GSO2-62

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Hauptseite Die geistige Sonne GSO2-62 Kapitel

Mitteilungen Jesu Christi über die geistigen Lebensverhältnisse des Jenseits. Durch das Innere Wort empfangen von Jakob Lorber.


Kapitel 62 - Die wahre Demut, die wahre Liebe, die wahre Gotteskindschaft.


1. Nun rede ich und sage: Höre du, mein achtbarer Ältester dieses Ortes und oberster Leiter dieses ganzen grossen Kreisgebietes! Das, was du Demut nennst, das ist auch bei uns, so wie du es bezeichnet hast, nichts weniger als irgendeine Demut, sondern ist bloss ein Trug, wo der also Demütige sich selbst betrügt, weil er durch einen ihm gar nicht eigenen Grad des Lebens will in eine höhere Stufe desselben aufgenommen werden.

2. Da du aber meinst, dass man bei der Erlangung der Kindschaft Gottes auch bei dem allerbesten Willen das Mehrwerden unmöglich vermeiden kann, da auch sage ich dir, dass du dich in dieser Hinsicht am meisten geirrt hast. Wie wahr aber dieser mein Ausspruch ist, will ich dir aus dem alleruntrüglichsten Worte, welches der Herr, Gott und Schöpfer Himmels und der Erden Selbst zu uns geredet hat, in das hellste Licht führen.

3. Das Wort aber lautete also: „Lasset die Kleinen zu Mir kommen und wehret es ihnen nicht; denn ihrer ist das Himmelreich!“ - Weiter sprach der Herr: „So ihr nicht werdet wie die Kindlein, so werdet ihr nicht eingehen in das Reich Gottes!“ - Und noch weiter sprach Er: „Wer aus euch der Erste und Grösste sein will, der sei der Geringste und der Knecht aller!“

4. Siehe, darin liegt das Wesen der Kindschaft Gottes. Wenn du meinst, in der Kindschaft des Herrn wirst du mehr sein, wirst eine grössere Kraft haben und wirst reicher sein an aller Pracht und Macht, da sage ich dir: Bleibe, was du bist; denn von einem Mehrwerden in jeder Hinsicht ist da gar ewig keine Rede. Hier bist du leiblich, wie geistig, ein vollendeter Herr. Solange du lebst in deinem Leibe, muss sich alle Materie der Oberfläche dieser deiner Welt gehorsamst fügen unter die Macht deiner Weisheit, bist du aber im Geiste, so muss dir diese deine Welt von ihrem Zentrum aus untertänig sein, und so einem jeden Geiste deinesgleichen, da ihr alle Bewohner dieser Welt im Geiste einer Weisheit und eines Willens seid, wie solches schon auf den ersten Blick aus eurer sittlichen und staatlichen Einrichtung zu ersehen ist.

5. Da aber von dieser Welt, die du bewohnst, zahllose andere Welten bestandlich abhängen, so bedenke, welch eine Herrschermacht dir im Geiste eigen ist, indem von der Leitung deiner Welt, die dir im Geiste völlig anvertraut ist, die Ordnung und Erhaltung zahlloser anderer Weltkörper samt ihren Bewohnern abhängt.

6. Betrachten wir dagegen aber ein Kind Gottes; was hat denn dieses für eine Macht, was für einen Herrschbezirk? Siehe, ich kann es dir mit der grössten Bestimmtheit sagen: Ein Kind Gottes darf, solange es im Leibe lebt, sich auf der Welt nicht einmal ein Stäubchen zueignen, nicht einmal seinen Leib, auch nicht sein Leben, sondern es muss alles hintanzugeben und allezeit in der Fülle der Wahrheit zu sagen und zu bekennen bereit sein: Mir gehört nichts, ich bin nichts; selbst das Leben, das ich habe, ist lediglich des Herrn. Das ist also das weltliche Verhältnis; ist etwa das geistige glänzender? O mitnichten! Das geistige muss erst recht in einer Zentralarmut bestehen.

7. Auf der Welt darf man sich doch wenigstens ein Stück Brot selbst nehmen, und man darf auch hinundhergehen, wie es einem beliebt; aber im Geiste hört auch diese Freiheit auf. Man ist allda ein ewiger „Gast des Vaters“, und die Kinder dürfen nur das Brot geniessen, das sie unmittelbar aus der Hand des Vaters empfangen. Sie dürfen nur dahin gehen, wohin es der Vater will. Sie dürfen nicht in glänzenden Gebäuden wohnen, sondern in höchst einfachen Hütten.

8. Die Kinder dürfen nie müssig sein und müssen, sooft es der Vater will, mit Fleiss Seine Felder bearbeiten und die Ernte getreu und emsig einbringen in Seine Scheuern. Und wenn sie alle ihre Arbeit noch so emsig und getreu verrichtet haben, so müssen sie aber dennoch nach verrichteter Arbeit hingehen zum Vater und vor Ihm statt einer auszeichnenden Belohnung allerdemütigst wahr bekennen, dass sie völlig unnütze und faule Knechte waren.

9. Du darfst, wie bemerkt, mit glänzender Macht und Kraft in deinem Geiste Weltengebiete und endlose Räume zu deinem grossbeseligenden Vergnügen nach deinem eigenen Willen bereisen, wir Kinder Gottes dagegen (ohne Seinen Willen) nicht einmal den Fuss über die Schwelle setzen. Du darfst reden, was du willst; wir Kinder nur, was uns in den Mund gelegt wird.

10. Siehe, das und anderes mehr sind in etwa die Unterschiede zwischen euch erhabenen und mächtigen, alle Schöpfung Gottes lenkenden Geistern, und uns, den Kindern Gottes.

11. Ihr vermöget aus euch alles, was ihr wollet; wir aber vermögen aus uns nichts, sondern nur allein dann, wenn es der Herr will, und dann selbst nicht um ein Kleines mehr, als was der Herr will!

12. Wir sind in bezug auf den Herrn zwar also gestellt, wie da sind die Glieder eines Leibes. Diese Glieder machen zwar wohl mit dem inwendigen Leben des Leibes ein Wesen aus; aber nicht ein Glied am ganzen Leibe kann für sich tun, was es will, sondern jede seiner Handlungen und alle Tatkraft geht nicht vom Gliede, sondern nur von der im Leibe herrschenden Grundkraft aus. Also können sich auch die Glieder nicht selbst ernähren, wenn sie auch allerfleissigst arbeiten, sondern müssen all ihren Erwerb zuerst in die Hauptkammer des innern Lebens abliefern; dann erst verteilt die lebende Kraft die gebührende Nahrung an die Glieder, die da gearbeitet haben. -

13. Ganz anders aber verhält es sich mit dem Verhältnisse der äusseren freien Menschen, welche nicht als Glieder an einen Leib gebunden sind, sondern für sich selbst als vollkommen freie Wesen dastehen. Siehe, diesen kann ich wohl auch sagen: Habet die Güte und verrichtet mir diese Arbeit, und die freundschaftlich gesinnten Menschen werden die Arbeit auch verrichten. Aber nach beendigter Arbeit sind sie völlig frei von meinem Willen und können für sich tun, was sie wollen.

14. Ich aber frage dich: Verhält sich dieses auch so mit den Gliedern meines eigenen Leibes? O mitnichten! Diese hängen fortwährend in all ihren Teilen von meiner inneren Willenskraft ab und können sich derselben nie widersetzen; denn sie müssen ja mit der inneren lebenden Kraft vollkommen ein Wille sein, sonst ginge doch sicher das ganze menschliche Wesen zugrunde.

15. Siehe, wenn du dieses von mir nun Gesagte nur ein wenig durchdenkst, so wird es dir sicher ganz klar werden, was es mit deinem scharf bedingten „Mehrwerden“ der Kinder Gottes für eine Bewandtnis hat.

16. Wenn du daher die Kindschaft Gottes überkommen willst, so musst du des Gedankens, etwas dabei zu gewinnen, vollkommen ledig werden. Du musst dich dann nicht als Kind Gottes in einer endlos vollkommenen Stellung erschauen, sondern gerade umgekehrt musst du die Sache nehmen. Und hast du solches getan, so wird sich dann daraus schon von selbst zeigen, ob zur Erlangung der Kindschaft Gottes die wahre Demut und Liebe zu Gott ein vollkommen gerechter oder ein trüglicher Weg sei.

17. Denn das kannst du dir von Gott wohl vorstellen, der die unendliche allerhöchste Wahrheit Selbst ist, dass Er nicht durch ein gegebenes Mittel einen ganz anderen Zweck wird erreicht haben wollen, als wie gestaltet das Mittel selbst bestellt ist.

18. Wer in der Demut seines Herzens sich stets verringert und verkleinert, wird der wohl darauf rechnen können, dass der Herr ihn darum ganz entgegengesetzt vergrössern wird? Ja, Er wird ihn zwar vergrössern, aber nicht in deiner vermeintlichen Mehrwerdung, sondern allein nur in der grösseren Demut und in der grösseren Liebe. Und das ist also eine rechte Vergrösserung im Geiste, weil man als Kind Gottes dasjenige, wonach man strebt, also die Geringheit im vollkommensten Masse überkommt.

19. Also ist auch die Liebe eines Kindes Gottes zu Gott durchaus nicht irgendeine Schmeichelei, durch welche sich dasselbe in irgendeine allmächtige Gunst Gottes zu versetzen imstande wäre, sondern die wahre Liebe muss ein innerer Trieb sein, Gott über alles, als den alleinigen vollkommensten Herrn anzuerkennen, sich selbst aber als ein vollkommenes Nichts Ihm gegenüber zu betrachten. Man muss die höchste Glückseligkeit darin suchen, Gott den Vater zu lieben über alles, darum Er ist Gott und Vater. Und für solche Liebe darf man ewig keines Entgeltes gedenken, als allein der Gnade, Gott den Vater also lieben zu dürfen.

20. Siehe, mein achtbarer Ältester, so stehen die Sachen. Denke nur darüber ein wenig nach und sage mir dann, wie du nun den von mir dir vorher vorgezeichneten Weg zur Erlangung der Kindschaft Gottes findest. Nur musst du dabei immer vor Augen haben, dass mit deinem Mehrwerden als Kind Gottes es ewig nie eine Realität hat. - Solches verstehe wohl und gib mir dann deine Meinung kund!


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