GSO1-45

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Hauptseite Die geistige Sonne GSO1-45 Kapitel

Mitteilungen Jesu Christi über die geistigen Lebensverhältnisse des Jenseits. Durch das Innere Wort empfangen von Jakob Lorber.


Kapitel 45 - Essen und Trinken der himmlischen Geister in der Entsprechung. Die himmlische Ehe.


1. Nun sehet, die ziemlich grosse Gesellschaft ist uns schon nahe; betrachtet nun die lieben Kinder, wie da eines himmlisch schöner ist als das andere! In eines jeden Physiognomie stellt sich euch eine andere Schönheit dar. Die männlichen Engel sind jugendlich kräftig, in ihrer Gesichtsbildung ist ein überaus weicher Ernst zu schauen. Ihre Augen sind gross, besagend, dass in ihnen viel Lichtes ist, ihre Nasen wohlgebildet und überaus zart gestellt. Diese besagen, dass sie einen überaus zarten und sehr scharfen Gefühlstakt haben. Ihr Mund ist weich und zumeist geschlossen, was besagt, dass die Weisheit verschwiegen ist. Ihr Kinn ist ebenfalls sanft und ohne Bart. Solches besagt, dass die eigentliche Weisheit offen ist und sich nicht umhüllt mit einem rauhbuschigen Mystizismus. Glatt und rund ist ihr Hals; solches besagt, dass die Wahrheit, nach ihrem Grundsatze betrachtet, etwas wohl Aufzunehmendes und in sich abgerundetes Ganzes ist. Sehet ferner die Weichheit ihrer Hände! Solches besagt, dass die Weisheit alles mit guter Vorordnung ergreift und nichts Unvollkommenes antasten mag.

2. Ihr saget hier: Es ist merkwürdig, dass sich hier das männliche Wesen nahe ebenso wie das weibliche in der schönsten abgerundeten Form zeigt, so zwar, dass man am Ende kaum weiss, woran man als selbst männlicher Geist ein grösseres Wohlgefallen finden könnte, ob an der überaus herrlichen männlichen Gestalt, oder an der weiblichen? Solches hat seinen Grund, meine lieben Freunde, in der wahrhaften himmlischen Ehe, und das zwar demzufolge, weil es in der Schrift heisst, dass der Mann und das Weib ein Fleisch sein sollen. Darum unterscheiden sie sich hier auch nur wenig und sind, wie es der Herr gesagt hat, alle gleich den Engeln Gottes!

3. Ihr fraget zwar, ob bei den Geistern hier nicht ein geschlechtlicher Unterschied obwalte? Ich sage euch: Solches ist hier ebensogut der Fall wie auf den Erdkörpern, und die Geister essen und trinken auch hier und verrichten daher auch ihre Notdurft. Ferner geniessen diese himmlischen Eheleute auch also wie auf der Welt die „ehelichen Freuden“; aber solches alles gestaltet sich hier, vom Gesichtspunkte der Bedeutung aus betrachtet, ganz anders denn auf den Erdkörpern.

4. So besagt das Essen und Trinken die Aufnahme des Göttlichguten und Göttlichwahren; und derjenige Akt, den ihr sinnlichermassen als den Begattungsakt kennet, besagt die Vereinigung des Liebeguten und Glaubenswahren zu einem liebtätigen Erspriessen. Die ganze Sache verhält sich hier so wie Ursache, Wirkung und Zweck. Wer alsdann wirken will, der muss ja zuvor das wirkende Prinzip als eine Grundursache in sich aufnehmen; und solches wird hier verstanden unter dem Insichnehmen der Nahrung.

5. Das Verdauen dieser Nahrung bewirkt und unterstützt das fortwährende Leben der Geister. Das Leben aber will nicht und kann nicht als ein isoliertes für sich allein dastehen, sondern es ergreift das ihm zusagende und entsprechende Objekt und teilt sich demselben also mit, dass dadurch aus gewisserart zwei Leben vollkommen eines wird. Dieses kann man unter dem Gesichtspunkte des Zweckes betrachten. Der Zweck aber wird dann zum Erspriessen, indem ein vereintes Leben ein in allem mächtiger wirkendes ist als ein für sich allein geeinzeltes, welches nicht als ein vollkommenes Leben betrachtet werden kann, weil sich in ihm unmöglich ein Zweck und sonach auch kein Erspriessen ausspricht. - Versteht ihr solches?

6. Ihr saget: Lieber Freund, einesteiles wohl; aber ganz klar will uns die Sache noch nicht werden. Nun gut; ich will euch die Sache noch ein wenig näher beleuchten. Ihr habt auch auf der Erde schon einen entsprechenden Akt, der da ähnlich ist dem Begattungsakte der Geister.

7. Was geschieht wohl, wenn ein lebensstarker Mann irgendein weibliches Wesen, von euch so genannt, magnetisch behandelt? Hier geschieht nichts anderes, als dass der Mann mit seinem kräftigen Geiste in den schwächeren Geist des Weibes eindringt, ihn dadurch aufweckt und mit seiner Kraft unterstützt, indem er sich mit demselben auf eine Zeitlang rapportierlich und zum Teil „fluidal“ vereinigt oder vielmehr mit demselben einen „geistigen Ehebund“ eingeht.

8. Was ist die Wirkung dieses Bundes? Wenn ihr nur einigermassen die vielfachen Erscheinungen auf diesem Gebiete betrachtet, so könnet ihr unmöglich etwas anderes sagen als: Der schwache weibliche Geist ist durch die mit ihm vereinigte Kraft des männlichen Geistes in einem sehr erhöhten Zustande kräftig geworden und kann in solchem Zustande Dinge leisten, die ein isolierter Geist im naturmässigen Zustande wohl höchst selten und dann nur sehr schwer zu bewirken vermag. Das Hellsehen, das sich und andere durchschauende Erkennen und, kurz gesagt, das kräftig helle geistige Durchdringen in sonst unerforschliche Schöpfungstiefen ist der Erfolg solcher Vereinigung.

9. Nun sehet, gerade also artet hier geistig der sogenannte Akt der Begattung. Diese ist ein Sichergreifen zweier sich innig verwandter geistiger Potenzen, und der Erfolg solches Ergreifens ist eben auch ein dem euch bekannten Akte entsprechender, den wir soeben besprochen haben. Nun saget ihr wohl, dass euch dieses klar ist; aber ihr fraget noch, auf welche Weise dieser Akt hier vollzogen wird der erscheinlichen Form nach. Ich sage euch, solch ein Akt wird der Erscheinlichkeit nach auf dieselbe Weise vollzogen, wie er bei den Ehegatten vollzogen wird; aber es ist dabei von irgendeiner Sinnlichkeit nie die allerleiseste Spur.

10. In der ersten Kirche, welche die adamitische war, wurde ein solcher Zeugungsakt von jenen Menschen, die damals mit den Himmeln in beständigem Verkehr gestanden sind, ebenfalls viel mehr auf eine geistige Weise denn auf eine sinnliche begangen. Bei Gelegenheit eines solchen Aktes wurden die beiden Ehegatten mehr denn sonst vom göttlichen Geiste durchdrungen, gerieten dadurch in einen leiblichen Schlaf, erweckten sich bald aus diesem naturmässigen Schlafe und wurden dann im Geiste eins und sonach auch völlig in den Himmel entrückt. Allda erst verrichteten sie den Akt der Zeugung und wurden nach demselben wieder sobald wie geschieden in die naturmässige Welt leiblich versetzt.

11. Aus dieser Ursache wurde damals dieser Akt auch der Einschlaf, Mitschlaf, auch Beischlaf benamset. Da aber mit der Zeit die Menschen durch allerlei Weltgenüsse naturmässiger und sinnlicher geworden sind, so fingen sie auch an, ohne geistige Vorbereitung in ihrer naturmässigen Sphäre den Weibern rein tiermässig beizuwohnen, gerieten dabei in keinen geistigen Schlaf mehr oder vielmehr in einen natürlichen Schlaf, damit der Geist frei würde. Darum wurden aber auch die Früchte als Zwecke der Ursache und Wirkung, wie eben die Ursache und Wirkung selbst bestellt war. Ihr saget ja selbst: Ex trunco non fit Mercurius. Wie ist es demnach wohl möglich, auf dem rein tierischen, naturmässigen Wege Früchte des Geistes zu zeugen? Ich meine, wenn ihr diese wichtige, althistorische, vollkommen wahre Darstellung nur ein wenig beachtet, so werdet ihr euch nun auch den rein himmlischen Begattungsakt richtiger und würdiger vorstellen können, als ihr solches sonst vermocht hättet, indem ihr diesen Akt zufolge seiner gegenwärtig rein sinnlischen Erscheinung, und zufolge des eben aus diesem sinnlichen Grunde erfolgten mosaischen Gesetzes, hinsichtlich der Unkeuschheit, notwendig als einen unlauteren und somit auch unheiligen betrachten müsset.

12. Dieses wüsstet ihr nun. Was aber besagt denn die der naturmässigen ähnliche geistige „Notdurftverrichtung“ der Geister? Was besagt denn die naturmässige? Sie besagt nichts anderes, als die Hinwegschaffung der formellen Äusserlichkeit, wenn diese als Trägerin lebenhaltender Substanzen eben diese Substanzen abgegeben hat. Nun sehet, das Leben kann sich unmöglich anders manifestieren und kundgeben als nur unter einer ihm entsprechenden Form. Diese Form entspricht aller äusseren häutigen Umfassung der Dinge. Sind auch diese Früchte, die ihr hier sehet, nichts als lauter lebendige Entsprechungen ursprünglich der Liebe und Weisheit des Herrn, - und dann aber, wie hier erscheinlich, auch Entsprechungen vom Glaubenswahren und Liebtätigkeitsguten, so können sie dennoch nicht ohne die erscheinliche Form dargestellt werden, so wenig als ein Gedanke ohne Wort darstellbar ist.

13. Wenn ihr demnach Worte höret, so esset ihr geistige Früchte; die Worte als Formen werden von euch gar bald wieder geistig hinweggeschafft, aber der Sinn der Worte bleibt in euch. Sehet, solches entspricht völlig dieser geistigen Notdurftverrichtung.

14. Die Formen sind die Träger des Lebendigen. Da aber das Lebendige pur Göttliches ist und somit das Allerinwendigste und sonach allerreinst Geistige, daher kann es auch von keinem äusseren Geiste ganz rein für sich aufgenommen werden. Darum erschafft der Herr dann entsprechende Liebformen, welche da Träger sind Seines Lebens. Wollen wir demnach dieses Leben in uns aufnehmen, so müssen wir es samt der Form aufnehmen. In uns erst wird die Form als der Lebensträger zerstört; das Leben wird dadurch frei und vereinigt sich sobald mit dem ebenfalls göttlichen Leben in uns, dasselbe lebendig stärkend und erhaltend. Die Form selbst, als zerstörte Hülse, aber wird dann nach der Ordnung des Schöpfers aus unserer ganz lebendigen Wesenheit hinausgeschafft.

15. Bei euch auf der Erde nennt man solches den „Unrat“; hier aber wird solches die Scheidung genannt. Bei euch ist die Form grobmateriell, bei uns ebenfalls geistig, daher alsogleich flüchtig und gänzlich verschwindend. - Da ihr nun solches alles wisset, so wollen wir uns denn nun wieder zu unserer zahlreichen überschönen Gesellschaft wenden.

16. Sehet, unser früheres Urgrosselternpaar steht schon bei uns, und er naht sich mir und spricht: Mächtiger Bewohner des ewigen Morgens, der du sicher ein gar lieblicher Freund des Herrn bist, siehe, wir haben nun alles verlassen und alle unsere Habe und unsere Kostbarkeiten hintangegeben nach deinem Rate. Du siehst, dass wir unser viele sind, und dennoch ist nicht eines darunter, das da hätte einen andern Sinn denn ich. Hier stehen wir nun demütigst vor dir, der du hier bist im Namen des Herrn; sage, was du willst, das da ist der Wille des Herrn, und wir wollen es tun!

17. Nun spreche ich zu ihnen: Liebe Brüder und liebe Schwestern! Lasset euch nicht gereuen euern Vorsatz in der Liebe zum Herrn und folget uns in Seinem Namen! - Sehet dorthin, jenseits dieses Stromes, allda ihr auf mehr unwirtbar scheinenden Hügeln in gerechten Entfernungen unansehnlich kleine Häuschen erschauet; dahin will ich euch führen und jeglichem geben seine Wohnung. Ihr werdet dort freilich wohl nicht so angenehm und herrlich wohnen, als ihr da gewohnt habt in diesem herrlichen Palaste. Aber sehet, ihr müsst euch solches angewöhnen, denn im ewigen Morgen in der beständigen Gegenwart des Herrn wohnt man nicht in solchen Palästen, sondern in gar einfachen, kleinen Hütten. Auch ist man nicht so herrlich gekleidet wie hier, sondern die wahren Kinder des Herrn gehen beinahe ganz nackt einher. Dort darf niemand müssig sein, sondern der Herr weiss Seine Kinder fortwährend vollauf zu beschäftigen.

18. Hier hattet ihr „selige Ruhe“ und den herrlich friedlichen Genuss alles dessen, was euch in so reichlicher Fülle ward; - dort aber wird man nicht also gehalten, sondern man muss sich förmlich gar eifrig und tätig das tägliche Brot verdienen.

19. Hier durftet ihr um nichts bitten und für nichts danken, denn frei aus Sich gab euch der Herr alles in der grössten Überfülle, dort aber werdet ihr allzeit den Herrn und den Vater bitten und Ihm danken müssen.

20. Hier hatte ein jeder wie ein Herr für sich seinen eigenen Tisch und konnte da essen und trinken nach seinem Wohlgefallen. Dort aber hat niemand einen eigenen Tisch, sondern alle müssen zum Tische des Vaters kommen.

21. Hier könnt ihr essen, was ihr wollt, dort aber wird es heissen: Esset, was euch aufgesetzt wird auf den Tisch.

22. Seid ihr mit diesem Austausche zufrieden, so folget mir! Jedoch sei dadurch eurem Willen nicht der allergeringste Zwang angetan.

23. Nun höret, die ganze Gesellschaft spricht: O grosser, lieber Freund des Herrn, besässen wir hier tausend solcher Paläste, so würden wir sie verlassen, wenn wir nahe der Wohnung dieses grossen, heiligen Vaters nur als die allerletzten und allergeringsten Diener sein dürften! Alle Bedingungen, die du uns gesetzt hast, sind ja zu gross und zu erhaben für uns. Wenn wir nur der Brosamen vom Tische des Herrn gewürdigt werden, so wären wir dadurch ja schon namenlos glücklicher denn hier, da wir bei all dieser grossen Herrlichkeit gerade dessen entbehren müssen, was allein die allerhöchste Seligkeit aller Engel ausmacht, und dieses ist die Anschauung des Herrn, der da ist ein heiliger Vater derjenigen gar vorzüglich, die bei Ihm im Morgen wohnen.

24. Wir sind zwar auch hier des Herrn ansichtig in der heiligen Gnadensonne über uns; aber den Vater unter Seinen Kindern können wir nicht erschauen! -

25. Also führe uns nur, wohin du willst, und bestelle uns nach deiner himmlischen Ansicht; wir wollen dir folgen!

26. Nun spreche ich: Also folget mir über diesen Strom in jenes Hügelland. Scheuet nicht die Wogen, die sonst euch nicht zu tragen vermochten; weil eure Grundlage nicht der eigentliche „Grund des Lebens“ war, nämlich die Liebe zum Herrn. Nun aber ist diese eure Grundlage geworden, und so wird euch das Gewässer des Stromes tragen; denn es besagt ja eben solchen Grund. Nun sehet, wie sie uns alle folgen, und wie das Gewässer des Stromes sie trägt als ein fester Grund!

27. Und so denn wollen wir gemeinschaftlich uns auf jenes Hügelland begeben und allda unsere Gesellschaft placieren, und dann ein wenig zusehen, was da alles vor sich gehen und wie sich die Gesellschaft alldort zufrieden finden wird.


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