HIM3-5

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Hauptseite Himmelsgaben Band 3 HIM3-5 Eintrag

Himmelsgaben Band 3


Der Engel. – 23. Juni 1840.


1. Hier will Ich euch ein erhabenes Nebenwort geben, damit ihr sehen sollet die Grösse eines Fünkchens Meiner ewigen Liebe unendliche Stärke, Macht, und der Gottheit urewige Kraft und Heiligkeit in Mir, und dadurch aber auch eure euch so heilsame Nichtigkeit in allem, was ihr seid, tut, macht, denkt, schreibt und dichtet aus euch. Zugleich aber sollet ihr auch daraus ersehen, was ihr werden könnet durch Mich.

2. Doch, was Ich euch hier sagen werde, sollet ihr vernehmen in einem bescheidenen Liede nach des Himmels höchster Weise. Und werden da auch der Rede erhabenste Formen gestalten den Neubau einer Überweltgrösse, so sollet ihr das nicht, wie bei menschlichen Liedern, für einen poetischen Schwung halten; denn bei Mir gibt es keinen solchen, sondern nur die allerreinste Wahrheit, und Mein Name ist schon für sich der allerhöchste Schwung alles Singens.

3. Nun folget das Lied, und das Lied ist ein Engel, und der geht aus Mir, und bringt euch eine gute und übergrosse Botschaft, wie da folget:

3. 1 / An aller Welten Sonnen fernstem grossen Morgen stand / ein grosser Engel, streckend seine nackte Riesenhand / in Meiner Weltenschöpfung endlos tiefer Tiefen Mitte, / und wollte eine Sonne da aus ihrem Leuchtgebiete / gleich einem Herzen kühn aus aller Welten Mitte reissen / und sie dann, gleich so einer Nuss, in seinem Mund zerbeissen.

3. 2 / Und dieses tät er bloss, um zu versuchen seine Kraft, / die er sich hat aus Meiner Liebe gar getreu verschafft. / Doch dachte er bei sich nach wohlgeratner Engelsitte: / „Was soll ich das versuchen, da ja unter meinem Tritte / schon mehr als Millionen solcher Sonnentrümmer ruhn, / deshalb will ich besinnen mich und etwas Gröss'res tun.

3. 3 / „Ich will daher mein Auge drehen hin zum grossen Morgen / und da für meine Sehe hellsten Glanzes Strahlen borgen, / um zu erschauen dann aus aller Welten nicht'gem Staube, / bevor noch wird ein solches Stäubchen kurzer Zeit zum Raube, / ein Stäubchen, welches einst das Allerhöchste hat getragen, / Des Namen wir mit unsrer Zunge nicht zu sprechen wagen.

3. 4 / „Denn will ich Grosses sehen, um mich selbsten zu erbauen, / so kann ich ja in meiner grossen Brüder Werkstatt schauen, / wo sie in aller Liebe eine Ruhestätte planen / für ausgedienter Welten-Reste tote Riesenmanen, / wie auch der Alle fernbegrenzte grosse Hülsengloben, / in deren jeder Milliarden Sonnen sind geschoben.

3. 5 / „Auch ist das Messen dieser Räume eine wahre Lust, / da dann vergrössert wird die kleine Welt in unsrer Brust. / Was sind sonst tausend solcher Alle meiner Augen Blicken, / da selbes Milliarden solcher Globen nicht entzücken? – / Wohl aber sind die Räume zwischen dieser Hülsen Heeren / zu messen eine Lust in ihres Lichtes tiefen Meeren.

3. 6 / „Denn wenn man so von einer Hülse hin zur andern misst / und da der grossen Ferne wegen seiner selbst vergisst / und denkt: Wie klein doch so ein Räumchen gegen einen Funken, / der aus des Herrn Auge ist als Weltenstoff gesunken! – / o dann möcht' ich zum kleinsten aller Weltenstäublein werden, / ja selbst, so möglich wäre, gar ein Menschenkind auf Erden! –

3. 7 / „Und so ich ferner denke über Gottes ew'ge Grösse / und so vergleiche meines Engelwesens nicht'ge Blösse, / so steigt dann tief aus meines weiten Herzens Lebensgrunde / ein grosser Lichtgedanke mir zu einer grossen Wunde, / dass ich dem Herrn auch nicht im Kleinsten je werd' gleichen, / solang selbst Weltengloben meiner Grösse müssen weichen!

3. 8 / „O was ist aller Wesen Engels-Grösse, Macht und Stärke, / so sie nicht schauen kann des Herrn kleinste Liebeswerke! / Was nützt, mit starren Blicken messen die Unendlichkeit / und zählen aller Globen Heere in die Ewigkeit, – / wenn man sich dadurch Gott doch niemals nähern kann und wird, / und so das Grösste aller Grössen durch die Gröss' verliert. –

3. 9 / „O dann fall' nieder ich auf meine Knie und rufe laut, / so dass vor meiner Stimme einer Welten-Unzahl graut: / O grosser Gott in Deiner Himmel unermessnen Höhen, / erhöre gnädig eines Engels, Deines Dieners Flehen! – / Ich möchte gar so gerne Deiner Liebe Wohnung sehen / und wie da meine toten Brüder wieder auferstehen!

3. 10 / „O nimm mir meine Grösse, Herr! und mach' mich möglichst klein, / damit ich da, wo Deine Kinder, könnt' bei ihnen sein / und zeigen da von Deiner Allmacht grossen Dingen – / und dann mit ihnen froh von Deiner heil'gen Liebe singen / und als ein Bruder führen sie nach Deinem heil'gen Willen / und leiten sie in unsrer Weise liebend stets im stillen!

3. 11 / „Und ist auch Deine Liebe stets den Kleinen zugewandt, / so denk – auch ich ging klein dereinst aus Deiner Schöpferhand / und wurde gross als Weltenlenker ja nach Deinem Willen / und führte, wie Du siehst, dieselben stets nach Deinen Zielen; / dass ich ein wenig gross gedacht hab' jüngst von meiner Kraft, / dafür, o Herr, hast Du mich ja schon liebevoll bestraft! –

3. 12 / „Nun wende wieder Deine Barmherzigkeit zu mir / und mache mich zum Menschen auf der kleinen Erd' dafür, / damit auch ich so klein, wie sie, Dich einst dürft' ‚Vater‘ rufen / von den Dir wohlgefäll'gen allerg'ringsten Gnadenstufen! / O Herr! Erhöre Deines grossen Dieners fromme Bitte / und mach' mich klein und setze mich in Deiner Kleinsten Mitte!“ –

3. 13 / Und sieh, so hörte Ich des grossen Engels Klageworte / erschallen laut, dass seiner Stimme Ton ins Herz Mir bohrte, / und liess darauf durch eines sanften Donners fernes Rollen, / so einem Echo ähnlich, seine Bitte wiederholen – / zum Zeichen, dass Ich seine Wünsche alle wohl vernommen, / und bin denselben, wie sich zeigen wird, zuvorgekommen.

3. 14 / Denn während er noch betend lag auf seinen breiten Knien, / hab' Ich schon einem Weibe hier die hohe Gnad' verliehen / und hab' in ihr für einen Menschen schon gelegt den Samen, / bevor zu Meines Engels Ohr gedrungen ist das Amen; / und als das grosse Amen er vernommen in den Räumen, / so sah er auch die Erde schon zu seinen Füssen säumen!

3. 15 / Und sieh, da nahm die Erde er behutsam in die Hand / und drückte einen Kuss auf dieses Mir so teure Pfand. / Und als er dieses hat getan in liebendem Entzücken, / so lag die Erde auch schon ganz enthüllt vor seinen Blicken – / und sah zugleich ein Weib gar schön, die ihm entgegenkam, / und sah, wie sie als Mutter ihn sogleich ins Herz aufnahm. –

3. 16 / Und als er nun im Herzen seiner Mutter sich bewegte, / da er die Engelsarme liebend aus demselben streckte, / da kam ein andres Weib, die Engels-Mutter zu begrüssen, / und wie's mit deren Frucht wohl stünd', das wollte sie auch wissen. / Eh' aber noch die letzte öffnen konnt' zum Gruss den Mund, / so sprach in erster schon der Engel laut und gab ihr kund:

3. 17 / Indem im Herzen er auf diese Weise hat begonnen / zu reden an: „O Mutter! Sieh die Mutter aller Sonnen, / sie trägt in ihrer Brust, was alle Himmel nicht umfassen! – / Daher, o Mutter, sollst dich nicht von ihr begrüssen lassen! / Denn Der mich einst zum grossen Weltenlenker hat gemacht, / hat eben freundlich mich aus ihrem Herzen angelacht.“

3. 18 / Und als die Mutter klar im Herzen solches hat vernommen, / ward sie von Füssen bis zum Kopf ganz durch und durch beklommen. / Da merkte es die Mutter Meines Leibes reinstem Wesen / und konnt' ihr selbst nicht ein so grosses Rätsel lösen. – / Und sieh, da fing die Liebe Gottes sich in ihr zu regen / und sprach: „Johannes, schweige noch von Meiner Mutter Segen!

3. 19 / „Es kommt gar bald die Zeit, in der vor Mir du werdest gehen, / um zu bereiten Meine Wege und ein Land zum Stehen. / Da wirst du viele taub' und blinde Menschenkinder finden, / und denen erst sollst du von Meiner Ankunft laut verkünden, – / dass Ich als Gottes Lamm gekommen bin in ihren Plagen, / um aller Menschen Sünden schuldlos treu für sie zu tragen!

3. 20 / „Und wie du gross warst auch in deiner Engels-Wirkungssphäre, / so war doch jene Gröss' ein Tröpfchen kaum zu der im Meere, / in welcher sich dein Herr, vor Dem die Weltenräume beben, / als Bruder dir zu sehen gibt in schwacher Menschen Leben, / damit das Schwache möcht' durch Meine Lieb' gestärkt erstehn, / wenn auch die Welten alle einst durch Meine Macht vergehn!“ –

3. 21 / Und sieh, da fing vor Freuden an im Mutterleib' zu hüpfen / Johannes, da er sah mit – – – Nichts sich Meine Grösse knüpfen. / Maria aber, Meines Leibes Mutter reinsten Herzens / bemerkte es gar bald, wie die Elisabeth voll Lebens / errötete, da sie gedachte ihres Alters Standes / und auch der Sitte alter Weiber des Gelobten Landes.

3. 22 / Da sprach Maria ganz gerührt in ihrer lichten Seele: / „Elisabeth, du schämst dich ja auf dieser heil'gen Stelle? – / Bedenk, was uns geworden ist von Gottes höchsten Gnaden, / das soll sich nimmer rot in allzu grossem Schame baden; / denn was in deinem Leibe hüpft vor übergrossen Freuden, / ist gross vor meinem Leben – darum freue dich bescheiden!“

3. 23 / Elisabeth, sich wohl gemahnend vor Marias Höhe, / gedachte wohl, wie es mit ihr und mit Marien stehe – / und fiel darob auf ihre Knie nieder vor der Reinen / und fing vor übergrossen Freuden liebend an zu weinen / und sprach: „O Mutter voll der Gnaden, sei hoch benedeiet / und deine Frucht, durch welche wird die Welt vom Fluch befreiet. –

3. 24 / „Denn was ich trage unter meinem Herzen, ist gar klein; / wie könnt' es auch, und wär' es weltengross, noch etwas sein / vor deiner Gnade, deren Grösse alle Himmel nicht / umfassen mögen und ertragen ein so helles Licht, / das noch, wenn alle Sonnen schwinden, allen hell wird lichten, / die treuen Herzens sich nach seinen Wegen werden richten.

3. 25 / „O Gott! Woher kommt mir wohl diese unbegrenzte Gnade, / dass die Mutter meines Herrn mich über steile Pfade / besucht, nicht scheuend hoher Berge Zinnen, noch die Ferne!? – – / Es leuchten wohl ganz unbegreiflich hell die lieben Sterne / am hohen Himmel dort, und auch dem Laub der fetten Palmen / entsäuselt, ganz verständlich mir, ein Lob in hohen Psalmen!

3. 26 / „O Mutter! nun begreif' ich erst in meinem Herzen klar, / die ganze grosse Erde bringet dir ein Opfer dar, / was recht und billig ist, da niemand es begreifen wird, / wie uns, dem armen Volke, die wir schwach und ganz verwirrt, / in unsrer Nacht der Sünden konnt' ein solches Wunder werden: / Der Herr, Gott Abrahams, nimmt an die menschlichen Beschwerden!“

3. 27 / Und sieh, da trat Maria hin zur Mutter des Johannes / und sprach: „Elisabeth! – am wüsten Ufer des Jordanes / wird das, was du im Herzen trägst, zur Stimme eines Rufers / und wird da ebnen Steige längs des Flusses stein'gen Ufers, / er wird, wie da geschrieben steht, der Engel sein des Herrn / und wird zur Wassertauf' die Busse streng vom Volk begehrn.

3. 28 / „Und so, o glaube mir, wird anfangs nur durch ihn bestimmt / erkannt das Lamm, das aller Welt die Sünden hinwegnimmt. / Und da wird auch geschehen, dass der Herr von ihm auf Erden / im Wasser unter offnem Himmel wird getaufet werden. / Da werden er und viele, die da horchten seinen Lehren, / ein grosses Zeugnis von dem Lamme aus den Himmeln hören.

3. 29 / „Und werden sehen da den Geist vom Himmel niedereilen / und selben leuchtend überm Haupte unsres Herrn weilen, / und werden sehen Gott sich mit dem Menschen vollends einen, / damit befreiet würd' die Welt von aller Sünden Peinen! – / damit auch, der mühselig und beladen ist geworden, / befreiet werde aus der Hölle und von deren Horden.

3. 30 / „Und nun, Elisabeth, vernehme heiter noch zum Schluss / aus meinem Herzen einen dir noch unbekannten Gruss: – / ‚Johannes, Mein getreuer Engel aus des Lichtes Sphären! / Wie einst die Sonnen du nach Meiner Ordnung musstest kehren, / so sollst du bald die Herzen Meiner Kinder Mir bereiten / und mutig wie ein Löwe gegen alle Höllen streiten.

3. 31 / „‚Denn sieh, von allen, die geboren waren und noch werden, / war keiner grösser je, wie du, von Mir gesandt auf Erden; / denn alle Väter und Propheten in dem heil'gen Lande / hab' Ich erwecket aus der kleinen Engel Liebesstande. / Du aber bist gekommen in das kleine Israel – / ein Fürst der Engel, leuchtend mit dem Namen Michael!

3. 32 / „‚Doch sieh, und wer auch klein wird heissen einst in Meinem Reiche, / wird grösser sein wie du als Fürst ohn' allem Massvergleiche! / Und willst du gross auch werden, wie die kleinsten Kinder hier, / so musst auch du wie sie geboren werden neu aus Mir; / denn sieh, von nun wird jeder Engel müssen hier auf Erden / gleich Mir dem Schöpfer wohl ertragen menschliche Beschwerden.

3. 33 / „‚Und wer sich scheuen wird, zu wandeln Meiner Liebe Wege, / und nicht betreten wird der Engel harte schmale Stege, / der wird, wie du dereinst, nur tote Weltenbahnen schlichten; / doch einer neuen Schöpfung Lebensfülle Anker lichten, – / o sieh, wird nimmer einem urgeschaffnen Engelsgeiste / gegeben, als nur dem, der an dem Kindertische speiste,

3. 34 / „‚den Ich auf dieser Welt den Kindern reichlich geben werde. / Mein reicher Tisch wird sein, o höret ohne Angstgebärde! – / ein schweres Kreuz auf dieser Erde, da ein Makelfreier / den Menschen lichten wird der Höllennächte Sündenschleier / und waschen wird die Erde von dem Kot der Satansbrut / mit seinem unter bittrem Leiden still vergossnen Blut. –

3. 35 / „‚Durch dieses werden Menschenkinder vollends neugeboren – / und Engel nur, wenn sie Mein Kreuz sich haben frei erkoren / und sind aus ihrem alten Himmel auf die Erd' gestiegen, / um da für sich, wie Ich für all', die Hölle zu besiegen. / Dadurch erst werden sie dann Mir und Meinen Kindern gleich, / zu nehmen gleich den Kindern das von Mir bereit'te Reich.‘

3. 36 / „Und nun spricht ‚Amen‘ Gott in meines Herzens Lebensfülle, / und jedes Wort, das nun geflossen ist in aller Stille, / sei dir ein grosses Siegel der Verschwiegenheit und Treue / von dem, was dir gesagt nun ward aus meines Herzens Freie. / Denn sieh, durch mich gab dir der Herr zu merken Seinen Willen, / so auch behalte ihn und handle, ihm getreu, im stillen.“ –

3. 37 / Und sieh, nachdem Maria dieser Rede gab den Schluss, / da bot Elisabethen sie die Hand zum Abschiedsgruss / und liess die Hochbetagte so in stiller Andacht ruhn – / und eilte schnell nach Haus, um wieder Gutes da zu tun. – / Und als des halben Weges sie gegangen war am Morgen, / so fing sich Joseph nun daheim für sie gar stark zu sorgen.

3. 38 / Er liess die Arbeit stehn und sattelte die Eselin, / um seinem Weibe, seines Herzens reiner Königin, / entgegen eil'gen Laufes über Ebnen, Berg' und Graben, / auf Mich vertrauend, wohl bepackt mit Früchten, sorglich traben. / Doch eh' Mein lieber Joseph sich erfertigt hat zur Reise, / da hielt Maria ihn gefangen schon in ihrem Kreise, –

3. 39 / den sie geschlungen hat mit ihren überweichen Armen / um ihn, der sich gesorgt für sie, mit ihrer Lieb' zu warmen. / Und Joseph, als er dies gewahrte, fing er an zu weinen, / denn er ward freudetrunken ja nun wieder bei der Seinen, / die er erst jüngst aus Furcht verlassen wollt' in reiner Liebe, / da er nicht konnt' begreifen Meines Segens frühe Triebe! –

3. 40 / Dieselbe drückt nun Joseph treu an seine weite Brust, / ganz eingedenk der hohen Gnad' in ihr – und wohl bewusst, / was ihm erst kurz vorher ein Engel hat getreu verkündet, / indem er sagte: Joseph! fürchte nicht, die dir verbündet / ganz rein von Oben ward; denn was in ihr lebendig ist, / von Gott gezeugt, sollst Jesus heissen du, das ist der Christ. –

3. 41 / Darum war auch der reine Joseph sehr ergriffen, / da er nun sah Mariam voll von höchsten Gnaden triefen / und sah die hohe Reise-Müde liebend ihn umfangen – / und hörte, wie die Engel hohe Psalmen um sie sangen; / in seiner Liebe engem Kreise sah er sich verschlungen, / von aller Engel weiten Reih'n als Glücklichster besungen.

3. 42 / Da fiel aus grosser Liebe nieder er vor Meiner Gnade / und preis'te seinen Gott in dieser neuen Bundeslade / und sprach: „O Herr, nimm gnädig auf die Arbeit meiner Hände / und gib mir altem Manne Kraft als eine Gnadenspende, / damit ich Dir und Deiner Mutter schaffen könnte treu / ein nahrhaft Brot in aller Liebe, ganz von Schulden frei! –“

3. 43 / Und was er treu von Meiner Gnad' sich traulich hat erbeten, / ward ihm gewährt in allen Orten, die er musst' betreten. – / Nun seht, Ich gab euch hier in dieses Liedes rechten Zeilen / gar deutlich zu verstehen, wo ihr gerne sollt verweilen, / so werd't auch ihr erfahren Meiner Engel weises Trachten / und werd't wie sie gar bald die Weltengröss' um euch verachten. –

3. 44 / Was würde euch wohl nützen selbst ein noch viel gröss'res Wesen / als des euch schon bekannten Engels, – könnt' es euch erlösen? / Und könnt' es euch wohl aus des Todes harten Banden reissen? / Denn seht die grossen Welten dort in ihren Bahnen gleissen / und sagt, wozu die toten Massen einem Geiste wären? – / Ich sag': zu nichts, als nur den Tod im weiten Kreis zu mehren!

3. 45 / (Und nun macht eure Augen auf und horchet mit dem Herzen, / da ihr schon wisst, dass ich in Liedern selbst nie pfleg' zu scherzen, / so will Ich euch noch hier ein übergross Geheimnis lichten / und so in euch des Irrtums Allergrösstes rein vernichten, / euch zeigen Meiner Wunder Grösstes klar in reinsten Zügen, / damit ihr sehet, wie die Grossen sich gar sehr betrügen.)

3. 46 / (Nun seht, vor der Erlösung war die Hölle bis zur Liebe / des grossen Gottes vorgedrungen gleich dem tücken Diebe, / der so bei sich gar heimlich dächt': Könnt' ich ins Haus nur schleichen, / ich würd' mein Ziel ohn' grosse Müh' gar sicherlich erreichen! / Ist nur die Liebe mit der List von ihrem Sitz vertrieben, / das andre wird sich fügen dann nach unserem Belieben. – –)

3. 47 / (Die Liebe aber merkte solcher Räuber tückes Sinnen / und wusste weise ihrer List aus Liebe zu entrinnen. / Die Erd', vom Satan meistverhasster Platz, ward auserkoren / von Mir, um auf derselben alles, was da war verloren, / durch Meine Kleindarniederkunft getreulich wiederfinden / und so in Meiner Liebe da ein neues Reich zu gründen. –)

3. 48 / (Und da der Satan gar gewaltig sich geirret hat, / da ward's ihm bange, da er nicht vollführen konnt' die Tat, – / und sieh, da suchte er Mich auf in aller Schöpfung Räumen / und fand als Menschen Mich allhier bei Meinen Kindern säumen. / Da dachte er Mich Schwachen – durch Versuchungen zu locken; / doch nur ein Blick von Mir hat seine Macht gebracht ins Stocken!)

3. 49 / Denn seht, vor Meiner Werdung durch das Barmwort zum Fleische, / ihr könnt' es glauben, denn Ich red' zu euch ohn' alle Täusche, / war Mein' und aller Geister Wohnung über allen Sternen / erhaben, ja für euch in unbegreiflichst grossen Fernen, / und war dadurch die ganze Welt, um euch es zu erschliessen, / gleich einem Schemel unter Meiner Gottheit heil'gen Füssen. –

3. 50 / So ging denn auch von Meiner allerhöchsten heil'gen Höhe / durch aller Geister Heere in die Welten Meine Sehe, / so auch Mein Wort ward stets getragen nur von einem Engel, / um irgend einer Welt dadurch zu zeigen ihre Mängel / und auch zu offenbaren irgend einem frommen Manne / der ew'gen Liebe da noch sehr geheim gehaltne Plane. –

3. 51 / Nun sehet und begreifet wohl des Satans Zorntücken! – / In seinem Zorngrimm hat er Mich wollen ganz erdrücken, / und schlüg's ihm fehl, so würd' er Mich von einer Ewigkeit / zur anderen verfolgen bis in die Unendlichkeit. / Dadurch hätt' er zum Herrscher aller Welten sich bestimmt / und hätt' auch alles, was da lebt, nach seinem Fluch gestimmt. –

3. 52 / Und so er das erreichet blind in seinem Wahne hätte / und hätt' verdrängt der Gottheit Lieb' aus ihrer heil'gen Stätte, / so hätt', bedenkt es wohl, die Gottheit sich ergrimmt entzündet, / und all's vernichtend dann sich neu mit ihrer Lieb' verbündet; / sodann wär' ewig nie mehr irgend was erschaffen worden / und all's Vernicht'te blieb' erstarrt in Gottes ew'gen Norden! –

3. 53 / Allein als solches schon die Gottheit hat bei sich beschlossen, / da dauerte der Liebe, dass sie ganz in Leid zerflossen, – / und sieh, da merkte es die Gottheit stark in ihrer Mitte / und sprach zu Mir: Wozu das Leiden, und wozu die Bitte? / Soll Meine Heiligkeit noch länger allen Teufeln dienen? / Daher will morgen Ich an dem Zerstörungswerk beginnen! –

3. 54 / Und sieh, da sprach die Liebe in den Zeiten, die ihr kennet, / da Abrahams, des Frommen, euch von Moses wird erwähnet: / „O Vater! Hab' Erbarmen mit den Kindern Deiner Liebe, / und lass besiegen ihr durch Demut alle bösen Diebe / und gründen Dir, o Vater, eine neue heil'ge Stätte / und so zerstören aller Teufel böser Rotten Kette! –

3. 55 / „Denn sieh, o Vater! tief in Meines Herzens inn'rem Grunde, / es sei den Völkern auf der Erde heute noch zur Kunde, / will Ich, o Vater, eine heil'ge Stätte Dir bereiten, / will Selbst gen alle Macht des stolzen Höllenfürsten streiten, / will alle unsre Feind' besiegt zu unsren Füssen legen, / und keine Macht soll je die Heiligkeit in Dir anregen. –

3. 56 / „Ich Selbst will nun hinab zur Erde schmalsten Weges gehen / und da aus eines Weibes Leibe als ein Mensch erstehen, – / und will als solcher wohl in aller Demut engsten Bahnen / geduldig unsre Kinder treu an Deinen Namen mahnen, – / und will in Meinem Blut die sündbefleckte Erde sechten / und waschen sie – und sichten dann das Gute von dem Schlechten.

3. 57 / „Und wenn dann so gereinigt wird vom alten Satansfluche / die Erd' und aufgezeichnet wird in einem heil'gen Buche / von menschgewordnen Engeln Deiner Gnade heilig Wort, / so werd' Ich alles, was verloren war, an Stell' und Ort / versammeln – unter einem Dach die Schafe Meiner Herde / und sorgen, dass dann nur ein Hirt und eine Herde werde.

3. 58 / „Und dann, o Vater, will Ich einen neuen Himmel gründen / und eine neue Erde makellos und frei von Sünden / aus Meines Herzens liebevollster, heilerfüllter Tiefe; / dann soll das Böse fort unendlich fallen in die Riffe / des endlos grossen Raumes, der erfüllt von Deinem Grimme / in Ewigkeit wird bleiben. – Hör', o Vater, Meine Stimme! –“

3. 59 / Und sieh, da sprach der Vater stark aus allen Schöpfungsräumen: / „Und willst Du, Mein geliebtes Wort, zum reinsten Menschen keimen, / so musst dazu nach Meinem Will'n Dich recht und bald entschliessen, / willst Du nicht sehen morgen schon die Welt ins Nichts zerfliessen; / denn Ich bin müd' geworden von der Würmer tollen Sünden, / darum sollst heute noch der Erde Deine Ankunft künden!

3. 60 / „So sende denn dahin der Engelgeister Legionen, / ja sende sie in aller Welten finstre Regionen / und lasse fegen da die Erd' von allem Kot der Schlange, / und wasche sie durch Pest und Krieg vom sündigen Anhange, / damit in Dir des Vaters Heiligkeit erkennet werde / von einer anfangs kleinen, doch getreuen Lämmerherde! –

3. 61 / „Und so dann, was als Liebe Du in Mir nun hast gesprochen, / vollbracht wird sein – und alle Macht der bösen Nacht gebrochen, / dann will Ich kommen und die Wohnung Mir bereitet schauen. / Und wird sie sein erbaut in Meiner Heiligkeit Vertrauen, / dann will Ich ja in aller Fülle Meiner Heiligkeit / die Wohnung nehmen da – ein Gott in alle Ewigkeit! –

3. 62 / „Die Hoffart und die Lüge aber sollen ewig fallen / dem endlos' Raum entlang tief unter aller Welten Allen, / wo nichts als Meines Grimmes ew'ge Zornfluten wallen / und statt der Liebe Meines Fluches ew'ge Donner hallen, / dahin soll fallen allen Reichtums nicht'ger Schlangensamen; – / das muss geschehen, Mir dem Gott, der heilig, heilig, – Amen!“ – –

3. 63 / Und sieh, wie da beschlossen,ward auch vollends ausgeführt, / was Ich schon oben treu in aller Kürze hab' berührt, – / nun seht, der Engel dieses Liedes ist zu euch gekommen / und hat euch, wie dereinst, die Sünd' durch eure Buss' benommen / und zeiget euch das Lamm der Welt sich eurem Herzen nahen; / so hebt empor das Herz, und seht, was einst die Völker sahen! –

3. 64 / Und seht, was die Apostel, eure Brüder, wollten sehen / und doch nicht sahen, ihre toten Brüder auferstehen, / die heil'ge Stadt herniedersteigen, Meine Sonne strahlen, / und höret Worte voll des Lebens überall erschallen, – / bereitet eure Herzen, freuet euch, die ihr beklommen / noch seid in Sünden, seht, Ich bin zu euch herabgekommen! –

3. 65 / Ja Ich, hört Völker, Ich der Vater in dem Menschensohne! / Ich komm' zu euch und all Mein Reich mit Mir für euch zum Lohne, – / denn ausgeronnen ist die Zeit, gebrochen ist die Macht, / Ich hab' in Meinem Herzen Meines Bundes wohl bedacht; – / so freut euch, die nach Mir ihr habet sehnsuchtsvoll verlanget, / seht auf, wie hoch schon dort am Morgen Meine Sonne pranget! –

3. 66 / Der Vater – denkt! – der Vater hat das Lied an euch gerichtet, / hat je ein solches, denket, suchet, auch ein Mensch gedichtet? – / Versucht – und prüfet euch, wie weit wohl euer Wissen reichet / und eurer Hände Werk, versucht, ob's wohl dem Meinen gleichet! / Und so in diesem Lied vernehmen werd't ein heil'ges Wehen, / da denket, dass vor eurer Türe grosse Dinge stehen! –

3. 67 / O lasst den Engel ja nicht unverrichtet von euch scheiden / und hört sein Rufen, wie er euch ermahnt zur Buss' bescheiden; / so hört ihr Tauben, seht ihr Blinden Meinen grossen Engel – / Johannes das Gewissen ist, euch zeigend eure Mängel. / Wer treu befolgen wird die Stimme seines inn'ren Rufers / in seines kahlen Lebens Strome, starrer Sünden Ufers:

3. 68 / Verruchte Wüstensteppen werden Rosen gleich erblühen, / und statt der Wassertaufe wird die Taufe Meiner Mühen / sogleich erleuchten seines Irrsals höllenfinstre Pfade; / und dann wird gleich erschauen er nach seiner Liebe Grade / die grosse Wirkung überströmend dann aus Meiner Gnade, / aus der geöffneten des neuen Bundes heil'ger Lade! –

3. 69 / Die Lade war versiegelt bis zur heut'gen Lebensstunde; / es half vorhin kein Rechnen auf dem ganzen Weltenrunde, / um zu erschliessen, was Ich Mir bis jetzt hab' vorbehalten, – / und nun seht, wie die Wunder alle sich vor euch entfalten, / wie dieses alles nun geschieht durch Meiner Liebe Walten; / o Kinder, seht durch Mich in euch nun alles neu gestalten! –

3. 70 / Und sagt und sprecht, woher so grosse Dinge mögen kommen? – / Und habt doch einmal so ihr Meine Liebe wahrgenommen / und habt begriffen Meines heil'gen Geistes sanftes Wehen / und habt gesehen Meine Bäume voll im Safte stehen, / dann Kinder, kniet nieder, freuet euch und singet alle – / und auch ihr Völker in den Sternen, Meiner Gottheit Halle:

3. 71 / O grosser, ew'ger, heil'ger Vater! Ehre, Preis und Ruhm / komm' Dir von uns entgegen rein aus Deinem Heiligtum; / in unsren Herzen hat es Dir gefallen einzunehmen / für Dich, o grosser Gott, die kleine Wohnung Deiner Liebe; / so segne denn dies kleine Land und dessen heil'ge Triebe, / und lass den Segen, so wie uns, auch alle wohl vernehmen.

3. 72 / O mög' es Dir, Du bester Vater, wohlgefallen hier, / damit Du bleiben möchtest da in uns denn für und für. / Wie gut bist Du, o Vater! wer könnt' Deine Lieb' ermessen! – / Du kommst, uns arme Sünder, statt ganz wohlverdient zu strafen, / nur zu erquicken und in uns die Herzen umzuschaffen! / Daher werd' nie von uns Dein heil'ger Name je vergessen!

3. 73 / O Vater! Heil'ger Vater, höre unser kindlich Flehen, / Du lieber Vater Du, lass auch die Toten auferstehen! / Du weisst ja, lieber Vater, wer am Tod der Brüder schuldet! – / Daher lass, bester Vater, wie bei uns Du liess'st geschehen, / auch dort, o liebevollster Vater! Gnad' für Recht ergehen! – / Denn Du hast ja für sie so gut wie für uns all' geduldet. – – – Amen. Nachwort. (Der Engel.)

4. Da habt ihr nun den Engel, wie er leibt und lebt in euch und ausser euch, in Mir und ausser Mir. Höret allezeit seine Stimme in euch; denn zuvor Ich komme, kommt allezeit Mein Johannes mit der Zuchtrute in der Hand und einer sehr scharfen Stimme in der Brust, – wie die Stimme des grossen Predigers in der Wüste. Aber habt ihr euch bekehrt durch eine wahre ernste Busse, dann erst folgt das grosse Abendmahl vor dem grossen Tage der Erlösung, und endlich die Auferstehung von dem Tode Amen, – das sagt euer liebevollster heiliger Vater Amen, Amen, Amen.


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