GEJ05-93

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Hauptseite Das Grosse Evangelium des Johannes Band 5 GEJ05-93 Kapitel


93. Kapitel - Des Roklus scharfe Rede an die Pharisäer

93,1. Roklus, der sich von Meiner Göttlichkeit vollauf überzeugt hatte, konnte dieser argen Rederei kein geduldiges Ohr mehr leihen; er stand auf, mit einem auch schon ganz bedeutenden Weinmute ausgerüstet, und sagte laut: „In einer so seltensten Gesellschaft auf Erden, wo Gott, Engel und wir, Seine vernünftigen Geschöpfe, wie Brüder beisammen kampieren, sollen Schweine keinen Tisch und keinen Platz haben! Zwar sind sicher auch die Schweine Gottes Geschöpfe, nur gehören sie nicht zu der Gesellschaft der Menschen! Was für ein wahnwitziges, allertollstes Geplauder! Wenn irgend hungernde Schweine zu grunzen beginnen, so liegt darin sicher bei weitem mehr Weisheit verborgen als in solch einem Gerede! Kurz und gut, das Dümmste, Ekelhafteste und dabei Herrschsüchtigst- Böswilligste war, ist und bleibt ein Pharisäer, besonders so ein Oberster und ein allererbärmlichster Schriftgelehrter der Juden!

93,2. Diese Unmenschen wittern überall den Teufel! Sie finden und lehren sogar, dass die Teufel immerwährend auf der Erde gleich den Spürhunden im geheimen Jagd auf alle Menschenseelen machen und jeder Mensch unbedingt des Teufels und verloren ist, so er nicht geweihte Amulette aus dem Tempel bei sich trägt und sie alle Jahre mindestens zweimal erneuert; aber von dem merken sie nichts, dass eben sie selbst die allereigentlichsten Teufel auf dieser Welt sind! Sie sollten sich daher auch gar nicht verwundern, wenn sie unter sich von einem Teufelsgestank etwas in ihren Nüstern verspüren; denn das wäre doch erst recht des Teufels, selbst ein wahrhaftigster, eingefleischter Teufel sein und nicht verspüren von Zeit zu Zeit, dass man wirklich ein Teufel ist!

93,3. Du Junger (Raphael), du hast doch früher einen Stein weggeputzt, – wäre es denn dir nicht auch möglich, die fünfzig räudigen Schweine wegzuputzen?! Denke es dir, was diese Kerle sich laut auszusprechen getrauten! Er, der alleinige Schöpfer des Weines und des Brotes, sündige nun, weil Er Selbst Wein trinket, und weil ein sicher allerunschuldigstes Engelchen von einem Mädchen an Seiner Seite sitzet! Ah, erlaube mir, das geht hier, solange ich hier bin, der ich den Herrn erkannt habe, durchaus nicht an! Die müssen fort! So vieles haben sie gehört und gesehen, – und nun sagen sie laut: ,Es könnte sein, dass dies alles ein Blendwerk des Satans wäre!‘ Mein Freund aus den Himmeln, ich bin nur von dieser Erde; aber das dulde ich selbst um den Preis meines Lebens nicht, dass solche Schweine den Heiligsten aller Heiligkeit so schändlich mit ihrem schmutzigsten und stinkendsten Geifer besudeln sollen! Hinweg mit ihnen!“

93,4. Jetzt erst wurden die fünfzig aufmerksam auf die Ausbrüche des Roklus, und der Oberste Stahar erhob sich und fragte den Roklus mit ernster Miene: „Freund Roklus, gehet dein Wort etwa uns an?“

93,5. Sagt Roklus: „Wen sonst etwa? Ihr seid ja eben des Satans schwarze Brut und könnet darum kein Licht ertragen! Wie könnet ihr es wagen, den Herrn und Meister von Ewigkeit, der euch dafür schon so viele der ausserordentlichsten Beweise mit Wort und Tat geliefert hat, mit eurem alten, allerekelhaftesten Geifer so schändlich zu besudeln?! Fürchtet ihr euch denn nicht, dass darob sogar der Erdboden Rache nähme an euch?! Wer kann Der sein, der dem Berge im Meere zuruft: ,Vergehe und werde zunichte!‘, und der Berg vergeht im selben Augenblicke?! Kann ein Teufel – nach eurem Begriffe – je Demut und die höchste Liebe zu Gott und dem Nächsten predigen?! Oh, ihr ungeheuersten Ochsen und Esel zugleich, wie erschrecklich wüste und verwirrt muss es in eurem Gehirne aussehen, dass ihr das nicht einsehet, dass ein Teufel, so es je einen nach euren Begriffen gegeben hat, Gott dem Herrn gegenüber das allerohnmächtigste und darum allerarmseligste Wesen nach dem Masse sein muss, je weiter es von der vollen Gottesordnung entfernt ist!

93,6. Wenn aber dem weisesten und wahrsten Worte des Herrn zufolge alle Kraft und Macht nur in der Liebe zu Gott dem Herrn besteht, welche Kraft und Macht hat denn hernach euer Beelzebub, der voll des bittersten Hasses gegen Gott sei, aus solcher seiner schmählichsten Eigenschaft? Wenn aber schon wir Menschen aus Mangel an rechter und wahrer Erkenntnis Gottes, und nur dadurch auch sicher aus Mangel der wahren und alles ausschliessenden Liebe zu Ihm, schwache und nichts vermögende Wesen sind, um wieviel mehr dann erst eure Teufel, die Gott sehr wohl kennen sollen, Ihn aber dabei doch hassen über alle die uns begreiflichen Massen! Jetzt –, wie das möglich ist, dass ein Wesen, Gott vollauf erkennend, Ihn dennoch über alles hasst, – wahrlich, um das zu begreifen und zu verdauen, gehört ohne weiteres ein pharisäischer Schweinsmagen dazu! So ein Magen nimmt zwar kein Schweinefleisch in sich auf; aber der Grund scheint naturgemäss darin zu liegen, dass ein Schwein das andere nicht frisst!

93,7. Ich liebe nun Gott den Herrn mehr als alles in der Welt, wo ich Ihn erst so ein ganz wenig nur erkannt habe, und fühle, wie meine Liebe zum Allmächtigen mit meiner stets zunehmenden Erkenntnis mit im Wachsen ist, und ich fühle es lebendigst in mir, wie dadurch auch meine Willenskraft effektiv mächtiger wird. Wie ich nun dastehe, nehme ich's ganz allein mit tausendmal tausend Legionen von pharisäischen Teufeln auf! Alle zusammen tragen mir keinen Strohhalm von der Stelle, – und die Kerle behaupten, dass dieser Heilige der Heiligsten Gottes Seine Werke mit Hilfe ihrer eingebildeten Teufel zustande bringe!? Oh, ihr heilloses Lumpengepack, ich werde euch eure allmächtigen Teufel schon hinaustreiben! Ist gerade recht, dass mir die Kerle in die schon lange erwünschte Quere gekommen sind!“

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