GSO1-14

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Hauptseite Die geistige Sonne GSO1-14 Kapitel

Mitteilungen Jesu Christi über die geistigen Lebensverhältnisse des Jenseits. Durch das Innere Wort empfangen von Jakob Lorber.


Kapitel 14 - Der Ringwall in der Entsprechung. Gestalten der verschiedenen christlichen Kirchen.


1. Wenn ihr unserem Ringwall eine bedeutendere Aufmerksamkeit schenket, so werdet ihr sehen, dass innerhalb desselben nicht nur eine, sondern mehrere Bahnen am inwendigen Flächenrande den Anfang nehmen und schnecken- oder spiralförmig sich gegen das verschlossene Gezelt drehend hinaufziehen. Wenn ihr noch aufmerksamer hinsehet, so werdet ihr dazu noch entdecken, dass alle diese Bahnen auf eine wohlberechnete Weise gegen das Gezelt also angelegt sind, dass man auf gar keiner zur Eingangstür in das Zelt gelangen kann. Dennoch heisst es am Rande der bedeutenden Fläche: Wer da die schmalste Bahn ersehen kann und dann, ohne sich auf eine Seitenbahn zu verirren, fortwandelt, der gelangt sicher und unfehlbar in das Gezelt, allda ein grosser Lohn seiner harret.

2. Was etwa doch diese sonderbare Schneckenbahn - Durchlauferei besagt? Ich will darauf keine absolute Antwort geben; ihr werdet sie ohnehin finden, so ihr die Sache näher betrachtet haben werdet. Sehet somit nur recht aufmerksam hin auf diesen zwar törichten, aber eben in diesem Törichten vielsagenden Tummelplatz!

3. Sehet, wo immer eine solche Bahn von aussen nach einwärts beginnt, da auch befinden sich ein sogenannter Bahnchef, ein Bahndirektor und noch eine ziemliche Menge anderer Helfershelfer. Sehet, wie sie alle ausserordentlich ernste und ganz wichtige Mienen machen. Auf dem breiten Walle sehet ihr eine grosse Menge Menschen beiderlei Geschlechtes. - Sehet, wie dort bei einem Bahnanfange die sämtlichen Bahninteressenten und hauptsächlich der Bahnchef ihre Bahn als die allein richtige anpreisen und sagen: daher kommet alle! Diese Bahn ist die allein richtige, auf welcher ihr ganz sicher zu der Türe des Gezeltes und somit auch in das Gezelt selbst gelangen könnet wo ein unermesslicher Preis euer harret! - Aber sehet, gleich der nächste nachbarliche Bahnchef schreit und sagt den Gästen: Lasset euch nicht anführen! Zahlet uns das viel billigere Bahngeld, denn unsere Bahn ist die älteste, somit auch approbierteste; auf ihr sind schon so viele Tausende und Tausende in das Gezelt gelangt und haben sich dort ihren hohen Preis abgeholt. Doch der erste Bahnchef erhebt sich sogleich, ganz gewaltig protestierend, und warnt auf das Allerdringendste die Gäste, den betrügerischen Lockungen des zweiten Bahnchefs zu folgen. Der zweite Bahnchef steht ganz erregt auf gegen solche Verunglimpfung und schreit mit gewaltiger Stimme: Ich sage nicht, dass ihr hierher gehen sollt; ich stelle es nicht eurem freien Willen anheim, ob ihr auf dieser meiner Bahn gehen wollt oder nicht, sondern weil ich wohl weiss, dass meine Bahn die älteste und alleinrichtige ist, so will ich euch bei den Haaren dazuziehen. Es ist traurig genug, dass man solchen Dummköpfen, wie ihr seid, solch ein namenloses Glück ordentlich mit Gewalt auf den Rücken nachwerfen muss! Wieder erhebt sich der erste Bahnchef und schreit über die Massen: Folget nur diesem meinem Nachbar. Ihr wisset aber nicht, dass seine Bahn in der Nähe des Zeltes einen verborgenen und überdeckten Abgrund hat, in welchem ein jeder unwiederbringlich zugrunde geht, der diese Bahn wandelt. Bei solcher Äusserung erhebt sich der zweite Bahnchef noch gewaltiger, sendet, ohne ein weiteres Wort zu reden, seine Adjunkten hinauf auf den Wall, lässt von ihnen eine Menge gewaltsam zusammenfangen und sie auf seine Bahn hinziehen. Wenn sie den Bahnzins entrichten wollen, da tut er prahlerisch grossmütig und sagt: Ich nehme von euch nichts an, sondern ich will nur euer Glück; und so wandelt denn diese meine Bahn. Ihr könnt laufen und langsam gehen, wie ihr wollt, und ich hafte euch mit allem dafür, dass ihr auf dieser meiner Bahn nirgends einen verderblichen Abgrund treffen, sondern alle wohlbehalten in das Zelt gelangen werdet. Nur mache ich euch das zur Bedingung, dass ihr ja nicht aus meiner Bahn tretet. Tretet ihr unvorsichtiger oder eigenmächtiger Weise aus derselben, dann stehe ich für nichts gut, denn auf jeder andern Bahn gelanget ihr statt in das Gezelt auf irgendeinen verdeckten Abgrund. - Und so sehet ihr denn die Menge fortwandeln.

4. Aber sehet, gleich daneben ist schon wieder ein dritter Bahnchef. Der schlägt zwar keinen Lärm, macht dabei ein ganz gutmütiges und mitleidiges Gesicht und die Gäste fragen ihn, warum er solches tut, was ihm denn so sehr am Herzen liegt? Und dieser ruft ihnen ganz bescheiden mit stilleren Worten zu und sagt: Wer sollte da nicht traurig sein?! Diese Armen gehen ja alle den falschen Weg, während doch nur dieser der allein richtige ist und beinahe schnurgerade zur Türe des Gezeltes hinlenkt. Ich sage euch nicht: Kommet hierher; sondern wenn ihr es allenthalben werdet erfahren haben, dass ihr nichts erreicht habt als eine vergeblich leere Plackerei, so werdet ihr euch schon selbst zu meiner Bahn verfügen. Ich sage euch: Mir ist es sogar nicht einmal recht, so jemand zu meiner Bahn läuft und macht dadurch meine ränkesüchtigen nachbarlichen Bahnchefs eifersüchtig. Wenn er sich überall überzeugen wird, dass er geprellt worden ist, wird er ohnehin zu mir kommen und wird mir noch gern einen hohen Bahnpreis bezahlen, so ich ihm nur meine Bahn eröffnen will.

5. Aber sehet da einen vierten Bahnchef, wie er heimlich verschmitzt auf seinen Nachbar herübersieht, seinen Kopf schüttelt und endlich spricht: Nur zu! Wer zuletzt lacht, lacht am besten. Ich sage euch, meine Adjunkten, lasset alle diese Wallgäste unangefochten. Sollen die Narren machen, was sie wollen; wir laden ja keinen ein, sondern übersteiget den Wall hinaus ins Freie. Dort draussen fischet und bringet sie daher. Wenn diese auswendigen Dummköpfe sobald hierher gebracht werden, da sind wir wohl sicher, dass sie keine andere Bahn suchen werden und keine andere betreten als die unsrige. Wir pflanzen nur eine Fahne auf mit der Inschrift: Einzig richtige Bahn zum Ziele!, machen dabei aber so wenig Spektakel als möglich, und die fetten Fische gehören alle uns!

6. Sehet aber weiter! Daneben ist schon wieder eine andere, ganz schmale und dürftig ausgestattete Bahn. Der Bahnchef sitzt gar kümmerlich am Eingang und scheint sich um niemanden zu kümmern; seine wenigen Adjunkten folgen seinem Beispiele. Sehet, wie sich mehrere Gäste zu diesem Bahnchef hinunterziehen und ihn ganz verstohlen fragen: Wie steht es mit deiner Bahn? Er sagt darauf gar nichts als nur die wenigen Worte: Meine Bahn spricht für sich selbst; wer sie wandeln will, der wird sich überzeugen, ob sie ihn zum Ziele bringen wird oder nicht. Diese sonderbaren und geheimnisvollen Worte machen viele stutzen, und bei ihm fangen bedeutend viel Bahngäste an, sich einzufinden.

7. So sie um den Preis fragen, da sagt er: Hier ist kein Preis, sondern wer diese Bahn betreten will, der gebe alles, was er hat, denn er wird auch alles wiederfinden; ich für mich aber brauche nichts! Diese Bedingung macht dann die Bahnlustigen wieder stutzen, und es zieht sich einer um den andern wieder auf den Wall zurück.

8. Aber sehet, daneben ist gleich wieder eine andere Bahn. Sie hat einen ganz griesgrämigen alten Bahnchef. Dieser hat eine förmliche Einnahmskasse vor der Bahn aufgerichtet. Er ladet zwar niemanden ein, aber wer dahin kommt und fragt ihn: Was ist das für eine Bahn, und führt sie wohl in das Gezelt? zu dem spricht der Bahnchef ganz leise und geheimnisvoll: Freund, es war noch keine Bahn als diese, und diese allein ist die älteste und verbindet sich mit der Pforte des Gezeltes. Willst du sie wandeln, so wird es dein Schade nicht sein; nur musst du das Bahngeld, welches so und so viel beträgt, in feiner, klingender Münze bezahlen. Dafür aber bekommst du einen Wechsel gleichlautenden Wertes. Wenn du die Bahn richtig wandelst und dich am Wege nicht von einer andern verlocken lässt, so kommst du ohne weiteres ins Gezelt und machst somit den Haupttreffer. Solltest du dich aber doch verirren, so hast du dabei noch gute Hoffnung, denn mit diesem Wechsel in der Hand wirst du dennoch für deine hier eingelegte klingende Münze allzeit so und so viel an Interessen zu beziehen haben. Dieser Bahnchef, wie ihr sehet, hat einen sehr bedeutenden Zulauf von gross und klein, aber nicht etwa der Bahn wegen, sondern allein des reinen Geldgeschäftes wegen; daher strotzt er von Gold und Silber und allerlei Edelgestein. Was aber das Gezelt betrifft, um das bekümmert er, der Chef, sich sozusagen nicht im geringsten mehr, denn seine Sache sind nur Geldgeschäfte. Und so denn machen sich auch seine Bahnwandler eben nicht viel daraus, ob sie das Gezelt günstig erreichen oder nicht, denn sie haben ja die Wechsel in ihren Händen.

9. Aber sehet ferner hin; da gibt es noch mehrere wenig betretene Bahnen. Ihre Bahnchefs werden von den Hauptbahnchefs gewisserart nur geduldet; daher sitzen diese auch ganz still bei ihren Bahnen. Kommt ein Wallfahrer zu einem oder dem andern, so ist es wohl und gut; kommt aber niemand, so lassen sie sich darum auch kein graues Haar wachsen. Sie stehen im Grunde nicht auf den Bahnertrag an, sondern sie unterhalten sich so ganz gemächlich mit ihren allerlei Krambuden, die sie bei ihren Bahnen aufgestellt haben. Werden sie von jemandem heimlich gefragt: Ist diese deine Bahn die richtige? so sagen sie ganz gleichgültig: Wenn diese nicht die richtige ist, welche soll es denn sein? - Und sehet, so ist diese Kreisbahnebene umlagert von lauter Bahnchefs, Grossen, Schreienden, Beklagenden, Schweigenden, Heimlichtuenden; mit Ausnahme einer einzigen Bahn, welche nämlich die schmalste ist, findet ihr überall Wandler und Zielsucher. Da aber zu Ende alle Bahnen eingezäunt sind, so geschieht es, dass alle diese Bahnwandler am Ende an die Wand des Gezeltes anstossen. Zur Türe gelangt keiner. Und so viele ihr eilig dahinwandeln sehet, ebenso viele werden an der schroffen Wand abgestumpft und suchen umkehrend wieder die Freiheit, indem sie durch ihr Bemühen nichts erreicht haben. Alles drängt sich hin zu jenem Bahnchef, der gegen klingende Münzen Wechsel ausstellt. Und sehet, sogar alle die übrigen Bahnchefs senden unvermerkt ihre Adjunkten mit Beuteln voll Silbers und Goldes hin und lassen sich von ihm dafür Wechsel ausstellen.

10. Aber nur zu unserm armseligen Bahnchef, der am Eingang der engsten Bahn ruht, begibt sich niemand hin. Dieser allein hat somit auch wenig zu tun, und so noch jemand hingehen will, so wird er entweder verlacht oder aber von den ersteren Bahnchefs gewaltsam davon abgezogen.

11. Nun aber sehet noch einmal hin, wie auf dem Wall eine bedeutende Menge tüchtiger Späher sich aufgestellt hat, und verfolgen mit ihren Augen die schmale, völlig unbetretene Bahn. Einige darunter sagen: Sehet hin, eine Bahn führt richtig zur Türe. So aber alle die Bahnen rings umher an die blanke Wand nur führen, wer weiss, ob nicht gerade diese schmale Bahn zur Türe führt?

12. Sehet, eine Menge zieht sich schon um den Wall herum und verfolgt mit ihren Augen die Bahn. Die Bahnchefs begreifen nicht, was dieses Herumwandeln bedeutet. Aber wehe allen, wenn diese glücklichen Spione den richtigen Gang der schmalen Bahn werden ausgekundschaftet haben. Dann wird es arg mit ihnen sein, denn sie werden zur Rechenschaft gezogen werden. Alle ihre Bahnen werden zerstört und gleichgemacht werden der engen Bahn; und der unansehnlichste Bahnchef wird alles Geschäft an sich ziehen. -

13. Daher wundert euch nicht, dass man auf dem Ringwalle schon häufig ein Gelächter vernimmt, besonders über die am meisten schreienden Bahninhaber. Solches Gelächter hat seinen guten Grund, und ihr könnet es glauben: Alle diese gegenwärtigen Hauptbahnen müssen mit Hohn und Gelächter belegt werden; alle ihre Bahnlehren und grossen Verheissungen müssen zuschanden werden, wenn die Hauptlinie gefunden wird! Glaubet es aber, wie euch diese geistige Erscheinlichkeit lehrt, also verhält es sich auch in der Tat.

14. Es gibt schon gar viele scharf sehende Bahnforscher auf dem Walle, und sie haben nurmehr die letzte halbe Schneckenbahnwende zu erforschen. Wenige Blicke und Schritte mehr, und ihr werdet die schmale Bahn ganz reichlich betreten erblicken! - Ihre Wandler werden unfehlbar zur Türe und ins Gezelt gelangen, werden da die grossen Schätze nehmen und sie zeigen allen Gästen.

15. Wenn solches geschehen wird, dann wird es auch geschehen sein um alle anderen Bahnen. Die Gäste werden über alle die Bahnen hereinbrechen, alle Zäune niederreissen und sich so von allen Seiten der Türe des Gezeltes nahen!

16. Es braucht kaum näher bestimmt zu werden, dass die erstbesprochene Bahn das Hierarchentum, die zweite die griechische Kirche, die dritte die protestantische, die vierte die englische Kirche bezeichnet; und dass die anderen kleineren Bahnen noch verschiedene andere Sekten bezeichnen. Wenn ihr nun solches wisset, so wisst ihr somit auch alles, was da dieses Bild bezeichnet. Und so ihr es recht beachtet, wird euch wieder noch eine bedeutendere und grössere Löse dessen werden, was ihr geschaut habt in der Sphäre des sechsten Geistes. - Nächstens das vierte Bild; und somit gut für heute!


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