KJUG-10

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10. Kapitel - Die römische Volkszählung. Josephs Nichtbeteiligung am Volksrat in Jerusalem. Der Verräter Annas

10,1. Es ist aber zwei Wochen nach diesem Begebnisse ein grosser Rat in Jerusalem gehalten worden, und zwar darüber, da man von einigen in Jerusalem wohnenden Römern vernommen hatte, dass der Kaiser werde das gesamte jüdische Volk zählen und beschreiben lassen.

10,2. Solche Nachricht hatte einen grossen Schreck bei den Juden, denen es verboten war, Menschen zu zählen, hervorgebracht.

10,3. Darum berief der Hohepriester zu dem Behufe eine grosse Versammlung zusammen, zu der alle Ältesten und Kunstmänner, wie da der Joseph einer war, erscheinen mussten.

10,4. Joseph aber hatte gerade eine kleine Reise ins Gebirge wegen Bauholz unternommen und blieb etliche Tage aus.

10,5. Der Bote aus Jerusalem aber, der unter der Zeit zu Joseph kam und ihm die Einladung zur grossen Versammlung überbrachte, gab, da er Joseph nicht antraf, dessen älterem Sohne die Beheissung, dass dieser solches, sobald Joseph nach Hause käme, ihm ja unverzüglich auf das dringendste zu benachrichtigen habe!

10,6. Joseph aber kam schon am nächsten Tage morgens wieder nach Hause. Der Sohn Joses benachrichtigte ihn sogleich davon, was da gekommen ist aus Jerusalem.

10,7. Joseph aber sagte: „Nun bin ich fünf Tage lang im Gebirge herumgestiegen und bin daher überaus müde geworden, und meine Füsse würden mich nimmer tragen, so ich nicht zuvor ein paar Tage werde geruht haben; daher bin ich diesmal genötigt, dem Rufe Jerusalems nicht zu folgen.

10,8. Übrigens ist diese ganze grosse Versammlung keine hohle Nuss wert; denn der mächtige Kaiser Roms, der sein Zepter nun schon sogar über die Länder der Skythen schwingt, wird wenig Notiz nehmen von unserer Beratung und wird tun, was er will! Daher bleibe ich nun fein zu Hause!“

10,9. Es kam aber nach drei Tagen ein gewisser Annas aus Jerusalem, der da ein grosser Schriftgelehrter war, zu Joseph und sprach zu ihm:

10,10. „Joseph, du kunstverständiger und schriftgelehrter Mann aus dem Stamme Davids! – Ich muss dich fragen, warum du nicht in die Versammlung gekommen bist?“

10,11. Joseph aber wandte sich zum Annas und sprach: „Siehe, ich war fünf Tage lang im Gebirge und wusste nicht, dass ich berufen ward.

10,12. Da ich aber nach Hause kam und durch meinen Sohn Joses die Nachricht erhielt, war ich zu müde und schwach, als dass es mir möglich gewesen wäre, mich sobald gen Jerusalem auf die Beine zu machen! – Zudem aber ersah ich ja aber ohnehin auf den ersten Blick, dass diese ganze grosse Versammlung wenig oder gar nichts nützen wird.“

10,13. Während aber Joseph solches gesprochen hatte, sah sich der Annas um und entdeckte unglücklicherweise die hochschwangere Jungfrau.

10,14. Er verliess daher auch wie ganz stumm den Joseph und eilte, was er nur konnte, nach Jerusalem.

10,15. Allda ganz atemlos angelangt, eilte er sogleich zum Hohenpriester und sagte zu ihm:

10,16. „Höre mich an, und frage mich nicht, warum der Sohn Davids nicht in die Versammlung kam; denn ich habe unerhörte Greueldinge in seinem Hause entdeckt!

10,17. Siehe, Joseph, dem Gott und du das Zeugnis gabst dadurch, dass du ihm die Jungfrau anvertraut hast, hat sich unbeschreiblich tief und grob vor Gott und vor dir verfehlt!“

10,18. Der Hohepriester aber war ganz entsetzt über die Nachricht Annas' und fragte ganz kurz: „Wie so, wie das? – Rede mir die vollste Wahrheit, oder du bist heute noch des Todes!“

10,19. Und der Annas sprach: „Siehe, die Jungfrau Maria, die er laut des Zeugnisses Gottes aus diesem Tempel des Herrn zur Obhut erhielt, hat er weidlichst geschändet; denn ihre schon hohe Schwangerschaft ist ein lebendiges Zeugnis davon!“

10,20. Der Hohepriester aber sprach: „Nein, Joseph hat das nimmer getan! – Kann auch Gott ein falsches Zeugnis geben?!“

10,21. Annas aber sprach: „So sende denn deine vertrautesten Diener hin, und du wirst dich überzeugen, dass da die Jungfrau im Vollernste hochschwanger ist; ist sie es aber nicht, so will ich hier gesteiniget werden!“

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