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Himmelsgaben Band 1


Vom Ineinandergehen der Naturreiche. – 8. Dezember 1840 vom 3/4 10 Uhr vormittags bis nach 12 Uhr


--. Schreibende: K. G. L. – S. – Andr. und Ans. H.

1. Was die Atmungs-Organe bei den Pflanzen betrifft, so gibt es im allgemeinen keine anderen als nur solche, deren in der letzten Mitteilung umständlich erwähnt wurde. Jedoch wie bei allen Dingen dieser (Natur-)Welt, mögen sie in ihren Extremen sich noch so unähnlich sein in ihrer Art, so gibt es aber doch zwischen allen diesen Dingen sich besonders annähernde Punkte, so zwar, dass da niemand mehr recht weiss, wo die eine Klasse der Dinge eigentlich aufhört und eine andere anfängt.

2. Dieses Ineinandergehen der Dinge in der Naturwelt werdet ihr nicht nur bemerken von einer Klasse zur andern, sondern selbst auch bei Dingen einer und derselben Art, bei Mineralien oder Pflanzen und Tieren. Denn betrachtet nur einmal den Kalkstein, und ihr werdet in diesem schon die bedeutendsten Übergangs-Abstufungen gewahren. Dieser Stein ist in den ersten Anfängen seines Bestehens ein fester und harter Stein und hat hierin nicht viel Unterschiedliches von der Art des Kiesels. Von dieser seiner härtesten Form geht er über, bis er endlich so weich wird, dass zwischen ihm und einer nur einigermassen gefesteten Lehmerde kein bedeutender Unterschied mehr ist. Und solche Annäherungen gibt es von einer Art zur andern durchgehends bei allen Mineralien. Und diese Annäherung geschieht nicht nur speziell, sondern auch formell.

3. Und wie es bei den Mineralien der Fall ist, so ist es auch bei den Pflanzen und Tieren. – Betrachtet nur einmal die verschiedenen Gattungen des Apfelbaumes! Wer kann es bestimmen, wo diese Gattung der Bäume anfängt und wo sie aufhört? Ebenso werden auch die Menge Arten des Weinstockes auffallen müssen; aber wer weiss, wo der Weinstock anfängt und wo er aufhört? Und doch gibt es zwischen jeder Gattung, wie schon erwähnt, immerwährende Übergänge von der einen zur andern. Und es steht da keine Gattung für sich allein so, dass sie nicht mit einer ihr vorhergehenden und ihr nachfolgenden in irgendeinem beschaffenheitlichen und eigenschaftlichen Zusammenhange stünde.

4. Dasselbe aber ist auch der Fall bei den Tieren, betrachtet nur einmal alle Rassen einer und derselben Tierart. Wer kann da behaupten und zeigen, wo eine Rasse anfängt, wo ihr Höhepunkt ist und wo sie aufhört?

5. Nehmet z.B. den Hund und versuchet zu bestimmen, wo dieses Geschlecht seinen Anfang nimmt und wo es aufhört, und bestimmet den Kulminationspunkt dieses Tieres und zeiget an, welcher Hund da am meisten „Hund“ ist.

6. Ich aber sage, es gehen alle diese Gattungen, Klassen und Rassen ebenso eines in das andere über wie die Wellen des Weltmeeres, da auch niemand wird bestimmen können, welche von diesen zahllosen Wellen, die die Oberfläche dieses grossen Gewässers beunruhigen, die erste, mittlere und letzte ist.

7. Ich aber sage, und ein jeder einfache Mensch wird es auch sagen: Da ist weder eine die erste, noch eine andere die mittlere und noch eine andere die letzte! Sondern es treibt da eine Woge die andere und geht in die andere über, ohne dass sie in diesem sich schaukelnden Übergange etwas anderes wäre als das, was sie früher gewesen ist, nämlich Wasser. Aber nur befindet sie sich nicht mehr an der alten Stelle, sondern, nachdem sie eine frühere Woge verdrängt hat, wogt sie nun an deren Stelle, während wieder eine ihr nachfolgende sie drängt.

8. Um dieses Bild noch richtiger zu begreifen, denket euch einen Kreis, der da genau in gleiche Grade geteilt wäre. Nun saget selbst, wie wäre die Behauptung, so jemand sagen möchte: „Dieser oder jener Grad ist der erste!“ – Ich aber sage: Warum zanket ihr euch ob der Primität eines Grades, da doch einer wie der andere ist und es einerlei ist, welchen ihr für den Ersten annehmet. – Und es kann da leicht sein, dass alle dieses einsehen und sagen: „Da einer ist wie der andere und jeder von dem andern durch einen gleichen Zwischenraum getrennt ist, so werden wir durch solchen nutzlosen Zank nicht weiser; sondern, da sei der nächste beste der Erste, und von da zählen wir fort. So wir den Ersten bezeichnet haben, so wird sich dann auch geben, wer der Letzte ist.“

9. Sehet gerade so, wie sich dieses alles verhält, so verhält sich's mit dem Kreis der Dinge in der Naturwelt. Es geht immer eines unbemerkt in das andere über, wie eine Woge in die andere.


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