HIM1-103

Aus Suche Jesus-Comes
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Hauptseite Himmelsgaben Band 1 HIM1-103 Eintrag

Himmelsgaben Band 1


Leiden des Herrn, Fasten, Armut, Liebe. – Vier Fragen im geistigen Lichte. – 9. April 1841, von 3/4 4 Uhr nachmittags bis 3/4 8 Uhr abends


--. Schreibende: Ans. H. und seine vier Töchter. – Über die vorgenannten Gegenstände bekundete der Herr durch Seinen Knecht allergnädigst Nachfolgendes:

1. Wenn ihr also fraget, so fraget ihr recht! Denn in solchen Fragen liegt dasjenige zugrunde, was jedem Menschen am meisten not tut.

2. Ihr habt zwar ein leichtes Anliegen nicht in der Form einer Frage gegeben, dessenungeachtet sind die gegebenen Worte nichts als Fragen aus eurem Herzen, deren sonderheitliche Beantwortung euch jetzt gegeben wird. Die grosse Antwort aber wird euch erst dann, wenn ihr sie durch die Beachtung der sonderheitlichen in euch finden werdet. Das heisst, die sonderheitliche Beantwortung ist ein Wegweiser, der euch zeigt, wie das menschliche Leben beschaffen sein soll im Geiste und in der Wahrheit, voll Liebe und lebendigen Glaubens, um durch dieses Leben dann sicher gelangen zu können zum inneren Leben des Geistes und endlich durch dieses erst zu Mir. – Wer aber zu Mir gelangen wird, der wird dadurch auch gelangen zur allgemeinen Beantwortung nicht nur dieser von euch gegebenen Fragen, sondern auch jener unendlichen, die in diesen vieren enthalten sind.

3. Denn wahrlich, verstündet ihr in eurem Herzen das grosse Geheimnis Meines Leidens, alle Engel des Himmels würden ehrfurchtvoll und in allerhöchster Freude ewig zu euch in die Schule gehen und allezeit nach beendigter Schulzeit mit unermesslichen Wundern bereichert zurückkehren.

4. Verstündet ihr in euren Herzen gerecht zu fasten, wahrlich, ihr möchtet nimmer darnach fragen! Denn durch solches Fasten wäre Ich euch schon lange ein sichtbarer Vater geworden, allda Ich euch dann mit dem leisesten Hauche mehr geben könnte, denn sonst mit tausend Worten.

5. Verstündet ihr in euren Herzen, was die wahre Armut ist, wahrlich, schon jetzt wäret ihr reicher als manche Fürsten des Himmels. Denn es liegt in der wahren Armut ein gar grosser Schatz, welcher mit keinem irdischen Massstabe zu ermessen ist! Die wahre Armut ist es, die da ewig gespeist wird mit Meinem Worte – wie ihr ja auch leset, dass das Evangelium den Armen gepredigt werden soll. Auch wird die wahre Armut verstanden also, dass sie gleich ist den „Hungrigen“ und „Durstigen“, die da ebenfalls aus Meinen Worten vollauf gesättigt werden.

6. Und endlich verstündet ihr erst in eurem Herzen die Liebe, wahrlich, da wäre an euch erfüllet die grosse Forderung, die Ich an Meine Apostel gerichtet habe, da Ich zu ihnen sagte: „Seid vollkommen, wie euer Vater in den Himmeln vollkommen ist!“ – Liebe Kinder! Was meinet ihr wohl, was diese Anforderung besagt? – Sehet, diese Anforderung besagt nichts mehr und nichts weniger, als bloss die ziemlich grosse „Kleinigkeit“, dass der Mensch vollkommen Mir in allem gleichen solle! – So ihr euch nur einen allerleisesten Begriff von Meiner Grösse, Macht und Kraft und von allen Meinen unendlichen Vollkommenheiten machen könnet, so werdet ihr euch ja wohl auch davon einen kleinen Begriff machen können, was das heissen will, wenn Ich zu euch sage, dass auch ihr so vollkommen werden sollet, wie euer Vater im Himmel vollkommen ist. Denn wenn „der Sohn“ die Seinen zu Miterben gemacht hat, auf dass Er vollkommen brüderlich teile das grosse Erbe vom Vater, so will auch das nichts anderes sagen, als dass die Seinen zu derselben Gerechtigkeit, zu derselben Macht und Kraft des Geistes Gottes gelangen sollen, welche dem Sohne im Vater und dem Vater im Sohne von Ewigkeit her innewohnt.

7. Bevor Ich euch jedoch alles dieses noch etwas näher auseinandersetzen werde, wollen wir zur sonderheitlichen Beantwortung eurer vier Hauptfragen zurückkehren.

8. Was Mein Leiden betrifft, so habe Ich also gelitten an Meinem Leibe wie ein jeder andere Mensch, und zwar in derselben Ordnung, wie ihr es leset in den Evangelien. Weil aber das menschlich leidende Ich noch ein anderes, göttliches Ich in sich schloss, so war dieses Leiden auch ein doppeltes, nämlich das äussere, leibliche, und das innere, göttliche.

9. Worin das äussere Leiden bestand, wisset ihr – aber worin das göttliche Leiden bestand, das ist eine andere Frage. – Damit ihr euch davon einen Begriff machen könnet, so denket euch, was das heissen will, wenn der unendliche Gott in dieser Leidensperiode Sich aus Seiner unendlichen und ewigen Freiheit zurückzog und in dem Herzen des leidenden „Sohnes“ Seine Wohnung nahm!

10. Nun sehet, Mein Äusseres wurde durch die bitteren Leiden bis auf den Punkt des Todes gedrückt. Die im Herzen sitzende Gottheit aber musste den Tod und die Hölle von dem innersten Punkte aus besiegen. Nun denket euch den leidenden Gottmenschen, der da nun gestellt war zwischen zwei Feuer: Von aussen her drückte Mich der Tod und die Hölle mit all ihrer Gewalt so lange, bis Mein natürliches Leben bis zu dem innersten Punkte Meines Herzens getrieben ward. Von innen aus aber wirkte diesem Drucke die Gottheit mit all Ihrer unendlichen Macht und Kraft entgegen und liess Sich nur durch die Liebe selbst bis auf einen Punkt zusammentreiben.

11. Nun denket euch wieder: Dieselbe Macht und dieselbe Kraft, welche mit einem Hauche alles, was da lebet und webet in der ganzen Unendlichkeit, in einem Augenblick zerstören könnte, dieselbe Macht und Kraft, die alle Ewigkeiten und Unendlichkeiten nicht erfassen, welche die ganze unendliche Schöpfung aus Sich werden hiess – o höret! – dieselbe Macht und Kraft in Ihrer vollsten Allheit hat Sich so weit aus ihrer Unendlichkeit heraus, wie schon gesagt, auf einen Punkt beengen lassen, welche Beengung die grösste freiwillige Demütigung der Gottheit in Mir war!

12. Wenn ihr dieses nur ein wenig in eurem Herzen zu fassen imstande seid, welchen leidenden Kampf Ich da als die Ewige Liebe zu bestehen hatte, so werdet ihr euch wohl auch einen kleinen Begriff machen können, was alles unter Meinem Leiden verstanden wird.

13. Dieses Leiden dauerte bis auf den Punkt, da Ich am Kreuze ausrief: „Es ist vollbracht! Vater, in Deine Hände empfehle Ich Meinen Geist!“ – oder mit andern Worten: „Siehe Vater! Deine Liebe kommt zu Dir zurück!“ – Und sobald wurden von der unendlichen Macht Gottes alle Bande des Todes und der Hölle zerrissen. Hinaus stürmte die ewige Macht mit verunendlichfältigter Gewalt. Die ganze Erde bebte, angerührt von der Allgewalt Gottes. Freiwillig öffnete sie ihre Gräber und trieb die Gefangenen zum Leben hervor.

14. Und weiter drang dieselbe Allgewalt über alle sichtbare Schöpfung hinaus, erfüllte in diesem Augenblicke die Unendlichkeit wieder. Und alle Sonnen in allen endlosen Räumen zogen ihr Licht aus übergrosser Ehrfurcht vor der sie neu berührenden Allgewalt Gottes in sich zurück. Dass aber die Gottheit bei diesem neuen Austritte in diesem Augenblicke nicht alles zerstört und vernichtet hat, war allein die Liebe schuld, die da nun völlig wieder mit ihr vereinigt war.

15. Nun sehet, Meine lieben Kinder, das ist, so viel ihr es fassen könnt, zu verstehen unter „Meinem Leiden“! – Allein es liegt noch Unendliches darin verborgen, darin ihr Ewigkeiten genug zu erforschen haben werdet, und das zwar immerwährend Grösseres und Unendlicheres. Denn was Ich euch jetzt gesagt habe, verhält sich zur Vollheit geradeso wie ein Punkt zur Unendlichkeit.

16. Wenn ihr aber fastet, da fastet in der wahren Verleugnung eurer selbst aus reiner Liebe zu Mir an allem, was die Welt euch bietet, so werdet ihr durch solches gerechte Fasten zu dem „Brote des Himmels“ gelangen.

17. Wie eine Braut an ihrem Hochzeitstage alle ihre früheren Kleider auszieht, sich wäscht am ganzen Leibe, dann ihre Brautkleider anzieht und sich schmückt mit allerlei Blumen und Edelsteinen, auf dass sie dem Bräutigam wohlgefalle, so er kommt und sie führet in sein Haus – ebenso sollet ihr durch das gerechte Fasten alle euere weltlichen (Selbstliebe-)„Kleider“ ausziehen, euch waschen mit lebendigem Wasser und anziehen dann Kleider der wahren (Gottes-)Liebe, der Unschuld und aller Demut und euch schmücken mit allerlei Blumen und Edelsteinen aus den Werken der (Nächsten-)Liebe!

18. Und wenn sodann der grosse Bräutigam kommen und euch treffen wird also wohlbereitet, da wird auch Er tun, was von dem bildlichen Bräutigam gesagt wurde. Und wenn ihr euch dann in dem Hause des Bräutigams befinden werdet, da wird Er euch eine Schatzkammer auftun und euch beschenken mit den unermesslichen Schätzen des ewigen Lebens, welches da ist eine Folge Meines bittern Leidens oder der Erlösung.

19. Und was das Fasten ist, das ist auch die Armut. Denn wahrlich, wer nicht arm geworden ist an allem, was der „Welt“ ist, der wird nicht eher in Mein Reich eingehen, als bis er der Welt den letzten Heller zurückgegeben hat. – Sehet, das ist also die wahre Armut im Geiste und in der Wahrheit!

20. Dass da aber die freiwillige Armut einen unendlichen Vorzug hat vor der genötigten, versteht sich so sehr von selbst, dass eine nähere Erörterung darüber im höchsten Grade überflüssig wäre. Denn es kann die genötigte Armut nur durch die gänzliche Ergebung in Meinen Willen und in Meine Liebe der freiwilligen gleichkommen.

21. Nun aber fraget euch: Was ist das Verhältnis einer Braut zu ihrem Bräutigam, für den sie keine Liebe hegt im Herzen? Wird sie sich wohl auch so schmücken für die bewusste Stunde, da sie weiss, dass der Verachtete kommen wird? Wird sie diese Stunde mit der grossen Sehnsucht ihres Herzens erwarten? – Ich sage euch: Mitnichten! Denn sie wird diese Stunde in ihrem Herzen verwünschen und verfluchen. Sie wird sich nicht waschen, sondern sich eher beschmieren mit allerlei Schmutz, und sie wird anbehalten ihre Alltagskleider und ihr Haupt bestreuen mit Asche, in der Meinung, wenn der bewusste Bräutigam kommen wird, so wird er sich entsetzen vor ihr und wird ablassen von seinem Begehren.

22. Und wahrlich, wenn der Bräutigam kommen und seine Braut also antreffen wird, Ich sage euch, da wird er sie nicht nehmen (so er Mir gleicht), sondern wird die Lieblose bereitwilligst dem überlassen, dem sie ihre Liebe zugesagt hat.

23. Nun sehet, da eine Braut für den rechten Bräutigam sich nur schmückt, so sie ihn liebt, so wird euch auch wohl sehr leicht klar werden, dass ohne Liebe zu Mir an kein Fasten und keine Armut zu denken ist und somit auch an keine hochzeitliche Ausschmückung. – Da wird aber auch kein „Nachhauseführen“ der Braut erfolgen, welches „Nachhauseführen“ nichts anderes ist als die Erlösung vom Tode zum Leben.

24. Sehet, wie sich da eure Fragen verhalten! – In Meinem Leiden ist die Liebe. Das Fasten und die Armut ist das Leiden der Liebe. Und das Leiden der Liebe ist die Ausschmückung derselben. Und in der Ausschmückung, welches das Leben ist, ist die Erlösung. – Somit ist die Liebe, das Leiden und die Erlösung eines und dasselbe.

25. Wer demnach liebt also, wie es euch gezeigt worden ist, der hat sich der Erlösung teilhaftig gemacht, und sein Teil wird gleich sein dem Meinen. Gleichwie aber der Bräutigam all seine Güter teilt mit seiner Braut, also wird es auch sein in Meinem Hause. Alsdann werdet ihr erfahren, was das heisst: „Seid vollkommen, wie euer Vater im Himmel vollkommen ist!“

26. Amen! – Das sage Ich, ebenderselbe Vater im Himmel! Amen.


Hauptseite Himmelsgaben Band 1 HIM1-103 Eintrag