3TAGE-12

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Hauptseite Die 3 Tage im Tempel zu Jerusalem 3TAGE-12 Kapitel


Kapitel 12 - Der Zusammentritt des Prüfungskollegiums im Sprechsaale am zweiten Tage. Der missglückte Versuch der Templer, die Sitzung aufzuheben.

1. Auf diese Nachricht eilte das ganze Kollegium in den Sprechsaal und wurde dort von den Anwesenden nach der Sitte geziemend begrüsst, etwas, was die Pharisäer gar sehr liebten, und weshalb sich einige gleich aufhielten, weil der Knabe nichts dergleichen tat, was nur von fernhin einem Grusse ähnlich sah.

2. Es trat darum ein Alter zu Mir hin und fragte mehr bescheiden, warum Ich als der etwas trotzig aussehende Knabe niemanden gegrüsst habe.

3. Ich aber sagte ihm kurz: »Das schickt sich wohl von euch und euresgleichen untereinander, aber was hat damit ein zwölfjähriger Knabe zu tun?! Übrigens hat ja von euch auch Mich niemand gegrüsst, warum sollte Ich denn nun wieder etwas zurückgeben, das Ich zuvor von euch noch nie erhalten habe?!

4. Und zudem besteht bei uns in Galiläa diese Sitte nicht, und für Mich schon gar nicht! Denn ihr lasset euch allezeit über alle Gebühr ehren und grüssen, dieweil euch die Welt zu Herren gemacht hat. Ich aber bin in Meiner Art auch ein ganz besonderer Herr, warum habt denn ihr Mich nicht auch zuvorkommend gegrüsst?!

5. O glaubet es Mir, Ich als Knabe weiss sehr genau, wen Ich zu grüssen habe, aber euch bin Ich durchaus keinen Gruss schuldig! Den näheren Grund kann euch Mein Römer kundgeben, so ihr ihn durchaus wissen wollet. Es ist aber heute ja ein Nachsabbat, an dem, so wie am Sabbate selbst, nach eurer Satzung alles Grüssen und Ehren streng untersagt ist, weil auch dieses den Sabbat entheilige und den Menschen auf den ganzen Tag verunreinige. Warum verlanget demnach ihr von Mir etwas, was euren Satzungen zuwiderläuft?«

6. Hier schwiegen die Templer, sahen einander gross an, und der junge Levite sagte: »Meine hohen Gebieter, es ist mit diesem sonst allerholdesten Knaben ganz und gar nicht mehr zum Aushalten! Das schönste bei der Sache ist nur, dass er um alles weiss und somit auch unwiderruflich recht hat!«

7. Sagte der Oberpriester zum römischen Kommissarius: «Hoher Richter nach Recht und Gebühr! Dieser Knabe wies uns an dich wegen noch eines Grundes, weshalb er uns nicht gegrüsst hat. Möchte es dir genehm sein, uns denselben kundzutun?!«

8. Sagte der Richter: »O warum nicht? Recht gerne auch noch obendrauf! Ob es euch aber eben eine besondere Freude machen wird, das weiss ich kaum.«

9. Sagten alle: »Nur heraus damit, denn heute sind wir gut gelaunt und vertragen gar manches, was wir sonst kaum ertragen würden!«

10. Sagte der Richter: »Also wohl denn, und so höret! Dieser Knabe selbst ist eben jener Wunderknabe aus Nazareth, den er gestern nur zu vertreten schien! - Wie gefällt euch diese Geschichte? Wer ihm ein Haar krümmen würde, hätte meinen höchsten Zorn zu gewärtigen!«

11. Als das Kollegium solches hörte, fuhr es sehr erschreckt und bebend zusammen!

12. Erst nach einer Weile sagte der Oberpriester: »Warum hast du uns denn das nicht schon gestern gesagt? Hätten wir das schon gestern gewusst, so hätten wir sicher ganz anders mit dir geredet und hätten dir auch ganz andere Antworten gegeben, die dir offenbar besser gefallen hätten als die gestrigen!«

13. Sagte Ich: »Oh, das weiss Ich recht gut. Aber da es Mir nicht ums Heucheln, sondern um die Wahrheit zu tun ist, so tat Ich eben also, wie Ich es getan habe! Und wäre Ich heute noch der, der Ich gestern war, so hätte Ich von euch wieder kein wahres Wort erfahren, da ihr in der Nacht euch aus Furcht vor dem römischen Richter gar fein beraten habt, wie ihr Mir wegen des bereits in dieser Welt seienden Messias gar alles wolltet gelten lassen, um Mich zu besänftigen und durch Mich etwa auch den Richter wegen des Zacharias Geschichte.

14. Da Ich aber nun nicht der Verteidiger des Wunderknaben, sondern der Wunderknabe selbst bin, so hat solch plötzliche, unvorhergesehene Wendung der Sache eure Sinne verwirrt und euern schlechten Plan vereitelt, und ihr steht nun da voll Furcht und Angst, und wisset nicht aus und nicht ein. - Redet nun, wie euch diese Geschichte behagt!«

15. Alle stutzten, und der Oberpriester sagte mit scheinbar freundlicher Miene: «Nun, du lieber Wunderknabe, da du so schon um alles zu wissen scheinst, da möchte ich von dir nun auch noch erfahren, wer von uns eigentlich solchen Rat ausgedacht hat!«

16. Sagte Ich: »Eben derjenige, dem Ich selbst den Rat also eingeflüstert! Er ist unter euch der Jüngste und ist auch aus Galiläa geboren: sein Name ist Barnabe!«

17. Diese Antwort war wieder ein Blitzstrahl unter die Pharisäer, und es fing sie an eine grosse Furcht anzuwandeln; denn vieler Gewissen war sehr unrein, und sie fürchteten manche Entdeckung ihrer geheimen Laster vor den Ohren des strengen Römers.

18. Der Oberpriester raunte einem Pharisäer still ins Ohr: »Geben wir dem Simon das Geld zurück, und die Konferenz mit dem Jehova-steh-uns-bei-Knaben, der uns noch die unerträglichsten Verlegenheiten bereiten wird, ist aus! Oder wir fragen ihn um nichts mehr! So er uns fragt, wollen wir ihm schon eine Antwort geben, aus der kein Satan klug werden soll! Nein, der Bube soll uns noch lange nicht über den Kopf gewachsen sein! Schau du einmal diese saubere Kundschaft an! Gestern war er ein anderer - und heute wieder ein anderer!«

19. Hier zog ein gar schlau sein wollender Pharisäer den Oberpriester auf die Seite und sagte: »Weisst du was?! Dem Wechselbalge von einem Wunderknaben sind wir ja gar keine Rede und Antwort mehr schuldig! Für den es bezahlt wurde, der ist der heutige nicht, für den heutigen aber hat niemand bezahlt, und mithin sind wir ihm auch keine Rede und Antwort mehr schuldig! - Was meinst du?«

20. Sagte der Oberpriester: »Freund, diesen Gedanken kann dir nur ein Gott eingegeben haben! Wenn die Not am höchsten, ist die Hilfe von oben am nächsten! Die Konferenz und Konzession (Erlaubnis zum Reden) werde somit als aufgehoben erklärt, weil der heutige Knabe ein anderer ist, als der gestrige war, für den eigentlich gezahlt worden ist!«

21. Mit dem trat schnell der Tempelherold hervor und sagte mit grossem tempelamtlichen Pathos: »In aller Ermächtigung von seiten der allerhöchsten Oberpriesterschaft des Tempels Jehovas erkläre ich auf Grund dessen, dass der heutige Knabe nicht mehr der gestrige ist, für den die grosse Taxe bezahlt worden ist, die weitere Sitzung als völlig aufgehoben, und man wird diesem ganz anderen Wunderknaben, für den keine Taxe bezahlt wurde, und auch niemand anderem Rede stehen!«

22. Hier erhob sich aber der Richter voll Ernst und sagte: »Die Sitzung bleibt, und ihr werdet reden! Der heutige Knabe ist ganz derselbe, für den die grosse Taxe bezahlt wurde, nur die moralisch-charakteristische Persönlichkeit ist, von euch unvermutet, eine andere geworden. Nach unseren Gesetzen ändert aber dieser kluge Umstand nichts an dem Rechte des Knaben, und somit lautet mein stets gültiger Richterspruch: Die Sitzung dauert heute und morgen unverändert fort, was da auch immer kommen möge! Fraget oder antwortet, das ist gleich! Dixi!«


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