GEJ02-101

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Hauptseite Das Grosse Evangelium des Johannes Band 2 GEJ02-101 Kapitel


101. Kapitel - Des Petrus Glaubensprobe. (Matth. 14)

101,1. Es ist aber bei solcher Gelegenheit um die Zeit der vierten Nachtwache geworden. Da legte sich der Wind ein wenig, und der scharfäugige Andreas sah nach allen Richtungen hin über die noch stark bewegte Meeresfläche und erblickte einen Menschen auf den Meereswogen ganz wie auf dem trockenen Lande einherwandeln. (Matth.14,25)

101,2. Da berief Andreas die Brüder, machte sie auf die über den Meereswogen wandelnde Gestalt aufmerksam und sagte: „Brüder, das ist kein gutes Zeichen, es ist ein Seegespenst! Wenn solche Wesen sich sehen lassen, da haben die Schiffer nichts Gutes zu erwarten!“ (Matth.14,26)

101,3. In die Meinung des Andreas stimmten bald alle ein, gerieten darauf in grosse Furcht und fingen an zu schreien: „O Jesus, warum hast Du uns verlassen, dass wir nun alle unrettbar werden zugrunde gehen müssen!? Oh, wenn Du noch irgendwo bist, so gedenke unser und errette uns vor dem sicheren Untergange!“

101,4. Während die Jünger noch so schrien und um Hilfe riefen, kam Ich auf zehn Schritte dem Schiffe nahe und redete die vor Furcht Bebenden also an: „Seid getröstet, Ich bin es ja! Fürchtet euch darum nicht!“ (Matth.14,27) – Da wurden die Jünger still.

101,5. Andreas sagte: „Beim Himmel, es ist Jesus, unser Herr und Meister!“

101,6. Petrus aber zweifelte noch ein wenig und sagte: „Wenn Er es ist, so muss Er mich aufs Meer steigen lassen, auf dass auch ich wie Er auf dem Wasser für meine Füsse eine feste Unterlage erprobe!“

101,7. Sagt Andreas: „Wirst du wohl auch den Mut haben, so Er dich beriefe, zu Ihm aufs bewegte Meer hinauszutreten?“

101,8. Sagt Petrus: „Allerdings! Ich weiss es wohl, dass das Meer hier am tiefsten ist; ist Er es, so wird mir nichts zuleide geschehen, – ist Er es aber nicht, sondern ein uns äffendes Gespenst, so sind wir ohnehin verloren. Ich gehe da nur einige Augenblicke vor euch hinab in den tiefen Grund und werde für euch alle eine Wohnung bestellen!“

101,9. Darauf ging Petrus in die niederste Mitte des Schiffes und schrie hinaus zu Mir: „Herr, so Du es bist, da heisse mich auf dem Wasser zu Dir hinauskommen!“ (Matth.14,28)

101,10. Da sagte Ich zu ihm: „Komm heraus und überzeuge dich!“

101,11. Da trat Petrus unter dem Angstgeschrei der Brüder aus dem Schiff aufs Wasser. Als die Brüder aber sahen, dass Petrus nicht unterging, sondern ganz so wie Ich auf dem Wasser dahinging, da wich aller Zweifel von ihnen, und ein jeder glaubte, dass Ich es war.

101,12. Petrus aber eilte, dass er zu Mir käme. (Matth.14,29) Als er aber kaum noch sieben kleine Schritte von Mir entfernt war, da sah er starken Wind kommen, der hohe Wellen vor sich hertrieb. Er erschrak darum heftig, fing an, daran zu denken, wie ihn die hohen Wellen etwa doch mit sich reissen möchten, verlor dabei ein wenig nur den starken Glauben und bemerkte, dass er mit den Füssen schon über die Knie zu sinken begann. Da fing er an, gar jämmerlich zu schreien: „Herr, hilf mir!“ (Matth.14,30)

101,13. Ich aber trat schnell zu ihm hin, streckte Meine Hand nach ihm aus, zog ihn heraus und setzte ihn wieder auf des Wassers Oberfläche, die ihn nun wieder trug wie zuvor, – sagte aber darauf zu ihm: „O du Kleingläubiger! Warum zweifelst du? (Matth.14,31) Weisst du denn noch nicht, dass der ungezweifelte Glaube allein ein Meister aller Elemente ist?“

101,14. Petrus aber sprach: „Herr, vergib es mir! Denn Du siehst es ja, dass ich noch immer nur ein schwacher Mensch bin. Der Wind und die gegen uns ziehenden Wogen haben mich also erschreckt!“

101,15. Sagte Ich: „Nun ist schon wieder alles gut! Wir stehen nun am Schiffe, und so steigen wir in dasselbe!“

101,16. Darauf stiegen wir denn auch ins Schiff, und der Sturm hatte sich im selben Augenblick gelegt. (Matth.14,32)

101,17. Alle aber, die Jünger und die Schiffsknechte, eilten zu Mir, priesen Mich und sagten einstimmig: „Nun erst erkennen wir, dass Du wahrhaftig Gottes Sohn bist!“ (Matth.14,33)

101,18. Und Mein Johannes umfasste und herzte Mich aus allen seinen Kräften und sprach: „O Du mein Jesus Du, dass wir nur Dich wieder haben! Jetzt ist alle unsere Furcht dahin! Aber nur Du verlass uns nimmer; denn es ist gar zu entsetzlich schrecklich, ohne Dich zu sein! Wahrlich, an diese nächtliche Meeresfahrt werde ich denken mein Leben lang! Denn so viel Angst und Schrecken habe ich noch nie ausgestanden! Jetzt kann der Sturm sich um uns her lustig machen, wie er will; denn nun haben wir seinen Meister in unserer Mitte, der ihm zu schweigen gebieten kann, und das Ungetüm muss gehorchen der Stimme des Allmächtigen!“

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