GEJ06-37

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Hauptseite Das Grosse Evangelium des Johannes Band 6 GEJ06-37 Kapitel


37. Kapitel - Die Weisen aus Persien

37,1. Da eilte der Wirt in die Küche, und es war bereits schon alles fertig. Es ward sogleich aufgetragen, und wir assen und tranken ganz wohlgemut.

37,2. Es erfuhren aber die anderen Gäste, die als Reisende teils aus Galiläa, Griechenland, Samaria, teils aus verschiedenen Ländern hier die Nachtherberge nahmen, weil der Wirt bekannt war als ein sehr billiger Mann und auch ein grosses Unterkommenshaus besass, dass eben Ich, von dem sie schon so vieles vernommen hatten, nun auch in dieser Herberge Mich befinde. Da befragten sie des Wirtes Dienerschaft, ob sie Mich sehen könnten. Ein Diener aber kam darum zu uns und steckte solches dem Wirte, der sich mit uns über so manches besprach.

37,3. Der Wirt aber sagte dem Diener: „Da kann ich weder ja noch nein sagen; denn dieser Herr ist ein Alleinherr, und es darf nur das geschehen, was Er will!“

37,4. Ich aber sagte zum Wirte: „Es sind unter den Reisenden auch vier Magier aus Ägypten, geboren aber in Persien nahe an der Grenze von Indien. Drei darunter sind Hauptmagier und schon hohen Alters, der vierte aber ist nur ein Jünger. Sie haben wohl noch ein grösseres Gefolge, das aber grösstenteils in andern Orten in der Herberge ist; hier haben sie nur die nötige persönliche Dienerschaft. Nun, diese vier Magier, die nun etliche Jahre in Ägypten ihr Wesen trieben, kannst du hereinkommen lassen, und wir wollen ihnen auf den Zahn fühlen, wessen Geistes Kinder sie sind.“

37,5. Da ging der Wirt hinaus in das Gemach, in dem die Magier sich befanden, und sagte ihnen, dass Ich es gestattet habe, zu Mir zu kommen.

37,6. Darüber waren die Magier sehr erfreut, indem sie von Mir schon so vieles sogar bis über die Grenzen Kanaans vernommen hätten. Sogleich erhoben sie sich und eilten zu Mir, vom Wirte geleitet. Als sie bei uns als ehrwürdige Greise ankamen, da verneigten sie sich tief und grüssten höflichst nach ihrer Sitte. Da sie der hebräischen Sprache kundig waren, so konnten sie auch von den Jüngern allen wohl verstanden werden.

37,7. Ich sagte gleich zu ihnen: „Der, welchen ihr gerne näher kennen- lernen möchtet, der bin Ich; nun aber setzet euch zu uns, und wir werden uns dann erst ein wenig näher verständigen!“

37,8. Die Magier nahmen an unserem Tische Platz, und Ich fragte sie: „Nun saget ihr Mir ganz offen, was ihr so für allerlei Künste und Zaubereien treibet; dann sollet ihr auch von Mir erfahren, was Ich alles treibe! Vielleicht können wir uns dann gegenseitig sehr nützlich sein!“

37,9. Hier verneigten sich die Magier, und der eine Magier sagte: „Meister, dieser ist unser Ältester und Weisester, sein Name ist HAHASVAR (Hüter der Gestirne), der wird für uns reden! Er zählt volle dreimal dreissig Jahre. Ich Redner nun zähle erst achtzig und dieser neben mir siebzig volle Jahre, und in den Gestirnen steht es geschrieben, dass ein jeder von uns von jetzt an noch dreissig Jahre leben muss. Mein Name ist MEILIZECHIORI (Habe das Gesicht oder die Wissenschaft, die Zeit zu messen), und der Name dieses meines Nachbars OU LI TESAR (Willensbeschwörer oder -nötiger). Der vierte unter uns ist noch jung, hat noch keinen bestimmten Namen, da er noch ein Jünger ist. Nun mag unser Ältester reden!“

37,10. Nun fing also der Älteste an und sagte: „Wir drei waren schon einmal vor dreissig Jahren hier und sind weiten Weges aus dem fernen Morgenlande hierhergereist; denn wir sind durch einen besonderen Stern erweckt worden, und in der Schrift der Sterne stand es geschrieben: ,Im tiefen Westen ist dem entarteten Volke Gottes ein neuer König geboren worden. Seines Leibes Mutter ist eine Jungfrau und nie von einem Manne berührt worden; denn das Kind in ihr ist gezeuget durch des grossen Gottes Kraft, und sein Name wird gross sein unter allen Völkern der Erde, und er wird ein Reich gründen und im selben als ein allermächtigster König ewig herrschen. Und wohl allen, die in seinem Reiche leben werden; denn über sie wird der Tod keine Macht mehr haben!‘

37,11. Als solches wir lasen, da machten wir uns auf, folgten dem Laufe des Sternes und fanden im Ernste zu Bethlehem, und zwar in einem alten Schafstalle, ein neugeborenes Kind gar wunderbarlich und opferten ihm unsere Gaben. Wir wollten versprochenermassen wieder über Jerusalem in unser eigenes Land ziehen, wurden aber im Traume gewarnt durch einen lichten Geist, dass wir eines andern Weges nach Hause ziehen sollen und nicht verraten dem bösen Fürsten den neugeborenen König. Das taten wir denn auch. Was hernach mit jenem wunderbaren Kinde geschehen ist, konnten wir trotz unseres Forschens nicht mehr in irgendeine Erfahrung bringen.

37,12. Wir vernahmen von alten Leuten, dass von seiten des alten, grausamen Fürsten Herodes zu Bethlehem wegen jenes neugeborenen Königs ein Kindermord angeordnet ward, wobei alle Knaben von 1-12 Jahren mit dem Schwerte umgebracht worden sind; aber die Eltern hätten mit dem Wunderkinde noch zur rechten Zeit die Flucht nach Ägypten ergriffen und seien also der Grausamkeit des tollen Fürsten entronnen. Wir aber forschten nun mehrere Jahre in Ägypten nach demselben Kinde und Könige und konnten nicht das geringste erfahren.

37,13. Erst unlängst zu Memphis in Ägypten erfuhren wir, dass in Galiläa ein grosser Wundermann aufgetreten sei, der Zeichen und Werke verrichtet habe, die auf dieser Erde nie erhört worden seien, und dabei so überweise Reden halte, gegen die sich alle die grössten Weisen der Erde rein in den Staub verkriechen müssten. Gar viele glaubten und hielten daher an ihn, dass er offenbar Gott Selbst sein müsse, weil sonst sein Tun und Treiben ganz unerklärlich wäre.

37,14. Auf solche Nachricht sind wir denn eigens wieder hierher nach Kanaan oder nach dem gesamten Judenlande gezogen, um irgendwo mit solch einem ausserordentlichen Menschen zusammenzukommen, und zwar aus einem doppelten Grunde: erstens, um uns selbst von allem persönlich zu überzeugen, und zweitens, um zu erforschen, ob etwa dieser Mann nicht aus jenem zu Bethlehem geborenen Kinde hervorgegangen ist.

37,15. Freilich sei zwar der berühmte Wundermann noch kein König, – aber das macht gerade gar nichts aus; denn wir sind nur Weise, Sternkundige, durch die Kenntnis der Naturkräfte vor den Augen der blinden Menschheit auch ganz ausserordentliche Magier und sind darum auch Könige mit Land und viel Volk hinter Persien in den weiten Hochländern und haben keinen Feind zu fürchten, da ein jeder nachbarliche Fürst uns hochachtet und vor unserer geheimen Macht die grösste Ehrfurcht hat. Und doch ist unsere Macht nur eine ganz natürliche, die ein jeder Mensch erlernen kann; um wieviel mehr kann der so berühmte Mann Judenlands ein König sein, der bloss durch seinen Willen Berge und Felsen vernichten, den Toten das Leben wiedergeben und den Elementen gebieten kann!

37,16. Wir kamen schon heute morgen hier in dieser Gegend an und erkundigten uns nach dem Manne, und es hiess, dass er erst unlängst hierherum sein Wesen hatte, und dass er in kurzer Zeit wieder hier eintreffen dürfte. Und nun spätabends ging es im Hause von Mund zu Mund, der berühmte Mann sei mit seinen Jüngern angekommen.

37,17. Nun kannst du, Meister, es dir wohl denken, von welcher Begierde wir alle zu glühen anfingen, in dir den Mann zu ersehen, von dem wir so Wundergrosses gehört haben, und dich dann auch in tiefster Bescheidenheit zu fragen, ob du doch etwa aus jenem Wunderkinde, das zu Bethlehem geboren ward, hervorgegangen bist.“

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