KJUG-12

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12. Kapitel - Das Gebot des Augustus zur Schätzung und Zählung aller Landesbewohner. Neuer Kummer und Trost

12,1. Und Joseph verbrachte nun ganz wohlgemut mit Maria, die nun sein Weib war, noch zwei Monate in seinem Hause und arbeitete für den Unterhalt Mariens.

12,2. Als aber diese Zeit verstrichen und Maria der Zeit der Entbindung nahe war, da geschah ein neuer Schlag, welcher unseren Joseph in eine grosse Bekümmernis versetzte.

12,3. Der römische Kaiser Augustus liess nämlich in allen seinen Landen einen Befehl ergehen, demzufolge alle Völker seines Reiches sollten beschrieben und gezählt und der Steuer und der Rekrutierung wegen klassifiziert werden.

12,4. Und so waren auch die Nazaräer von diesem Gebote nicht ausgenommen, und Joseph ward genötigt, sich auch nach Bethlehem, der Stadt Davids, zu begeben, in welcher die römische Beschreibungskommission aufgestellt war.

12,5. Als er aber dieses Gebot vernahm, dessentwegen er schon ohnehin zu einer Versammlung nach Jerusalem ist berufen worden, da sprach er bei sich selbst:

12,6. „Mein Gott und mein Herr, das ist ein harter Schlag für mich gerade zu dieser Zeit, da Maria der Entbindung so nahe ist!

12,7. Was soll ich nun tun? – Ich muss wohl meine Söhne einschreiben lassen, denn diese sind dem Kaiser leider waffenpflichtig; aber was soll ich, um Deines Namens willen, o Herr, mit Maria machen?!

12,8. Daheim kann ich sie nicht lassen; denn was würde sie da machen, wenn ihre Zeit sie zu drängen anfinge?

12,9. Nehme ich sie aber mit, wer steht mir da dafür, dass ihre Zeit sie nicht schon unterm Wege befällt und ich dann nicht wissen werde, was da mit ihr zu machen sein wird, da sie doch noch mehr ein Kind als ein so ganz festes Weib ist?

12,10. Und bringe ich sie auch noch mit genauer Not hin vor die Amtleute Roms, wie soll ich sie da einschreiben lassen?

12,11. Etwa als mein Weib, davon doch niemand ausser mir und dem Hohenpriester bis jetzt noch etwas weiss?

12,12. Wahrhaftig, dessen schäme ich mich beinahe vor den Söhnen Israels; denn sie wissen es, dass ich ein über siebzig Jahre alter Greis bin! – Was werden sie sagen, so ich das kaum fünfzehnjährige Kind, im hochschwangeren Zustande noch dazu, als mein rechtmässiges Weib einschreiben lasse?!

12,13. Oder soll ich sie als meine Tochter einschreiben lassen? – Es wissen aber ja die Söhne Israels, woher Maria ist, und dass sie nimmer meine Tochter ist!

12,14. Lasse ich sie als die mir anvertraute Jungfrau des Herrn einschreiben, was dürften da einige, die noch nicht wissen möchten, dass ich mich im Tempel gerechtfertiget habe, zu mir sagen, so sie Mariam hochschwanger erschauen würden?

12,15. Ja, ich weiss, was ich nun wieder tun will: den Tag des Herrn will ich abwarten! An diesem wird der Herr, mein Gott, machen, was Er wird wollen, und das wird auch das Beste sein. Und also geschehe es denn!“

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