KJUG-14

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14. Kapitel - Marias Gesicht von den zwei Völkern. Der Eintritt der Wehen. Zuflucht in einer nahen Höhle

14,1. Also kam unsere frömmste Gesellschaft nahe bis auf sechs Stunden vor Bethlehem hin und machte da eine Rast im Freien.

14,2. Joseph aber sah nach der Maria und fand, dass sie voll Schmerzes sein musste; daher gedachte er ganz verlegen bei sich selbst:

14,3. „Was kann das sein? Marias Antlitz ist voll Schmerzes, und ihre Augen sind voll Tränen! – Vielleicht bedränget sie ihre Zeit?“

14,4. Darum sah Joseph Mariam noch einmal genauer an; und siehe, da fand er sie zu seinem grossen Erstaunen lachend!

14,5. Darum fragte er sie auch sobald: „Maria, sage mir, was wohl gehet in dir vor? – Denn ich sehe dein Angesicht bald voll Schmerzes, bald aber wieder lachend und vor grosser Freude glänzend!“

14,6. Maria aber sagte darauf zu Joseph: „Siehe, ich sah nun zwei Völker vor mir; das eine weinte, und da weinte ich notgedrungen mit.

14,7. Das andere aber wandelte lachend vor mir und war voll Freude und Heiterkeit; und ich musste mitlachen und in seine Freude übergehen! – Das ist alles, was meinem Antlitze Schmerz und Freude entwand.“

14,8. Als Joseph solches vernommen hatte, da ward er wieder beruhigt, denn er wusste, dass Maria öfter Gesichte hatte; daher liess er denn auch wieder zur Weiterreise aufbrechen und zog hinauf gen Bethlehem. –

14,9. Als sie aber in die Nähe von Bethlehem kamen, da sprach Maria auf einmal zum Joseph:

14,10. „Höre mich an, Joseph! – Das in mir ist, fängt an mich ganz gewaltig zu bedrängen; lasse daher stillehalten!“

14,11. Joseph erschrak völlig vor diesem plötzlichen Aufrufe Mariens; denn er sah nun, dass das gekommen ist, was er eben am meisten befürchtet hatte.

14,12. Er liess daher auch plötzlich stillehalten. Maria aber sprach wieder sobald zu Joseph:

14,13. „Hebe mich herab von der Eselin; denn das in mir ist, bedränget mich mächtig und will von mir! Und ich vermag dem Drange nicht mehr zu widerstehen!“

14,14. Joseph aber sprach: „Aber um des Herrn willen! Du siehst ja, dass hier nirgends eine Herberge ist, – wo solle ich dich denn hintun?“

14,15. Maria aber sprach: „Siehe, dort in den Berg hinein ist eine Höhle; es werden kaum hundert Schritte dahin sein! Dorthin bringet mich; weiter zu kommen, ist mir unmöglich!“

14,16. Und Joseph lenkte sobald sein Fuhr- und Reisewerk dahin und fand zum grössten Glücke in dieser Höhle, da sie den Hirten zu einem Notstalle diente, etwas Heu und Stroh, aus welchem er sogleich für Maria ein notdürftiges Lager bereiten liess.

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