HAG2-99

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Hauptseite Die Haushaltung Gottes Band 2 HAG2-99 Kapitel


99. Kapitel - Kisehel und Sethlahem und das Heer der Kinder der Tiefe.

99,1. Die beiden Beheissenen aber dankten dem Abedam mit dem liebeerfülltesten Herzen für solchen hohen Auftrag und begaben sich dann alsogleich an den Ort ihrer Bestimmung.

99,2. Sie nahmen den Weg durch die Grotte Adams, um desto schneller dahin zu gelangen, wohin sie beheissen waren.

99,3. Als sie aber alsonach über die Grotte hinaus schon auf halbem Wege standen, da ersahen sie die von Lamechs Befehlshaber aufgestellten Späher, und diese riefen sogleich den ihnen nächsten Vorposten zu:

99,4. „Gebet schnelle Nachricht dem Willensträger unseres grossen Gottes Lamech, dass soeben sich zwei ungewöhnlich grosse Männer der Höhe entlang unserem Lager nahen!

99,5. Wir wissen nicht, was wir hier tun sollen. Sollten wir es wagen, es mit ihnen aufzunehmen, oder sollten wir sie ungehindert vordringen lassen?

99,6. Sie scheinen überaus stark zu sein; denn bei jedem Tritte erbebt die Erde bis dahin, wo wir stehen, und je näher sie kommen, desto ärger empfinden wir jeden ihrer Tritte!“

99,7. Wie aber die Nachricht zu dem Befehlshaber gelangt ist, da erschrak er gewaltig und wusste nicht, was er im Augenblicke tun solle.

99,8. Nach einer allernötigsten Fassung aber liess er den Spähern kundtun und den Vorposten, dass sie die beiden sollten ungehindert vordringen lassen, sie dann schnell umringen und dann also gefangen zu ihm bringen.

99,9. Schnell wurde dieser Notbefehl bis zu den Spähern verbreitet, und bevor die beiden Gesandten noch die Morgengrenze betraten, waren sie schon umringt von tausend mit langen Spiessen bewaffneten Männern aus der Tiefe, welche, da sie sahen, dass sich diese zwei grossen Menschen, obschon unter jedem ihrer Tritte die Erde gewaltigst erbebte, gar nicht sträubten, in ihrer Waffenmitte wie Gefangene fortzugehen, eben darum diese beiden Gesandten zu necken anfingen, und das zwar durch allerlei Schmähreden und in der Tiefe übliche Entmutigungströstungen, welche ungefähr also lauteten:

99,10. „Höret, ihr zwei grossen feigen Fleischsäcke! Was macht denn euer Scheusal von einem Adam, und was euer wurmstichiger Jehova?

99,11. Wie viele solche Fleischsäcke gibt es auf dieser lichten Höhe?

99,12. Warum fürchtet ihr euch denn also stark vor uns viel kleineren, aber dafür wahren Menschen, dass darob euer fiebernder Fleischsack seine Furcht sogar der Erde mitteilt?

99,13. O fürchtet euch nicht, ihr zwei grossen Fleischsäcke! Denn es wird euch ja nichts Ärgeres begegnen, als bloss nur, dass euch zuerst ein Finger um den andern vom Leibe geschlagen wird, sodann die Hände, dann die Füsse; darauf erst wird euch die Zunge ausgerissen werden, dann die Nase, dann die Ohren, dann die Augen, und endlich wird euch erst der Kopf vom übrigen Fleischsacke langsam abgesägt werden.

99,14. Sehet, das ist alles, was euch überaus sicher geschehen wird, darum ihr ja doch keine so grosse Furcht haben sollet!

99,15. Denn solches wird an euch ja ohnehin aus purer Schonung sehr langsam vollzogen werden, damit ihr doch zwischen einem und dem andern Schmerze werdet gehörig ausschnaufen können und euch vorbereiten auf einen folgenden grösseren Schmerz.

99,16. Sehet, wie wir es mit euch gut meinen, und noch scheinet ihr euch sehr gewaltig zu fürchten vor uns!

99,17. Denket nur, dass eure Qual kaum etwas über drei Tage andauern wird, so wird euch die Furcht sogleich vergehen!“

99,18. Bei diesem Worte machte einer der Haupttröster mit seinem Spiesse einen Versuch gegen Kisehel, um ihn durch einen tüchtigen Stich etwa in den Arm zufolge des darauf folgenden Schmerzes desto mehr Furcht vor seiner Trostrede einzuflössen.

99,19. Als aber dieser Tröster noch kaum mit seinem Spiesse den Arm Kisehels berührt hatte, da fuhr plötzlich Feuer aus dem Arme Kisehels, verzehrte augenblicklich den ganzen Spiess und ergriff endlich auch den Tröster selbst und machte ihn zur Asche.

99,20. Diese Erscheinung machte auf unsere Waffenmannschaft einen solchen Eindruck, dass darob alsogleich alle, welche unsere zwei Gesandten zum Befehlshaber als Gefangene führen sollten, eiligst nach allen Seiten die Flucht ergriffen und alsogleich sogar in die Tiefe hinab geflohen wären, wenn ihnen nicht einige wohlmeinende Riesentiger den Rückweg vertreten hätten.

99,21. Drei der ersten Rottenführer aber liefen schnell hin zum Befehlshaber und erzählten ihm bebenden Leibes, was sich da zugetragen habe, und rieten demselben, dass er ja keinen Gewaltstreich gegen sie ausführen und sie mit nichts berühren solle; denn sie seien voll des verheerendsten Feuers, welches unerlöschbar sei: wo es etwas berühre, da zerstöre es auch alsogleich bis auf den Grund.

99,22. Diese Erzählung flösste auch dem Befehlshaber einen solchen Respekt vor den zwei nicht mehr ferne abstehenden Gesandten ein, dass er bei ihrer Annäherung alsogleich zur Erde niederfiel, und mit folgenden Worten anfing, sie schon von der Ferne zu begrüssen und zu bewillkommnen, sagend nämlich:

99,23. „O ihr grossen, feuervollen, heiligen Boten irgendeines sicher noch grösseren Gottes, als da ist unser armseliger Gott Lamech in der Tiefe, seid mir so oftmal willkommen, als da ist des Grases auf der Erde – und des Sandes in allen grossen und kleinen Gewässern der Erdoberfläche!

99,24. Wäre es euch nicht gefällig, mir kundzutun, von einiger Entfernung jedoch – wenn es meiner wurmartigen Geringheit gegönnt ist, eure feurige Majestät darum anzuflehen –, welcher hohe, heilige Wille euch veranlasst hat, dass ihr euch auf euren heiligen Füssen zu meiner Scheusslichkeit habt hertragen lassen?“

99,25. Der Kisehel aber rief, statt eine Antwort auf die dumme Frage zu geben, alsogleich den Befehlshaber beim Namen, sagend: „Horadal! Der Herr will es, dass du erstehest, uns geleitest und uns folgest samt deinem ganzen Heere hinauf auf die heilige Höhe, um da zu bekennen deinen Frevel vor dem lebendigen, ewigen, sichtbaren Gott, dem alleinigen Schöpfer und Erhalter aller Dinge, und vor Adam, der da ist der Erde erster Mensch aus der Hand des allmächtigen Gottes!“

99,26. Diese Einladung brachte den Horadal nahe zur Verzweiflung, dass er ganz wie besinnungslos dastand und kein Wort über seine Lippen bringen konnte.

99,27. Der Sethlahem aber trat zu ihm hin, ergriff seine Hand und sagte etwas sanfter zu ihm: „Horadal, warum fürchtest du dich denn, lebendig zu werden, während du schon so lange mitten im Tode ohne Furcht gewandelt bist?!

99,28. Ich sage dir aber im Namen Dessen, der uns hierher gesandt hat, dass Seine Liebe grösser ist denn Lamechs Zorn; daher tue, was mein Bruder von dir verlangt!“

99,29. Nach diesen Worten erst kam der Horadal wieder zu sich und befolgte sogleich, was der Kisehel von ihm verlangte, und folgte mit Sack, Pack und Waffen alsbald dem Kisehel und Sethlahem.

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