HAG2-215

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Hauptseite Die Haushaltung Gottes Band 2 HAG2-215 Kapitel


215. Kapitel - Das Verhältnis des Glaubens zur Liebe und der Liebe zur Erkenntnis. Das Gleichnis von der Jungfrau und den zwei Freiern.

215,1. Als nach einem noch einmal gemachten Rundblicke sich die beiden wieder vom Berge in die Stadt hinab begaben, da bat unterwegs der Lamech den Kisehel, dass er möchte für bleibend segnen den Berg, damit fürder in ihm kein Geschmeiss sich mehr ansiedeln möchte.

215,2. Und der Kisehel tat solches, sagte aber darauf zum Lamech: „Lieber Bruder Lamech, siehe, ich habe erfüllt deinen Wunsch nach aller der vom Herrn mir verliehenen Kraft und wirkenden Macht!

215,3. Aber die Reinheit dieses Berges wird dennoch stets von der Reinheit deines Herzens abhängen!

215,4. Wirst du und deine Nachkommen in der Gott allein wohlgefälligen Reinheit des Herzens verbleiben, so wird solches auch stets der Fall sein mit diesem Berge; wirst du aber dein Herz durch eine Sünde vor Gott verunreinigen, so wird auch der Berg wieder einen alten Einwohner überkommen. Desgleichen wird der Fall sein mit jenen, die dir folgen werden.

215,5. Wenn du aber erschauen wirst eine Schlange den Berg bekriechen, da gedenke, was ich dir nun aus dem Herrn der Herrlichkeit geoffenbart habe, und tue Busse in Sack und Asche, und faste so lange, bis dein Herz gereinigt wird! Wird solches der Fall sein, so wird der Berg auch wieder seinen Einwohner von sich treiben.

215,6. Die Liebe zum Herrn aber ist das Grösste. Solange dein Herz mit der Liebe zu Gott erfüllt sein wird, so lange auch wirst du und deine Nachkommen völlig unfähig sein, in irgendeine Sünde zu verfallen.

215,7. Wirst du aber oder irgendeiner deiner Nachkommen in der Liebe nachlassen, so werdet ihr in dem alleinigen Glauben einen gar schwachen Schutz gegen die Macht der Sünde in euch haben!

215,8. Denn es genügt zum Leben bei weitem nicht, dass da jemand nur wisse, glaube und dann sage: ,Es ist ein Gott!‘ Wahrlich, solches ist nicht schwer!

215,9. Aber um vieles schwerer und um vieles mehr sagend ist es, einen Gott über alles zu lieben, da man Ihn nicht sieht.

215,10. Wer somit Gott lieben will, der muss nicht nur wissen und glauben, dass Er sei, sondern er muss Gott wahrhaftig erkennen in sich; und wenn er Gott stets mehr und mehr erkennen wird durch sein emsiges Forschen nach Ihm in den Werken, so wird er Ihn ja auch stets mehr und mehr lieben müssen, indem er stets heller erkennen wird, dass Gott in Sich die allerhöchst reinste, das heisst, die alleruneigennützigste Liebe und die allerhöchste und allerheiligste Weisheit Selbst ist!

215,11. Also ist die wahre Erkenntnis Gottes der Grund der Liebe zu Ihm; daher sei auch jedermanns vorzüglichstes Geschäft, Gott zu erkennen, damit er Ihn dann über alles wird zu lieben vermögen!

215,12. Das aber ist dann auch das ewige Leben, dass wir Gott erkennen und Ihn dann über alles lieben; denn aus der Liebe des allgütigen, allerheiligsten Vaters sind wir aus Ihm hervorgegangen und können daher nur wieder durch die Liebe zu Ihm gelangen.

215,13. Solches aber merke dir wohl noch hinzu zu diesem Worte Gottes aus meinem Munde an dein Herz, dass da zwei Wege sind, die zum Vater führen: der eine heisst die wahre, eifrige Erkenntnis Gottes; der andere aber heisst die Liebe!

215,14. Du sagst: ,Nach der vorangegangenen Beleuchtung scheint es ja, dass solches völlig einerlei ist, indem der Liebe die Erkenntnis Gottes ja doch notwendig vorangehen muss!‘

215,15. Ja, also erscheint die Sache wohl auf den ersten Anblick; wenn wir aber diese Sache näher ans Licht des Geistes stellen, so stellt sich da aber dann dennoch ein gewaltiger Unterschied hervor.

215,16. Damit du aber einen solchen bedeutungsvollsten Unterschied desto kräftiger merkest, so will ich dir solchen durch ein gutes gleichlautendes Beispiel so recht knapp und helle vor die Augen stellen.

215,17. Stelle dir sonach vor, es wäre in irgendeinem verborgenen Teile deines grossen Landes eine überaus herrliche schönste Tochter, die da reif wäre, dass sie jemand nähme zum Weibe! Damit aber solches die Menschen erfahren möchten, da sendet sie Boten aus und lässt durch dieselben im Lande bekanntgeben, dass solches der Fall ist.

215,18. Nachdem aber solches verkündigt war, sagten einige: ,Wenn an der Sache etwas wäre, so wäre sie wohl selbst gekommen und hätte sich uns gezeigt, auf dass wir sie erkenneten und erwähleten für unser Herz!

215,19. Da sie aber nur durch Boten von sich aussagen lässt, wie herrlich sie sei, so können wir solches wohl glauben, aber auch ebensogut bleiben lassen.

215,20. Dazu lässt sie noch bedeuten, dass sie niemandem ihre Hand reichen werde, der nicht zuvor völlig erkennen wird, dass sie also ist, wie es die Herolde von ihr aussagten!

215,21. Wer wird wohl der Tor sein und wird sich da eine solche Mühe nehmen?!‘

215,22. Unter den vielen solche Kunde Missachtenden und Verlachenden aber finden sich dennoch zwei vor. Der eine spricht bei sich: ,Ich will denn doch hinziehen und will sie mit scharfen Augen besehen; ist sie also, wie es die Boten von ihr aussagten, da will ich sie auch ohne Bedenken wählen für mein Herz!‘

215,23. Der andere aber spricht aus der vollen Liebesglut zum Boten: ,Führet mich zu ihr! Ich will sie nicht erforschen und langzeitlich erkennen, sondern ich habe sie schon in meinem Herzen auf das glühendste umarmt; ich liebe sie schon mehr als alles in der Welt!‘

215,24. Wenn nun beide bei dieser Tochter anlangen werden, da wird der erste alsbald hoch erstaunen, wird sie erkennen und wird sie erwählen; der zweite aber wird zu ihr sagen: ,O du endlos herrliche Tochter der Himmel, vergib mir armem Tropfe; denn ich habe mich unterfangen, dich eher zu lieben, als dich zu erkennen, und sehe erst jetzt ein, wie unwürdig meine Liebe deiner himmlischen Wesenheit war! Daher lass mich wieder von dannen ziehen, damit ich dich im Verborgenen aus allen Kräften meines Herzens lieben kann!‘

215,25. Was meinst du wohl, welchem diese Braut ihre Hand reichen wird? – Ja wohl ganz sicher dem, der sie schon zuvor liebte, ehe er sie noch erkannt hatte.

215,26. Der erste aber wird sich begnügen müssen – um nicht aus ihrer himmlischen Nähe zu kommen – allein mit der Anschauung als einer ihrer Knechte, während der zweite die Fülle der Seligkeit in ihren Armen allezeit schmecken wird.

215,27. Siehe, das ist der bedeutende Unterschied: Wer Gott liebt schon vor der Erkenntnis, der wird des Lebens Fülle überkommen; wer aber Gott liebt nach der Erkenntnis, der wird auch leben, – aber nicht im Herzen, sondern im Reiche der Gnade als ein wohlbelohnter Diener.

215,28. Solches beachte gar wohl, lieber Bruder Lamech; denn es ist fürs Leben von grösster Wichtigkeit! Und so lass uns denn wieder betreten die Stadt! Amen.“

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