GSO2-65

Aus Suche Jesus-Comes
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Hauptseite Die geistige Sonne GSO2-65 Kapitel

Mitteilungen Jesu Christi über die geistigen Lebensverhältnisse des Jenseits. Durch das Innere Wort empfangen von Jakob Lorber.


Kapitel 65 - Die Erscheinung unserer „geistigen Sonne“. - Andere Erscheinlichkeit derselben als in der Sphäre des Herrn.


1. Sehet, wir sind bereits auf der geistigen Oberfläche eurer Sonne angelangt. Wie gefällt es euch hier? Soviel ich merke, so machet ihr höchst verwunderte Gesichter und saget: Fürwahr, auch hier ist es unbegreiflich herrlich und anmutig zu sein. Es ist zwar von jener nahe schaudererregenden Glanzpracht der früheren Sonnenwelt keine Spur zu entdecken; aber dessen ungeachtet sind hier die gar lieblichen Gärten und überaus herrlichen blumigen Auen, bebaut mit kleinen niedlichen Häuschen, auch überaus wonnig anzusehen. Was aber hier den wonnigen Anblick noch mehr erhöht, ist, dass wir hier in den Gärten und in den Auen und ganz besonders um die Häuschen eine Menge Kinderchen erschauen und auch grössere Menschengeister, welche sich mit diesen Kinderchen gar freundlich abgeben.

2. Aber nur eines kommt uns hier überaus sonderbar vor. Siehe, lieber Freund, es hat uns der Herr Selbst nach der Beschauung der naturmässigen Sonne eben auch auf die geistige Sonne gesetzt. Da aber haben wir von alledem, was wir jetzt sehen, nicht das allergeringste gesehen, sondern wir sahen bloss nur eine endlos weitgedehnte Fläche, welche wohl mit einer Art Gras und hier und da auch mit kleinen Bäumchen allenthalben gleich verziert war. Dann sahen wir auch über dieser unermesslich weiten Oberfläche Geister hin und her und auf und ab ziehen, nahe wie die Ephemeriden auf der Erde beim Sonnenauf- oder nahen Niedergange. Das war aber auch alles. Wollten wir mehr sehen, da war uns die Sphäre eines Geistes vonnöten.

3. Daraus aber gehen für uns nun drei wichtige Fragepunkte hervor. Der erste lautet also: War diejenige „geistige Sonne“, die wir in der Gegenwart des Herrn so ganz einfach erschauten, identisch mit dieser, die wir jetzt sehen? Der zweite Punkt lautet: Wenn diese Sonne identisch ist mit der ersten von uns betretenen, so fragt es sich, ob auf ihrer Oberfläche das eine ganz andere Stelle ist, als da war diejenige, die wir zuerst gesehen haben? Der dritte Fragepunkt aber lautet also: Falls dies diejenige Sonne ist und wir auf ihrer Oberfläche das nicht erschauen, was wir in der Gegenwart des Herrn beim ersten Erschauen der geistigen Sonne gesehen haben, ob wir solches dann deiner Sphäre zu verdanken haben? -

4. Du hast uns freilich gleich anfangs kundgegeben, dass wir nicht in deiner, sondern du dich nur in unserer Sphäre befindest. Es kann freilich leicht für uns unbewusstermassen ein Sphärentausch vor sich gegangen sein; darum aber fragten wir dich denn nun auch, wie sich diese Sache verhält? -

5. Meine lieben Freunde und Brüder! Ich muss euch hier schon gleich im voraus melden, dass euch hier auf sämtliche drei Fragepunkte keine passende Antwort wird gegeben werden können; und das einfach aus dem Grunde, weil ihr um das nicht gefragt habt, welches beantwortlich das Verhältnis dieser gegenwärtigen Erscheinung enthielte.

6. Als ihr in der Gegenwart des Herrn die Oberfläche der geistigen Sonne betreten habt, da habt ihr die Oberfläche der Sonne nicht speziell, sondern in der unendlichen Sphäre des Herrn höchst allgemein betreten, denn in der Sphäre des Herrn ist nimmer ein endlich spezieller Anblick allein für sich denkbar. In Seiner Sphäre enthält jedes speziell Erscheinliche sogleich an und für sich Unbegrenztes, Unendliches, und der einfache Boden, den ihr damals betreten habt, war ein Boden der unendlichen geistigen Sonne des Herrn, in welcher alle unendlichen Sphären begriffen sind.

7. Die Geister, die ihr dort hin und her wandeln sahet, sind nicht etwa einzelne Geister, sondern ein jeder solche einzelne Geist, den ihr auf jener Oberfläche geschaut habt, ist ein ganzer Verein von zahllosen Geistern, in dem an und für sich wieder noch zahllose kleinere Vereine vorhanden sind, die da ebenfalls bestehen aus seligen Geistern spezieller Art also, wie wir jetzt da beisammen sind. Aus dem, dass ihr erst in der Sphäre eines solchen Grossgeistes zu der spezielleren Anschauung der geistigen und himmlischen Dinge gelangt seid, könnet ihr solches gar leicht als vollkommen überzeugend erschauen.

8. Ihr machet hier freilich ein ganz verdutztes Gesicht und saget: Aber höre, lieber Freund, wie geht denn das zu? Fürwahr, diese deine Aussage kommt uns ein wenig unsinnig vor, denn der Herr hat uns ja die Namen der einzelnen sich uns nahenden Geister kundgegeben, worunter auch sogar einige uns irdisch nahe Anverwandte sich befanden, diese aber können doch an und für sich einen solchen allgemeinen Himmelvereinsengel nicht darstellen. Zudem haben wir sie auch nach dem Eintritte in ihre Sphäre also gesehen wie zuvor, und sie haben mit uns geredet wie du und haben uns geführt; wie wäre demnach solches zu verstehen?

9. Ich sage euch, meine lieben Brüder und Freunde, es wird wohl ziemlich schwer halten, dass ihr die Verhältnisse der Himmel so ganz klar zu durchblicken vermöget. Was ich aber zu eurer geistigen Berichtigung tun kann, will ich ja tun und will euch wieder allerlei Stösschen versetzen, durch welche ihr wenigstens der grossen Wahrheit näher auf die Spur gelangen könnet, und so höret denn! - Was sprach der Herr, als Er einmal ein Zeugnis gab über Johannes den Täufer? Seine Worte lauteten: „Von allen, die bisher aus den Weibern geboren wurden, war keiner grösser als er; der Kleinste aber im Reiche Gottes ist grösser als er!“ - Was will denn das sagen? Nichts anderes als: Von allen speziellen Menschen ist keiner an und für sich grösser denn Johannes; aber die da nach der Lehre des Herrn in das neue Reich der Himmel aufgenommen werden zu reinen Kindern Gottes, von denen werden die Geringsten schon grösser sein als der grösste spezielle Mensch an und für sich es ist.

10. Warum denn? Weil sie nicht nur an und für sich durch ihre Liebe zum Herrn gross werden, sondern da ihre Liebe zum Herrn Unendliches erfasst, so werden sie zu Vorstehern der himmlischen Vereine, und im Angesichte des Herrn dehnt sich da die Liebessphäre eines solchen seligen Geistes wie zu einem zweiten grossen Menschen aus. Und diese Sphäre ist an und für sich so ganz eigentlich ein solcher Himmelsverein, in welchen alle diejenigen guten Geister aufgenommen werden, die mit dem Vorsteher und somit auch Schöpfer des Vereins in gleicher Liebe zum Herrn sind.

11. Ähnliche Beispiele sind ja auch auf der Erde vorhanden. Die Staatenvereine sind schon ein äusseres Bild davon, und ein jeder Bürger des Staates trägt gewisserart den Namen des obersten Staatsvorstehers, welcher da entweder ist ein Kaiser, König, Herzog, Fürst usw. Engere Vereine sind Städte, Märkte, Dörfer und Gemeinden, da ein jeder Einwohner gewisserart auch den Namen seines Vereines trägt und man sagt: das ist ein Pariser, das ist ein Londoner, das wieder ein Wiener usw. Unsere Sache aber näher bezeichnend sind die Religionsvereine, die man freilich wohl unpassend genug „Sekten“ nennt. Nehmen wir aber die Sekte an, so werden wir finden, dass eine jede ihren Hauptgründer hat. Was ist da ein solcher Hauptgründer zu der von ihm gegründeten Sekte? Er ist der Vorsteher einer solchen Sekte oder eines solchen Vereines, welcher geistig genommen sich zu einer allgemeinen Form ausbildet, die vollkommen ähnlich ist der speziellen des Gründers.

12. Wer demnach z.B. den lutherischen Glauben völlig angenommen hat, der wohnt geistig genommen schon in der allgemeinen geistigen Form des Luther oder er ist ein Bewohner des lutherischen Vereines. Solch ein Verein ist schon ein grosser, der in sich schon wieder eine Menge kleinerer Vereine hat, welche alle samt und sämtlich ihre Vorsteher haben, welche man „Gemeinden“ nennen kann; und eine solche Gemeinde hat ihren allzeitigen Vorsteher und Leiter, der gewisserart ein allgemeiner geistiger Leib oder ein zu bewohnender kleinerer Verein für alle diejenigen ist, die seines Glaubens und seiner Liebe sind.

13. Also verhält es sich auch mit den ersten Ausbreitern der Lehre des Herrn wie auch mit Swedenborg, den ihr auch habt kennengelernt. Eure Weltlich-Anverwandten aber sind einesteiles freilich nur Bewohner eines solchen Vereines. Da sie aber doch durch die Werke ihrer Liebe so gar manche Menschen ihren Herzen nähergezogen haben, so haben sie dadurch auch einen Verein gebildet und sind daher auch in ihrer Art kleine Vorsteher ihrer Vereine, aus welchem Grunde ihr sie auch auf dem Gemeinplatze in der Sphäre des Herrn als einzelne Vereinsgeister erschauen mochtet.

14. Ich meine, durch dieses Stösschen dürftet ihr schon so ziemlich ins klare gekommen sein. Dass sich aber solches wirklich also verhält, könnet ihr auch aus dem klar entnehmen, wie der Herr zu den Aposteln sagte, als sie Ihn fragten, was sie dafür wohl dereinst empfangen werden, dass sie Seinetwegen alles verlassen haben. „Ihr werdet auf zwölf Stühlen sitzen und richten die zwölf Geschlechter Israels!“ - Welches ebensoviel sagen will als: Aus dem Wort, das ihr in Meinem Namen und aus Meinem Geiste predigen werdet allen Völkern, werden errichtet werden nach eurer Anzahl ebensoviele Hauptvereine, darinnen ihr nach eurer Art werdet Hauptleiter und Vorsteher sein. - Ich meine, solches ist nahe mit den Händen zu greifen. Damit euch aber die Sache gleichfort klarer wird, wollen wir nächstens noch zu einem „Stösschen“ unsere Zuflucht nehmen.


Hauptseite Die geistige Sonne GSO2-65 Kapitel