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Himmelsgaben Band 1


Geistige Beleuchtung des Kleinalpe-Besuchs. – 29. Oktober 1840, Donnerstag, von 3/4 3 Uhr bis 1/2 6 Uhr nachmittags


--. Schreibende: K. G. L. – Andr. und Ans. H. – Der liebevolle heilige Vater gab heute durch Seinen Knecht als „Diäten“ Nachfolgendes:

1. Nachdem der Auftrag des Besuchs der Kleinalpe so ziemlich erfüllt worden ist, will Ich denn auch Mein Versprechen halten und euch eine recht gute „Reisegebühr“ nachtragen.

2. Schon bei eurer Hinreise müssen euch die beständig aufsteigenden Nebel, wenn auch nicht gar zu sehr, doch ein wenig aufgefallen sein, nachdem ihr bemerkt haben werdet, dass diese Nebel sich meistens in der Mitte eines Berges zu bilden angefangen haben und selten über dessen Scheitel hinausreichten.

3. Fürs zweite muss euch aufgefallen sein, besonders als ihr den Murboden verlassen und euch hineingewendet habt zu dem wohlbekannten Markte mit dem Namen „Übelbach“, dass ihr sowohl links als rechts dieses Tal von fast gleich hohen, wie auch meistenteils gleich geformten Hügeln umlagert gesehen habt und dass diese Hügel mit allerlei wohlbekannten Holzgattungen und Kräutern und Gesträuchern vom Fusse bis zum Scheitel überdeckt sind und nur an solchen Stellen nackt erscheinen, welche der menschliche Betriebsfleiss entblösst hat.

4. Ferner werdet ihr noch entdeckt haben, dass das Tal auf ähnliche Art wie viele andere dergleichen Täler verschiedene Biegungen macht. Und so ihr das Gestein hie und da in flüchtigen Augenschein genommen habt, so werdet ihr auch an demselben, mit geringer Ausnahme einzeln dastehender Posten, dieselbe Plattenformation entdeckt haben wie auf der Choralpe; nur dass hie und da das Gefüge in breiteren Absätzen, als auf der Choralpe, besteht.

5. Wenn ihr noch ferner den ziemlich gleichmässig steilen Abhang der Berge beobachtet habt, so muss euch auch darin eine gewisse Übereinstimmung aufgefallen sein – häufig aber noch ganz besonders die sich pyramidal darstellende Form der Hügel.

6. Und als ihr in ziemlich stürmischem Wetter die Höhe erreicht hattet, um den höchsten Teil der Kleinalpe selbst zu sehen, so wehte euch ein frischer, heiterer Wind an, trug euch einige leichte Schneeflocken ins Gesicht, und bald darauf zeigte sich euch ganz unerwartet die Sonne, nach deren Hervortreten alle Nebel um die Mitte der Berge verscheucht wurden, so dass ihr für den vorbestimmten Bedarf alles Nötige ganz wohl habt in Augenschein nehmen können.

7. Das ist nun das Materielle, was ihr beobachtet habt. – Allein Ich hatte euch auch vorhinein von gewissen, euch noch bis dorthin fremd gebliebenen Gefühlen vorhergesagt. Nun frage Ich euch, habt ihr auch davon etwas wahrgenommen? – Ja, sage Ich, denn wenn Ich etwas verspreche, dann halte Ich auch pünktlich Mein Wort. Und Ich sage euch, ihr hättet noch viel mehr empfunden, wenn ihr in euren Gefühlen geblieben wäret.

8. Allein Ich muss euch hier auf einen bei den Menschen allgemein vorkommenden Fehler aufmerksam machen, durch welchen sich die Menschen um eine grosse Seligkeit diesseits bringen. Und dieser Fehler besteht darin, dass, so die Menschen etwas Ausserordentliches erwarten, dann spannen sie ihre Erwartungen oft so hoch und weit über sich, dass auf diese Art, durch die erwartende Tätigkeit, alles Herrliche und Erhabene, das in ihnen vorgeht, unbeachtet gelassen wird, während ihre Blicke, Ohren und sämtliche anderen Sinne weit und breit, ja wenn's möglich wäre, sogar die Unendlichkeit überblicken und überfühlen.

9. Sehet, das ist auch so bei euch ein kleiner Fehler gewesen. Ihr habt eure Blicke auf äussere Ausserordentlichkeiten gewendet und habt gewisserart erwartet, dass ein solches vorbenanntes Gefühl gleich einem unsichtbaren Vogel in euch hätte hineinfliegen und dann in euch gewisse zauberhafte Wirkungen hervorbringen sollen.

10. Darum merket euch für ein nächstes Mal dieses kleine Gleichnis:

11. „Einst fuhr ein grosser König in eine fremde Stadt. Alles Volk ging ihm bis weit aus der Stadt entgegen, um da den grossen König und seinen herrlichen Einzug zu sehen. Der grosse König aber war durchgehends kein Freund von so grossartigem Majestätsgepränge. Er stieg noch weit vor der Stadt aus seinem goldenen Wagen und mietete ein unansehnliches Fuhrwerk, befahl seinem Hoftrosse, langsamer zu fahren, er aber fuhr eilends auf diesem unansehnlichen Fuhrwerke, von allen ihm entgegenströmenden Menschen unbemerkt, in die grosse, seinetwegen fast ganz menschenleere Stadt.

12. Als er daselbst anlangte, wollte er eine Erfrischung haben. Er fuhr von einem Gasthause zum andern und fand eines um das andere leer, bis er endlich in ein ganz kleines Wirtshäuschen eintrat, woselbst ihm ein weinender Diener entgegenkam und ihn fast unwillig fragte, was er möchte.

13. Der grosse König fragte ihn zuerst um die Ursache seines traurigen Unwillens. Und der Diener antwortete, er sei deshalb so traurig, weil er nicht auch habe hinausgehen können, um den grossen König zu sehen. – Allein der König antwortete ihm, wenn es sich nur darum handle, so solle er nur sehr froh sein. Denn er werde sicher der erste von der ganzen Stadt sein, der den grossen König sehen werde. – Das wollte ihm der ärmliche Diener durchaus nicht glauben. – Der grosse König aber sprach: „So du der erste bist, der den König sehen wird, so soll dir eine grosse Belohnung zuteil werden; und im Gegenteil aber würdest du für deinen Unglauben eine ebenso bedeutende Strafe zu erleiden haben.“

14. Und als sie so im Gespräche über das Sehen oder Nichtsehen des Königs begriffen waren, fing das Volk wieder zur Stadt hineinzuströmen an, und dem folgte dann endlich auch alsobald der königliche Triumphzug, und zwar ohne König.

15. Nun fragte der ärmliche Diener: „Wo ist denn der König, damit ich hinfliege und als erster ihn ansehe?“ – Der König aber sprach: „Möchtest du erst den König suchen dort weit im Gedränge, so würdest du deiner Strafe nicht entgehen; den sieh, da hätte ja alles Volk, das weit hinausgeeilt ist, ihn schon lange eher gesehen denn du! Nun aber siehe her, wie wir hier stehen auf der kleinen Flur des Hauses, so hat uns noch nicht ein Mensch eines Blickes gewürdigt; denn sie haben ihre Augen auf den Glanz des königlichen Gefolges gerichtet und spitzen auf den König! – Nun siehe du Mich an!“

16. Und der ärmliche Diener tat, wie ihm der grosse König befahl. Aber da wusste der Diener nicht, was das bedeuten solle. Und während er seinen Mann anzugaffen anfing, bemerkte er, dass der herrliche Triumphzug sich vor der Flur dieses Häuschens aufstellte und den grossen König zu begrüssen anfing. Dann erst gewahrte der ärmliche Diener, dass dieser Mann der grosse König selbst war, bereute aber auch zugleich die verlorene Zeit, in welcher er den grossen König mit seinen Sinnen ausserhalb der Stadt erwartet hatte, während dieser ganz bei ihm war und sich von ihm bedienen liess.“

17. Sehet, gerade so ist es auch mit euch der Fall! – Während ihr den König ausserhalb der Stadt in grossartigem, unerwartetem Gedränge erwartet habt, hat er euch einen kleinen Strich durch eure etwas zu hoch angesetzte Rechnung gemacht und hat sich die Freiheit genommen, während ihr das Rauschen des unsichtbaren Gefühlsvogels sehnsuchtsvoll erwartet habt, sich ganz heimlich wie ein Dieb in euer Herz zu schleichen und sich da auf eine kurze Zeit – euch unbewusst – mit eurem Geiste zu besprechen. Jedoch aber liess Ich in euch Meine Gegenwart durch eine verklärende, leise Ahnung fühlbar werden.

18. Dadurch wäre nun der Hauptteil dieser Aufgabe gelöst, da Ich euch gezeigt habe, dass Ich Mein Wort treulich gehalten habe, obschon es euch nicht ganz gelungen ist, die in der Voraussage bestimmten Bedingungen zu erfüllen – was freilich auch nicht gar so leicht hat sein können, und zwar fürs erste, weil ihr Menschen seid und daher unvollkommen, wie im einen so auch im andern, und fürs zweite, weil ihr noch sehr schwach seid, und daher ohne Meine beständige Mitwirkung wenig oder gar nichts tun könnt, und fürs dritte, weil ihr Meine Kinder seid. Daher muss Ich Mich schon auch mit dem Willen als mit der Tat begnügen. Und sehet, daher ist Mir auch sehr leicht dienen, da Ich auch für eine Stunde halber Arbeit den ganzen Tageslohn gebe, den Kindern aber Kleid und Brot umsonst.

19. Da demnach der geistige Teil, was Mich und euch belangt, beendet ist, so wollen wir noch einen ganz kurzen Blick auf die Gegend werfen!

20. Was die Formation der umliegenden Alpen betrifft, so ist dieses schon zur Genüge bei der Darstellung der Choralpe gezeigt worden. – Wie aber ein solches Tal entstanden ist, da braucht ihr nichts als ein Stück trockener Brotrinde zu nehmen und dieselbe von unten herauf beliebig langsam brechen, so zwar, dass der Bruch nach oben gekehrt ist. Und so ihr das getan habt, so ist damit auch erklärt, wie ein solches Tal entstanden ist. Nämlich unterirdische, euch schon bekannte Feuerkräfte erhoben die ziemlich dicke Steinkruste. Dieselbe brach in mehreren Teilen entzwei, und längs dem Tale ging der Bruch ununterbrochen fort.

21. Da nun aber zu gleicher Zeit ein solcher Bruch nach oben vor sich ging, so gibt sich ja von selbst, dass nach Innen, zu beiden Seiten des Mittelbruches, allezeit zwei Seitenbrüche stattfinden mussten. Hie und da rutschten gewissermassen die Seitenteile der dadurch gebrochenen Platte tiefer hinein, hie und da aber stützten sie sich gewölbartig, je nachdem der innere Bruch entweder mehr senkrecht oder schief geschehen ist.

22. Dass mit der Zeit teils durch das Abspülen des weicheren Steines, teils durch einen schlamm- und lavaartigen Auswurf durch die Klüfte und Spalten, teils durch den Niederschlag von verschiedenen mineralischen Quellen diese schroffen Steinbrüche ausgefüllt worden sind und noch dazu von dem lange über denselben stehenden Gewässer gewisserart abgesänftet und abgerundet, wie auch mit allerlei Erdarten überzogen worden sind – das alles dürfte euch schon durch die vorhergehende Mitteilung, wenn auch nicht ganz, so doch schon ziemlich klar geworden sein.

23. Aber dass die Bildung dieser Gebirgsgegend um beinahe tausend Jahre älter ist als die der Choralpe und noch anderer bedeutender Berge im untern Teil eures Landes, sehet, dieses dürfte euch wohl nicht bekannt sein.

24. Aber, werdet ihr fragen, wie sollen wir das erkennen? – Die Antwort ist leicht und klar! Denn je dichter irgendeine Steinlagerung eines Berges ist und je mehr sie gebrochen und wieder mit Kalk zusammengefügt erscheint, desto älter ist auch eine solche Formation, da sie Spuren und deutlich leserliche Kennzeichen urzeitlicher, grosser Zerstörungs-Szenen in sich birgt – wogegen die Formation solcher Berge wie die Choralpe und noch mehrere andere ihresgleichen feiner und sandiger in ihrem Getäfel ist. Und da dieselbe fast an gar keiner Stelle bedeutende, mit Kalk wiederverbundene Stellen aufzuweisen hat, sondern jeder Bruch ein neuer Bruch zu sein scheint und auch wirklich ist, so ist auch die Formation viel jünger und kann nicht eine urzeitliche, sondern nur eine vorzeitliche genannt werden.

25. Das Gestein eures Schlossberges ist älter als das der Choralpe und auch das der Kleinalpe, und so auch noch das Gestein anderer kleiner Hügel, die sich in euerer Nähe befinden, obschon die Bildung dieser Hügel viel jünger ist als die der sämtlichen Alpen. Aber was die Bildung dieser kleinen Hügel oft vor der der Alpen voraus hat, ist dieses, dass deren Gestein um vieles tiefer aus dem Innern der Erde gewaltsam heraufgehoben wurde als das Gestein der Alpen.

26. Das wäre nun die naturmässige Bildung dieser Gebirge, wovon noch einige wenige pyramidenartige Hügel den nämlichen Ursprung haben, welcher klar und deutlich euch von Mir schon zu „Strassnengel“ bekanntgegeben wurde. Und solcher Berge gibt es allenthalben sehr viele. Besonders wo ihr bei solchen kleinen Hügeln Steinkohlen antreffen werdet, da könnet ihr beinahe allezeit versichert sein, dass ein solcher Berg meistens eine solche Entstehung zum Grunde hat, besonders wo sich die sogenannte Braunkohle vorfindet. Denn das beurkundet das hie und da noch unversehrte Holz, wo nur an der Rinde desselben wirkliche Verkohlungen ersichtlich sind, was von den die Wälder ergriffen habenden Feuerhosen herrührt. Jedoch was die Schwarzkohle betrifft, so rührt diese teils noch von der Noahischen Sündflut her, teils durch später erfolgte vulkanische Eruptionen, teils aber auch durch Bergabstürze und grosse Erdlawinen, welche in früherer Zeit umso häufiger stattfanden, je höher noch die Fluten an die Berge hinaufreichten und sie ihrer Vegetation beraubten.

27. Warum dieses alles geschehen ist, ist euch zum Teil schon bekanntgegeben worden und wird bei der völligen Enthüllung der Erde und besonders ihres Mittelpunktes noch ganz klärlich auseinandergesetzt werden.

28. Jedoch was diese euch begleitenden Nebel betrifft, so habe Ich euch dadurch nur etwas grossartiger zeigen wollen – und habe es gewisserart mit grosser Fraktur-Schrift über die Berge hingeschrieben – wie es mit euch steht.

29. Die Füsse der Berge waren, was ihr doch gewiss werdet bemerkt haben, durchgehends rein, ebenso auch die meisten überschneiten Scheitel derselben. Allein um eure Füsse und eure Köpfe war es Mir auch nicht zu tun, daher liess Ich die Nebel gerade an der Stelle hervortreten, in welcher Gegend es bei euch auch noch so ziemlich nebelicht aussieht, und diese Gegend ist die Brust.

30. Und wie ihr weiter und weiter euch bewegt habt nach Meinem Willen (denn sonst wäret ihr nicht in diese Gegend gegangen), werdet ihr auch bemerkt haben, dass sich die Nebel nach und nach immer mehr und mehr verminderten und die Brüste der Berge frei wurden und vielseitig eine recht reichliche Vegetation zeigten. Und als ihr euch weiter und weiter bewegt habt, da habt ihr sogar eine ganz grüne Brust eines Berges gesehen, was euch hat zeigen müssen, dass, je weiter Mein Wille verfolgt wird, desto lebendiger auch die Hoffnung wird.

31. Und als ihr nun vollends zur bestimmten Höhe gelangt seid unter Sturm und Schneegestöber und beinahe alle Hoffnung aufgegeben habt, etwas zu sehen und nach Meinem Willen zu erfahren, sehet, da liess Ich, eurer Beharrlichkeit zuliebe, Meine Sonne mitten durch den Wolkenschleier durchbrechen und euch sobald die Gegend erleuchten und klären. Damit wollte Ich euch zeigen und sagen, dass Ich gerade dann komme, wenn ihr es am wenigsten für möglich gedenket.

32. Das die Sonne nicht ganz rein sich euch zu sehen gab, und das nur unter noch immerwährendem leichten Schneegestöber – dadurch wollte Ich euch sagen, wie es noch mit eurer Liebe aussieht. Wenn diese wärmer und wärmer wird, dann wird auch gewiss sich die Sonne des Geistes klären, in deren Strahlen ihr sehr leicht eure Schatten erkennen werdet. – Was aber der Schatten bedeutet, das sage Ich euch nicht, denn das müsst ihr schon ohnedies wissen.

33. Schiesslich werdet ihr noch bemerkt haben, als ihr zu sehr nebeliger Nachtzeit nach Hause gefahren seid, dass es einige Male geblitzt hat. Und das Dunkel der Nacht war so gut erleuchtet, dass ihr euch darüber verwundert habt, und hattet auch Recht, euch darüber zu wundern. Denn dadurch habe Ich euch absichtlich sagen wollen, wie es eigentlich in eurer Brust aussieht, worüber ihr auch sehr froh und voll Heiterkeit sein könnet – dass nämlich die Nacht eures Lebens schon so helle wie die Nacht eurer Zurückfahrt geworden ist, da es auch hinter den Bergen eurer Erkenntnisse durch die Nebel ein wenig zu blitzen angefangen hat.

34. Daher überdenket wohl diese Reise! Denn darum habe Ich sie euch verordnet, um euch in der grossen Natur ein getreues Bild eurer selbst zu entwerfen.

35. Sehet, das sind die versprochenen „Diäten“, die mehr wert sind als eine Sonne voll Goldes. Denn viele sind, welche die Natur mit ihren Augen angaffen, aber wenige, die sich selbst in derselben finden.

36. Amen. Das sage Ich, der grosse Diätengeber! – Amen.


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