HAG2-75

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Hauptseite Die Haushaltung Gottes Band 2 HAG2-75 Kapitel


75. Kapitel - Thuarims Vision. Seine Liebefeuerprobe.

75,1. Und alsbald berief der hohe Abedam den Thuarim zu Sich und sagte zu ihm: „Thuarim, du bist berufen, – mehr brauche Ich dir nicht zu sagen; daher tue ohne Furcht und Scheu Meinen Willen! Amen.“

75,2. Und der Thuarim ging zagenden Mutes hin zum hohen Abedam, dankte Ihm in aller Inbrunst seines Herzens und begann aber dann sogleich sein Gesicht kundzugeben vor Mir und all den Vätern.

75,3. Also aber war das Gesicht beschaffen, und also lautete es aus dem Munde Thuarims:

75,4. „O Du unser aller heiliger Vater, der Du bist voll Liebe und Erbarmung, das war eine harte Prüfung für mich armen, blinden Sünder vor Dir, o Jehova!

75,5. Du weisst es, wie es mir ergangen ist in diesen wenigen Augenblicken; aber die Väter wissen es nicht, und so will ich es denn nach Deinem heiligen Willen getreu kundgeben, was mich diese wenigen Augenblicke hindurch gepeinigt hat also unerträglich lange scheinend, als hätten mich schon alle Ewigkeiten mit ihren unendlichen Armen umschlossen.

75,6. Also aber war dieser mein schauderhafter Zustand beschaffen: Als ich heimlich etwas ärgerlich darüber nachdachte, gleichsam mir selbst sagend: ,Was soll das heissen: in mich selbst schauen? – Klingt das nicht wie ein barster Unsinn?! So Du unser Schöpfer bist, da musst Du ja doch wohl wissen, wozu Du einem die Augen gegeben hast?!

75,7. Bis jetzt hat noch jedermann sich derselben nach aussen hin bedient; wie soll ich jetzt denn auf einmal dieselben gänzlich umkehren – was mir rein unmöglich ist – und in mich hineinschauen und daselbst erfahren, wie es da aussieht in meinem Leibe?!‘

75,8. Ich versuchte darauf wirklich eine Zeitlang die Augen soviel als nur immer möglich zu verdrehen, dass mir darob förmliche Feuerflammen aus den Augen brachen gleich feurigen Kreisen und ich gar gewaltig davor erschrak. Aber alles das war dennoch ein ganz vergebliches Abmühen; denn so ich meine Augen wieder zur gewöhnlichen Ruhe brachte, da sah ich dennoch nichts anderes als nur das, was da aussen um mich her sich befindet.

75,9. Ich sah auch bald den einen und bald den andern von meinen Brüdern an, konnte aber an keinem etwas entdecken, das mir als etwas ganz Besonderes hätte auffallen können.

75,10. Da ich somit durchaus nichts habe finden können, da ward ich dann doppelt ärgerlich und dachte mir wieder dabei: ,Das ist sicher nichts anderes als eine pure Versuchung an meinem Verstande!

75,11. Aber so dumm bin ich ja dennoch nicht, als man vielleicht der guten Meinung ist!

75,12. Daher gebe ich nach als der offenbar Verständigere und lasse die anderen ungestört ihrer Narrheit über, so sie eine Freude daran haben; ich aber bleibe bei meiner guten, alten Ordnung!

75,13. Es soll in sich schauen, wer da will, mag und kann; ich aber gebrauche mein Augenpaar lieber zu dem Zwecke, für welchen sie mir vom Schöpfer aus verliehen wurden!‘

75,14. Und also kam ich wieder aus meinem Ärger heraus und ward ruhig.

75,15. Aber meine vermeintliche Ruhe dauerte nicht lange; denn die Erde unter meinen Füssen wurde bald so locker wie ein leichter, trockener Sand oder wie frisch gefallener Schnee, und ehe ich es mich versehen konnte, war ich schon begraben im tiefsten Abgrunde der Erde!

75,16. Da ward es denn überfinster um mich her, und ich konnte mir mit den Händen kaum so viel Raum vor dem Munde machen, dass ich allersparsamst atmen konnte.

75,17. In dieser allergrössten Not dachte ich dennoch an Dich, Du heiliger Vater, und flehte um Hilfe und Rettung Dich an.

75,18. Allein mein Flehen verlor sich in den endlos nach allen Seiten mich umgebenden Sand, und anstatt, dass mir da eine Rettung wurde, sank ich nur stets tiefer und tiefer hinab in den grundlosen Sand der Erde; und als ich ganz verzweifelt also sank und sank, da kam mir denn auf einmal ein gar ekeliger Geruch entgegen, und der war ärger, ja der war unaussprechlich ärger denn jeder Gestank auf der Erde, den je meine Nüstern empfunden haben!

75,19. Und siehe, da auch hatte bald der Sand ein Ende! Ich war des froh; denn ich dachte mir da: ,Es ist sicher die Errettung über mich gekommen!‘

75,20. Aber wie unaussprechlich entsetzlich wurde ich in dieser meiner frohen Erwartung getäuscht!

75,21. Denn jetzt fing erst ein Elend an, für das ich wahrlich keine Worte finde, um es genügend darzustellen.

75,22. Nur so viel kann ich sagen, dass ich da, wo der Sand aufhörte, alsbald in einen heissen Schlamm sank, der da stets heisser und stinkender wurde, je tiefer ich sank.

75,23. O Du heiliger Vater! Welche entsetzliche Not und Angst ich da ausgestanden habe, als ich merkte, dass das Sinken nimmer ein Ende nehmen wollte und der Schlamm selbst anfing, sich in eine glührote Asche umzuwandeln und diese endlich selbst wieder in ein ganz weissglühendes Chaos gleich dem, das da öfter den brennenden Bergen entströmt, – wäre mir unmöglich mit der Zunge zu schildern!

75,24. Diese glühflüssige Materie verursachte mir den allerunausstehlichsten, brennendsten Schmerz und vermehrte dadurch meine unaussprechliche Qual ums unendlichste, da mich diese ewige Glut dennoch unverzehrt liess und nicht ein einziges Haar auf meinem Haupte zerstören wollte oder konnte!

75,25. Hier konnte ich nicht mehr bitten und beten, – sondern mein ganzes Wesen war da ein Fluch über alles, was mir zu einem so elendsten Dasein verhalf!

75,26. Aber je mehr ich ergrimmte, desto tiefer in das stets heisser und heisser werdende Glühmeer sank ich hinab!

75,27. Als es also denn stets schrecklicher und schrecklicher ward, da rief ich in der allerfurchtbarst erschrecklichsten Verzweiflung aus:

75,28. ,Gott, Du schrecklich grausamstes Unding! So Du irgendwo bist, da vernichte mich; denn für dieses Dasein kann ich Dir nicht einmal fluchen, geschweige erst danken!

75,29. O Du elender, allererbärmlichster Gott! Welchen Reiz kann Dir denn das gewähren, darum Du mich erschufst für solche Qual?!‘

75,30. Und siehe, als ich also erschrecklich rief und schrie, da vernahm ich denn plötzlich einen starken Donner, und der Donner rief und redete zu mir:

75,31. ,Elender, Ohnmächtiger! Warum fluchest du Mir, deinem Vater?!

75,32. Siehe, Ich zeuge dich nun im Feuer Meiner unendlichen Liebe zu einem ewig unsterblichen Wesen, das da Mir völlig ähnlich sein soll, und führe dich an Meiner Vaterhand, auf dass auch nicht ein Härchen deines Hauptes zugrunde gehen soll, und habe die ganze Dauer dieser deiner Liebefeuerprobe nur auf drei Augenblicke lang nach irdischer Rechnung bestimmt, und schon hast du darum den schrecklichsten aller Flüche gegen Mich ausgesprochen! Was soll Ich nun mit dir tun?‘

75,33. Und ich erwiderte darauf: ,O Du überheiliger Vater! Vernichte mich; denn nun bin ich des Daseins nicht mehr wert, da ich Dir geflucht habe!‘

75,34. Da umwandelte sich das Glutmeer plötzlich in ein sanftes Licht, und aus diesem Lichte vernahm ich wieder Worte, die also lauteten:

75,35. ,Siehe, Ich, dein Vater, fluche nicht und will vergessen, was du Mir angetan hast; denn was du jetzt gesehen, war dein stetes Verhältnis auf der Erde zu Mir. Aber erkenne jetzt doch, dass Ich, dein Vater, es bin und ziehe dich zum ewigen Sein durch all deinen Lebenstrugsand, durch deinen Weisheitsschlamm und durch deine arge Glut in das reinigende Feuer Meiner Vaterliebe, und endlich durch dieses zum reinsten Lichte des ewigen Liebeslebens in Mir!

75,36. Und so kehre denn mit diesem Bewusstsein wieder zurück auf die Erde, allda Ich deiner harre! Amen.‘

75,37. Und ich ward wieder plötzlich hier.

75,38. O Du heiliger Vater, hier bin ich wohl, – aber wie bin ich nun vor Dir?

75,39. O wenn es doch noch möglich wäre, dass Du mir vergäbest die grösste Unbill, die ich Dir angetan habe; dann möchte ich ja darum tausend Jahre die höchste Feuerqual ausstehen!

75,40. O vergib, vergib mir grösstem Sünder! – Doch, was bitte ich? – Ich bin ja Deiner ewig nicht mehr wert!“

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