GSO2-106

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Hauptseite Die geistige Sonne GSO2-106 Kapitel

Mitteilungen Jesu Christi über die geistigen Lebensverhältnisse des Jenseits. Durch das Innere Wort empfangen von Jakob Lorber.


Kapitel 106 - Wesen und Folgen des Lasters.


1. Wenn unsere in der Geduld wohl geübten Schüler von ihrem Amte gewöhnlich nach dem Ableben eines ihnen anbefohlenen Schützlings von dieser äusseren Welt zurückkehren, dann haben sie noch so lange in ihrer Nähe zu verbleiben, solange der naturmässig-geistige Zustand der Seele eines hier verstorbenen Menschen dauert. Zur Zeit der Enthüllung oder Abödung, da ein jeder Geist ohnehin sich selbst gänzlich überlassen bleibt, kehren sie dann wieder in die geistige Sonne zurück. Von da an erst geht es auf eine neue Bestimmung aus. - Wohin aber? Das ist sehr leicht zu erraten, wenn man bedenkt, dass unsere Schüler bis jetzt hinreichend Gelegenheit gehabt haben, die Gesetzwidrigkeiten zuerst als Lehrlinge geistig-wissenschaftlich, dann als Schutzgeister praktisch zu beschauen und zu erkennen.

2. Dass aber hinter diesen Erkenntnissen noch ein drittes steckt, und hinter dem dritten noch ein viertes, das muss einem jeden klar sein, der weiss, dass jedes Laster eine gewisse Folge als das erreichte Ziel in sich hat, und dass sich erst in diesem Ziele der Grund oder die Hauptursache des Lasters erkennen lässt. Denn wenn jemand die Folgen des Lasters nicht geschaut hat und nicht völlig den Grund des Lasters erkennt, so hat er immer noch keine genügend frei und feste Abneigung gegen das Laster. Ersieht er aber einmal solches und erkennt es lebendig, wie die Folge eine ganz ordnungsmässige und unabänderliche ist und wie sie in sich schon solchen Grund birgt, dann erst wird er aus seinem freien Erkennen und Wollen ein vollkommen fester Gegner alles Lasters.

3. Wo aber müssen unsere Schüler hingehen, um solches zu erkennen? Sie müssen an der Seite mächtiger und wohlerfahrener Geister die Höllen durchwandern, und zwar von der ersten bis zur letzten und untersten. In der ersten und zweiten erschauen sie die Folgen des Lasters, und besonders in der zweiten, wie sich innerhalb der noch wohlersichtlichen Folgen der Grund des Lasters schon mehr und mehr durchleuchtend erschauen lässt. Und in der dritten und untersten Hölle erst lernen sie den Grund oder die Hauptursache alles Lasters erkennen.

4. Es dürfte vielleicht mancher sagen: Die Folge und der Grund sind zwei Punkte eines Kreises, die auf einem und demselben Punkte zusammentreffen, denn sicher begeht niemand eine Handlung aus einem andern Grunde als allein aus dem, den er eben als die Folge seiner Handlung realisiert haben will.

5. Wenn z.B. einer den diebischen Entschluss fasst, jemandem das Geld zu stehlen, so haben ihn dazu die Liebe zum Gelde und sein Vorteil zu dieser Handlung bestimmt; das war sicher der Grund seiner Handlung. Hat er sich nun auf diebische Weise des Geldes bemächtigt, so war diese Bemächtigung doch sicher die Folge seiner Handlung. Dies war und ist aber nichts anderes als der realisierte frühere Grund zu der Handlung selbst.

6. Ich aber sage: Wenn man die Sache von dem Standpunkte betrachtet, dann tut man nichts anderes, als an seiner eigenen Erkenntnis einen Hochverrat begehen, und zeigt dadurch an, dass man mit der inneren Weisheit noch nie etwas zu tun gehabt hat. Daher wollen wir sogleich ein Gegenbeispiel aufstellen, aus dem sich klar ersehen lassen wird, dass die Folge und der eigentliche Grund der Handlung ganz verschieden aussehen.

7. Bevor wir aber das Beispiel aufstellen, müssen wir einige Sätze kundgeben, welche aus der göttlichen Ordnung herausfliessen und somit jeder Handlung die bestimmte Folge von Ewigkeit her anzeigen, in welcher dann im Einklange mit der Handlung sich der Grund ersehen lässt.

8. Die Sätze aber lauten also: Jede Handlung hat eine von Gott aus entsprechend bestimmt sanktionierte Folge. Diese Folge ist das unabänderliche Gericht, welches jeder Handlung unterschoben ist. Also ist es vom Herrn gestellt, dass sich jede Handlung am Ende selbst richtet.

9. Wie aber von jeder guten Handlung der Herr nur als ein Grund anzunehmen ist, also verhält es sich auch mit jeder bösen Handlung. Auch jede böse Handlung hat demnach allezeit ihren einen und denselben Grund. Das sind die Lehrsätze.

10. Nun wollen wir diese beispielsweise beleuchten. Nehmen wir einen Hurer an. Dieser trieb, solange er lebte, ohne Schonung und ohne die geringste Rücksicht auf was immer für Personen die Unzucht. Äusserlich konnte niemand die Folgen des Lasters an ihm erschauen, denn der Leib ist nicht immer ein Folgenspiegel des Lasters. Dieser Mensch aber hatte durch seine lasterhafte Handlungsweise seinen Geist ganz in die grobe fleischlich-materielle Liebe herabgezogen, hat seine Lebenskräfte vergeudet, materiell und geistig genommen. Was bleibt ihm am Ende übrig? Nichts als ein Polypenleben seiner Seele. Diese langt jenseits mit nichts als mit ihrer sinnlich-fleischlichen Genussbegierde an. Ihr Bestreben ist das eines Polypen, nämlich in ihrer Art unausgesetzt fortzugeniessen. Von einer geistig dirigierenden Reaktion ist da keine Rede mehr, indem der Geist schon bei Leibesleben bis auf den letzten Tropfen mit der sinnlichen Seele verschmolzen worden ist.

11. Frage: Kann jenseits eine solche Seele für eine höhere Belebung zugänglich oder fähig sein? Wer solches völlig einsehen will, der fange sich einmal einen Polypen aus dem Meere und versuche, ob er aus ihm einen Luftspringer machen kann. Diese Arbeit wird sicher niemandem gelingen, denn sobald er den Polypen aus seinem Schlammelement hebt und auf einen trockenen Ort in die reine Luft setzt, wird der Polyp bald absterben, einschrumpfen, in die Verwesung übergehen und endlich zu einem leimartigen Klumpen vertrocknen.

12. Sehet, gerade derselbe Fall ist es mit einer solchen geilen, genusssüchtigen Seele. Sie ist ein Schlammpolyp und hat nur eine lebenerregende Begierde, nämlich die des Geniessens. Ihre ganze Intelligenz geht dahin, sich die Genüsse zu verschaffen. Was ist demnach die Folge? Nichts anderes als dieser elende und höchst klägliche Zustand der Seele selbst, nämlich das stets tiefere Zurücksinken in das allergemeinst und niedrigst Tierische. Und dieser Zustand ist eben das, was man die „erste Hölle“ nennt. Diese ist somit die Folge, und zwar die ganz natürliche, ordnungsmässig gerechte Folge, indem die Seele durch diese verbotene Handlungsweise am Ende in denjenigen untersten Tierzustand zurückkehrt, aus dem sie früher vom Herrn durch so viele Stufen aufwärts bis zum freien Menschen erhoben wurde.

13. Dieser Zustand als Folge aber wird vom Herrn in bezug auf die Genussbegierde darum so überaus kümmerlich gehalten, damit dadurch der in der Seele noch immer sich vorfindende Geist mehr und mehr von der Sinnlichkeit ausscheiden möchte. Diese Operation ist die einzige, durch welche eine solche Seele samt ihrem Geiste noch möglicherweise rettbar ist und sein kann. Denn wird die Seele also fortgenährt, so wird sie in ihrer Begierde immer stärker, und da wird von der Rettung des Geistes wohl ewig nie eine Rede sein können.

14. Was ist aber im schlimmen Falle gewöhnlich die zweite Folge dieser notwendigen Behandlungsweise?

15. Höret! Da der Geist einer solchen Seele mit ihr völlig eins war, so ist auch seine ganze Liebe in die Begierlichkeit seiner Seele übergegangen. Wird er nun durch das Fasten der Seele freier, so tritt er dann böswillig und überaus tief beleidigt und gekränkt auf, darum, dass man ihn durch Vorenthalt der Nahrung für seine leibhaftige Seele hat verkümmern lassen, um ihn dadurch zu bändigen.

16. Aus solcher Beleidigung und Kränkung geht der Geist in einen Zorn über und verlangt Entschädigung. Wo aber findet er diese? In der zweiten Hölle!

17. Was ist nun die zweite Hölle? Nichts anderes als die Folge der ersten. Und in dieser Folge lässt sich schon auf den eigentlichen Urgrund der ersten Handlungsweise blicken.

18. Denn der Zorn ist nichts anderes als eine Frucht der übermässigen Selbstliebe, und diese hat ihre Wurzeln in der Herrschsucht, welche die Triebfeder zu allen Lastern ist und hat die dritte oder unterste Hölle zu ihrem Wohnsitze. - Wie sich aber aus der zweiten Hölle endlich auch eine dritte entwickelt, und wie unsere Schüler solches alles praktisch mit anschauen und erfahren müssen, das wollen wir in der Folge betrachten. -


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