GSO1-73

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Hauptseite Die geistige Sonne GSO1-73 Kapitel

Mitteilungen Jesu Christi über die geistigen Lebensverhältnisse des Jenseits. Durch das Innere Wort empfangen von Jakob Lorber.


Kapitel 73 - Eine Frage an den Prior des Augustinerklosters.


1. Ich spreche zu ihm: Für diesen Augenblick hast du dich vorteilhaft aus der Schlinge gezogen. Und da du selbst eingestehst, auf meine Frage nichts antworten zu können, so will ich solche Nichtantwort auch als Antwort ansehen. Nun aber habe acht, ich will dir eine zweite Frage geben, vielleicht findest du auf diese eine Antwort in dir. Da du, in der Schrift kundig, auch bei deinen Lebzeiten auf der Erde nicht hast erfahren können, ob der Apostel Petrus je in Rom gelebt und die römische Kirche gestiftet hat, so möchte ich aber dennoch von dir erfahren, aus welchem Grunde dir bei deinen Lebzeiten eingefallen ist, dich emsigst um das klösterliche Priorat zu bewerben? Und warum hast du dich, als du im Wege aller schlauen Mittel dir das Priorat erschlichen hattest, sogar einige Male an das kirchliche Oberhaupt gewendet, dich entweder zu einem Klostergeneral oder, wenn es möglich wäre, zu einem Bischofe zu machen? - Siehe, das ist eine wichtige Frage, und du wirst mir darauf eine Antwort geben können, da du solches alles an dir erfahren hast und es dir auch noch ganz lebendig vor den Augen deiner Erinnerung schwebt.

2. Nun sehet, unser paradiesischer Primus macht ein ganz verdutztes Gesicht, sucht in allen seinen Winkeln nach einer pfiffigen Antwort und findet, wie ihr leicht aus seiner verlegenen Physiognomie entnehmen könnt, nichts dergleichen in sich, und er fühlt sich sehr stark genötigt, nolens volens mit der Wahrheit hervorzutreten. Wenn diese ihm auch allenfalls auf der Zunge solche Umstände machen sollte wie eine allzuwarme Speise, so nützt solches dennoch nichts. Er entschliesst sich daher, die Wahrheit zu reden, folge darauf, was nur immer wolle.

3. Sehet, er öffnet den Mund; und so höret denn, was er hervorbringen wird. Er (der Prior) spricht: Lieber Freund, woher du auch immer sein magst, ich sage es dir offen, dass ich solches alles im buchstäblichen Sinne meiner selbst willen getan habe. Und warum tat ich solches? Weil ich bei der genauen Bekanntschaft mit den Grundsätzen der römisch-katholischen Kirche gar zu gut erschaute, um was es sich in ihren christlichen Theoremen so ganz eigentlich handle, nämlich um nichts anderes als allein um die Weltherrschaft. Und um solche zu erlangen, muss man sich ein Ansehen und durch das Ansehen Schätze und Reichtümer verschaffen können. Was aber dabei das reine Christentum für ein Gesicht macht, um das, das wirst du selber wissen, hat man sich in der römischen Kirche noch nie gekümmert.

4. Und wenn ich nicht irre, dauert solch ein für das Christentum kümmerlicher Zustand in der römisch-katholischen Kirche seit den Zeiten Karls des Grossen, welcher meines Wissens den Bischof von Rom mit einer Länderei beschenkte und aus ihm somit einen weltlichen Herrscher machte.

5. Seit diesen Zeiten hat man das Christentum in seiner reinen Sphäre, als zur kirchlichen Sache ganz unpassend, nur im geheimen angesehen, weil es in seiner Echtheit dem weltlichen Ansehen gerade entgegengesetzt ist, behielt darum bloss den Namen und modulierte dann die Lehre also, dass sie sich mit dem weltlichen Ansehen notwendigerweise vertragen musste.

6. Ich muss dir noch dazu sagen, dass ich mich nicht selten bei der heimlich näheren Betrachtung des Papsttums ganz lebhaft des Daniel'schen Gottes „Mäusim“ erinnert habe, dem man Gold, Silber und Edelsteine opfern, und in dem keine Frauenliebe sein wird. Aber was nützte mir alle diese meine Betrachtung? Ich war einmal als ein dummer Ochse ins Joch gespannt; wer hätte mich ausspannen sollen? Solches aber ist doch sicher, dass die vorderen Ochsen am Wagen weniger zu ziehen haben, als die mehr rückwärts am Wagen angespannt sind. Ich war froh, solches einzusehen. Darum trachtete ich, in ein mehr vorderes Joch gesteckt zu werden und somit mehr ein Parade- denn ein Zugochse zu sein. Hätte ich wohl anders handeln sollen?

7. Ich hätte wohl anders handeln mögen, wenn mir nicht Gott eine so empfindsame Haut gegeben hätte. Aber zufolge der ausserordentlichen Empfindsamkeit meiner Haut und des stets aufgefrischten Anblickes der vielen brennenden Scheiterhaufen machte ich den Klugen und tat im Grunde garnichts. Ich dachte mir: Wahrhaft christlich Gutes zu tun im Sinne des göttlichen Stifters ist bei solchen Umständen so gut wie rein unmöglich. Ich tue daher lieber nichts, mache die äussere Dummheit, so gut es geht, mit, und ich suchte dieselbe wo es sein konnte, wenigstens zu einem zeitlichen Vorteile auszunützen. Ich wusste wohl, dass es gefehlt ist, wenn an der Lehre Christi etwas Authentisches sein sollte, aber ich dachte wieder:

8. Wenn der Herr diese Lehre, wie sie in den Evangelien steht, gegründet hat, so wird Er wohl auch Seine Gründe haben, warum Er diese Seine einfache und höchst reine Lehre also hat ausarten lassen! Dazu dachte ich noch öfter an Paulus, der seine Gemeinden aufgefordert hatte, der weltlichen Macht untertan zu sein, ob sie gut oder böse ist; denn es besteht nirgends eine Macht, sie sei denn von Gott. Ist es demnach unrecht, was diese Kirchenoberhäupter tun, so mögen sie es einst verantworten. Ich aber werde tun, was einst Pontius Pilatus getan hat, da er die Kreuzigung Christi nicht hintertreiben konnte, und der Herr, als das allervollkommenste Wesen, wird es sicher auch einsehen, dass unsereiner mit der allerbeschränktesten Macht nicht gegen den allgemeinen Weltstrom zu schwimmen vermag.

9. Siehe nun, lieber Freund, woher du auch immer sein magst, das ist die Antwort auf deine Frage; und du kannst mir jetzt auf der Stelle die Haut abziehen, so wirst du keine andere aus mir bekommen können.

10. Nun spreche ich: Gut, mein lieber Freund, du hast nichts zurückbehalten, sondern mir im Ernste alles kundgegeben, was du deiner Erinnerung zufolge in dir gefunden hast. Aber ich möchte von dir noch erfahren, aus welchem Grunde du hernach in dieses Paradies gekommen bist? Denn wenn du in dir von der totalen Fehlbarkeit der römischen Kirche, nach deiner Äusserung, überzeugt warst, so musstest du ja doch auch überzeugt sein, dass ihre Lehre über das Fortleben der Seele nach dem Tode ebenso falsch sein muss wie alles andere. Dazu muss ich dir noch sagen, dass aus eben der katholischen Kirche gar viele hier angelangt sind, die dennoch alsbald in das wahre Reich Gottes gelangten, - und noch muss ich dir bemerken: wenn sich die katholische Kirche auch in einem völligen Widerchristentume befand, so weiss ich mich aber doch nicht zu entsinnen, ob sie die Nächstenliebe und die Demut je untersagt hat. Daher möchte ich von dir noch erfahren, wie es demnach kam, dass du, wie schon vorhin bemerkt, in dieses Paradies gekommen bist?

11. Unser Primus spricht: Lieber Freund, woher du auch immer sein magst, diese Frage zu beantworten wird von meiner Seite wohl etwas schwer halten, denn, im Ernste gesprochen, den Grund, der mich hierhergebracht hat, kenne ich so wenig wie den Mittelpunkt der Erde. Denn wenn ich dir ganz aufrichtig gestehe, so habe ich bei meinem Leibesleben auf die Unsterblichkeit der Seele nach dem Tode mit vielen anderen gänzlich Verzicht geleistet. Wenn man aber auf das geistige Leben nach dem Tode Verzicht leistet, so bleibt einem auf der Welt ja doch nichts anderes übrig, als nach dem alten römischen Spruche zu leben: Ede, bibe, lude; post mortem nulla voluptas! Also habe ich auch auf der Welt gelebt, um zu essen und zu trinken, und um eben des Essens und Trinkens willen alle die Weltspielereien mitzumachen.

12. Als aber der immerhin fatale Leibestod über mich gekommen ist, über den ich mir bei meinen Lebzeiten so viele nutzlose Gedanken gemacht habe, da erst erfuhr ich, dass dieser Leibestod durchaus keine ultima linea rerum ist, sondern dass ich nach der mir noch bis auf den gegenwärtigen Zeitpunkt unbekannten Ablegung meiner irdischen Hülle geradeso fortlebe, wie ich ehedem auf der Erde gelebt habe; nur mit dem alleinigen Unterschiede, dass ich hier statt in den schmutzigen Klosterzellen in diesen hübschen Gartensalons meine Zeit zubringe und statt einer schwarzen eine weisse Kutte trage, nicht mehr Messe lese, sondern mich hier befinde wie eine mit Vernunft begabte Blattlaus und bin im buchstäblichen Sinne ein fructus consumere natus.

13. Dass hier noch diese weltlich klösterlichen Regeln beobachtet werden, ist an und für sich ebenso unerklärlich wie alles andere. Wir stellen uns hier vor, glücklich zu sein; fürwahr, wir sind es bloss durch unsere wiedergefundene und angewohnte, ein wenig kultivierte Klosterregel. Nimmst du uns dieses weg, so sind die Feldmäuse glücklicher als wir. Ich muss dir daher zu allem dem noch hinzugestehen, dass wir samt und sämtlich hier mehr oder weniger durchaus nicht wissen, warum wir hier sind.

14. Weisst du etwas besseres, so gebe es uns kund, und wir wollen auch das missliche Gewisse recht gerne mit diesem ungewissen Scheine vertauschen. Tue mit mir und mit uns allen, was du willst, nur mit der Hölle und mit noch mehr Fragen verschone uns. Denn jetzt habe ich dir alles gesagt, und du könntest mir jetzt Fragen geben, wieviel du wolltest, so werde ich auf jede gleich einem Steine zu antworten wissen; denn wo nichts ist, da kann der Tod nichts nehmen!


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