HAG2-36

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Hauptseite Die Haushaltung Gottes Band 2 HAG2-36 Kapitel


36. Kapitel - Das Tonwunder in der Grotte Adams und seine wohltuende Wirkung auf Hored.

36,1. Es hatte aber diese Grotte das Eigentümliche – besonders um die dritte Stunde des Nachmittags, um welche Zeit es auch gerade schon diesmal war, wann sich alle Winde legten und eine vollkommene Windstille eintrat –, dass sich dann ein Getöne vernehmen liess, das da grosse Ähnlichkeit hatte mit dem Tönen einer äusserst rein gestimmten Windharfe; nur war dies Tönen bei weitem grossartiger und erhabener sowohl im Steigen als im Fallen und in dem, das ihr die Modulation oder das Übergehen nennet.

36,2. Dieses Wunder war freilich schon ein älteres, aber bis auf den Hored hat es noch niemand entdeckt; allein, das Alter hebt das Wunder nicht auf, und noch weniger seine Tauglichkeit.

36,3. Dass die Sonne und die ganze Schöpfung schon ein gar altes Wunder sind, das wird wohl niemand bestreiten; höret aber etwa mit dem Alter dieser Wunder ihre gar wohlgeordnet bestimmte Tauglichkeit auf?

36,4. Gewiss nicht; denn die überalte Sonne leuchtet heutzutage noch gerade also, wie sie geleuchtet hatte zu den Zeiten Adams.

36,5. Und gerade also verhielt es sich auch mit diesem Tonwunder, da es schon vorhergesehen war von Ewigkeit für den Zweck, der jetzt im Hored vorliegt.

36,6. Solches aber wird hier aus diesem Grunde berührt, damit da nicht sogleich jemand sagen möchte: „Das war demnach ja nur eine ganz natürliche Erscheinung!“

36,7. Aus welcher Behauptung dann gewisserart entnommen werden solle, dass die natürlichen Erscheinungen weniger Wunder seien, als so ein leuchtender Berg plötzlich vom Firmamente herabfiele.

36,8. Also dieses Tonwunder hatte auf den Hored also wohltätig gewirkt, dass er darüber vollkommen angefangen hat, in sich zu gehen, und ward ein Mensch vollkommen durch und durch voll Reue, Liebe und Leben.

36,9. Wie aber brachte dieses Wunder das zweite Wunder zuwege? Davon soll sogleich die Rede sein; und also höret denn:

36,10. Dieser Hored war von seiner Geburt an voll Liebe und voll des besten Geistes, darum er als Knabe schon Steine zur Hand nahm, so er nichts anderes im Ausbruchsmomente der Liebe erreichen konnte, und sie mit grosser Heftigkeit an sein Herz drückte.

36,11. Aus dieser Liebe aber entwickelte sich mit der Zeit eine gewisse Art von Naturliebe, die am Ende ein stärkeres Gewicht bekam als die Liebe zu Mir und die Liebe zu den Vätern, Brüdern und Schwestern. Was musste also vorderhand die natürliche Folge der Abirrung dieser Liebe sein?

36,12. Sehet den Hored an, fraget seinen Zustand, und es wird jedermann alles klar werden, auf welche Art er endlich zu einem ganz puren, kalten Weltweisen geworden war.

36,13. Er fing da an, die Naturdinge mit schärferen Augen anzusehen: Er prüfte die Kräuter, – sie hatten für ihn kein Leben, das ihn fürder mehr noch erwärmen hätte können; er zerlegte die Bäume, – aber auch in ihnen fand er keine Lebenswärme; er stieg ins Wasser – und fand es kalt; wieder nahm er den Lehm – und fand ihn weich und sehr schmiegsam, dass er daraus allerlei bilden konnte. Aber er gewahrte alsbald zwei grosse Übel, nämlich: Solange ein solches Gebilde vermöge der innehaftenden Feuchtigkeit weich blieb, da war es auch durchaus kalt, dass sich davor die Haut schreckte; wärmte er es aber an der Sonne, so wurde es zwar fester und fester, aber drückte er es dann an seine Brust, so verursachte es ihm bedeutende Schmerzen, dass er darob von sich stiess sein hart gewordenes Werk.

36,14. Wieder nahm er Steine und schlug sie aneinander, dass darum aus ihnen nicht selten die reichlichsten flammenartigen Funken sprühten. Das nahm ihn wunder, darob er dann auch fast all die ihm vorkommenden Steine zerklopfte und in ihnen das Feuer suchte, aber auch ganz natürlicherweise nie eines fand und daraus dann also schloss: Die ganze Welt ist ein hungriger Tiger, der allzeit zum Fressen aufgelegt ist, aber dem Nachbarn etwas zu überlassen nimmerdar mag – ausser einigen ungeniessbaren toten Knochen!

36,15. Dergleichen Weisheitssätze, die ihm sehr wohl gefielen, hatte er mit der Zeit eine grosse Menge aus der Natur herausgezogen, so, dass er dadurch am Ende für einen grossen Weisen des Morgens zu gelten anfing, welcher Weihrauch ihm auch am allermeisten wohlschmeckte, – darum er dann aber auch mit seiner Weisheit es also ins Grosse zu treiben anfing, dass sich vor ihm nicht einmal die Hauptstammväter zu reden getrauten, sondern alle lobten ihn und erteilten ihm den allgemeinen Segen, darum er dann auch stark genug wurde für einen Apostel in die Tiefe, dahin sich vor ihm niemand zu wandeln getraute.

36,16. Er wusste sich in Hanoch auf Meinen Namen einen grossen Respekt durch Wort und Tat zu verschaffen und bekam darum das Beste zum Lohne für seine Weisheit und nicht wenig gefürchtete Macht. In diesem Lohne fand er den vollen Ersatz für alle seine an die stumme Natur verschwendete Liebe; da er aber diese Liebe fand, so liebte er unmässig und verabschiedete aber dafür die Weisheit ganz und gar, darum er dann auch in alle Sinnlichkeit überging, dafür er nun an der Naëme Meine Strafe ersah, und das im geretteten Zustande, als seine Liebe wieder anfing, sich in die Weisheit zu verlieren.

36,17. Er wurde vor Mir sogar wieder zu seinem früheren Weisen voll Kälte.

36,18. Was war nun mit ihm zu tun? Ein zu sprechendes und knallendes Wunder hätte ihn töten müssen. Daher also auch war dieser harmonische Balsam für ihn in den Stein gelegt, damit er daraus erfahren solle, dass Meine Liebe nicht nur das Herz im Menschen, sondern auch den allerhärtesten Stein erfüllt!

36,19. Wie aber diese Arznei dem Hored anschlug, – das zu erfahren, wollen wir ihm selbst einen sehr wohltuenden Besuch machen und das alles aus seinem Munde vernehmen und daselbst noch so manches lernen und erkennen! Amen.

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