KJUG-114

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114. Kapitel - Maria im Gespräch mit Zuriel und Gabriel. Des Kindleins Hinweis auf die neue Ordnung im Himmel und auf Erden. Eudokias Wissbegier wegen der ,Erzboten`

114,1. Als das Nachtmahl eingenommen war und sodann alle dem Herrn mit Joseph ein Danklied dargebracht hatten, da sprach einer der Jünglinge zur Maria:

114,2. „Maria, du Gebenedeite unter den Weibern der Erde! erinnerst du dich meiner nicht mehr? – Bin ich nicht der, welcher im Tempel so oft mit dir gespielt hat und hat dir allzeit eine gute Speise und einen süssen Trank gebracht?“

114,3. Hier schmuzte die Maria und sprach: „Ja, ich erkenne dich, du bist Zuriel, ein Erzengel! Du hast mich aber manchmal auch sehr geneckt, da du mit mir sprachst, aber dich nicht sehen liessest;

114,4. und ich musste dich oft stundenlang bitten, bis du dich bewegen liessest dazu, dass ich dich ersah!“

114,5. Und der Jüngling sprach: „Siehe, du gebenedeite Mutter, also war es des Herrn Wille, der dich überlieb hatte.

114,6. Wie aber das Herz in dir, als der Sitz der Liebe, fortwährend pocht und dein ganzes Wesen stupft und neckt,

114,7. also ist das auch die Art der Liebe des Herrn, dass sie ihre Lieblinge fortwährend stupft, zupft und neckt, aber auch eben dadurch das Leben bildet und dauerhaft macht für die Ewigkeit!“

114,8. Maria ward über diese Erklärung sehr erfreut und lobte die grosse Güte des Herrn.

114,9. Ein anderer Jüngling aber wandte sich auch zur Maria und sprach: „Gebenedeite Jungfrau! erkennst du auch mich? Es wird nicht viel über ein Jahr sein, als ich dich besucht habe in Nazareth!“

114,10. Und Maria erkannte ihn an der Stimme und sprach: „Ja, ja, du bist Gabriel! Wahrlich, dir gleich ist keiner; denn du hast der Erde wohl die grösste Botschaft gebracht, und das Heil allen Völkern!“

114,11. Und der Jüngling erwiderte der Maria: „O Jungfrau! im Anfange hast du dich geirrt; denn siehe, der Herr hat schon mit mir angefangen, Sich zur Ausführung der grössten Tat der kleinsten und geringsten Mittel zu bedienen!

114,12. Darum bin ich wohl nur der Geringste und Kleinste im Reiche Gottes, aber nicht der Grösste! – Wohl habe ich der Erde die grösste und heiligste Botschaft gebracht;

114,13. aber darum bin ich nicht, als wäre mir an Grösse keiner gleich; wohl aber umgekehrt, wie ich nämlich der Geringste bin im Reiche Gottes!“

114,14. Da verwunderte sich Maria samt Joseph über die grosse Demut des Jünglings.

114,15. Das Kindlein aber sprach: „Ja, dieser Engel hat recht! Im Anfange war der Grösste Mir der Nächste.

114,16. Dieser aber erhob sich und wollte Mir gleich sein, und wollte Mich übertreffen, und entfernte sich darum von Mir.

114,17. Darum aber baute Ich dann Himmel und Erde und gab die Ordnung, dass nur das Geringe Mir am nächsten sein solle!

114,18. Nun aber erwählte Ich für Mich alle Niedrigkeit der Welt; und es werden darum nur die die Grössten sein bei Mir, die gleich Mir in der Welt wie in sich selbst die Geringsten und Niedrigsten sind.

114,19. Und so hast du, Mein Gabriel, recht aus dir, und die Mutter hat auch recht; denn also bist du der Grösste, weil du der Geringste bist aus und in dir!“

114,20. Als das Kindlein solche Worte zu dem Jünglinge Gabriel redete, da fielen sobald alle Jünglinge nieder auf ihre Knie und beteten Dasselbe an.

114,21. Die Eudokia aber forschte hin und her; denn sie wusste nicht, was sie aus diesen überschönen Jünglingen machen sollte.

114,22. Sie vernahm wohl, wie man diese Jünglinge ,Erzboten‘ nannte, und das aus dem Reiche Gottes, – aber sie hielt Palästina wie auch Oberägypten dafür. Sie fragte daher, ob das etwa Gesandte seien.

114,23. Ein Jüngling aber sprach: „Eudokia, gedulde dich nur! Siehe, wir bleiben ja drei Tage hier, und da werden wir uns schon noch besser kennenlernen!“ – Und die Eudokia war damit zufrieden und begab sich bald zur Ruhe.

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