KJUG-107

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107. Kapitel - Des Cyrenius Dank. Der Edelmut und die Weisheit des bescheidenen Joseph. Cyrenius übergibt acht arme Kinder an Joseph zur Erziehung

107,1. Nun aber sprach der Cyrenius zum Joseph: „Erhabener Freund und Bruder! Ich habe nun in deinem Hause mein grösstes Glück in jeder Hinsicht gemacht; sage nun, welchen Lohn du für dich von mir verlangst?!

107,2. O sage, wie kann ich es dir nur im geringsten Masse vergelten, was alles du an mir getan hast?!

107,3. Bringe aber ja etwa nicht diese Villa in den Anschlag, welche als Lohn für dich wohl etwas zu Geringes und zu Elendes ist!“

107,4. Und der Joseph sprach: „O Bruder und Freund, was wohl hältst du von mir?!

107,5. Meinst du denn, ich sei ein Wohltatskrämer und tue Gutes nur eines Lohnes wegen?

107,6. O wie gross irrest du dich da, wenn du solches von mir glaubst!

107,7. Siehe, ich kenne nichts Elenderes als einen bezahlten Wohltäter und eine bezahlte Wohltat!

107,8. Wahrlich! ich sei verflucht und der Tag und die Stunde, in der ich geboren ward, so ich von dir auch nur einen Stater annehmen möchte!

107,9. Nehme du daher nur ganz wohlgemut dein Weib zu dir, die gereinigte Tullia; was du ihr und noch so manchen Armen tun wirst, das werde ich allzeit als einen guten Lohn für meine Taten an dir ansehen und annehmen!

107,10. Dieses Haus doch verschone mit jeder Dotation; denn was ich habe, ist genug für uns alle – wozu solle da ein mehreres?

107,11. Du meinst etwa, ich werde für die Eudokia irgendein Kostgeld von dir verlangen? – Oh – des sei ruhig!

107,12. Ich nehme sie auf als eine Tochter und werde sie erziehen in der Gnade Gottes.

107,13. Wo aber ist wohl der Vater, der sich für die Erziehung seiner Tochter je noch von jemandem hätte etwas zahlen lassen?!

107,14. Ich sage dir, Eudokia ist mehr wert als alle Welt; daher gibt es auf der Welt auch keinen Lohn, der mir nun um sie annehmbar geboten werden könnte.

107,15. Der grosse Lohn aber, den ich für all mein Tun habe, siehe, der liegt nun in den Armen der Eudokia!“

107,16. Als aber der Cyrenius diese grosse Uneigennützigkeit Josephs ersah, da sprach er höchst gerührt:

107,17. „Wahrlich, vor Gott und allen Menschen der Erde stehest du allein da als ein Mensch aller Menschen!

107,18. Dich mit Worten zu rühmen, wäre eine vergebliche Mühe; denn du bist über jedes Menschenwort erhaben!

107,19. Ich aber weiss, was ich tun werde, um dir zu zeigen, wie überaus hoch ich dich achte und schätze.

107,20. Ein Geschenk werde ich dir machen, das du sicher nicht von dir abweisen wirst!

107,21. Siehe, ich habe in Tyrus drei Mädchen und fünf Knaben von ganz dürftigen Eltern, die aber schon verstorben sind!

107,22. Diese lieben Kinder werde ich hierher zu dir bringen lassen, auf dass sie von dir erzogen werden!

107,23. Dass ich für ihren Unterhalt sorgen werde, des kannst du vollends versichert sein.

107,24. Wirst du mir auch das abschlagen? – Nein, Joseph, du mein erhabenster Bruder, das wirst du sicher nicht tun!“

107,25. Und der Joseph sprach ganz gerührt: „Nein, Bruder, das werde ich dir nimmer versagen! Sende diese Kinder daher nur so bald als möglich hierher; sie sollen bestens versorgt werden in allem, was ihnen not tut!“

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