GSO1-42

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Hauptseite Die geistige Sonne GSO1-42 Kapitel

Mitteilungen Jesu Christi über die geistigen Lebensverhältnisse des Jenseits. Durch das Innere Wort empfangen von Jakob Lorber.


Kapitel 42 - Unterschiedlich schnelle Reisen im Jenseits.


1. Ihr fraget mich zwar und saget: Aber, lieber Freund! Werden wir uns nicht zuvor bei den lieben Einwohnern dieses Hauses beurlauben und ihnen unser Wohlgefallen zu erkennen geben, darum sie uns gar so liebevoll aufgenommen haben? Meine lieben Freunde, es tut mir recht leid, dass ihr mich dessen nicht früher erinnert habt, denn nun befinden wir uns schon auf der Höhe einer dieser euch früher sichtbaren Alpen, und unser Häuschen ist weit zurück! Das nimmt euch wohl ein wenig wunder und ihr saget: Aber, lieber Freund, wie geht denn das zu, dass wir hier gar so gedankenschnell wandern, während wir in der nördlichen und abendlichen Gegend sichtbar nur von Schritt zu Schritt mit seltener Ausnahme gewandert sind? Wir wissen zwar schon aus früheren Erfahrungen, dass man im Geiste so schnell wandeln kann, wie schnell da ist der Gedanke. Solches ist also nicht das Befremdende. Aber dass wir gerade in derjenigen Gegend, die in sich selbst sehr mager war an allen Erscheinungen, die man zu den schönen und herrlichen zählen kann, von Schritt zu Schritt gewandelt sind, dagegen in dieser himmlischen Gegend, all das Herrliche nahe unbeachtend, so schnell vorwärtsblitzen, das ist's, was uns befremdet!

2. Meine lieben Freunde, ihr urteilt nach eurer Weise wohl ganz richtig, aber nicht nach der geistigen. Wenn wir in diesem grossen Reiche der Geister uns in jenen Gegenden bewegen, welche vermöge ihrer Zuständlichkeit mehr und mehr dem Naturmässigen entsprechen, so ist eben in diesen Gegenden alles gehemmt und unser langsamer Gang in solchen Gegenden bezeichnete daher auch ganz gründlich und anschaulich die mühsamen Fortschritte des Geistes. Je tiefer wir uns in solche Gegenden verloren hatten, desto mühsamer auch und viel langsamer ward unser Gang. Hier aber, wo der Geist schon seine völlige Freiheit geniesst, ist er solcher Fesseln ledig; daher ist sein Vorwärtsschreiten um vieles ungehinderter und daher auch schneller.

3. Ihr saget zwar: Lieber Freund! Solches ist alles richtig, gut und wahr; aber wir erinnern uns, dass wir pro primo in der nördlichen Gegend doch einmal einen schnellen Gebirgsausflug gemacht haben, und dann waren wir aus der Hölle ebenfalls überaus schnell im Kinderreiche zurück, und vom Kinderreiche hierher dauerte unsere Reise auch nur einen Augenblick. Wie ist demnach solches zu verstehen? - Meine lieben Freunde! Das sollte mich im Ernste wundernehmen, dass ihr solches noch nicht verstehet, nachdem ihr ganz Ähnliches doch schon oft mit der Bildung eures Geistes auf der Erde erfahren habet. Ich will euch nur durch ein Beispiel darauf aufmerksam machen, und ihr werdet diese drei Erscheinungen von euren beanstandeten Schnellreisen sogleich gründlich einsehen und völlig begreifen.

4. So ihr z.B. im Fache der Mathematik oder einer anderen Wissenschaft unterrichtet waret und hattet bei solch einem Unterrichte irgendeinen schwer zu fassenden Hauptsatz euch analytisch erweislich zu eigen zu machen, an dessen völliger Auffassung beinahe das Ganze einer Wissenschaft gelegen war, da hat es euch gewiss recht viel Mühe gekostet, bis ihr einen solchen Satz völlig begriffen habt; ja ihr musstet da von Punkt zu Punkt langsamen Schrittes vorwärts schreiten. Was geschah aber, wenn ihr solch einen Hauptsatz völlig begriffen hattet? Hat da nicht euer Geist eben dadurch einen schnellen Aufflug getan und dann mit grosser Schnelligkeit sich auf einen Standpunkt gesetzt, von welchem aus er das früher mühsam Durchforschte und Durchwanderte auf einen Blick übersah? Aber nicht nur das allein, sondern er erspähte auch in diesem begriffenen Satze noch andere, ihm vorher ganz fremd gewesene Folgerungen und ward somit zufolge solch eines schnellen Auffluges ein Selbstseher, ein Forscher, ein Erfinder und sogar ein Schöpfer künftiger Wahrheiten! - Begreifet ihr nun solch einen schnellen Aufflug?

5. Sehet, also ist es durchaus im Geiste; denn was ihr auf der Erde eine geistige Arbeit nanntet oder eine Arbeit der Gedanken, das ist hier im Reiche des Geistes formell wirklich. Wir gingen dann wieder langsamen Schrittes gegen den Abend hin, lernten bei diesem Gange allerlei Verhältnisse kennen, gelangten auf diesem Lehrwege sogar in die unterste, für euren Geist ersteigbar mögliche Tiefe. Alles musste vor euch zergliedert werden bis zur untersten Löse; - was hat euer Geist dadurch getan? Er hat einen zweiten wichtigen Satz erlernt. Durch die Erlernung dieses wichtigen Satzes war dann wieder ein zweiter schneller Aufflug möglich.

6. Wir kamen an das Kinderreich, und zwar an dessen äusserste Grenze. Da mussten wir noch einen dritten wichtigen Zwischensatz einstudieren, welcher aber eine gar wichtige Verbindung hatte mit all dem Vorhergehenden und als ein tüchtiges Prognostikon für das Folgende des Mittags diente. Da ihr solchen wichtigen Zwischensatz bald und leicht begriffen habt, so war auch der darauf folgende schnelle Aufflug des Geistes in diese Lichtgegend ebenfalls so gegründet wie all die anderen.

7. Wir sind nun in der Gegend des höheren Lichtes. Wie kann es euch wundern, wenn allda unsere Fortschritte für den viel fertiger und geübter gewordenen Geist schneller sind denn in den vorhergehenden zwei Gegenden? Ich sage euch aber: Hier machen wir nur noch kurze, obschon schnelle Schritte; doch in der Gegend nicht weitere, als wie weit das Auge unseres Geistes reicht.

8. Wenn wir uns aber von dieser Gegend dem Morgen nähern werden, da werden wir noch ums Unendlichfache grössere und schnellere Bewegungen machen. Und sehet, solches ist wieder geistig ganz natürlich. Solches ist ja ebenfalls schon bei den geweckteren Geistern auf einem Weltkörper deutlich zu erschauen, allda ein geübter Denker einen Gegenstand, den man ihm zur Beurteilung vorlegen wird, gar schnell erfassen und in all seinen Teilen tüchtig und gründlich zergliedern wird; nur muss er noch immer einen Gegenstand vor sich haben, denn ohne einen solchen Gegenstand hört die Tätigkeit seines Geistes auf.

9. So können auch wir die erschauten Räumlichkeiten hier schnell durchwandern. Wenn aber der Geist in einen noch viel freieren und ungebundeneren Zustand gerät, befasst er sich nicht mehr mit der Zergliederung des gegebenen Gegenständlichen, sondern da er zuvor aus dem Gegenständlichen allenthalben die Potenzen des Unendlichen gefunden hat, so wird auch sein Blick ein endlos tiefer und seine Schnelligkeit oder sein Fortschritt endlos fertiger. - Begreifet ihr solches alles wohl? Ihr bejaht es, und ich sage: Es ist gut, und wir können darum unsere Blicke von dieser schönen Höhe sogleich wieder vorwärts in die vor uns liegende noch bei weitem schönere Gegend wenden.

10. Ihr wundert euch wohl, dass wir von diesem schönen, hohen Gebirge, das wir ehedem von unserem schon bekannten Wohnhäuschen in weiter Ferne erschauten, nun nach vorwärts ganz eben hinsehen und schauen von keinem Gebirge in ein Land hinab, sondern nur über die schönsten, weit gedehnten, allerfruchtbarsten Fluren von unserem Standpunkte ganz eben hinweg. Noch mehr verwundert ihr euch aber über den von euch schon früher erschauten Strom, wie dieser da in einer überaus schönen Breite frei und offen über das Gebirge herauffliesst.

11. Ihr saget: Aber, lieber Freund, das geht ja offenbar unnatürlich zu! Ihr habet recht, solange ihr solch eine Erscheinung mit weltlichem Auge betrachtet; aber mit geistigem Auge betrachtet verhält sich die Sache ganz anders und ist dabei dennoch gerade so natürlich, als wie natürlich es auf einem Weltkörper ist, dass sich das Gewässer von der Höhe in die Tiefe hinabstürzt.

12. Ihr fraget: Wie so denn? Solches mögen wir nicht recht begreifen. Das denke ich wohl auch; aber dennoch solltet ihr schon so weit sein, dass ihr auch diese Erscheinung von euch aus begreifet. Saget mir: Warum fliesst denn auf den Weltkörpern das Wasser in die Tiefe? Ihr saget: Vermöge der ihm innewohnenden Schwere. Was bedingt denn die Schwere des Wassers? Ihr saget: Die anziehende Kraft des Haupt- und Mittelschwerpunktes der Erde oder eines anderen Weltkörpers. Gut geantwortet! Wenn der allgemeine Mittelschwerpunkt der Erde die Schwere und somit auch das Hinabfliessen des Wassers in die Tiefe bewirkt, was erkennet ihr demnach in dieser geistigen Gegend für einen solchen allgemeinen, alles an sich ziehenden Gravitationspunkt? Ist es nicht der Herr, der da wohnt in der Höhe aller Höhen!? - Sehet, aus diesem Grunde ist hier auch das Fliessen des Wassers über die Höhen hinauf ja ebenso geistig natürlich, als wie natürlich auf den Erdkörpern das Hinabfliessen des Wassers ist. Solches begreift ihr nun auch; so werdet ihr hoffentlich auch begreifen können, was dieses Gebirge besagt und das von selbem nun eben ausgehende Land.

13. Ihr saget zwar: Wir haben wohl so eine leise Ahnung; aber ganz bestimmt könnten wir uns darüber noch nicht aussprechen. Ich aber sage euch, dass solches eben von euch aus sehr wunderbarlich klingt; warum habt denn ihr bei einem mehrere Stock hohen Hause Stufen angebracht, und wozu sollen diese dienen? Ihr lächelt und saget: Das ist ja ganz natürlich; wie könnte man sonst von einem untern Stockwerk in ein höheres gelangen? Man müsste sich nur mühsam durch einen Strick aufwärtsziehen lassen. - Nun gut; wenn ihr schon eure Häuser auf der Welt so natürlich bequem einrichtet, meint ihr wohl, der grosse Baumeister müsste euch etwa in eurer guten Einsicht nachstehen?

14. Habt ihr nie gehört, wie es einst dem alten Jakob geträumt hat von einer Leiter, auf welcher Engelsgeister auf- und abstiegen und zuoberst derselben Sich der Herr befand? Sehet, da haben wir schon eine Sprosse oder eine Staffel von eben dieser Himmelsleiter. Da aber eine jede solche Stufe dieser Himmelsleiter um sehr Bedeutendes mehr sagen will als eine Stufe eurer Häusertreppen, so sehen wir auch auf dieser ersten Stufe des Wunderbaren und Herrlichen eine endlose Anzahl, werden aber dasselbe erst bei der nächsten Gelegenheit näher beschauen; und somit gut für heute!


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