GEJ02-88

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Hauptseite Das Grosse Evangelium des Johannes Band 2 GEJ02-88 Kapitel


88. Kapitel - Chiwars Ansicht vom Tempel

88,1. Sagt der Oberste: „Wenn das alles sich also verhält, was ich geradewegs nicht bezweifle, so muss er auf eine unbegreifliche Weise ohne weiteres mit dem allmächtigen Geiste Jehovas in einem engsten Bunde stehen, etwa gleich einem Moses oder Elias, welch letzterer auch das Feuer vom Himmel rufen konnte, das ihm gehorchte. Er mag vielleicht auch noch so manches Wunderbare gewirkt haben, das da nicht aufgezeichnet worden ist, wovon aber wohl noch Volkssagen vorhanden sind, denen man freilich nur wenig Glauben schenken kann; aber im ganzen könnte doch viel Wahres daran kleben!

88,2. So soll eben der Elias, so mich mein Gedächtnis nicht trügt, einmal bei einer Gelegenheit einen ganzen Haufen Totengerippe auf einem Schlachtfelde belebt und mit Fleisch, Haut und Haaren versehen haben! Also habe er auch bei einer andern Gelegenheit alle Grundquellen des grossen Euphrat versiegen lassen auf drei Jahre und gebot dazu auch den Wolken, drei Jahre lang den Himmel zu meiden. Erst als die Menschen eine rechte Busse taten, öffnete er wieder die Quellen der Ströme und gebot den Wolken, dass sie aufzögen am Firmamente und Wasser gäben dem dürre gewordenen Erdboden! Und so erzählt man noch eine Menge von diesem merkwürdigsten aller Propheten, das aber mit der Zeit doch sehr entstellt werden mochte, und man sagt, dass eben dieser Elias vor dem Ende der Welt noch einmal wiederkommen werde, dass er durch grosse Zeichen die Menschen bekehre zur Busse, indem bekanntlich dieser rätselhafte Prophet nie gestorben, sondern in einem feurigen Wagen in die Himmel aufgefahren ist. Es kann sonach ja sehr leicht sein, dass dieser Jesus ein Träger des Geistes des grossen Propheten ist und deshalb, als mit der Macht Jehovas im engsten Verbande stehend, nun solche Taten, die nur Gott möglich sein können, verrichtet!“

88,3. Sagt Chiwar: „Deine Ansicht ist durchaus nicht schlecht, und ich möchte dir fast beistimmen, wenn ich nicht eben bei diesem Jesus so manche Dinge mit meinen höchst eigenen Augen gesehen hätte, die den ganzen Elias eine ganze Unendlichkeit weit hinter sich zurücklassen. Du möchtest hier freilich fragen und sagen: ,Welche denn? Wie heissen sie?‘ Aber ich müsste dir offenbar gestehen, dass mir, um das zu beschreiben, die Worte vollkommen mangeln würden; denn das muss man selbst gehört, gesehen und gefühlt haben, sonst kann man sich davon durchaus keinen Begriff machen. Und ich bin darum der Ansicht von nun mehreren Tausenden, dass dieser Jesus platterdings der verheissene Messias ist! Denn ich frage jeden, ob dieser, so er noch zu einer andern Zeit kommen sollte, grössere Zeichen tun werde!? Zudem stammt Er nach der Chronik, die bis zum Grossvater Josephs reicht, in der geradesten Linie von David ab. (Matth.1,1-17). Achim war ein Vater Eliuds, Eliud ein Vater Eleasars, dieser ein Vater Matthans, dieser ein Vater Jakobs, und Jakob war der Vater Josephs, und dieser ein Vater unseres Jesus. Gehe nach dieser Chronik weiter zurück, und du kannst in der geradesten Linie auf David zurückkommen; nun aber steht es geschrieben, dass der Messias von David abstammen werde, und dass Ihn jedermann an Seinen Taten erkennen werde.

88,4. Diesem Jesus fehlt dafür meiner Ansicht nach nun gar nichts; die Abstammung ist authentisch gewiss, und Taten, wie solche, die die Erde auf ihrem Boden nie erlebt hat, sind auch in der überschwenglichsten Fülle vorhanden. Ich weiss demnach wahrlich nicht, was uns daran hindern sollte, Ihn als Denjenigen anzunehmen, der Er offenbarst ist!?

88,5. Dass sich der herrschsüchtige Tempel nicht leichtlich dazu bequemen wird, lässt sich wohl mit den Händen greifen; aber wir sollten uns da durchaus nicht mehr nach dem Tempel richten, der meiner Ansicht nach vollkommen tot ist und uns fürderhin weder einen Schutz, noch eine Weisheit und noch weniger irgendeinen bleibenden Unterhalt verschaffen kann, – ausser wir geben ihm zuvor für eine Stelle so viel, dass davon zehn Menschen hundert Jahre lang ganz gut leben könnten.

88,6. Berechne du nur die Summe, die du für die Oberstenstelle im Tempel mit Gold und Silber bezahlt hast, und du wirst es leicht finden, dass du mit dem Gelde gar leicht, und das fürstlich, hundert Jahre lang ausgereicht hättest! Lass dich aber hier von den Römern bedrängen und suche dagegen im Tempel um Schutz an, und man wird dir nicht nur keinen gewähren können, sondern auch nicht wollen, und man wird dich höchstens, um einige Hände voll Silberlinge, mit doppelsinnigen Tröstungen ungefähr auf die Art abfertigen, wie das berühmte Orakel zu Delphi – natürlich um viel Gold und Silber – die Fragesteller abfertigt, dass hernach das Orakel allzeit recht hat, ob nun dem Fragesteller etwas Gutes oder etwas Böses widerfährt!

88,7. Ich kenne gottlob die ganze gegenwärtige Lumperei des Tempels und mache mir darum auch durchaus kein Gewissen daraus, denselben so dick als nur immer möglich hinters Licht zu führen, welcher Art es auch sei! Denn, Freund, wer in dieser Zeit vom Tempel nicht auf das allerdickste hintergangen sein will, der muss sich die kluge Mühe geben, den Tempel selbst so dick als nur immer möglich zu hintergehen! Oder meinst du, dass du mit einem ehrlichen und rechtlichen Gemüte und Gesichte im Tempel etwas ausrichten wirst? Oh, dessen rühme sich ja keiner! Gehe aber mit einem so recht verschmitzten Gemüte und Gesichte hin, und ich stehe dir dafür, dass du die Templer nach deinem Belieben wie eine Schnur um den Daumen winden kannst!

88,8. Ich kann mich noch sehr gut eines gewissen Bars entsinnen, der da ein beschnittener Grieche war. Er musste schon ein grosses Vermögen besessen haben, weil er voll Perlen und Diamanten war. Dieser Mensch hatte dir so ein verschmitztes Gesicht, sprach wenig, und was er sprach, war doch so gewiss eine allerabgefeimteste Lüge, wie ich Chiwar heisse. Er verlangte aber bloss tausend Pfunde Goldes und gab dafür eine Pergamentrolle, die höchstens einen halben Stater wert war. Der Hohepriester zuckte zwar sehr mit den Achseln; aber Bar schnitt dazu eine Miene, wie ich sie in meinem Leben kaum je wieder zum zweiten Male sehen dürfte, und sprach dazu ganz höhnisch: ,Hm, aut Caesar – aut nihil!‘, worauf der Hohepriester – Gott weiss, aus welchem Grunde – ganz blass wurde und dem Bar sogleich die tausend Pfunde Goldes verabfolgen liess, von denen der Tempel nie mehr auch nur um ein Haar schwer zurückbekam; denn es hatte sich erst nach einem Jahre aufgeklärt, dass dieser Bar nichts als ein allerabgefeimtester Betrüger war, der mit allen Satanszaubersalben gesalbt war, um auch dem Hohenpriester tausend Pfunde Goldes herauszuschrecken.

88,9. Es kamen aber daneben auch oft ganz ehrliche Juden, die im Tempel ein Geld ausborgen wollten gegen gute Pfänder; nichts bekamen sie, denn sie taten viel zu ehrlich und hatten auch viel zu rechtliche Gesichter! – Und so ist mein Grundsatz bei mir festgestellt: Man muss den Tempel hinters Licht führen, so man von ihm nicht hinters Licht geführt werden will! Und so werde ich auch ewig den Tempel nicht fragen, ob Jesus der verheissene Messias sei, sondern Er ist es für mich auch ohne Tempel! – Was sagst du zu dieser meiner Meinung?“

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