GSO1-68

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Hauptseite Die geistige Sonne GSO1-68 Kapitel

Mitteilungen Jesu Christi über die geistigen Lebensverhältnisse des Jenseits. Durch das Innere Wort empfangen von Jakob Lorber.


Kapitel 68 - Im Streitgespräch mit einem Augustiner. Petrus und Paulus.


1. Nun spreche ich: Höre, mein lieber Freund, dein ausserordentlich unbarmherziger Exorzismus hat sicher keine kirchliche Gewalt; denn wie du siehst, so stehen wir alle, deine drei untersthöllischen Teufel, noch unversehrt und vollkommen schussfest vor dir. Du kannst im voraus versichert sein, dass wir auch vor deinem ganzen Konvente, vor tausend Kruzifixen und vor hundert Eimern geweihten Wassers nicht fliehen werden. Denn solange wir von deiner Seite aus nicht den wahren Grund erfahren, aus der Schrift belegt, dass deine alleinseligmachende Kirche von Petro gestiftet ist, so lange weichen wir auch nicht um ein Haar von hier. Im Gegenteil sind wir nun sehr geneigt, noch tiefer in dein Kloster vorzudringen und uns durch keine exorzistische Gewalt davon abhalten zu lassen. Zu diesem Behufe fordere ich dich sogar auf, uns Dienst zu erweisen und uns in die Gemächer deiner ebenso unsinnigen Brüder, wie du selbst einer aus ihrer Mitte bist, zu führen.

2. Der Mönch spricht, indem er zuvor drei Kreuze über sich macht: Gott steh mir bei! Ich habe oft gehört, dass die Anfechtungen des Teufels in der geistigen Welt noch ums Tausendfache ärger sind denn in der natürlichen, und dass man in der geistigen Welt wirklich erst von der grossen Gewalttätigkeit des Teufels einen wahren Begriff bekommt. Was ich darüber in den heiligen Büchern, welche fromme und gottesfürchtige Menschen geschrieben, gelesen habe, das steht nun buchstäblich vor mir! Ich sage dir aber, du ewig abscheulicher Teufel, du fortwährender Betrüger Gottes und alles menschlichen Geschlechtes, meinst du, Gott lässt sich betrügen? Da irrst du dich! So wenig sich aber Gott betrügen lässt, so wenig lasse ich mich als ein allzeit getreuer Diener Gottes von dir betrügen, und eher als ich dir nachgeben werde, will ich mit der Hilfe Gottes und mit der Hilfe der allerseligsten Jungfrau Maria dir so lange Widerstand leisten, bis dich alle Geduld, mit mir noch länger zu kämpfen, verlassen wird. Daher kannst du tun, was du willst; mich wirst du meiner Kirche nicht abtrünnig machen!

3. Hast du denn nicht gehört, was die Kirche zufolge der ihr von Christo erteilten Gewalt verlangt, nämlich dass man ihr unbedingt alles glauben müsse, was sie zu glauben vorstellt, ohne zu fragen, ob solches irgend geschrieben oder nicht geschrieben steht, welches auch eine allerbilligste Forderung der Kirche ist? Denn wenn die Kirche im Besitze des hl. Geistes ist und dieser aus der Kirche spricht, wer wollte dem nicht glauben, wenn er ein aufrichtiger und wahrer Christ ist? Wenn man aber bei jeglichem Ausspruche der Kirche so fragen wollte, wie du fragst, da müsste man ja auch fragen: Wo stand denn das ehedem geschrieben, was Moses und die Propheten von Gott ausgesagt haben? Siehe, du schmutziger Teufel, was diese ausgesagt haben, ging aus vom hl. Geiste, und darum blieb und bleibt es eine ewige Wahrheit. -

4. Also hat ja auch die Kirche den Heiligen Geist. Dieser aber ist nicht beschränkt auf das, was schon vorher geschrieben ist; sondern Er kann allzeit frei reden und lehren, und die Kinder der Kirche haben solches als eine allzeit unwiderlegbare Wahrheit anzuerkennen.

5. Wenn demnach die Kirche geschichtlich kundtut, dass Petrus wirklich in Rom gelehrt, daselbst seinen Stuhl aufgerichtet hat und dort auch den Kreuztod gestorben ist, so ist solches ja eine verbürgte Wahrheit, weil es die Kirche im Vollbesitze des hl. Geistes kundgibt. - Da hast du nun deinen verlangten Beweis. Und nun entferne dich, deinem eigenen Ausspruche nach! Ich wäre zwar nicht schuldig gewesen, dir diese Belehrung zu erteilen, ich habe es aber dennoch getan, um dir dadurch eine grössere Verdammnis zu bereiten.

6. Nun spreche ich: Gut, mein Freund, und im Ernste trübseligst finsterer Bruder! Ich frage dich, da du mir den kirchlichen hl. Geist so evident darstelltest, wie es möglich ist, dass sich der hl. Geist hinsichtlich dieser petrinischen Angabe bei den verschiedenen kirchlichen Geschichtspropheten, die doch sicher samt und sämtlich deiner Aussage zufolge „aus dem hl. Geist“ gesprochen und geschrieben haben, in eben dieser geschichtlichen Aussage über das Dasein Petri in Rom so gewaltig hat irren können? Denn du hast zuvor Petri Anwesenheit in Rom auf drei Jahre lang festgesetzt. Ich kann dich aber versichern, dass mir in dieser Hinsicht kein geschichtlicher Buchstabe, der über Petrus geschrieben wurde, unbekannt ist. -

7. Wenn du übrigens in dieser Kirchengeschichte nur einigermassen bewandert bist, so wirst du die Varianten von vierundzwanzig Jahren bis hinab zu deinen drei Jahren doch sicher entdeckt haben. Also wird auch das Sterbejahr dieses Apostels zu Rom höchst verschieden angegeben, und man muss von Glück sprechen, wenn man in dieser Angabe nur eine Variante von einem Jahre entdeckt. Dass diese meine Aussage richtig ist, kannst du aus den verschiedenen Geschichtsschreibern ersehen, denn eure Bibliothek ist zum grössten Glück im Besitz aller dieser Aussagen. Nun aber sage mir, welcher schenkst du denn vollkommen deinen Glauben?

8. Der Mönch spricht: Das ist schon wieder eine verteufelt fanglustige Frage. Was soll ich dir darauf für eine Antwort geben? Ich sage dir: Der wahre, gehorsame Christ glaubt alles und fragt nicht nach den geschichtlich unrichtigen Daten. Der Grübler aber, der ein Ketzer ist, der grübelt über alles. Finden sich doch auch in der Heiligen Schrift ähnliche Widersprüche vor! Sollten wir sie darum nicht glauben? Wenn du aber schon nicht weisst, wie der hl. Geist spricht, so sage ich dir, dass dieser allezeit nach der innern Weisheit spricht und solche Aussagen einen ganz anderen Sinn haben, welchen freilich kein Teufel versteht; aber wir Gottesgelehrte kennen diesen Sinn und wissen, was wir glauben. Also habe ich dir auch diese Frage beantwortet, damit dir auch darob desto mehr Verdammnis werde!

9. Nun spreche ich: Gut, mein Freund, wenn solches richtig ist, so sehe ich aber durchaus nicht ein, aus welchem Grunde es dem hl. Geiste gefallen hat, vom Apostel Paulus Kunde in der Apostelgeschichte als getreu geschrieben zu geben, vom hl. Petro, wie du ihn nennst, aber in dieser Hinsicht nichts zu erwähnen, da er doch zur Gründung der Kirche von Christo aus persönlich berufen ward.

10. Paulus nur ward berufen als ein Apostel für die Heiden; von Petro steht nirgends etwas geschrieben, dass ihn der Herr ebenfalls für die Heiden berufen habe. Zudem wusste Petrus die Vortrefflichkeit des Apostels Paulus und sah es nirgends für notwendig an, da einen Nachapostel zu machen, wo der Paulus eine christliche Gemeinde gestiftet hat. Man weiss wohl aus der Schrift, und zwar von Paulus selbst, dass er den Petrus einmal zurechtgewiesen habe; aber einen umgekehrten Fall kennt man nicht.

11. Da aber Petrus, als das erste sichtbare Oberhaupt der Kirche, schon von Paulus eines Irrtums überwiesen und darob zur Rede gestellt ward, dass ihm der hl. Geist nicht den erforderlichen Dienst geleistet habe, besser gesagt, dass er sich wider den hl. Geist ein wenig vergessen hatte, - so könnte man denn ja doch auch annehmen, dass dergleichen gar gewaltig abweichende geschichtliche Daten entweder ganz eigenmächtig aus der Luft gegriffen worden sind, oder man müsste auch hier den hl. Geist einer Untreue beschuldigen.

12. Ich weiss aber, dass Christus, der Herr, allen Aposteln eine gleiche Macht gegeben hat, ja selbst, als Er nach Seiner Auferstehung, nach Angabe Johannis, Petrus Ihm folgen hiess, da folgte Ihm auch der Jünger Johannes. Und als sich Petrus darüber aufhielt, da verwies es ihm der Herr und sprach: „Was geht das dich an, so Ich will, dass er bleibe?“ - Welches ebensoviel sagen will als: dass er Mir, dir gleich, folge. Warum denn? Weil dadurch der Herr bestimmt hat anzeigen wollen, dass dieser Jünger in der Verfassung dem Herrn gleich dem Petro unwandelbar und beständig folgen solle. Also sollte er bleiben fortwährend trotz der Einwendung Petri in solcher dem Herrn folgenden Verfassung.

13. Ferner weiss ich auch, dass der Herr einmal zufolge der angebrachten Beschwerde Seiner Apostel einen gewissen unberufenen Ketzer Johannes verteidigt hat, und brachte dadurch die Gemüter Seiner eifersüchtigen Apostel wieder zur Ruhe. Ferner wissen wir mit keiner Silbe etwas davon, dass Christus noch ein Apostel irgendeine Tempelerbauung anbefohlen hat, und von einer nachträglichen Verordnung von seiten des hl. Geistes wissen wir auch nichts.

14. Christus hat wohl gesagt: „Prediget dieses Mein Evangelium allerorts“; aber dass Er auch gesagt hätte: Errichtet Mir Bethäuser, davon ist nirgends auch nur die allerleiseste Erwähnung getan. Wohl aber wissen wir, dass Er zu dem Weibe am Jakobsbrunnen gesprochen hat:

15. „Es kommt eine Zeit, und sie ist schon da, wo die wahren Anbeter Gott im Geiste und in der Wahrheit anbeten werden und wird dazu nicht benötiget sein der Tempel zu Jerusalem noch der Berg Garizim, sondern solches wird man allerorts tun können, im Geiste und in der Wahrheit.“ (Johs.4.)

16. Wir wissen auch, dass der Herr den Betenden anbefohlen hat, sich ganz allein in ihr Kämmerlein zu begeben; den Aposteln aber sagte Er nicht: Sperret euch in die Klöster ein, sondern: „Gehet hinaus in alle Welt und prediget das Evangelium aller Kreatur!“

17. Wenn du aber deine kirchliche Gewaltmanifestation durch den hl. Geist autorisieren willst, so strafst du Christum einen offenbaren Lügner oder einen unvollkommenen Lehrer, der während Seines Lehramtes nicht wusste, was alles für Seine Lehre notwendig ist, und hat es somit gewisserart, verdächtiger Weise zufolge lauter sich widersprechender historischer Daten, erst nachträglich ausbessern müssen. Er hat nicht eingesehen, dass zur Ausbreitung Seiner Lehre Klöster und Kirchen notwendig sein werden; Er hat nicht eingesehen, dass Petrus in Rom Seine Kirche wird gründen müssen, und da mit der Zeit ein ungeheures Bethaus und ein noch ungeheureres Wohnhaus für Seine Nachfolger erbauen lassen wird.

18. So kann auch Christus nicht eingesehen haben, dass mit der Zeit grosse Rangordnungen unter der Priesterschaft Seiner Kirche zur Ausbreitung Seiner Lehre notwendig sein werden, denn: hätte Er solches während Seines Lehramtes eingesehen, wie hätte Er da wohl den Aposteln, als sie Ihn um die Primität fragten, eine der gegenwärtigen kirchlichen Ordnung gerade zuwiderlaufende Antwort geben können, da Er sagte: „Nur Einer unter euch ist der Meister. Dieser bin Ich; ihr aber seid alle Brüder untereinander!“

19. Seine Unwissenheit geht aber demnach noch weiter. Wer weiss solches nicht, da Er sagte: „Niemand ist gut, denn Gott allein. Ihr sollet niemanden Vater nennen; denn nur Einer im Himmel ist euer Vater. Also ist auch niemand heilig, denn Gott allein.“ - Nun aber ist jeder Apostel heilig, und der Nachfolger Petri ist sogar ein „heiliger Vater“!

20. Wenn du, mein lieber Freund, solches recht bedenkst, so musst du bei der allgemeinen Billigung deiner kirchlichen Ordnung Christum ja doch notwendig solcher dir kundgegebenen Schwächen beschuldigen und, wenn du an Seine Gottheit glaubst, auch sagen: Gott sieht auch, wie ein schwacher Mensch, erst nach und nach ein, was das bessere ist, und ist auch genötigt, Seinen Geschöpfen nachzugeben, auf die Gefahr Seiner ewigen Wahrheit und unendlichen Weisheit.

21. Wir wissen wohl, dass der Herr die jüdische Kirche durch Moses und durch die Propheten als eine vorbildende und in allen Teilen auf den Herrn Bezug habende gegründet hat. Solches aber tat Er buchstäblich durch Moses kund. Dass aber der Herr bei Seinem Erscheinen in der allerhöchsten Person Christi abermals eine zeremonielle und bildliche Kirche gegründet habe, davon tat Er nie eine allerleiseste Erwähnung, sondern stellte als die Grundfeste Seiner Lehre nichts als die alleinige Nächstenliebe auf, und dieser als unentbehrlichen Vorgrund die Liebe zu Gott, indem Er ausdrücklich sagte: „Liebet euch untereinander, wie Ich euch geliebt habe und noch liebe, so wird man daraus erkennen, dass ihr wahrhaftig Meine Jünger seid.“

22. Also sagte Er auch, dass Seine Apostel und Jünger niemanden verdammen sollten und niemanden richten, auf dass sie nicht verdammt und gerichtet würden. Ja, der Herr sagte sogar von Sich Selbst aus, dass Er nicht gekommen sei, um die Welt zu richten, sondern selig zu machen und zu suchen, das da verloren ist.

23. Wie habt ihr euch demnach entgegen dieser ausdrücklichen Lehre Christi zu Richtern aufwerfen können, und habt euch sogar das zeitliche und ewige Verdammungs- und Todesurteil zugeeignet?

24. Könnte in dieser Hinsicht auf euch etwa nicht derjenige Text Christi in Anwendung gebracht werden, wo Er, in Sich erregt, zu denjenigen spricht, die zu Ihm sagen möchten: Wir haben in Deinem Namen gepredigt, geweissagt und Teufel ausgetrieben:

25. „Weichet von Mir, ihr Täter des Übels, Ich habe euch nie gekannt; denn ihr seid es, die da allzeit widerstrebten dem Heiligen Geiste!“

26. Ich sage dir demnach, beurteile diese meine Worte genau in dir und gebe mir darüber Antwort. Siehe aber zu, dass du mir mit keiner exorzistischen Ausflucht mehr kommst, sonst werde ich dir die Macht eines anderen Exorzismus zeigen, welche dir deine blinden Augen öffnen wird und du den Abgrund erschauen wirst, der deiner harrt, wenn du in deiner Torheit noch fernerhin hartnäckig verbleibst.

27. Siehe, der Herr hat Sich euer erbarmt und mich zu eurer Rettung hierhergesandt. Wollet ihr mich hören, so sollet ihr gerettet sein; wo aber nicht, so habe ich auch die Macht, euch jählings dahin zu werfen, wo für euch der rechte Platz vom Herrn aus bestimmt ist.

28. Sehet, der Mönch fängt an, gewaltig zu stutzen und weiss sich nun nicht mehr zu raten und zu helfen. Daher kehrt er um und zieht sich erschrocken zu seiner Gesellschaft zurück. Ziehen daher auch wir ihm nach, auf dass ihr dort selbst sehet, wie sich dergleichen Irrtümer in der geistigen Welt arten.


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