GSO1-66

Aus Suche Jesus-Comes
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Hauptseite Die geistige Sonne GSO1-66 Kapitel

Mitteilungen Jesu Christi über die geistigen Lebensverhältnisse des Jenseits. Durch das Innere Wort empfangen von Jakob Lorber.


Kapitel 66 - Erklärung der Einrichtungen des besuchten Augustinerklosters.


1. Ihr saget jetzt und fraget mich: Lieber Freund und Bruder! Siehe, das Kloster ist allenthalben verschlossen; werden wir durch die verschlossenen Türen gehen oder werden wir uns die Türen öffnen lassen?

2. Liebe Freunde und Brüder, wir werden hier weder das eine noch das andere tun. Das Kloster erscheint nur von einiger Ferne verschlossen und besagt dadurch, dass die darin Wohnenden schwer zugänglich sind, weil eben dieses verschlossene Kloster eine in sich verschlossene Begründung solcher Geister nach aussen erscheinlich darstellt.

3. Wenn wir uns diesem Kloster aber nähern, in seine Sphäre treten und somit auch erscheinlich eingehen werden in die Begründung seiner Bewohner, so werden wir es alsobald eröffnet erschauen. Und so denn treten wir näher, damit ihr euch von allem selbst überzeuget. Nun sehet, wir befinden uns schon in der Sphäre des Klosters, und die Pforten desselben sind uns aufgetan.

4. Ihr saget zwar: Lieber Freund und Bruder, wir können noch nicht recht einsehen, wie solches vor sich geht. Geschieht das durch den Willen der innewohnenden Geister oder geschieht das durch deinen Willen oder ist zu diesem Zwecke irgendeine geisterhafte Maschine angebracht, vermöge welcher durch einen einfachen Druck alle Türen plötzlich geöffnet werden?

5. Liebe Freunde und Brüder, solches ist hier mitnichten der Fall. Damit ihr aber den eigentlichen Grund einsehet, so will ich euch in solche Erkenntnis durch ein leichtes Beispiel führen. Es befindet sich in einer Gesellschaft ein sogenannter „Weltweiser“, den ihr mit dem Ausdrucke „Philosoph“ bezeichnet. Dieser Mensch ist höchst einsilbig, oder er redet gar nichts; warum denn? Weil er fürs erste seine Perlen nicht den Säuen vorwerfen will, und fürs zweite, weil er so manche seiner Ideen selbst für schlüpfrig erkennt und sich daher mit denselben nicht an das Tageslicht getraut. Und das darum, um einerseits nicht etwa von seinem Gelehrtenruhme leichtsinnigerweise etwas zu vergeben, andererseits aber auch aus Furcht vor irgendeinem ihm noch unbekannten polizeilich und politisch lauschenden Ohre, durch welches er sich leichtlich so manchen Unannehmlichkeiten aussetzen könnte. Damit also der Mann weder im einen noch im andern gefährdet wird, so verschliesst er sich, begibt sich in seinen förmlichen Seelenschlaf oder in sein geistiges Weisheitsparadies oder in seinen stoischen Himmel, lauscht aber in diesem Zustande überaus sorgfältig, ob sich in der Gesellschaft nicht etwa ein ihm verwandter Geist hören lässt. Hat er einen solchen gefunden, da wird er bald vertraulich und fängt an, ein Pförtchen ums andere seines Klosters aufzusperren. Findet er aber einen oder mehrere, die völlig in seine Ideen eingeweiht und somit auch eingegangen sind, da werden sobald alle Pforten seines Klosters auf einmal aufgetan, und unser Mann wird es nicht ermangeln lassen, der ihm entsprechenden und von seinen Ideen begeisterten Gesellschaft den gebührenden Beifallstribut zu zollen. Wir sind hier zwar nicht im Ernste in die Ideen und falschen Begründungen dieses Klosters eingegangen; dessen ungeachtet aber werden wir zufolge unserer Annäherung geistig als solche betrachtet, und das zwar von seiten des Klosters.

6. Ihr fraget, ob uns diese Klostergeister wohl sehen? Ich sage euch: Im Grunde wäre solches nicht nötig, weil es sich hier lediglich darum handelt, euch über diese Verhältnisse eine Kunde zu verschaffen und wir zu dem Behufe überall ungehindert eintreten können, wo wir wollen, und können da im Verborgenen alles mögliche belauschen. Da es sich aber hier um eine fühlbarere Innewerdung für euch handelt, so ist es auch notwendig, dass wir uns den Einwohnern dieses Klosters sichtbar machen. Aus diesem Grunde hat denn auch das Kloster uns ihm nähern gesehen. Die Pforten stehen für uns offen, und wir können somit ungehindert eintreten. Wir wollen zuerst in die Kirche gehen und uns in derselben ein wenig umsehen, was alles Merkwürdiges sich dort unseren Blicken darstellen möchte. Sehet, wir sind schon in der Kirche; was erblicket ihr?

7. Ihr saget: Merkwürdig, das ist ja eine Kirche, die man überaus prachtvoll nennen kann! Die herrliche Bauart, die Höhe und die wirklich meisterhaften Gemälde, mit denen die Wände bemalt sind, sind im Ernste staunenerregend. Der Hochaltar ist ein vollendetes Meisterwerk der Skulptur. Auch das Hauptgemälde der Dreieinigkeit zeichnet sich durch den erhaben sanft gehaltenen Charakter wahrhaft grossmeisterlich aus. Fürwahr, das freilich wohl irrige Bild der Dreieinigkeit haben wir noch nie meisterlicher gemalt gesehen wie hier. Merkwürdig ist die bildliche Darstellung dadurch, dass der Vater und der Sohn die Köpfe beinahe ganz aneinander halten, darum die Köpfe denn auch in dem licht gehaltenen Dreiecke sich befinden. Über den zwei Köpfen auf der obersten Ecke ist die Taubengestalt des hl. Geistes so angebracht, dass die Taube in diesem obersten Dreieck zu sitzen scheint und ihren Kopf hinabneigt zwischen die beiden Köpfe.

8. Dann ist noch bemerkenswert, dass unter der Dreieinigkeit Scharen und Scharen, auf Wolken knieend und betend, abgebildet sind. Wir erblicken unter diesen Seligen beinahe niemanden als die alten Propheten, die Apostel des Herrn, Maria und Joseph gleich unter der Dreieinigkeit, dann eine Menge uns wohlbekannter Märtyrer, nach denen aber lauter Päpste, Kardinäle, Bischöfe und Prälaten, einige berühmte Mönche, Kaiser, Könige, Fürsten, Grafen und Ritter, desgleichen auch weibliche Selige. Aber nicht ein seliger Landmann ist unter diesen zu erblicken.

9. Ihr sehet gut, aber doch habt ihr noch nicht alles gesehen. Da sehet nur hinab ganz ans unterste Ende der Tafel, da werdet ihr den Erdboden gemalt erblicken und eine Menge elender Landleute, welche ihre Hände zu diesen Seligen um Hilfe flehend emporhalten. Und noch etwas tiefer, da zeigt sich sogar das Fegefeuer, und eine zahllose Menge armer Landseelen streckt ihre Hände über den leckenden Flammen empor, um Hilfe zu den Heiligen im Himmel flehend. Dort, zur linken Seite des Bildes, ist gleich über der Erde eine ziemlich dunkel gehaltene Wolke gemalt und von der Erde ist eine Leiter an dieselbe angelehnt. Zu Ende dieser Leiter erschauet ihr ein doppelflügeliges Tor nach der Form der Mosistafeln, hinter dem Tore unsern Petrus und den Erzengel Michael, und auf der Leiter könnt ihr auch einige wenige im Aufsteigen begriffen erschauen, einige aber auch häuptlings von dieser Wolke vom Ende der Leiter herabstürzen sehen. Im Hintergrunde dieser dunkelgehaltenen Wolke erblicket ihr wohl auch einige knieende Selige; das sind die sogenannten Alleheiligen.

10. Sehet, sonach geht unserem Bilde nichts ab als bloss die Hölle. Da aber diese ausser aller Gemeinschaft und somit auch ausser allem Gedächtnisse aller dieser Seligen steht, so kann sie auch nicht einen Teil dieses Bildes ausmachen. Also hätten wir das Hauptaltarbild von oben bis unten genau besehen. Was fällt euch denn sonst noch auf? Ihr saget: Das schöne Tabernakulum, welches eine Gruppe künstlich zusammengestellter Seraphköpfe bildet. Dann das Tabernakel-Portalchen, den auferstandenen Christus darstellend, und wenn wir recht sehen, so ist dieser Christus halb durchsichtig, und man erschaut auf Seiner Herzensseite statt des Herzens eine recht prachtvolle Monstranze mit dem Sanktissimum durchschimmern. - Ja, so ist es auch, wie bildlich also auch werktätig. Die Liebe Christi stellt nun die Liebe zum Golde, Silber und Edelsteinen dar, und das Brot des Lebens hat sich mit diesen Hauptinsignien der Welt umkleidet.

11. Wenn du nun, guter Freund und Bruder, uns die Sache nur noch ein wenig deutlicher erklären möchtest, so könnte uns das durchaus nicht schaden.

12. O ja, solches kann ich ja tun. Fraget euch: Durch was müsste man denn hier gehen, wollte man zum Brote des Lebens gelangen? Zuerst durch den edelsteinernen Christus. Dieser bezeichnet aber nichts anderes als das tote Mauerwerk der Kirche oder die gemauerte Kirche. Wer nicht in diese eingetauft und eingefirmt ist, der kann nicht zu dem kirchlichen lebendigen Gnadenschatze gelangen, wer sich aber einmal in der gemauerten Kirche also befindet, der vergesse dann ja des Goldes und des Silbers nicht. Denn aus Silber und Gold sind die Schlüssel Petri. Bringt jemand Silber und Gold, so wird er auch zum Brote des Lebens zugelassen.

13. Ihr müsset zwar nicht denken, als müsste man für die Kommunion zahlen; denn die kleine Hostie bekommt ein jeder Kommunizierende, sooft er nur immer beichten will, umsonst. Aber will jemand die vollkommene Wirkung auch der grossen Hostie für sich gewinnen, da muss er zahlen, und das eine Segenmesse noch obendrauf, und muss zur Abhaltung mehrerer Segenmessen, wenn diese nach seinem Tode regelmässig sollen gehalten werden, eine glänzende Stiftung machen. Will er die abgehaltenen Segenämter noch kräftiger wirkend haben, so müssen sie noch dazu bei den privilegierten Altären abgelesen werden. Ich meine, aus diesem wenigen werdet ihr ohne viele Mühe ersehen können, wie man zu unserem erschauten Sanktissimum nur durch Silber, Gold und Edelsteine gelangen kann. Auf der Welt bezeichnet zwar dieses, nämlich Gold, Silber und Edelsteine, eine Ehrung Gottes und heisst: Omnia ad majorem Dei gloriam! Hier aber wird dieses anders verstanden und also übersetzt: Alles zu unserem grösseren Ansehen, zu unserer Verherrlichung und zu unserem stets wachsenden priesterlichen, reicher werdenden Vorteil; oder noch verständlicher: Lasset uns Herren sein auf der Welt, und ein jeder Kaiser neige sein Haupt unter unsere Fusssohlen.

14. Es liesse sich hier wohl sehr fragen, wo denn so ganz eigentlich unter dem Golde, Silber und Edelsteinen die wahre christliche Demut und Verachtung der Welt ruht, wo die Nächstenliebe, wo die Selbstverleugnung und wo: „Nehmet euer Kreuz und folget mir nach?“ Denn unter diesen goldenen, silbernen und edelsteinernen Aspekten hätte der Herr ja sagen müssen: Nimm dein Gold, Silber und Edelsteine und folge also glänzend reichbeladen Mir nach. Auch Petrus hätte nicht sagen sollen: „Gold und Silber habe ich nicht“. Und wieder hätte der Herr zum reichen Jünglinge nicht also spärlich reden sollen und am Ende noch gar dazusagen, dass ein Kamel leichter durch ein Nadelöhr ginge als ein Reicher in den Himmel. So ist denn alles verkehrt und zerstört; und die Kirche, welche sich die alleinseligmachende nennt, hat vom Christentume kaum noch den Namen.

15. Wer sich im Zeugnisse oder in einer anderen Urkunde nur „katholisch“ bezeichnet, braucht das Wort „christlich“ gar nicht hinzuzusetzen; setzt aber jemand das „christlich“ allein, so wird er für eine Art Kleinketzer gehalten und kann sich sogar kleinen Unannehmlichkeiten aussetzen. Jedoch lassen wir nun alles dieses beiseite, denn die Folge solcher grossen Irrtümlichkeiten liegt ja nun klar und offen vor euren Augen. Und da ihr den wahren Himmel kennet, so wird es euch hier sicher nicht schwer fallen, den grossen Abstand zwischen hier und dort auf den ersten Blick zu erkennen.

16. Ihr fraget zwar, warum denn der Herr solcher Irrtümlichkeit nicht ein baldiges und völliges Ende mache und warum Er solches schon ursprünglich zugelassen habe? - Ich aber sage euch, dass des Herrn Wege allzeit unergründlich und Seine Ratschlüsse ewig unerforschlich sind, und es genüge euch, dass ihr wisset, wie unendlich gut der Herr ist, von welch grosser Geduld und Erbarmung, und wie Er als die allerhöchste Liebe und Weisheit gar wohl und untrüglichst versteht, alle Gewächse zu ihrer Reife zu führen. Und wenn sie reif geworden sind, so weiss Er es, sie für Seine ewig liebevollsten und weisesten Zwecke allertauglichst und allerbest zu benutzen.

17. Ihr könntet ebensogut fragen, warum der Herr auch so viel Unkraut und reissende und giftige Tiere auf die Erde gesetzt hat, wovon ihr nirgends einen Nutzen erschauet. Ich aber sage euch: In allem diesem geht der Herr Seine unergründlichen Wege und folget allzeit Seinem Ratschlusse; und uns genügt es, lebendigst zu wissen, dass Er ein unendlich guter Vater ist. Und wissen wir das, da wissen wir auch, dass Er nichts eines argen Zweckes wegen geschaffen hat, sondern dass Er alles zu dem unaussprechlich besten Ziele lenket und ewig lenken wird! Ihr fraget, ob wir nun auch die übrigen Kirchenteile besuchen und besichtigen sollen? Solches ist nicht vonnöten, daher begeben wir uns in das eigentliche Kloster und machen da unsere Betrachtungen. Sehet, da kommt soeben ein freundlicher Augustiner aus der sogenannten Sakristei. Er grüsst und winkt uns, zu ihm zu kommen; also folgen wir auch seinem Winke! -


Hauptseite Die geistige Sonne GSO1-66 Kapitel