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Himmelsgaben Band 1


Flut und Ebbe. – 24. Oktober 1840, Samstag, abends von 3/4 6 Uhr bis 9 Uhr


--. Schreibende: K. G. L. – L. – D. – Andr. und Ans. H. – Der Herr teilte uns durch Seinen Knecht J. L. Nachfolgendes aus Seiner Schatzkammer mit:

1. Es gibt der Meinungen viele über die Erscheinung des regelmässigen Steigens und Fallens des Meeres. Allein, wie mit allem übrigen, so ist es auch mit dieser Erscheinung der Fall, dass alle bis jetzt bekannten Meinungen und sogenannten „Hypothesen“ hinsichtlich der Erklärung dieser Erscheinung zur Wahrheit sich verhalten, wie ein blinder Schütze zum vorgesteckten Ziele, der da in seiner Nacht hingeht aufs weite Feld, allwo irgendein Ziel aufgesteckt ist. Er geht auf der Ebene fort und fort und sucht das Ziel, wohin er seine Pfeile abschiessen möchte. Und seht, da er nahe an das Ziel gekommen ist, wendet er sich von demselben ab und sendet seine Pfeile ins Blaue.

2. Und hätte ein anderer Schütze, der ebenfalls blind ist, gleichwohl auch eine so glückliche Wendung gemacht, dass er gewisserart, wie ihr sagt, zufällig einen Pfeil ins Zentrum geschleudert hätte, so würde ihm dieses aber demungeachtet nichts nützen, da er blind ist und daher nicht wissen kann, wohin sein Pfeil geflogen ist; und wüsste er es auch, was würde es ihm wohl nützen, da er das Zentrum selbst nicht sehen kann – besonders wenn das Ziel, wie hier bei dieser Aufgabe, noch dazu so hoch gesteckt ist, dass er es nicht einmal mit den Händen erreichen kann, um zu fühlen, ob sein Pfeil in der Mitte steckt.

3. Und wenn er darauf einer ganzen blinden Menge mit aller Beredsamkeit predigt, wie genau er das Ziel getroffen habe, so werden einige, die noch viel blinder als er sind, sich ausserordentlich beifällig zu wundern anfangen, dass er mit solcher Sicherheit das Ziel getroffen habe, und werden sagen: „Das wäre uns Sterblichen allen unmöglich gewesen, indem wir alle blind sind“. – Er aber wird grosstuend erwidern: „Ja, mir ist es gelungen!“

4. Doch die weniger Blinden, die werden freilich sich nach und nach in die Ohren zu raunen anfangen und werden sagen: „Ist denn nicht der Schütze auch blind? Woher dieser sichere Schuss? Hätte er nicht auch ebenso gut einen nebenstehenden Baum treffen können wie das vorgesteckte Ziel?“

5. Angenommen, bei dieser Operation wäre aber auch ein Sehender zugegen und würde sagen: „Höret Freunde! Ich bin einer, der gesunde Augen hat, und sehe so gut in der Nähe wie in die Ferne.“ – Die Blinden aber würden ihm erwidern: „Was geht das uns an, wenn du siehst, so wir doch blind sind? Und so können wir dir ebensowenig glauben wie dem Blinden, da wir uns wirklich nicht überzeugen können, ob du siehst.“ – Der Sehende aber würde dann sagen: „So ihr auch nicht sehet, so kann ich euch doch begreiflich machen, dass ich sehe, und zwar auf folgende Weise: Mache jemand von euch irgendeine Bewegung mit seiner Hand, mit seinem Fusse oder mit seinem Kopfe, und so ich euch sage, wie ihr euch bewegt habt, glaubet es mir, dass ich sehe.“ – Und die Blinden sprächen zu ihm: „So du das könntest, so möchten wir ja glauben, da du sehest und uns auch sagen könntest, wohin der Pfeil dieses samt uns blinden Schützen geflogen ist.“ – Das tät der Sehende denn auch. – Dann aber würde er sagen: „Sehet, der Schütze war mit seinem Rücken, statt an einem Baum, gerade an das Ziel gelehnt, als er den Pfeil losschoss, aus welcher Ursache der Pfeil unmöglich ans Ziel gelangen konnte.“

6. Nun sehet, was würde nun daraus entstehen? Meinet ihr, die Blinden würden ihm glauben? – Ja, sage Ich, sie würden ihm glauben, insoweit sie es mit den Händen greifen könnten. Da aber auch der Schütze sich gar gewaltig auflehnen würde für seine Ehre, so würden sich die Blinderen an die Beredsamkeit des Schützen halten, und die anderen würden in ihrem Glauben immer in einem Flut und Ebbe ähnlichen Schwanken sein und würden sagen: „Ja, es ist wahr, unsere Bewegungen hat er uns wohl richtig gesagt, aber wer steht daür, dass er uns auch das andere richtig sagt, worin wir uns nicht überzeugen können, ob es so ist, wie er es uns sagt?“

7. Nun sehet, aus diesem kleinen Gleichnisse werdet ihr ersehen, wie schwer es ist, der blinden Welt zu predigen, und umgekehrt, wie schwer es auch der blinden Welt ist, die gepredigte Wahrheit als solche zu erfassen und zu begreifen.

8. Sehet, so seid auch ihr allesamt noch blinde Gläubige – und Ich allein bin der Sehende! Wenn Ich euch daher Dinge eröffne und euch zeige die Fehlschlüsse der Weltschützen, so glaubet, dass Ich euch gewiss allezeit die reinste Wahrheit sage und euch auch noch dazu in jeder Meiner Offenbarungen eine ganz tüchtige Portion Augensalbe mitspende, mittelst welcher ihr auch das Augenlicht wieder erhalten werdet, vorausgesetzt, dass ihr die Salbe fleissig gebrauchet und euch mehr zur Ebbe als zur Flut haltet.

9. Denn es ist die Flut ein Sinnbild des Hochmutes – die Ebbe aber der Demut! Oder mit anderen Worten: Es ist die Flut ein Sinnbild des Überflusses, des Reichtumes und der damit verbundenen Unruhe – die Ebbe aber der Zurückgezogenheit, der Dürftigkeit und der stillen Ruhe.

10. Dem Schiffer ist oft freilich die Flut erwünschter als die Ebbe, wenn irgendein Sturmwind ihn auf eine Sandbank festgesetzt hat. Allein, diese Nützlichkeit ist nicht eine wahre Nützlichkeit. Denn das Schiff wird zwar von der Flut gehoben und dann weiterbefördert – aber sind nicht noch wohlbekannterweise vor oder nach den Sandbänken auch Klippen vorhanden? Seht, wäre nun das Schiff durch die Ebbe nicht in den Stand der Ruhe gesetzt worden auf der weichen Sandbank, so hätte der Sturm das Schiff auf eine Klippe geschleudert, wodurch dann alles zugrunde gegangen wäre. – Daher sollet auch ihr euch mehr die Ebbe als die Flut zum Spiegel eures Lebens wählen.

11. Nach dieser kleinen, nicht unrichtigen Vorbetrachtung will Ich, als der einzige sehende Schütze, den Bogen ergreifen und den Pfeil in die Ebbe und Flut senden; und wir wollen sehen, ob auch Ich einen Baum statt der Zielscheibe getroffen habe.

12. So ihr aber einen Maschinisten fragen würdet: „Sage mir, warum ist dieser Stift da in deinem Uhrwerke?“ – wird es der Maschinenmeister nicht alsogleich wissen, warum dieser Stift da oder dort angebracht ist? – Ja, sage Ich, er wird und muss es wissen, da er sonst kein Meister wäre und das Werk nicht ein Werk seiner Hände. So Ich aber der grosse Meister bin in allen Dingen ewig und unendlich, so glaubet es Mir, dass Mir Ebbe und Flut recht wohl bekannt ist.

13. Nun werdet ihr euch denken: So möchte ich denn doch schon einmal wissen, was denn die Ebbe und Flut ist? – Ich aber sage: Nur noch eine kleine Geduld, es wird schon kommen! Macht ihr es ja doch mit euren Kindern, da ihr ihnen etwas zu geben gesonnen seid, auch oft also, wenn die Gabe auch nur in etwas sehr Unbedeutendem besteht. So Ich aber euch etwas Bedeutendes gebe, wie soll Ich auch euch nicht zuvor ein wenig lüstern darauf machen?

14. Nun sehet, alles, was nur irgendein Leben äussert, hat eine gewisse ihm eigentümliche Atmung. Und hat diese aufgehört, dann sind auch die Lebensgeister der Materie entflohen; diese selbst aber sinkt dann in den Zustand der Trägheit zurück, stirbt und verwest und geht so in den Tod über. So ihr zum Beispiel was immer für ein Tier beobachtet, so wird und muss es atmen; denn hört dieser Akt auf, so lehrt euch schon die tägliche Erfahrung, dass alsdann der Tod in diese (Lebens-)Form getreten ist. Ihr sagt auch, so jemand den letzten Atemzug gemacht hat, dass er gestorben sei, und ihr habt recht; denn mit dem letzten Atemzuge ist es mit dem naturgemässen Leben des Menschen zu Ende. So aber das physische Leben in seinem Zentrum aufhört, so hört auch alsobald mit dem Hauptleben alles vegetative Leben in einem Körper auf.

15. Was ist demnach Atmung und wozu ist sie da? – Sehet, jedes Wesen bildet entweder eine positive oder negative Polarität. Wie aber eine jede Polarität ein Bedürfnis hat nach der entgegengesetzten Polarität und nicht entstehen und bestehen kann für sich ein negativer oder positiver Pol allein, sondern nur einer durch den anderen, sehet, so ist auch das ganze naturgemässige Leben! Auch euer Leben besteht in einem negativen Pole, welcher gegeben ist zur Aufnahme des Positiven.

16. Wie kann aber dies geschehen? – Dadurch, dass der negative Pol fortwährend durch die Atmung angeregt wird, durch welche Anregung immerwährend ein verhältnismässiges Bedürfnis zur Aufnahme des Positiven bewerkstelligt wird.

17. Nun sehet, ihr hättet zum Beispiel eine Elektrisiermaschine. Diese Maschine kann jahrelang auf irgendeinem Orte stehen und ihr werdet keine andere Erscheinung an ihr wahrnehmen als die ihrer Form selbst. Bringt nun aber jemand die Scheibe der Maschine in Umschwung, so wird dadurch die negative Elektrizität erregt und gleichsam in sich verzehrt.

18. Nun fängt sie aber eben durch diese Aufzehrung ihrer selbst an, ein neues Sättigungsbedürfnis zu empfinden. Was kann denn nun geschehen? Obschon ihr es jetzt fast mit den Händen greifen könnet, so will Ich es euch aber doch der Ordnung wegen sagen, was da zu geschehen hat und muss. – Wie sich der Hunger nicht selbst stillen kann, so auch kann sich der sich selbst aufzehrende Pol nicht wieder selbst sättigen – gerade wie wenn euer Magen leer geworden wäre, ihr euch auch nicht sättigen könnet mit der Leerheit eines anderen Magens, sondern ihr werdet sagen: „Herr, mit dieser negativen Kost ist uns nicht gedient, wir haben das Bedürfnis nach einer positiven Kost!“

19. Sehet, so ist es eben auch hier der Fall! Und so ist denn die positive Elektrizität eine Sättigung der negativen. Ist diese Sättigung vor sich gegangen, so wird an dem Konduktor alsobald der sättigende Erfolg in lebenstätige Erscheinung treten.

20. Und so ist denn auch die Atmung dasjenige, was eure Lebens-Elektrisier- Maschine in Bewegung setzt, die negative Polarität erregt und euer Wesen hungrig macht nach der positiven Polarität. – Denn mit einem jeden Atemzuge wird eine beständige Reibung in euren Körperteilen bewirkt. Durch diese Reibung wird das negative Leben angeregt und fängt an, sich zu fühlen in seinem Hunger. Und je nach dem Grade des Bedürfnisses wird dasselbe mit jedem Atemzuge gesättigt, welche Sättigung darin besteht, dass der Stickstoff als negativer Pol den Sauerstoff mit grosser Begierde in sich aufnimmt. Hört nun dieses Atmen auf, dann fängt die negative Polarität an, sich selbst aufzuzehren, wodurch es denn auch alsobald mit dem naturmässigen Leben ein Ende hat.

21. Nun denket euch, jedes lebende Wesen ist eine „Welt“ oder eine „Erde“ im kleinen Verhältnisse. Wie aber ein jedes solches Wesen ein Zentralleben besitzt und ein vegetatives Leben durch das zentrale behält, solange die Atmung fortdauert, sehet, geradeso ist es der Fall nicht nur mit der Erde, sondern mit jedem Weltkörper! – Freilich müsst ihr euch nicht denken, die Erde sei deshalb ein Tier, weil sie ebenfalls periodisch atmet; dessenungeachtet aber ist sie doch insoweit in ihren inneren Gefügen organisch eingerichtet, dass sie einer Atmung fähig ist.

22. Demnach ist die Ebbe und Flut nichts als bloss die Folge des immerwährenden Aus- und Einatmens der Erde.


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