goldes wert!

150,12. Denn es kann nun zu einer Reise über die Herkulessäulen (Gibraltar) nach Britannien gebraucht werden, wie zur Umschiffung von ganz Afrika bis nach Indien!

150,13. Wahrlich! – so ein Werk ist ja doch für den Weltgebrauch mit keinem Golde zu bezahlen!

150,14. Siehe, du mein erhabenster Freund, das ist es, was mich nun sehr denken macht, wie ich dir je diese Schuld abtragen werde!

150,15. Möchtest du das Gold achten, so wahr dein und nun auch mein Gott lebt, so sollst du in sieben Tagen zehntausend Pfunde haben!

150,16. Aber ich weiss, dass das Gold vor deinen Augen ein Greuel ist, und so macht mich das nun traurig, dass ich dir, meinem grössten Freunde, schuldig bleiben muss!“

150,17. Und der Joseph ergriff des Cyrenius Hand, drückte sie an seine Brust und wollte reden; aber es kamen ihm auch die Tränen beim Anblicke dieses edlen Römers.

150,18. Dafür aber richtete sich das Kindlein auf, lächelte den Cyrenius an und sprach: „Mein lieber Cyrenius Quirinus! Wahrlich sage Ich dir: So du einen Armen nur in Meinem Namen aufgenommen hättest, da hättest du schon mehr getan, als was zehntausend solche Schiffe wert sind!

150,19. Du aber hast mehrere Hunderte nun in kurzer Zeit versorgt, und Ich müsste dir gar viele solche Schiffe dafür geben, um dich irdisch dafür zu entschädigen!

150,20. Denn siehe, bei Mir gilt ein Mensch mehr als eine ganze Welt voll solcher Schiffe! Darum lasse dich's nicht kümmern deiner vermeinten Schuld wegen!

150,21. Was du den Armen tust, das tust du auch Mir; aber nicht hier auf der Erde werde Ich dich belohnen, sondern wenn du sterben wirst, da werde Ich sobald deine Seele erwecken und dich gleichmachen diesen Meinen Dienern da, die das Schiff ausbesserten!“

150,22. Cyrenius weinte hier und beteuerte, dass er von nun an sein ganzes Leben zum Wohle der armen leidenden Menschheit verwenden werde.

150,23. Das Kindlein aber hob Seine Hand, sprach Amen, und segnete darauf den Cyrenius und das Schiff. –

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