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Himmelsgaben Band 2


Wahre Lebenskunst. – 17. Mai 1847


1. Die Tugend ist eine Fertigkeit des menschlichen Gesamtwesens, das Gute frei zu wählen und danach, ohne sich durch irgend etwas im geringsten beirren zu lassen, fest und getreu zu handeln. Hat irgendein Mensch in sich diese harmonische Fertigkeit erlangt, derzufolge er alle seine vielen Bedürfnisse und Begehrungen nunmehr völlig in eins vereint hat, wonach er dann handelt, so ist er völlig tugendhaft.

2. Wenn es aber irgendein Mensch noch nicht dahin gebracht hat und nur hie und da so in einzelnen Punkten tatfertig ist, in anderen aber wie ein laues Wasser, so ist er im Einzelnen etwas, aber im Ganzen dennoch nichts. – Denn so schon ein in allem völlig Tatfertiger zu sich sagen sollte: „Ich bin ein unnützer Knecht!“, was soll dann der mit noch sehr viel Lauheit Unterspickte von sich aussagen? Ein solcher aber ist denn auch noch lange nicht tugendhaft, sondern ein armseliger Stümper in all seinem Tun und Lassen. Er ist gleich einem Gärtner, der seinen Garten mit lauter Weidenreisern besteckt, weil diese am leichtesten, fast ohne alle Mühe und weitere Gartenpflege, aufgehen; aber niemand kann von ihnen irgend geniessbare Früchte sammeln.

3. Es sind darum schon alle Pflanzen zur Belehrung der Menschen also eingerichtet, dass diejenigen, die am wenigsten des menschlichen Fleisses benötigen, auch entweder gar keine oder nur sehr schlechte und für den Menschen wertlose und völlig unbrauchbare Früchte zum Vorschein bringen. – Ebenso steht es denn auch mit einem Menschen, der nach der Lehre des Evangeliums das eine wohl tut, dagegen aber wieder das andere zu tun völlig unterlässt.

4. Er ist im Pflanzenreiche des ewigen Lebens nichts als eine eitle Weide, die zwar mit den edlen Fruchtbäumen viel Ähnlichkeit hat – denn sie hat gute und feste Wurzeln in der Erde, hat einen schönen Stamm, grünt, treibt schöne, anmutige Äste und Zweige und treibt recht viele Blätter und auch eine Blüte – aber die Frucht, die Frucht, wo ist diese?! Ein nichtiger Same, den der leiseste Hauch verweht, ist alles, was man von diesem Baume haben kann, der aber für nichts anderes taugt als schlechtweg kaum für die eigene Fortpflanzung. Das Holz selbst ist sogar für das Feuer zu schlecht und taugt noch weniger zum Häuserbau und am wenigsten zur Anfertigung nützlicher Hausgerätschaften. Man setzt daher diese Bäume auch nur an Bäche und Flüsse, damit ihrer viele mit ihren festen Wurzeln, die das Beste an ihnen sind, die Ufer vor der Zerstörung durch grosse Gewässer schützen müssen. Dieser Dienst wird aber von ihnen auch oft noch schlecht genug versehen.

5. Also ist, wie schon gesagt, ein Mensch, der das eine wohl recht genau tut, das andere aber unterlässt, nichts als eine eitle Weide, die zufolge ihrer nieder stehenden Äste höchstens irgendeinem Judas Ischariot zum Selbstmorde behilflich sein kann, aber sonst nur zu sehr wenig taugt.

6. Wer demnach recht tugendhaft sein will, der darf nichts unbeachtet lassen, was das Evangelium zu beachten vorschreibt. Er sei in allem nicht ein eitler Hörer und Halbtäter des Wortes, wohl aber ein eifriger Volltäter desselben. Dann wird er gleich sein einem Gärtner, der mit allem Fleisse, keine Mühe und Arbeit scheuend, in seinem Garten lauter gute und edle Fruchtbäume zieht, die ihm seine Arbeit hundertfältig ersetzen werden. Und er wird nicht gleichen jenem dummen Pflanzer, der in seinem Garten, um Mühe und Arbeit zu ersparen, Weidenreiser steckte, deren Frucht dann die Winde verzehren.

7. Auch wird er nicht gleich sein dem Weidenbaume selbst, dessen Nützlichkeit oben beschrieben wurde, sondern er wird gleich sein einer edlen Rebe, die, von ihrem kräftigen Weinstocke getrieben, die herrlichsten und wohlschmeckendsten Trauben voll des geistigsten Saftes bringen wird, aus denen für Mich, den Herrn und Vater des Weinberges, für alle Ewigkeiten der köstlichste Wein ausgekeltert wird; die Liebe für die Liebe, das Herz für das Herz, das Leben für das Leben, der Geist für den Geist!

8. „Tugend“ – ein grosses Wort! – Wohl dem, der sie besitzt! Er ist ein wahrer Künstler des Lebens im Leben geworden.

9. Welche Mühe gibt sich mancher Mensch, um in irgend etwas auf der Erde ein Künstler zu werden! Jahrelang übt er sich mit allem Fleisse täglich stundenlang, um nur sein vorgestecktes Künstlerziel zu erreichen! Kann aber ein Mensch eines irdischen Vorteiles wegen sich so grossen Selbstverleugnungen unterziehen und alle seine Kräfte einem harmonischen Tatpunkte zuwenden, warum denn nicht ebenso leicht und noch viel leichter der viel höher, ja endlos höher stehenden Künstlerschaft im allerhöchsten Fache des ewigen Lebens?!

10. Dazu bedarf es keiner Glieder- und Kehlenverrenkungen, keiner Augenmarter, keiner Bauch- und Lungenanstrengung, sondern nur einer sehr geringen Gedächtnisanstrengung. Alles aber kommt da an auf den Glauben dessen, was das Wort lehrt, und dann auf den rechten Liebewillen aus und nach dem Worte. Durch eine leichte Übung kann es jeder darin bald zu der hervorragendsten Fertigkeit bringen; denn Mein Joch ist ja sanft und Meine Bürde leicht.

11. Die Regeln der Lebensschule sind überleicht begreiflich und ebenso leicht ausführbar. – Warum werden sie denn so wenig beachtet? – Weil sie die Eigenliebe scheinbar ausschliessen, während doch jeder mit verbundenen Augen einsehen sollte, dass da ein jeglicher dem Reiche Gottes ernstlich Nachstrebender – wenn er die Werke der Liebe übt und seinen Bruder leiblich unterstützt – an jedem Bruder nur einen edelsten Fruchtbaum im Garten seines eigenen Lebens pflegt, der ihm für alle Ewigkeiten die reichsten Früchte tragen wird; denn dieser wird sicher zu keinem Weidenbaume werden, da er als solcher nie gepflanzt worden ist, indem in dem Garten des Wortes Gottes derlei Gewächse nimmer vorkommen können – sowenig wie Distelknospen auf einer edlen Weinrebe.

12. Gebet also alle nichtigen, kleinen Perlen her, so ihr die eine grosse, unschätzbare finden und kaufen könnet! Werdet rechte Gärtner und wachset nicht auf wie Weidenbäume, sondern wie edle Reben am Weinstocke, so werdet ihr Künstler des Lebens werden nach der gegebenen Schule des Lebens. Und Ich, euer Herr, Gott und Vater, werde Mich dann ewig ergötzen an den mannigfaltigsten, herrlichsten Produktionen des Lebens Meiner geliebten Kinder und Kinderchen!


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