GEJ01-46

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Hauptseite Das Grosse Evangelium des Johannes Band 1 GEJ01-46 Kapitel

46. Kapitel - Heilung eines Aussätzigen. Wirkung dieses Wunders auf den Oberpriester, dessen Tateifer und Begeisterung. Des Herrn Lebenswinke zum rechten Maßhalten in allem

46,1. Wie schon früher einmal berührt ward, befanden wir uns gerade nicht auf des Berges höchster Höhe, sondern mehr unten auf den ersten Ansteigungen des größeren und bequemeren Raumes wegen, weil Mir aus der Stadt viel Volkes folgte, und auch darum, weil es darunter viele alte und schon sehr schwache Menschen gab, die bei der bedeutenden Hitze des Tages die Spitze des Berges kaum erreicht haben würden. Aber dennoch waren wir so ziemlich hoch oben, und es bewegte sich der Zug darob etwas langsam, indem die Dämmerung für manche schwachsehende Menschen den Pfad nicht sehr wohl erkennen ließ.

46,2. Als wir aber also behutsamen Schrittes vom Berge vollends in die Ebene kamen, da lag am Wege ein Mensch voll bösen Aussatzes. Dieser Mensch richtete sich alsbald auf, ging zu Mir hin und sprach mit einer klagenden Stimme: „O Herr, so Du wolltest, könntest Du mich wohl rein machen!“ Ich aber streckte sogleich Meine Hand über ihn aus und sprach: „Also will Ich es, daß du rein seiest!“ Und der Kranke war im Augenblick rein von seinem Aussatz; alle Wülste, Rauden und Schuppen verschwanden plötzlich. Es war aber das ein gar böser Aussatz, den kein Arzt heilen konnte; daher nahm es denn auch alles Volk überhoch wunder, da es sah, wie dieser Mensch so plötzlich von seinem Aussatz rein ward.

46,3. Der Gereinigte aber wollte Mich nun überlaut zu rühmen anfangen; Ich aber bedrohte ihn und sprach: „Ich sage es dir, daß du es vorderhand niemandem sagest, außer allein dem Oberpriester! Zu dem gehe hin; er geht hinter uns mit Meinen Jüngern einher! So er dich als gereinigt erkannt haben wird, dann geh in dein Haus, nimm daselbst und opfere auf dem Altar die Gabe, die Moses angeordnet hat!“

46,4. Der Gereinigte tat sogleich, was Ich ihm anbefohlen hatte. Der Oberpriester verwunderte sich auch über die Maßen und sprach: „So mir ein Arzt gesagt hätte: ,Sieh, diesen Menschen werde ich gesund machen!‘, da hätte ich weidlichst gelacht und gesagt: ,Ei du Narr, gehe hin an den Euphrat und versuche, ihn auszuschöpfen! Wann du einen Eimer davon schöpfen wirst, da wird er dir hunderttausende an die Stelle schicken; aber es soll dir dennoch leichter sein, den Euphrat trockenzulegen, als gesundzumachen diesen Menschen, dessen Fleisch schon nahe ganz in Verwesung übergegangen ist!‘ Und diesem Menschen, Den wir nun als den Messias anerkannt haben, gelang es durch ein einziges Wort! – Wahrlich, das genügt uns! – Er ist vollauf Christus! – Wir bedürfen nun keiner weiteren Zeugnisse mehr.

46,5. Wahrlich, wer mich heute um einen Rock anredet, dem gebe ich sogleich nicht nur den Mantel, sondern meinen ganzen Kleidervorrat hinzu! Wahrlich, um den Preis gebe ich nun bis aufs Hemd alles her und sehe nun ein, daß Seine Lehre eine rein göttliche ist! Ja, Er Selbst ist als Jehova nun leibhaftig bei uns! Was wollen wir nun noch mehr?! Die ganze Nacht will ich einen Herold machen und Seine Gegenwart verkünden in allen Straßen und Gassen!“

46,6. Nach solchen Worten läuft er zu Mir hin, und zwar in der Nähe des Brunnens, fällt vor Mir nieder und sagt: „Herr, halte nur ein wenig still, daß ich Dich anbeten kann; denn Du bist nicht nur Christus, ein Sohn Gottes, sondern Du bist Gott Selbst, im Fleische verhüllt, bei uns!“

46,7. Sage Ich: „Freund, laß all das gut sein! Ich habe euch ja gezeigt, wie ihr beten sollet; bete also im stillen, und es genügt! Tue heute nicht zu viel und morgen darob leicht zu wenig! Ein rechtes Maß in allem ist stets zu beachten! So du zum Rocke noch den Mantel hinzutust, so genügt das, dir den Armen zum vollen Freunde für immer zu machen; wo du ihm aber, da er nur einen Rock von dir verlangte, deinen ganzen Kleidervorrat hinzutätest, da wird er verlegen werden und wird bei sich meinen, du wollest ihn dadurch entweder beschämen, oder du seiest selbst von Sinnen. Und sieh, da geschähe damit dann nicht Gutes!

46,8. Aber so dich jemand um einen Silberling bittet, du aber gibst ihm dann zwei, auch drei, so wirst du des Borgers Herz freudig machen und dein eigenes selig; so du aber dem, der zu dir kam, sich einen Silberling zu erborgen, gleich tausend gäbest, da wird er erschrecken und meinen bei sich: ,Was soll das bedeuten? Ich bat ihn um einen Silberling nur und er will mir geben all seine Habe!? Hält er mich denn für einen Nimmersatt, will er mich beschämen, oder ist er gar ein Narr geworden?‘ Und sieh, solch ein Mensch wird dadurch kein Gewinn für dein Herz und solch dein Gebahren auch ebensowenig ein Gewinn für sein Herz sein! Also nur ein rechtes volles Maß in allem, und es genügt vollauf!“

46,9. Mit dieser Belehrung ist der Oberpriester auch vollauf zufrieden und sagt zu sich selbst: „Ja, ja, Er hat recht in allen Dingen! Gerade also tun, wie Er es gesagt hat, ist vollauf recht; was darunter oder darüber ist, ist entweder schlecht oder dumm. Denn so ich heute alles hergäbe und morgen ein vielleicht noch Dürftigerer käme vor meine Türe, was möchte ich dann diesem geben? Wie hart und schwer wäre es mir dann ums Herz; denn ich könnte ja also dem noch Ärmeren keine Hilfe mehr leisten.

46,10. Der Herr hat vollauf recht in allen Dingen und weiß überall das beste Maß anzuordnen; Ihm allein daher alle Ehre, aller Preis und Ruhm und die vollste Anbetung aus allen Herzen!“

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