HIM1-73

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Hauptseite Himmelsgaben Band 1 HIM1-73 Eintrag

Himmelsgaben Band 1


Fahrt nach Haberbach. – 1. Dezember 1840, von 1/4 6 Uhr bis 3/4 8 Uhr abends


--. Der Herr offenbarte durch Seinen Knecht über die Fahrt nach Haberbach bei Lustbichel und über das vom sogenannten Koppenhof aus Betrachtete Folgendes:

1. Ihr werdet schon dann und wann bemerkt haben, dass Ich euch manches mit ganz gewöhnlichen Worten und manches wieder mit Worten voll Kraft und Inhaltsschwere geoffenbart habe. – Es geschah das aus dieser folgenden Ursache: Je nachdem der Gegenstand und die Verfassung eurer Empfänglichkeit geartet war, darnach wurde auch das zu offenbarende Wort gerichtet – entweder hoch oder nieder.

2. So ihr aber auf einen Berg gehet, so seid ihr nach eurer Ansicht höher gekommen, als wenn ihr in der Ebene euch befunden hättet. Und es ist somit für euch wohl ein Unterschied, ob auf einem Berge oder im Tale. Denn von dem Berge blicken eure Augen weithin nach allen Richtungen. Und je höher der Berg, desto weiter der Gesichtskreis. Allein im Tale könnt ihr nur diejenigen Gegenstände anschauen, welche das Tal umschliessen. Und so ihr in einen Brunnen steigen würdet, wie klein wäre da euer Gesichtskreis!

3. Aber sehet, nicht also ist es bei Mir! Denn für Mich gibt es weder irgend etwas Hohes, noch etwas Niederes und ebensowenig auch etwas Enges. Daher ist auch alles, was Ich euch offenbare (ob mit hohen oder niederen Worten), gleich hoch und über alle Massen erhaben. Gleich hoch darum, weil es derselben Quelle entspringt; und gleich erhaben darum, weil Ich, der Geber, im allergrössten wie im allerkleinsten gleich erhaben bin. So wird und kann Mein geringstes Wort in seiner Erhabenheit von den erhabensten Gesängen der allervollkommensten Engel in Ewigkeit nicht im geringsten erreicht werden. Und so ist es auch einerlei, ob Ich in grossartigen Sätzen oder in einer gewöhnlichen Alltagssprache etwas mitteile.

4. Denn so ihr glaubet in euren Herzen, dass Ich es bin, der euch solche Dinge offenbaret, so wird euch wenig an der Form der Mitteilung, sondern alles an der Mitteilung selbst gelegen sein, da ihr wisset, dass nur Ich es bin, dem alle Wesen innerlich und äusserlich, ja bis ins Unendliche, wohl bekannt sind.

5. Aber das einzige könnet ihr vom Unterschiede der Sprache euch merken: So Ich in hoher Sprache rede, so rede Ich mehr aus der Weisheit, und die Liebe ist dann nur das Postulat; so Ich aber rede in eurer Alltagssprache, so rede Ich vorzugsweise aus der Liebe, und dann ist die Weisheit das Postulat.

6. Und so rede Ich mit Weisen und Gelehrten der Welt aus Meiner ewig unerreichbaren Weisheit. Aber mit Meinen Kindern, die Mir lieb geworden sind, rede Ich lieber als ihr guter Vater in der ihnen mehr bekannten väterlichen Alltags- und Umgangssprache. Und es wird euch demnach auch gewiss lieber sein, dass Ich mit euch rede aus Meiner väterlichen Liebe, als dass Ich spreche hohe Worte der Weisheit.

7. So Ich hohe Worte spreche, spreche Ich sie der Welt willen; ihr aber könnet allezeit versichert sein, dass Ich nie anders denn als Vater mit euch reden werde.

8. Es liegt aber in einem Worte der Weisheit nur die ausgesprochene Weisheit selbst darinnen und lässt keine höhere und niederere Weisheit mehr zu. Aber nicht so ist es mit dem Worte aus der Liebe. Denn jedes Wort aus der Liebe ist eine lebendige Frucht. Und da es eine lebendige Frucht ist, so liegt in ihm, wie in jedem Kerne, Unendliches und ebenso unendlich Mannigfaltiges, das da nimmer vollendet erfasst werden kann in Ewigkeit. Sehet, das ist also der Unterschied zwischen der höheren Weisheitssprache und der niederen Sprache der Liebe!

9. In der Weisheit gebe Ich nur so viel, wie Ich gebe und wie jeder zu ertragen imstande ist; aber in der Liebe gebe Ich euch eine Unendlichkeit um die andere, wobei auch die höchste Engelsweisheit nie zu einer endlichen Lösung der darin verborgenen Weisheit gelangen wird.

10. Und nun steht es bei euch, in welcher Art ihr über euren gestrigen Ausflug belehrt werden wollet!

11. Ihr seid also richtig dahin gegangen, wohin Ich euch beschieden habe, und habt alldort Verschiedenes beobachtet und gesehen sowohl auf der Erde rings um euch weit und breit, wie auch das, was euch nahe gelegen war. Und ihr habt ebenfalls beobachtet das Wolken- und Nebelgebilde der Luft, hoch und nieder.

12. Was euch aber zuerst aufgefallen ist, das war euer nachbarlicher Berg, den ihr „Schöckel“ nennet. Ihr werdet euch gewiss – denn Ich weiss es – gefragt haben: „Es sind doch weit und breit überall hohe Berge zu sehen, warum muss denn gerade dieser unser Nachbar so einen besonderen Wolken- und Nebel-Appetit haben, dass er fast alle in der Luft entstandenen Wölkchen wie ein Geizhals an sich zieht und erst dann in kleinen Dosen auch andern Bergen gewisserart zukommen lässt, wenn er sich schon über Hals und Kopf satt gegessen hat?“

13. Sehet, eine solche Erscheinung hat gar viel zu bedeuten, namentlich aber dann, so sie euretwegen von Mir eigens also angeordnet wurde. – Um aber dieses Bild recht zu begreifen, müsset ihr auf alle dabei obwaltenden Umstände gar wohl aufmerksam gemacht werden.

14. Fürs erste steht der Berg von dort, da ihr ihn betrachtet habt, genau gegen Norden. Fürs zweite ist er der höchste nachbarliche Berg. Und fürs dritte hat er einen kahlen Scheitel, auf welchem ein Baumwuchs nicht mehr gut fortkommen will, weil daselbst zu wenig fruchtbare Feuchtigkeit ist. Und ferner muss noch bemerkt werden, dass nur der Fuss dieses Berges einigermassen bewohnt ist. Die Brust ist hie und da ziemlich bewachsen mit unfruchtbaren Bäumen und zur Sommerszeit findet das Vieh nur ein mageres Futter daselbst und ein noch schlechteres Wasser zur Stillung des Durstes.

15. Ferner habt ihr gesehen, wie nirgends sonst als gerade aus der Brust dieses Berges zuerst Wölkchen aufstiegen, und zwar nicht zu seinem Scheitel, sondern es wartete eins das andere ab, vereinigte sich mit den anderen und bedeckte so die Brust des Berges, während der Fuss wie der Scheitel frei blieb.

16. Und schliesslich habt ihr noch gesehen, wie fast allenthalben in der Luft niederstehende Wölkchen sich bildeten und, von einem frischen Morgenwinde getrieben, hinflohen an die Brust dieses Berges; und als sie sich da in grosser Masse gesammelt hatten, dann erst stiegen sie von der Brust auch hinauf zum Scheitel und nahmen denselben gleichsam völlig gefangen.

17. Nebst diesen Wölkchen, die niederer standen und vom Morgenwinde geführt wurden, habt ihr in dem hochmütigen Westen auch hie und da, besonders über der Choralpe wie auch über der Stub- und Kleinalpe, ganz weisse, hochstehende Nebelstreifen gesehen und habt die Ebenen fast durchgehends mit einem bläulichen Nebel angefüllt erblickt. – Sehet, das ist nun alles, was ihr notwendig habt bemerken müssen.

18. Aber nun fragt sich's: Was will geistig dieses alles besagen – oder was habe Ich euch damit sagen wollen? – Einer von euch hat schon gestern beim Anblicke dieses nachbarlichen Berges, als er dessen Brust umhüllt sah, gesagt: „Mit der Liebe, da hapert's denn noch immer!“ – Ja, es ist wahr, es hapert da noch recht stark! Es kann aber auch nicht leichtlich anders sein, das sehe Ich wohl ein. Denn der Mensch kann sich nicht so schnell in seiner Natur umkehren, wie die Wäscherin einen Strumpf umkehrt. Aber nach und nach bei festem und gutem Willen und Meiner beständigen, starken Mithilfe wird sich schon alles fein geben.

19. Und obschon es also, wie gesagt, mit der Liebe noch hapert, so hat aber doch das gestrige Bild nicht die „Haperei der Liebe“, sondern etwas ganz anderes angezeigt.

20. Denn sehet, es ist ein Unterschied, ob die Nebel aus der Tiefe, aus den Gräben und Schluchten der Berge sich entwickeln und emporsteigen und dann vom Nordwinde geführt, die Brust dicht umlagern, während der Scheitel frei bleibt – oder ob solche Nebel aus der Brust des Berges hervorkommen, eine ganze Legion von anderwärtig entstandenen gleichartigen Wölkchen an sich ziehen und dann in solcher Vereinigung den Scheitel gefangennehmen.

21. Damit ihr aber dies begreifet, so fangen wir bei Punkt eins an. Der „Schöckel“ bedeutet bei jedem Menschen sein eigenes Naturmässiges – so sich der Mensch, vermöge seiner „nördlichen“ (d.h. widrigen Lebens-)Stellung in sich selbst zu demütigen angefangen hat. Denn wie dieser Berg zwar an und für sich immerwährend ein hoher Berg ist, so ist er aber doch in Anbetracht seiner hohen Nachbarn nicht viel mehr als nur ein Hügel. Und wie er allezeit sich demütigen muss, sobald jemand eine Parallele über seinen Scheitel hinweg zu seinen Nachbarn zieht, ebenso beginnt auch die Demut bei dem Menschen, wenn er die hohe Welt neben sich erblickt und sich dabei sagt:

22. „Auch ich bin ein Mensch – warum sind diese Menschen höher denn ich? Kann ich nicht werden wie sie, so will ich aber doch sein, was sie nicht sind und auch nicht leichtlich werden können – d.h. ich will demütig sein und will in meiner Demut mein inneres Feuer der Liebe werktätig anschüren. Und wenn dasselbe zu brennen anfangen wird, dann werden all die bösen Dünste durch das innere Feuer hinausgetrieben und werden nach und nach bedecken meine Höhe, damit sie nicht von einem Hohen mit ärgerlichen Augen erschaut werden möchte.“

23. Sehet, so ist dieses Bild zu nehmen! Diese Nebel sind nicht ein Zeichen, als wäre eure Brust noch so stark umnebelt wie sie früher einmal war. Sondern sie sind, da sie der Brust entsteigen, ein Zeichen, dass die innere Brust oder das Herz Feuer gefangen hat und dieses Feuer solche Dünste aus sich treibt und sie offenbar werden lässt in den hellen Strahlen der Sonne.

24. Was tut aber die Sonne danach? – Da sie sieht, dass der Berg solches Gute in sich zu wirken angefangen hat und dass er sich im Ernste demütigen will, so zieht sie allenthalben solche Wölkchen zusammen und lässt sie durch den vielsagenden Morgenwind herbeiführen. Und wenn sie sich dann angesammelt haben, so zieht die Sonne sie sogar über den Scheitel des Berges hinauf und nimmt denselben gefangen.

25. Dieses aber will ja doch nichts anderes sagen, als dass auch eure Liebe schon angefangen hat, solche Dünste aus sich zu schaffen und mittelst derselben, vermöge Meiner Gnadenbeihilfe, euren Verstand auf diese Art gefangenzunehmen, wie euch das Bild des Schöckels handgreiflich gezeigt hat.

26. Nun sehet denn, dass ihr euch gestern doch ein wenig geirrt habt, so ihr glaubtet, Ich hätte euch schon wieder mit der „Liebehaperei“ necken wollen.

27. Jedoch, was das Verhältnis der anderen Gebirge betrifft, so hielten diese euch, als ihr sie mittelst eines Fernrohrs beobachten wolltet, wegen der bedeutenden Luftschwingung nicht stich, sondern wurden zerrissen auf ihren nackten Kanten. – Dieses zeigt die Bosheit der weltsüchtigen Menschen an, die, nur mit natürlichen Augen beobachtet, eine gewisse prunkende Ruhe heucheln; allein werden sie mit dem Fernrohr des Geistes dem inneren Auge nähergezogen, da zeigt sich dann alsogleich, wie es mit ihrer prunkenden Ruhe steht. Und wenn erst vollends der Abend ihres Lebens herannaht, was dann geschieht – davon hat am gestrigen Tage der Knecht vom hiesigen Schlossberge mit seinem Fernrohr das sprechendste Beispiel gesehen, da diese, für das natürliche Auge noch immer die gleiche Ruhe heuchelnden Berge so sehr von den Wellen der Luft zerrissen wurden, dass sie darob gar keinem Berge, sondern vielmehr einer stark wogenden nächtlichen Meeresfläche glichen – während der nachbarliche Schöckel in seiner Demut umhüllt blieb, und schon früher, als ihr euch noch am Orte eurer Bestimmung befandet, seinen hohen Nachbarn von seiner Liebe etwas zukommen liess und andere kleine Berge zur ähnlichen Nachahmung gewisserart aufmunterte.

28. Was habt ihr aber heute gesehen? – Die Erde mit dem Kleide der Unschuld bekleidet! – Sehet, so werdet auch ihr, die ihr euch gedemütigt habt in euch selbst um Meiner Liebe und Meines Namens willen, nach der Nacht dieses Erdenlebens angetan werden mit dem Kleide der Unschuld!

29. Denn wahrlich sage Ich euch: Der Sünder mag tun, was er will, er mag die Gebote noch strenger halten als der Mond seine Viertel und die Erde ihrer Jahreszeiten, er mag beten bei Tag und Nacht und mag Busse tun auf glühenden Eisen und mag fasten und sich kasteien, dass alle Welt darob in das grösste Erstaunen gesetzt würde, so sie die aussenordentlichen Werke seiner Busse sehen möchte – ja Ich sage, er möge seine Haut ausziehen und einen Toten damit bekleiden, und er kann einen Glauben haben, dass er sich sogar die Sterne untertänig machen mag – so er aber die Liebe nicht hat, wahrlich, sage Ich, dann wird er wohl seinen Lohn bekommen, um den er gearbeitet und solches getan hat; aber mit dem Kleide der Unschuld wird er nimmer angetan werden, weil nur die Liebe einzig und allein das wahre Kleid der Unschuld ist. Und es werden über seinem Haupte schweben mit dem Kleide der Unschuld Angetane gleich den lichten Nebelstreifen, die ihr gestern hoch über die Berge habt schweben gesehen.

30. Wer aber statt alles dessen das einzige, unendlich sanfte Gebot der Liebe ergriffen hat und hat dasselbe lebendig gemacht in seinem Herzen, der hat durch dieses innere, heilige Feuer alle Schuld aus sich hinausgeschafft und hat sich vollkommen gereinigt in seiner Demut durch Meine Liebe in ihm. Und es werden die sogestalt hinausgeschafften „Dünste“ selbst geläutert werden durch Meine Gnade und lebendig durch den Geist, der aus Meinem ewigen Morgen weht. Und so wird aus der gereinigten Schuld selbst das Kleid der Unschuld für die bereitet werden, die Mich nicht in ihrem Glauben, sondern in der Demut und in der Liebe gefunden haben.

31. Denn wenn es heisst, dass da vor allem Mein Reich gesucht werden soll und alles andere dann als freie Gabe hinzugegeben werde, so bedenket, dieses Meine Reich ist eben nur die Liebe! – Wer Mich also sucht durch die Liebe und in der Liebe, der sucht Mich im Geiste und in der Wahrheit. Und dieses ist „Mein Reich“.

32. Wer Mich alsdann so gefunden hat, der hat auch Mein Reich mit Mir gefunden. Und da er das gefunden hat, saget selbst, was er hernach noch suchen sollte, das er nicht schon dadurch gefunden hätte?

33. Die Liebe bringet alles mit sich, der Glaube aber nur sich selbst. Und es können viele glauben ohne Liebe, aber ihr könnet unmöglich denken, dass die Liebe je vermöchte den Glauben auszuschliessen.

34. Daher sage Ich jetzt wie allezeit: Wachset in der Liebe, so werdet ihr wachsen in allem! Denn die Liebe vergibt alles und die Liebe gibt alles! Das sage Ich, euer Vater, als die Ewige Liebe Selbst. Amen.


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