GEJ01-111

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Hauptseite Das Grosse Evangelium des Johannes Band 1 GEJ01-111 Kapitel

111. Kapitel - Der Herr heilt auf dem Weg zu des Jairus Haus ein blutflüssiges griechisches Weib

111,1. Als aber Petrus vernahm, daß Ich aufs Meer wolle, so fragte er Mich, ob er vorausgehen solle und bereiten das große Schiff. Ich aber sagte zu ihm: Sorge dich nicht darum! So wir hinkommen werden, da wird für uns auch schon alles bereitet sein!“

111,2. Es fragte aber auch die Maria, ob sie für den Mittag oder für den Abend etwas richten solle. Und Ich sage zu ihr: „Weder für den Mittag noch für den Abend; denn wir werden erst spät in der Nacht wiederkommen!“

111,3. Darauf sage Ich zu den Jüngern, daß sie sich, so sie Lust haben mitzugehen, auf den Weg machen sollen. Und alles erhebt sich schnell und begibt sich mit Mir an das Meer, das, wie bekannt, nicht ferne von Nazareth seinen Anfang nahm.

111,4. Als wir an das Meer kamen, so war dort eine Menge Volkes versammelt; auch waren mehrere Schiffe da, und das des Petrus fehlte nicht. Wir bestiegen sogleich das Schiff des Petrus und stießen vom Ufer in die See.

111,5. Da aber das Volk sah, daß Ich Mich auf die See begab, so bestieg es eine Menge Boote und ruderte Mir nach.

111,6. Es trug aber ein Boot auch den einen der drei Pharisäer, der ein Schuloberster (Jairus) war, und der in der Nähe von Kapernaum einen schönen Landsitz hatte und an diesem Tage bei Mir im Hause zu Nazareth war. Als er mit seinem Boote Mein Schiff erreicht hatte, da fiel er alsbald auf seine Knie in seinem Boote und bat Mich, sagend: „Herr! Meine Tochter liegt in den letzten Zügen! Wenn du doch dahin kommen wolltest und möchtest ihr deine Hände auflegen, auf daß sie wieder gesund werde!“ Wir waren noch nicht sehr ferne vom Ufer, und Ich hieß Petrus, daß er zurücksteuern ließe.

111,7. Als wir wieder das Uferland betraten, da war eine solche Volksmenge daselbst, daß wir kaum weiterzukommen vermochten, und hatten bei drei Stunden zu tun, um das Haus des Jairus zu erreichen, das sonst doch ein mittelmäßig guter Fußgeher in einer Stunde leicht erreicht haben würde.

111,8. Als wir uns, vom Jairus geleitet, in dem starken Gedränge gewisserart mehr fortschoben als vorwärts gingen, da schob sich bei dieser Gelegenheit auch ein Weib, das zwölf Jahre am Blutgange litt und schon nahe all ihr Vermögen den Ärzten übermacht hatte, damit sie nur gesund würde, von rückwärts zu Mir hin und rührte Mein Gewand an im Glauben, daß sie dadurch gesund werde; denn das Weib hatte viel von Mir gehört.

111,9. Da sie aber eine Griechin und keine Jüdin war, so getraute sie sich nicht offenbar zu Mir zu kommen, weil in der Zeit eine starke Spannung zwischen den Juden und Griechen war wegen des Handels und wegen des Vorranges in Rom ein Streit, indem da ein jedes Volk den Vorrang haben wollte.

111,10. Die Griechen standen als ein sehr kultiviertes Heldenvolk bei den Römern in einem bei weitem größeren Ansehen und genossen auch viel größere Vorteile von Rom aus als die Juden, die in Rom sehr schlecht angeschrieben waren. Die Griechen waren auch gewissermaßen die geheime Polizei über die Juden und wurden darum von den Juden noch schlechter gelitten.

111,11. Daher kam denn auch die Furcht, besonders der griechischen Weiber vor den Juden, weil unter den Griechen von seiten der pfiffigen Juden die Sage sehr verbreitet war, daß die mit aller Zauberei vertrauten Juden die Griechinnen unfruchtbar machen würden, so eine Griechin von einem Juden nur recht starr und fest ins Auge gefaßt werden würde. Und das war denn auch hier der Grund, warum dies Weib sich von rückwärts an Mich hingedrängt hatte.

111,12. Als sie Mich aber angerührt hatte, da merkte sie, daß es mit ihr völlig besser ward. Der Brunnen ihres Blutes ward sogleich zugestopft, und ihres Gemütes bemächtigte sich in Hinsicht auf ihr Übel eine große Ruhe, und sie nahm in ihrem ganzen Wesen wahr, daß es mit ihr völlig besser ward.

111,13. Ich sah mich aber alsbald um und fragte die Mir zunächst stehenden Jünger: „Wer hat Mich angerührt?“

111,14. Die Jünger aber wurden nahe ärgerlich über diese Frage und sagten: „Du siehst es doch, wie Dich das Volk drängt, und magst fragen, wer Dich angerührt habe?!“

111,15. Ich aber sagte zu den Jüngern: „Nicht also ist es! Denn der Mich hier anrührte, hatte einen Glauben und eine Absicht, darum er Mich anrührte; denn Ich habe es wohl gemerkt, daß von Mir eine Kraft ausgegangen ist.“

111,16. Da erschrak das Weib, das Ich während der Frage fest ins Auge faßte, indem Ich es bei Mir wohl wußte, daß eben dieses Weib Mein Gewand angerührt hatte, und warum sie das tat! Sie fiel vor Mir nieder, gestand Mir alles frei und offen und bat Mich um Vergebung; denn ihre Furcht war so groß, daß sie am ganzen Leibe zitterte und bebte, was leicht zu begreifen ist, so man die früher kurz angeführten Gründe in eine rechte Erwägung zieht.

111,17. Ich aber sah sie mild an und sagte zu ihr: „Stehe auf, Meine Tochter, dein Glaube hat dir geholfen! Ziehe nun hin mit Frieden in deine Heimat, und sei gesund und frei von deiner Plage!“

111,18. Und das Weib erhob sich nun ganz froh und heiter und zog in ihre Heimat, bis wohin sie eine halbe Tagereise hatte; denn sie war die Tochter eines Pächters hinter Zebulon und war ledig. Sie verging sich einmal in ihrem dreizehnten Jahre mit einem sinnlichen Manne, der ihr darum zwei Pfunde Gold gab; dafür aber mußte sie hernach zwölf Jahre leiden und verbrauchen die vollen zwei Pfunde Gold, was in jener Zeit mehr ausmachte, als in dieser Zeit 30000 fl. (Gulden) im Papiergelde; denn um einen Silbergroschen bekam man zu jener Zeit mehr als in dieser um volle zehn Gulden in klingender Münze. Sie war sonach durch solch eine Beschenkung sehr reich geworden, mußte aber dennoch zuvor allen ihren Reichtum hergeben, bis sie gesund werden konnte.

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