GSO1-101

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Hauptseite Die geistige Sonne GSO1-101 Kapitel

Mitteilungen Jesu Christi über die geistigen Lebensverhältnisse des Jenseits. Durch das Innere Wort empfangen von Jakob Lorber.


Kapitel 101 - Führen, Ziehen und Tragen in geistiger Bedeutung.


1. Ich merke, in euch steckt eine geheime Frage, welche also lautet: Bezüglich der höchst erfreulichen Wendung des Priors waltet eine kleine Dunkelheit ob, hinsichtlich deren es sich darum handelt, die Sache des Priors vom eigentlichen, wohlerleuchteten Hauptzentrum zu fassen und richtig zu begreifen. - Der Herr hat ehedem ohne irgendeine vorbestimmende Bedingung dem Prior das Weib und himmlische Gut zugesagt und ihn gleich den anderen zu dem Behufe auch vollkommen gesegnet, ihm dabei auch ohne einen bedingenden Rückhalt seine Bestimmung und sein himmlisch amtliches Los ganz bestimmt vorgezeichnet, also wie Er es all den Übrigen vorgezeichnet hat. Er hat ihm wie den anderen die bestimmt göttlich himmlische Weisung gegeben, wie sie mit ihren himmlischen Engelsweibern zu leben haben und zeigte es ihm auch gleich den anderen an, dass Er allzeit persönlich wesenhaft jedem sobald erscheinen wird, sobald Ihn einer oder der andere mit aller Macht und Stärke seiner Liebe erfassen wird. In allen diesen himmlischen Verordnungen gibt der Herr dem Prior auch nicht den leisesten Wink, als hätte Er irgendeine sobald folgende höhere Absicht mit ihm.

2. Wie kommt es denn nun, dass es auf einmal für den Prior mit der klar gesetzten Bestimmung ein Ende hat, und er und sein Weib bekommen ihr vom Herrn in diesem Himmel bestimmtes Gut nicht einmal zu sehen, sondern werden sogleich vom Herrn in den allerhöchsten Himmel geführt?

3. Dieses ist etwas schwer zu begreifen, weil der Herr vorher, zufolge der bereitwilligen Annahme des Lohnes, sie alle samt dem Prior gesegnet und somit durch diesen Segen Seinen göttlich festen Willen mit den Beseligten, das heisst mit dem freien Willen der Beseligten vollkommen übereinstimmend ausgesprochen hat.

4. Wenn Menschen so schnell einen Plan wechseln, so ist solches wohl gar leicht aus der Unvollkommenheit ihrer Erkenntnis zu erklären. Aber von der göttlich allerweisesten Seite ist solches, wie gesagt, etwas schwer zu begreifen, da der Herr doch sicher ganz bestimmt weiss, was es ist, darüber Er Sich höchst willensbestimmt ausspricht.

5. Liebe Freunde und Brüder, sehet, eure geheime Frage ist auf bedeutende Doppelschrauben gestellt, aber dennoch lässt sich die Sache gar wohl vermitteln; denn darum ist auch eben diese Begebenheit so geleitet, damit ihr an derselben einen kleinen fruchtbringenden Anstoss nehmen sollet.

6. Wenn ihr zurückdenket an jene Begebenheit im Kloster, als nach der Erlösung der seelenschlafenden Brüder hinter der Kluft unser Prior, wie kein anderer neben ihm, seinen noch unbekannten Mann aus übergrosser Liebe und Dankbarkeit umfassen und ihn zum Tische hintragen wollte. Wenn ihr euch erinnert, wie der schlichte Mann solches ablehnte und im Verlaufe der Ablehnungsrede ein gewisses geheimnisvolles „Vielleicht“ ausgesprochen hat, durch welches Er dem Prior gewisserart zu verstehen gab, als hätte dieser Ihn schon einmal in seinen Händen getragen, so wird es bei einer gewissen näheren Betrachtung dieser Szene nicht gar zu schwer werden, diese jetzige Begebenheit zu begreifen.

7. Die Sache mag euch wohl im Anfang etwas stutzen machen, aber bei uns im himmlischen Geisterreiche ist nicht immer da eins, zwei, drei, wo es bei euch auf der Erde so ist. Ihr dürftet aber auf der Erde dann und wann siebzig, dreihundert, fünfzehn zählen, und das wird bei uns dann eins, zwei, drei sein.

8. Noch mehr beleuchtet: Ein Mensch lebt auf der Erde in einem südamerikanischen Länderteile, ein anderer in einem Winkel von Sibirien. Diese zwei sind in naturmässiger Hinsicht weit auseinander, aber nicht so in geistiger. Denn da können sie füglich sein wie eins und zwei, also fest nebeneinander.

9. Betrachten wir aber nun, was der Herr dem Prior durch das ominöse „Vielleicht“ bezüglich seiner Tragung im Grunde des Grundes hat sagen wollen, so wird uns unsere Sache sogleich zusammenhängender und klarer erscheinen. Was also wollte der Herr dem Prior damit gesagt haben? Höret! Der Herr wollte dem Prior dadurch gesagt haben:

10. Du meintest auf der Erde, Mich in deiner Brotesgestalt in deinen Händen getragen zu haben. Da hast du Mich aber nicht getragen. Aber du hast Mich mehrere Male ganz insgeheim in deinem Herzen getragen und glaubtest aber nicht völlig, Mich da zu tragen. Ich aber sage dir, dass du Mich eben da dennoch allein richtig getragen hast. - Nun sehet, bei solchen Bewandtnissen setzte der Herr das noch unerklärte „Vielleicht“, weil in dem Prior noch keine vollkommene Bestimmtheit bezüglich der unendlichen Liebe, Erbarmung und Sanftmut des Herrn vorhanden war. Darum gab Er ihm auch zu verstehen, dass, so es auf das Tragen ankäme, leichter und eher Er den Prior, denn der Prior Ihn tragen würde.

11. Nun aber habet wohl acht! Es liegt zwischen den drei Ausdrücken: „führen“, „ziehen“ und „tragen“ im Reiche des Geistigen ein bedeutender Unterschied, welcher darin besteht: Wenn die Menschen vom Herrn geführt werden, so überkommen sie dadurch das Licht des Glaubens und gehen dadurch ein in den untersten Himmel.

12. Wenn die Menschen vom Herrn gezogen werden, so heisst das soviel als: Die Liebe des Vaters hat sich über diese Menschen ergossen, und sie werden in die Liebe des Vaters aufgenommen, oder sie kommen in den zweiten Himmel, der da besteht aus dem Glaubenswahren durch das Licht der tätigen Liebe zum Herrn und daraus zum Nächsten.

13. Wenn es aber heisst: Die Menschen werden vom Herrn getragen, so drückt das schon einen vollkommenen, kindlichen Zustand der Menschen aus, welche ganz und gar in die Liebe zum Herrn übergegangen sind, so dass sie Ihm auch den allerletzten Tropfen ihrer wenn noch so gedemütigten Eigenliebe in der allergrössten Selbstverleugnung zum Opfer dargebracht haben. Dadurch sind sie dann auch die eigentlich allerwahrhaftigsten Kinder Gottes und werden von Ihm als ihrem ewig allein wahren Vater in den allerhöchsten reinen Liebehimmel aufgenommen.

14. Wenn ihr nun diese Unterschiede ein wenig beachtet, so wird euch die von euch beanstandete Erscheinung bezüglich der abgeänderten Bestimmung des Priors sicher nicht mehr so unvorbereitet erscheinen, als sie euch auf den ersten Augenblick erschien. Zudem aber hat der Herr in das vielsagende und vielumfassende „Vielleicht“ auch schon diese Erscheinung mit hineingesetzt.

15. Er hat damit verhülltermassen nichts anderes sagen wollen als das: Ich werde dir eine Bestimmung geben vollkommen nach deiner freien Wahl, werde aber dabei bedacht sein darauf, dass du Mich dereinst getragen hast in deinem Herzen. Ich werde ganz unvorbereitetermassen unter deinem Gesichtspunkte dir am völligen Abschnitte deiner ewigen Bestimmung eine kleine Gelegenheit verschaffen, durch welche es sich von dir freiheraus zeigen soll, inwieweit du Mich getragen hast und noch trägst in deinem Herzen, und inwieweit Ich dich dann dafür auch tragen werde. Ich aber will in solcher Periode Mein Auge ein wenig vor dir schliessen, damit du ganz vollkommen frei aus dir handeln sollest. Nach der Handlung aber werde Ich dich erst ansehen und dich entweder segnen für deine himmlische Bestimmung, oder Ich als dein heiligster, liebevollster Vater werde dich auf Meine Hand nehmen und dich tragen als ein vollkommenes Kind in Meine Wohnstadt! -

16. Sehet, nun hätten wir schon so ziemlich alles beisammen und brauchen daher nichts anderes mehr als die ganze Erklärung auf diese Begebenheit nur ganz oberflächlich anzupassen und eure ganze Frage ist beantwortet.

17. Unser Prior hatte all seinen Brüdern gleich die vollkommene Bestimmung erreicht, welche auch vom Herrn vollkommen klar ausgesprochen ward. Warum denn? Damit der Prior in seiner Liebtätigkeitssphäre einen desto freieren Spielraum bekommen sollte, indem er durchaus auch nicht eine leiseste Ahnung hatte, welchen Plan der Herr noch mit ihm vorhabe.

18. Darum musste sich aber denn auch wie zufällig ein armer, vom Herrn schon gar lange zu dem Behufe auserlesener Laienbruder wie ganz stiefmütterlich behandelt im Hintergrunde vorfinden, welcher zwar an und für sich schon ohnehin für den obersten Himmel bestimmt war, aber hier sich noch unbewusstermassen dennoch zu einem ganz tüchtigen Probiersteine der wahren Liebe zum Herrn und daraus zum Nächsten für den Prior hat müssen gebrauchen lassen. Der Herr wandte bei dieser Szene Sein allwissend und allsehend Auge ab und überliess dem Prior die vollkommen freieste eigene Liebtätigkeitshandlung. Der Prior, der einstens den Herrn im Herzen getragen hat, ward in sich nun erst völlig daraus gestärkt, fand sich in der vollkommenen Liebe zum Herrn und in der völligsten Verleugnung seiner selbst.

19. Da sieht ihn der Herr an, ändert Seinen geheimen ewig allerweisesten Plan nach der freien Handlung des menschlichen Geistes, und der Erfolg liegt vor unseren Augen. Näheres werden wir am erhabensten Orte und an der heiligsten Stelle gemeinsam erfahren. -

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