GSO1-97

Aus Suche Jesus-Comes
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Hauptseite Die geistige Sonne GSO1-97 Kapitel

Mitteilungen Jesu Christi über die geistigen Lebensverhältnisse des Jenseits. Durch das Innere Wort empfangen von Jakob Lorber.


Kapitel 97 - Ein Predigerbekenntnis.


1. Der Prior geht, erfüllt mit der höchsten Seligkeit, hinaus zu seinen Brüdern, wie ihm der Herr geboten hat. Daher gehen wir ihm nach, um zu sehen, wie er sein Amt verwalten wird.

2. Seht, es geht ihm auch schon unser bekannter redseliger Mönch entgegen und fragt ihn mit erschrockener Miene: Höre, Bruder, wie ist es möglich, dass du in dieser schauderhaftesten Zeit, in welcher wir allesamt den unerbittlichen Richter erwarten, mit einem überheiteren Angesichte aus deinem guten Verstecke zu uns kommen kannst? Hat solches dein schlichter Führer bei dir bewirkt, oder hast du dich selbst also überredet? Sage mir und uns allen, wie du zu dieser Fröhlichkeit gelangt bist? Dem Herrn sei alles Lob, alle Ehre und aller Dank, dass Er dir solche Fröhlichkeit zugelassen hat. Aber wir armen Sünder hier stehen dafür eine desto grössere Angst und Bangigkeit aus. Wenn doch auch uns ein wenig geholfen werden könnte, so wäre das wirklich etwas ausserordentlich Erspriessliches für unser geängstigtes Gemüt.

3. Fürwahr, gar oft habe ich auf der Erde von der Kanzel dem Volke gepredigt, wie schrecklich es ist, vor dem Angesichte des unerbittlichen Richters zu erscheinen, und wie schrecklich, in die Hände des lebendigen, allmächtigen Gottes zu fallen! Es mögen auch viele meiner Zuhörer auf meine Predigten bis ins Innerste erschüttert worden sein, ich aber habe bestimmt am allerwenigsten meine Predigt beherzigt und liess mir, wie ihr wisst, darauf einen guten Bissen wie auch ein gutes Glas Wein recht wohl schmecken. Hier aber kommt es genau auf das Sprichwort an: Wer einem andern eine Grube gräbt, fällt am Ende selbst hinein. Und so denn auch stecke ich über Hals und Kopf in dieser Grube und empfinde nun das stark und lebendig, was ich bei meinen Lebzeiten die andern durch meine Predigten habe empfinden machen wollen. Daher bitte ich dich nun auch um so mehr, dass du mir und uns allen eine kleine tröstende Mitteilung machen möchtest, wie es dir möglich ist, in der Lage, in der wir uns befinden, so heiter zu sein?

4. Der Prior spricht: So höre denn, mein geliebter Bruder: Meine ehemalige und deine jetzige Furcht vor dem Herrn hat darin ihren Grund, dass wir den Herrn nie so haben wollten, wie Er ist; sondern wir machten Ihn Selbst zu dem schrecklichsten Wesen aller Wesen. Wir haben somit den wahren Christus verloren, das heisst den Christus, der noch am Kreuze blutend und sterbend Seine grössten Feinde, Peiniger und Marterer segnete und sie Selbst mit ihrer eigenen Unwissenheit entschuldigte. Ja den Christus haben wir verloren, der den Missetäter, welcher sich zu Ihm gewendet hatte, mit dem offensten Herzen aufnahm und selbst jenen nicht verdammt hat, der Ihn am Kreuze schmähte. Wir haben uns statt dieses wahren Christus einen Tyrannen-Christus gebildet, der fortwährend Rache brütet bis zum bestimmten, das heisst von uns bestimmten irrwahnigen Vergeltungstage, während wir doch gar leicht hätten bedenken können, dass der Herr, so Er an Seinen armseligen Geschöpfen hätte Rache nehmen wollen, nicht einer so langen, unbestimmten Frist benötigen würde, sondern mit ihnen es hätte machen können, wie Er es mit Sodom und Gomorra gemacht hat.

5. Ferner stellten wir uns Christum fortwährend in unzugänglicher Erhabenheit vor, durch welche Er Sich um Seine Geschöpfe gar wenig kümmere, sondern sie bis zum Gerichtstage frei belasse, da sie Sein Wort und Sein Gesetz haben. Wir gedachten dabei aber wenig dessen, was der gute Hirte spricht. Und die Verheissung: „Ich bleibe bei euch bis ans Ende aller Zeiten“, ging ebenfalls stumm an unseren Herzen vorüber. Wir begnügten uns an Stelle der lebendigen Gegenwart Christi mit der toten zeremoniellen allein, durch welche wir den wahren Christus nur stets mehr einbüssten.

6. Wir versetzten alles in die Materie, wir dünkten uns am Ende sogar tagtäglich Schöpfer Christi zu sein und sündigten auf Grund dieser himmelschreienden Machtinhabung auf die göttliche Liebe und Erbarmung, dass es eine barste Schande war! Da uns der liebevolle Christus im Zeitlichen nicht so viel eingetragen hätte wie der strengst gerechte und unerbittlichste, so unterstellten wir alles Seiner allerstrengsten Gerechtigkeit anstatt, als schwache Wesen, Seiner ewigen Liebe und Erbarmung. Und wie wir Ihn so zeitlich erträglich und wohlzinspflichtig machten, also ist Er auch bis auf den gegenwärtigen Zeitpunkt für unser Gemüt geblieben.

7. Meinet ihr aber, der wahre Christus habe Sich darum wirklich verändert und so gestaltet, wie wir Ihn törichterweise in uns gestaltet haben? O nein, meine lieben Brüder! Er ist, wie Er allzeit und ewig war, noch bis auf diese gegenwärtige Minute ganz derselbe übergute heilige Vater geblieben und wird auch fürder ewiglich also verbleiben.

8. Er ist noch derselbe unendlich liebevolle Freund, der zu allen spricht: „Kommet her zu Mir, die ihr mühselig und schwer beladen seid, Ich will euch alle erquicken!“ Er ist noch derselbe Christus, der am Kreuze in Sich Selbst Seine Beleidiger, Seine Feinde und Peiniger entschuldigte und ihnen alles in der Fülle Seiner göttlichen Liebe vergab.

9. O Freunde und Brüder! Ich möchte wohl sagen: Wenn je ein Erdenbürger eine grosse und schwere Sünde begehen kann, so ist wohl nicht leichtlich eine grössere denn diese, als so jemand aus schändlichem irdischem Eigennutze die unaussprechliche Güte und Liebe des Herrn also verkennt, wie wir sie verkannt haben!

10. Sehet hin und betrachtet die Geschichte des verlorenen Sohnes. Was tat wohl dieser Erhebliches, dass er sich aussöhnen konnte mit seinem tiefgekränkten Vater? - Nichts, als dass er sich, durch die höchste, schauderhafte Not getrieben und genötigt, wieder nach Hause zu seinem Vater kehrte, um dort allenfalls der letzte Knecht zu sein. Was tat aber der Vater? Er ging diesem zurückkehrenden Sohne schon auf dem halben Weg entgegen. Und wie dieser, zu ihm kommend, niederfiel und ihm sein notgedrungenes Begehren vortrug, da hob ihn der Vater sobald auf, drückte ihn an seine heilige Brust, liess ihm sogleich die herrlichsten Kleider anziehen und bestellte ein grosses Freudenmahl.

11. Saget mir, liebe Brüder, haben wir Christum je von diesem Gesichtspunkte aus betrachtet? Wir haben wohl auch den verlorenen Sohn gepredigt, aber wie? - Der verlorene Sohn musste sich umkehren durch unsere Beichte, dann durch allerlei auferlegte Busswerke, welche nicht selten ärger waren, als das Schweinefutter des verlorenen Sohnes in der Fremde. Kehrte ein solcher verlorener Sohn wirklich um, so fand er aber dennoch, anstatt des allein wahren, guten Vaters, nichts als uns, die wir ihn zur vermeintlichen Rückkehr bewogen haben und dabei nicht bedachten, wer der Vater ist und wo Er ist und wohin sich der verlorene Sohn hätte wenden sollen!

12. Also haben wir getan. Aber nichts desto weniger hat Sich der gute heilige Vater verändert. Ihr seid samt mir nichts als solche verlorene Söhne, die schon frühzeitig das vom Vater erlangte Gut auf der Erde vergeudet und verhurt haben. Wir haben unsere Armut ausserhalb des väterlichen Hauses schon eine geraume Zeit gar bitter empfunden. Kehren wir daher zurück und werfen uns Ihm zu Füssen. Nicht dass Er uns etwa ein köstliches Mahl bereiten und uns aufnehmen solle zu grossen Ehren, sondern dass wir die allerletzten sein dürften in Seinem Vaterhause und dürften Ihn da lieben aus allen unseren lebendigen Kräften!

13. Der Mönch spricht: O Bruder! Was für Worte hast du nun geredet, und welch einen himmlischen Balsam hast du dadurch in unsere Herzen gegossen! Ja, du hast die ewige Wahrheit gesprochen. Den wir mit der grössten Freude und mit der grössten Liebe unseres Herzens erwarten sollten, den überguten heiligen Vater, konnten wir so fürchten! Ja, mein lieber Bruder, ich kann dich versichern, dass du mir auch alle Furcht vor dem Herrn so sehr benommen hast, dass ich mich vor dem allerstrengsten Gerichte nicht mehr fürchte. Denn ich weiss nur das, dass ich Ihn, den so unendlich liebevollsten Christus, lieben darf und kann. Weil Er in Sich Selbst so unendlich gut und liebevollst ist, so fühle ich, überall glücklich sein zu können, wo ich Ihn, den Liebevollsten, immer lieben kann.

14. Ich danke dir, lieber Bruder, auch im Namen aller dieser unserer Brüder, dass du uns solche herrliche Kunde überbracht hast, welche dir sicher jener liebevolle, schlichte Mann eingegossen hat. Ich gebe dir auch die volle Versicherung, dass ich und wir alle den wahren Christus zu lieben, ja über alles zu lieben ewig nie aufhören werden, weil Er in sich und aus sich so unendlich gut und liebevoll ist! Ja, wer Ihn also nicht lieben könnte, der müsste, fürwahr, ärger als der ärgste höllische Teufel sein. Wie ich mich ehedem gefürchtet habe, vor Seinem Angesichte zu erscheinen, so soll von nun an das ewig mein heissester Wunsch sein, in meiner grossen Unwürdigkeit den allerheiligsten Vater nur einmal wesenhaft zu Gesichte zu bekommen!

15. O Du mein Christus, Du! Wie sehr liebe ich Dich jetzt, da ich Dich besser denn auf der Erde erkannt habe! Sei mir armem Sünder nur insoweit gnädig und barmherzig und nehme mir diese meine Seligkeit nicht, die darin besteht, dass ich Dich lieben kann aus allen meinen Kräften allerorts, wohin Deine Erbarmung und Dein heiliger Wille mich nur immer bescheiden werden. O Herr! Ich verlange ewig nichts von Dir, denn ich bin ja nicht der allergeringsten Gnade wert. Nur lieben lass Dich von mir, und wenn es möglich ist, so lass mich in solcher Liebe zu Dir völlig vergehen!

16. Der Prior spricht: Mein lieber Bruder, sage mir, nachdem du dich in deinem Gemüte geändert hast, wie dir mein schlichter Mann, der soeben hinter dem Laubwerk hervorkommt, gefällt?

17. Der Mönch spricht: O liebster Bruder, dieser Mann gefällt mir schon seit seiner ersten Erscheinung überaus gut. Dem könnte ich folgen, wohin er nur immer wollte, und würde er mich dahin oder dorthin stellen auf die Anwartschaft des Herrn, so könnte ich mich wie ein Felsen auf einem Punkte eine halbe Ewigkeit lang festhalten, ohne meinen Platz nur um ein Haar zu verrücken. Das wäre überhaupt ein Mann, dem ich um den Hals fallen könnte und meine ganze Liebe über ihn schütten. - Der Prior spricht: Was würdest du dann tun, wenn sich dir der Herr aller Himmel und aller Welten in solcher Schlichtheit nähern würde?

18. Der Mönch spricht: Um solch ein Gefühl auszudrücken, möchten wohl jedem noch so erhabenen, höchsten himmlischen Geiste die Worte in der Brust steckenbleiben! Denn unerträglich gross wäre das, wenn auch nur eine augenblickliche Seligkeit!

19. Der Prior spricht: Bespreche dich darüber mit dem schlichten Manne selbst, der soeben sich uns naht. Dieser wird dir da den besten Aufschluss zu geben imstande sein, wo mich, glaube es mir, Bruder, bereits auch alle Sprache im Stiche lässt. Ich sage dir: Gehe du, gehet ihr alle diesem schlichten Manne entgegen. Der wird euch wie mir den wahren Weg zum Vater und auch den Vater Selbst zeigen! - Mehr vermag ich dir nicht zu sagen.

20. Nun aber öffnet der schlichte Mann Seine Arme und spricht: Kindlein! Kommet her in die Arme eures guten Vaters, denn Ich bin Der, den ihr so sehr gefürchtet habt! -

21. Ein allgemeiner Schrei geschieht, und alle fallen vor Ihm nieder und weinen vor zu grosser Liebe zu Ihm! Und alles, was man von ihnen vernimmt, ist: O du guter heiliger Vater! So unendlich gut bist Du?! O dass wir Dich doch zu lieben vermöchten nur im geringsten Masse, wie Du aller Liebe würdig bist!

22. Und sehet, der Herr beugt Sich zu ihnen nieder, richtet sie alle auf und spricht zu ihnen: Kindlein, höret nun und vernehmet Mein strenges, richterliches Urteil, welches also lautet: Folget Mir! Denn Ich, euer allein wahrer, guter Vater, will euch Selbst führen an den erspriesslichen Ort eurer stets wachsenden Bestimmung in Meinem Reiche! Aber nicht hier auf diesem Platze, da noch so manches von eurem Sinnentrug erschaulich ist, sondern auf einem lebendig reinen Platze erst will Ich euch zeigen, was ihr ferner tun sollet, und wie ihr Mich vollkommen im Geiste und in der Wahrheit lieben und in solcher Liebe als den alleinig ewig wahren Gott anbeten sollet! Und so denn verlasset hier alles und folget Mir!

23. Seht nun, wie der liebe Vater wieder ein Schöcklein verlorner Kinder heimführt und wie sie Ihm, Seinen heiligen Namen lobpreisend, folgen! - Folgen auch wir ihnen, damit wir auch da die völlige Löse erschauen.


Hauptseite Die geistige Sonne GSO1-97 Kapitel