GSO2-49

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Hauptseite Die geistige Sonne GSO2-49 Kapitel

Mitteilungen Jesu Christi über die geistigen Lebensverhältnisse des Jenseits. Durch das Innere Wort empfangen von Jakob Lorber.


Kapitel 49 - Vom Hauptschlüssel geistiger Geheimnisse.


1. Wollet ihr tiefer nachdenken? Wollet ihr mit dem Verstandeslichte dieses Geheimnis näher beleuchten? Wollet ihr es mit euren Händen greifen? - Ich sage euch: Dies alles ist fruchtlos. So wenig ihr die Umrisse eines weissen Gemäldes auf einer weissen Wand mit den Augen eures Fleisches werdet unterscheiden und ausnehmen können, möchtet ihr Jahre und Jahre dahinstarren, ebensowenig werdet ihr in solche Geheimnisse mit den gewöhnlichen Schau- und Urteilsmitteln näher enthüllend zu dringen imstande sein; denn es geht hier alles gleichen Schrittes.

2. Die Anschauung der Gegenstände dieser Galerie, da ihr nichts zu erschauen vermöget, und das Erfassen innerer, tiefster Weisheit, das geht, wie gesagt, alles gleichen Schrittes. Ich aber sagte: Mit Liebe erfasset ihr alles, in der Liebe zum Herrn könnet ihr alles begreifen. Die Liebe gibt den Dingen aus der Weisheit neue Form und Färbung, und was in dem Lichte der Weisheit endlos ferne liegt, das zieht die Liebe in einen engen Kreis zur Beschauung zusammen. Aber es muss wahre, vollkommene Liebe sein; denn mit der halben und Viertelliebe wird da wenig gedient sein. Solches ist auch natürlich begreiflich; ja es könnte im Grunde nichts natürlich begreiflicher sein als das. Wir haben eine Menge Beispiele, und viele sind vor euren Augen, von denen allen ihr dasselbe erlernen möget.

3. Nehmen wir an, jemand hätte Lust, bei einigem Vermögenszustande sich ein Haus zu erbauen; aber zum Aufbau des Hauses gehört ein viel- und mannigfaches Material. Es braucht viel Mühe und Arbeit, um das Material zusammenzubringen; es braucht viel Geduld, so manche Aufopferung, viel Aufmerksamkeit und noch so manches, bis das Haus fertig wird.

4. Mit der blossen Lust und mit dem freudigen Gedanken wird das Haus schwerlich je zu stehen kommen. Wenn aber im Gemüte desjenigen, der ein Haus bauen lassen möchte, eine mächtige Liebe zum Hause erweckt ist, so werden alle Bedingungen mit einem grossen Eifer ergriffen. Und werden diese Bedingungen näher und näher dem Bauplatze gebracht, da wird die Liebe auch stets heftiger, zieht am Ende alles auf einen Platz zusammen und setzt vieler Menschen Hände in tätige Bewegung durch ihr eigenes Leben. Das Haus als ein Werk der Liebe wird bald in seiner Vollendung dastehen, und ihr werdet dann sagen, wenn ihr das schmucke Haus ansehet: Wer hätte sich das vor einem halben Jahre gedacht, wo das Material noch weit zerstreut herumlag, dass es sobald zu einem schmucken Hause sollte herangebildet werden?! Nun aber hat es der menschliche Geist geordnet, und das Haus steht da, ein Inbegriff von verschiedenartigsten Materialien, die alle zu einem Zwecke wohl verbunden und vereinigt sind.

5. Jetzt fraget euch aber selbst: Wer war denn hier so ganz eigentlich der Baumeister? Wer zog die Materialen und die Bauleute zusammen? Etwa das Geld des Bauherrn oder sein fester Wille oder seine Einsicht? Ich sage euch: Weder das eine noch das andere, sondern die Liebe allein ist der mächtige Grundstein zum Baue dieses Hauses. Die Liebe des Bauherrn hat das Material zusammengezogen und rief die Bauleute herbei; ohne diese hätte der Bauherr weder ein Geld zum Baue hergegeben, noch hätte er das Material und die Bauleute zusammengebracht.

6. Und da das Haus auf diese Weise fertig ist, so kann nun jedermann die zweckdienliche Form desselben anschauen, während ohne die feste Liebe des Bauherrn das gesamte Material wie in einem formlosen Chaos weit und breit in seinem Ursein zerstreut liegengeblieben wäre. Ich meine, dieses Beispiel ist so recht tüchtig handgreiflich und bedarf doch sicher keiner näheren Erörterung. Gehen wir auf ein anderes Beispiel über. Denket euch einen Menschen, der zufolge seiner fortbildenden Phantasie eine grosse Anlage zu einem bildenden Künstler hat. Dieser Mensch hat eine recht bedeutende Lust beim Anblicke schon fertiger Kunstwerke, wie beim Anblicke der erhabenen Natur, selbst ein solcher Künstler zu werden; aber es fehlt ihm noch an dem eigentlichen Ernste, sich dazu zu setzen und diese Kunst praktisch zu studieren anzufangen.

7. Was ist wohl da die Ursache, dass dieser Mensch bei so glänzenden Anlagen noch nicht den Griffel und den Pinsel ergriffen hat, um eifrigst die Grundrisse und Hauptelemente zu solcher Kunst zu studieren?

8. Ich sage euch: Diesem Menschen fehlt sonst gar nichts als die wahre Liebe zu dieser Kunst. Wenn er von der Liebe durchdrungen wird, dann werden wir bald herrlich entworfene Formen von unserem angehenden Bildner auf den für diese Kunst bestimmten Flächen zu erschauen anfangen und bald gar herrliche Meisterstücke.

9. Wer ist da wohl der eigentliche Informator? Wer verbindet die innere Phantasie mit den äusseren Formen? Wer die so entwickelten Formen mit den Farben durch den Pinsel der weissgrundierten Leinwand? Meinet ihr, das hänge von den guten Instruktoren oder von den Vorzeichnern ab?

10. O ich sage euch: Alles dieses ist null und nichtig, sondern allein die eigene grosse Liebe zu dieser Kunst hat einen neuen grossen Meister gebildet, der das Formlose aus der endlos weit zerstreuten Weisheitslichtsphäre zusammenzieht und es in neuen herrlichen Formen darstellt, die von jedermanns Augen nun gar wohl betrachtet werden können.

11. Sehet, das ist schon wieder ein so klares Beispiel für unsere Sache, dass es keiner weiteren Erörterungen bedarf. Wir wollen aber noch ein Beispiel hierhersetzen, und zwar eines, das euch so recht handgreiflich auf der eigenen Nase sitzt.

12. Gehen wir auf die sehr vielsagende Tonkunst über. Ihr werdet unter den Menschen sicher recht viele Freunde dieser Kunst finden, die sich alle überaus ergötzt fühlen, wenn sie eine herrliche Produktion von einem wahrhaften Künstler zu hören bekommen. Sind sie aber darum selbst Künstler? Ich meine, das werdet ihr auch selbst recht gut zu beurteilen imstande sein, dass da unter den sich ergötzenden Zuhörern sicher nur äusserst wenige sich vorfinden werden, die dieses Namens einigermassen würdig sind.

13. Ja, aber warum sind denn alle diese entzückten Zuhörer nicht auch selbst Künstler, sondern bloss nur Liebhaber der Kunst? Warum ist nur ein so Vorzüglicher auf einer Tribüne vor ihnen, der mit seinen aus den Himmeln entlehnten Tönen die Gemüter der Zuhörer so überaus fröhlich stimmt und ihren Seelen ein anderes, höheres, vollkommeneres Leben verkündet?

14. Könnte man da nicht sagen: Was da einem Menschen möglich ist, das sollte ja auch den anderen Menschen ebenfalls gerade nicht unmöglich sein. Ein jeder Mensch nach seiner Art und nach seinen Talenten könnte bei der völligen Gewecktheit seines Geistes, der da ein Abkömmling göttlicher Vollkommenheit ist, doch sicher auch etwas Tüchtiges leisten. Wird es wohl anzunehmen sein, so man dagegen bemerken würde und sagen: Ja, das hängt von den Meistern ab? Hätten dieser und jener gediegene Meister gehabt, so wären sie auch selbst gediegene Meister geworden; aber „ex trunco non fit Mercurius“, wie ihr zu sagen pfleget, also kann auch ein ungeschickter Meister schwerlich je einen Meister seiner Kunst bilden. Es ist wahr, wer selbst nichts kann, der wird einen andern auch nicht gar zu viel zu lehren imstande sein.

15. Aber nehmen wir dagegen an, wie viele Schüler so mancher wahrhafte Meisterkünstler nicht selten unter seiner instruktiven Leitung hat, und betrachten dagegen, wie spott- und blutwenig nur einigermassen zu beachtende Künstler aus der Schule eines solchen Meisterkünstlers hervorgehen, und wir werden bei dieser Betrachtung auf einen Schluss kommen müssen, der uns sagen wird:

16. Weil denn aus der bestmöglichsten Künstlerschule so wenig Künstler hervorgehen, so muss eigentlich der wahre Grund, wodurch der Schüler ein wahrer Künstler wird, doch in etwas ganz anderem stecken als in dem Meister, der für sich, allen Anforderungen genügend, wohl ein vollendeter Künstler ist. Haben die Schüler etwa zu wenig Talent, zu wenig Fleiss, oder werden sie durch manche andere Umstände verhindert, der Kunst so recht obzuliegen?

17. Aha, ich sehe schon, was da jemand sagen will. Dieser Meister hat nur das Unglück, unter vielen seiner Schüler keine Genies zu besitzen. Und ich sage darauf ganz unverhohlen: Dieser Meister hat mit geringer Ausnahme fast lauter Genies unter seinen Schülern gehabt, und doch ist aus keinem Genie etwas geworden. Aber er hatte keinen unter seinen Schülern, der mit der innersten, mächtigsten Liebe zur Kunst wäre erfüllt gewesen. Daher wird auch nur derjenige ein wahrer Künstler, dessen Herz fortwährend lichterloh auflodert von mächtiger Liebe zur Kunst.

18. Hauche Liebe, d.h. wahre lebendige Liebe in das Herz deines Schülers, und du kannst versichert sein, dass durch dieses Feuer alle für diese Kunst erforderlichen Organe in kürzester Zeit so wunderbar ausgebildet werden, dass sich darob ein jeder Zuhörer wird allerhöchst verwundern und sagen müssen: Ja, da sieht wohl ein wahrhaft grosser Künstler schon in seiner Vollendung heraus!

19. Sehet, also ist auch hier die Liebe der eigentliche wirkliche Meister, bildet den Tonkünstler zu einer Gefühlsgrösse heran, von welcher sich ein anderer Mensch gar keinen Begriff machen kann, und macht dieser Gefühlsgrösse auch den ganzen andern Organismus in kurzer Zeit so sehr untertänig, dass durch denselben alle sogenannten technischen Schwierigkeiten mit einer wunderbaren Sicherheit besiegt werden können.

20. Wie aber hier die Liebe rein alles in allem ist, so ist sie dann erst vorzugsweise alles über alles in der grossen Kunst des Lebens! Mit der Liebe könnet ihr in Tiefen dringen, vor denen es selbst so manchen Geistern schaudert; aber ohne die Liebe oder mit etwas zu wenig Liebe wird nie ein vollkommener Künstler an das Tageslicht des Geistes treten. - Darum sagte ich auch gleich anfangs: Wollet ihr tiefer in diese Dinge hoher Weisheit schauen, da müsset ihr die Liebe vollernstlich zur Hand nehmen, aber es darf nicht eine halbe oder eine Viertelliebe sein, sondern eine Liebe im Vollmasse.

21. Ergreifet daher unseren allerliebevollsten Herrn und Vater in Jesu Christo so recht kernfest in eurem Herzen, und ihr werdet euch sodann bald überzeugen, was alles die Liebe zu Gott vermag.

22. Fürwahr, ich sage nicht zuviel: Wenn ihr Liebe hättet im Vollmasse, so hättet ihr auch den mächtigen, lebendigen Glauben; und mit solcher Liebe und solchem Glaubenslichte aus ihr könntet ihr Sterne vom Firmamente herabreissen! - Erwecket euch daher, und wir werden noch auf dieser zehnten Galerie Wunderdinge erschauen! - -


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