GSO2-77

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Hauptseite Die geistige Sonne GSO2-77 Kapitel

Mitteilungen Jesu Christi über die geistigen Lebensverhältnisse des Jenseits. Durch das Innere Wort empfangen von Jakob Lorber.

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Kapitel 77 - Das 4. Gebot im vierten Saale (im geistigen Sinn).


1. Das vierte Gebot, wie ihr es auf der Erde habt, lautet: „Ehre Vater und Mutter, auf dass du lange lebest und es dir wohlgehe auf Erden“. - Dieses Gebot ist so gut göttlichen Ursprunges wie die ersten drei. Was gebietet es aber und was verheisst es? Nichts anderes als den Gehorsam der Kinder gegen ihre Eltern und für diesen Gehorsam eine zeitliche Vergünstigung.

2. Kann da nicht jedermann fragen und sagen: Wie, ein göttliches Gebot sanktioniert sich bloss durch zeitliche Verheissungen und hat nichts Ersichtliches im Hintergrunde, darin ewige geistige Vorteile geboten würden? Was liegt wohl an solch einer zeitlichen Vergünstigung? Was liegt am Wohlleben, was am langen Leben, wenn nach demselben nichts Höheres folgt?

3. Es ist wahr: gut und lange leben ist besser als kurz und schlecht. Wenn aber am Ende des Lebensabschnitts der unwirtliche Tod erscheint, welchen Vorzug hat das gute und lange Leben vor dem schlechten und kurzen? Ich meine, dazu braucht man eben kein Fundamental-Mathematiker zu sein, um sagen zu können: der Unterschied läuft überall in eine reine Null aus; denn der erste überkommt so gut wie der zweite ein barstes Nichts, und es fragt sich dann wenig, wie der Weg zu diesem Empfange beschaffen war, ob gut oder schlecht.

4. Also wäre denn, nach diesem Massstabe betrachtet, das vierte Gebot auf einem sehr schlüpfrigen Grunde basiert, und die Eltern wären fürwahr übel daran, so ihre Kinder mit solcher Philosophie schon auf die Welt geboren würden, und die Kinder selbst würden bei solcher Betrachtung wenig Grund finden, ihren Eltern zu gehorchen. - Ferner lässt sich über dieses Gebot noch folgende kritische Betrachtung anstellen. Wie das Gebot klingt, so hat es nur eine zeitliche Basis, also bloss die Pflicht der Kinder gegen ihre Eltern darstellend.

5. Es fragt sich demnach: Was soll es denn mit diesem Gebote hier im Geisterreiche, wo die Kinder ihren Eltern auf ewig enthoben sind? Sind sie aber ihrer Eltern enthoben, da werden sie doch sicher auch der irdischen Pflicht gegen sie enthoben sein. Dennoch bemerken wir hier in diesem vierten Saale dieses Gebot auf der Tafel gezeichnet. Soll es etwa für diese Kinder auf den Herrn bezogen werden? Das liesse sich allerdings hören, wenn darunter nur nicht der Verheissungssatz stände: „Auf dass du lange lebest und es dir wohl gehe auf Erden“. - Stünde da: „Auf dass du ewig lebest und es dir wohl gehe im Himmel“, da wäre eine solche Transversion des Gesetzes gar leicht zu verstehen; aber eine zeitliche Verheissung im ewigen Reiche der Geister klingt denn doch etwas sonderbar.

6. Was meinet ihr wohl, was sich hier wird tun lassen, um diesem Gesetze ein vollgegründetes göttliches Ansehen zu verschaffen? Ihr zucket da freilich mit den Achseln und saget ganz leise in euch: Lieber Freund und Bruder! Wenn es hier auf unsere Erörterung ankommt, da wird es mit der reingeistiggöttlichen Sphäre dieses Gesetzes einen bedeutenden Haken haben; denn nach obiger Betrachtung lässt sich da mit leichter Mühe so, wie man glaubt, eben nicht gar zuviel Geistiges herausfinden.

7. Ich sage euch aber, dass eben dieses Gebot, wie beinahe kein anderes, rein geistig ist. Ihr machet nun zwar grosse Augen; aber darum ist die Sache doch nicht anders. Damit ihr aber solches auf einen Hieb erschauet, so will ich nichts anderes tun, als dieses Gesetz mit etwas umgeänderten Worten sagen, wie es auch hier in diesem Lehrsaale vorgetragen wird, und ihr werdet die Fülle der Wahrheit sogleich erschauen. Wie aber lautet es hier? - Höret!

8. Kinder! Gehorchet der Ordnung Gottes, welche ausgeht aus Seiner Liebe und Weisheit (d.i. Vater und Mutter), auf dass ihr lange lebet auf Erden unter Wohlergehen. Was ist langes Leben, und was ist dagegen ewiges Leben? Das „lange Leben“ bezeichnet das Leben in der Weisheit; und es wird „lang“ nicht als Dauer, sondern als Ausbreitung und stets grössere Mächtigwerdung des Lebens verstanden; denn das Wort oder der Begriff „Leben“ schliesst ja schon für sich die ewige Dauer ein. Aber das Wort „lang“ bedeutet durchaus keine Dauer, sondern nur eine Ausbreitung der Lebenskraft, mit welcher das lebende Wesen stets mehr in die Tiefen des göttlichen Lebens gelanget, und eben dadurch sein eigenes Leben stets vollkommener, fester und wirksamer macht.

9. Dieses hätten wir; aber das „Wohlergehen auf Erden“ - was besagt denn das? Nichts anderes als das Sich-zu-eigen-machen des göttlichen Lebens, denn unter der „Erde“ wird hier das Eigenwesen verstanden, und das Wohlergehen in diesem Wesen ist nichts anderes als das freie Sein in sich selbst nach der völlig sich zu eigen gemachten göttlichen Ordnung.

10. Diese kurze Erklärung genügt, um einzusehen, dass eben dieses Gesetz völlig rein geistiger Art ist. Wenn ihr es bei Musse genauer nachprüfen wollet, so werdet ihr es auf eigener Erde finden, dass es also ist. Also aber wird es auch hier praktisch den Kindern beigebracht, und das mit dem grössten Nutzen. - Da wir aber nun solches wissen, so begeben wir uns sogleich in den fünften Saal. -


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