GEJ07-194

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Hauptseite Das Grosse Evangelium des Johannes Band 7 GEJ07-194 Kapitel


194. Kapitel - Die Frage der Pharisäer nach dem Reiche Gottes

194,1. Sagte einer der beiden: „Was redest du alles für gotteslästerlichen Unsinn zusammen! Sind wir denn nicht die von Moses und Aaron bestellten Bauleute am Hause Gottes auf Erden, wie solches auch geschrieben steht?“

194,2. Sagte Ich: „Ja, ja, es steht solches zwar wohl geschrieben; aber es stehet auch noch etwas anderes geschrieben, und das will Ich euch darum sagen, da ihr schon der Bauleute Erwähnung getan habt. Was aber da, euch sicher auch wohlbekannt, geschrieben steht, das lautet also, wie ihr solches auch in der Schrift gelesen habt: ,Der Stein, den die Bauleute verworfen haben, ist zum Eckstein geworden. Dem Herrn ist solches geschehen und stehet zu schauen nun wunderbar vor euren Augen (Matth.21,42)!‘ Darum sage Ich euch: Das Reich Gottes wird von euch genommen und den Heiden gegeben werden und wird bei ihnen seine Früchte bringen (Matth.21,43).“

194,3. Da sagten die zwei: „Was soll denn mit dem Eckstein, für den du dich zu halten scheinst, weiter geschehen?“

194,4. Sagte Ich: „Mit dem von euch verworfenen Steine, der nun dennoch zum Eckstein geworden ist, hat es für die Folge diese Bewandtnis: Wer auf den Eckstein hinfallen wird, wie ihr nun, der wird zerschellt werden; auf wen aber der Eckstein fallen wird – was ihr zu erwarten habt –, den wird er zermalmen! – Habt ihr das nun verstanden (Matth.21,44)?“

194,5. Auf diese Meine Erklärung fingen auch die andern anwesenden Hohenpriester und Pharisäer an, erst zu begreifen, dass sie dieselben seien, die der über sie herfallende Eckstein zermalmen werde (Matth.21,45). Da wurden sie sehr ergrimmt und fingen an, unter sich zu beraten, wie sie Mich etwa doch ergreifen und verderben könnten (Matth.21,46a).

194,6. Aber die Gemässigteren rieten ihnen ab und machten sie aufmerksam auf das viele Volk, das Mich für einen grossen Propheten hielt (Matth.21,46b), und dass Ich dem Volke schon sicher aus dem Grunde sattsam dargetan habe, was die Hohenpriester und die Pharisäer allzeit mit den Propheten gemacht haben. Es wäre daher ratsam, Mich zuvor in der Rede zu fangen, Mich daraus vor dem Volke mit vollem Grunde für einen Lügner und Betrüger zu erklären und darauf erst Mich zu ergreifen und den Gerichten zu überantworten, wozu dann das Volk nichts mehr sagen könne. Solange Ich aber in der Rede nicht zu fangen wäre, wäre es wohl äusserst gewagt, Mich gerade in dieser Zeit zu ergreifen, in der das Volk durch die nächtlichen Zeichen am Himmel noch zu aufgeregt wäre.

194,7. Die Hohenpriester und Pharisäer sahen das bald ein, verbissen ihren Grimm und beschlossen, Mich weiterhin mit der List der Rede zu fangen.

194,8. Auf solch einen Beschluss wandten sie sich wieder an Mich in einer Art von Güte, weil sie sich vor dem Volke sehr fürchteten, und fragten Mich, sagend (die Pharisäer): „Meister, da du schon in der Schrift gar so sehr bewandert bist, so möchten wir nun von dir denn doch auch erfahren, worin denn das Reich Gottes bestehen wird, das uns genommen und den Heiden gegeben und bei ihnen die erwünschten Früchte tragen wird. Was ist überhaupt das Reich Gottes, – was verstehst du darunter? Ist es der Himmel, in welchen nach dem Leibestode alle Gläubigen zu kommen hoffen, oder besteht es schon irgendwo auf dieser Erde, was nach deiner Rede der Fall zu sein scheint, weil es ansonst nicht den Heiden gegeben werden könnte, von denen doch im wahren, geistigen Himmel keine Rede sein kann, weil es nirgends geschrieben steht, dass dereinst auch die finsteren Heiden in den Himmel Gottes aufgenommen werden? Solche deine Rede kam uns aus deinem Prophetenmunde etwas rätselhaft vor, weshalb wir dich ersuchen, uns diese Sache näher zu erklären!“

194,9. Hier frohlockten sie heimlich schon; denn sie meinten, dass Ich Mich mit dieser Rede schon gefangen hätte und ihnen auf solche ihre schlaue Frage eine rechte Antwort schuldig bleiben würde. Auch das Volk machte hier und da schon bedenkliche Mienen und ward sehr gespannt darauf, wie Ich Mich etwa aus solch einer Schlinge ziehen werde.

194,10. Ich aber richtete Mich auf wie ein Held und machte eine Miene, in der keine Verlegenheit zu erkennen war, und fing an, wie folgt, abermals in Gleichnissen mit ihnen zu reden (Matth.22,1), sagend: „Weil ihr voll Trägheit, voll Sinnlichkeit und des selbstsüchtigsten Hochmutes seid, so ist es euch auch unmöglich, das Geheimnis und die Wahrheit des Reiches Gottes zu verstehen! Ihr stellet euch den erhofften Himmel als irgendeine überherrliche und auch grosse Örtlichkeit über den Sternen vor, in welcher die frommen Seelen nach dem Tode des Leibes oder – wie da einige von euch noch der blöderen und unsinnigeren Meinung sind – erst nach vielen tausend Jahren am von euch noch nie verstandenen Jüngsten Tage aufgenommen und dann ewig im grössten Wohlleben gleichfort schwelgen werden. Und von solchem eurem Himmel, der sonst nirgends als nur in eurer überdummen Phantasie besteht, sollen die finsteren Heiden nach euerm höchst selbstsüchtigen Glauben ausgeschlossen sein! Ja, sage Ich euch, von solchem eurem Himmel werden sie auch für ewig ausgeschlossen sein, weil es unmöglich ist, in einen Himmel aufgenommen zu werden, der in der Wahrheit nirgends besteht!

194,11. Auf dass sich aber dereinst niemand damit entschuldige, dass er nicht gewusst habe, worin anders gestaltet der wahre Himmel besteht, so will Ich euch des Volkes wegen in Bildern zeigen, worin der wahre Himmel allenthalben in der ganzen Unendlichkeit und hier auf dieser Erde, in und über allen Sternen ganz gleichartig besteht. Und so denn höret Mich!“

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